The Post (2017)

Steven Spielberg verfilmt The Post. Das auf wahren Ereignissen beruhende Drehbuch von Liz Hannah handelt von The Washington Post-Redakteur Ben Bradlee und Herausgeberin Kay Graham, die sich 1971 einen Kampf mit den Bundesbehörden lieferten, um die „Pentagon Papers“ veröffentlichen zu dürfen. Tom Hanks und Meryl Streep spielen die Hauptrollen.

Drehbeginn ist bereits im Mai 2017. Die eigentlich in diesem Zeitraum vorgesehenen Dreharbeiten für The Kidnapping of Edgardo Mortara werden auf unbestimmte Zeit verschoben.

Spielbergs Entscheidung, den Film The Post vorzuziehen, wird von den Angriffen der Trump-Administration gegen die Meinungs- und Pressefreiheit beeinflusst. Gleichzeitig erfüllt sich damit sein lange gehegter Wunsch, einen Film mit Meryl Streep zu drehen (sie hatte in A.I. – Artificial Intelligence nur eine Sprechrolle als Die Blaue Fee).

über Steven Spielberg, Tom Hanks and Meryl Streep Team Up for Pentagon Papers Movie — Variety

Bridge of Spies (2015)

Steven Spielbergs historisch-biografischer Thriller Bridge of Spies beruht auf einem Drehbuch von Matt Charman und Ethan & Joel Coen. In den Hauptrollen spielen Tom Hanks, Mark Rylance, Amy Ryan und Alan Alda. Zum vierten Mal spielt Tom Hanks in einem Steven Spielberg-Film die Hauptrolle (es ist ihre erste Zusammenarbeit seit mehr als zehn Jahren).

Und Spielberg kann endlich einen Spionagethriller drehen…

“I’ve always wanted to make a spy movie. This is not James Bond. Only James Bond can be James Bond. I’ve always been fascinated with the entertainment value of the James Bond spy series of movies, as well as the serious John le Carre spy novels, especially the Martin Ritt movie „The Spy Who Came in From the Cold“. Also spy pictures like „The Quiller Memorandum“ and „The Ipcress File“, and „Torn Curtain“ by Hitchcock in the ‘60s.”

Fotos: © 2015 Twentieth Century Fox

Zu den Nebendarstellern des Films zählen Austin Stowell, Domenick Lombardozzi, Michael Gaton, Sebastian Koch und Burghart Klaußner. Die Story basiert auf James B. Donovans Buch „Strangers on a Bridge: The Case of Colonel Abel and Francis Gary Powers“ (1964) und Gilles Whittells Buch „Bridge of Spies: A True Story of the Cold War“ (2010).

Der Film erzählt die Geschichte des New Yorker Anwalts James B. Donovan (Tom Hanks): Er erhält den Auftrag, die Freilassung des Piloten Francis Gary Powers zu erwirken, dessen U-2-Spionageflugzeug über dem Territorium der Sowjetunion abgeschossen wurde. Donovan bekommt bald die Auswirkungen des Kalten Kriegs zu spüren, aber er ist entschlossen, seinen Auftrag zu erfüllen, denn: „Der nächste Fehler, den unsere Länder machen, könnte der letzte sein.“

Im offiziellen Begleitvideo für den Film spricht Spielberg über den U-2-Zwischenfall und welche Bedeutung er für ihn persönlich hat. Sein Vater Arnold war 1960 als Elektroingenieur zu Gast in der Sowjetunion, als es zum Vorfall mit dem U-2-Spionageflugzeug kam.

“The Russians were putting the pilot Gary Powers’ helmet and his flight suit and the remains of the U-2 plane on show for everyone in Russia to see. A military man saw my father’s American passport and took him to the head of the queue and repeated really angrily to the crowd, ‘look what your country is doing to us.’ I never forgot that story, and because of that I never forgot what happened to Francis Gary Powers.”

Eine faszinierende Gegenüberstellung der historischen Fakten und der filmischen Umsetzung (nicht nur zum Thema Bridge of Spies) bietet diese Website.

Als Matt Charman sein Drehbuch bei DreamWorks einreicht, trifft Steven Spielberg schnell den Entschluss, die Regie für das Filmprojekt zu übernehmen und lässt Joel & Ethan Coen das Originalskript überarbeiten. Am 3. März 2015 verkündet Co-Produzent Marc Platt den Titel des Films: Bridge of Spies.

Die Dreharbeiten beginnen am 8. September 2014 in Brooklyn, New York, unter dem Arbeitstitel St. James Place und werden in den Bezirken DUMBO, Astoria und Manhattan fortgesetzt. Um dem Stil der 1950er Jahre gerecht zu werden, dreht Kameramann Janusz Kamiński auf 35-mm-Film mit anamorphen Linsen in einem Seitenverhältnis von 2,35:1.

Der zweite Teil der Dreharbeiten erfolgt bis Ende November in den Babelsberg Studios in Potsdam. In Berlin dreht Spielberg u.a. am ehemaligen Flughafen Tempelhof, wo sich einige der wahren Ereignisse tatsächlich abspielten, z.B. als Donovan aus einer historischen C-54 Skymaster steigt.

In einer Schlüsselszene des Films wird der Gefangenenaustausch auf der Glienicker Brücke gezeigt (auch bekannt als die „Brücke der Spione“), wo 1962 die historischen Ereignisse stattfanden. Nicht weit entfernt von der Brücke versammelten sich 20 Jahre zuvor die nationalsozialistischen „Architekten“ des Holocaust zur Wannsee-Konferenz, um die Vernichtung der Juden zu organisieren. Während der Dreharbeiten gegen Ende November lässt dies Spielberg besonders frösteln.

Set-Fotos: © 2015 Steven Spielberg Chroniken

Für den Dreh wird die Glienicker Brücke ein Wochenende lang komplett gesperrt. Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht das Set und nimmt sich Zeit, den Prozess des Filmemachens zu beobachten.

Um Sequenzen zu filmen, in denen die Berliner Mauer zu sehen ist, reist das Produktionsteam nach Wroclaw, Polen, wo Teile der Berliner Mauer und Umgebung unter der Leitung von Produktionsdesigner Adam Stockhausen originalgetreu rekonstruiert werden. Stockhausen erhielt einen Oscar für seine Arbeit an Wes Andersons The Grand Budapest Hotel (2014). Kostüm-Designerin Kasia Walicka Maimone, die bereits beim Film Moonrise Kingdom (2012) mit Wes Anderson and Adam Stockhausen zusammengearbeitet hat, kleidet Haupt- und Nebendarsteller sowie eine Unzahl von Statisten passend zur Mode des Kalten Kriegs ein.

Kameramann Janusz Kamiński kann endlich wieder in seinem Heimatland drehen – nach seiner ersten Zusammenarbeit mit Spielberg, Schindler’s List (1993). Drehschluss ist auf der Beale Air Force Base, nahe Marysville, Kalifornien. Francis Gary Powers, Jr., Gründer des The Cold War Museum und Sohn des Piloten, wird als technischer Berater hinzugezogen und hat einen Cameo-Auftritt.

Die Filmmusik wird von Thomas Newman komponiert. Es ist das erste Mal seit The Color Purple (1985), dass John Williams nicht die Musik für einen Steven Spielberg-Film schreibt. Williams steht aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Verfügung, und da er mit der Musik für J.J. Abrams‘ Star Wars – The Force Awakens (2015) beschäftigt ist.

Das erste Plakat für Bridge of Spies wird am 4. Juni 2015 veröffentlicht, und am darauffolgenden Tag der erste Online-Trailer. In europäischen Fassungen des Filmplakats wird die US-Flagge durch eine abstrakte Darstellung der Glienicker Brücke im Stil der 60er Jahre ersetzt (eine visuelle Anspielung auf den berühmten Grafik- und Filmtiteldesigner Saul Bass).

Bridge of Spies wird produziert von Steven Spielberg, Marc Platt und Kristie Macosko Krieger. In Nordamerika übernimmt Touchstone Pictures den Verleih, in allen anderen Ländern 20th Century Fox.

Der Film feiert seine Weltpremiere am 4. Oktober 2015 im Rahmen des 53th New York Film Festival – in Anwesenheit von Tom Hanks, Steven Spielberg, Amy Ryan, Mark Rylance und Sebastian Koch. Als der Vorhang fällt, reißt es das Publikum von den Stühlen, und es kommt zu einer Standing Ovation. Filmkritik und Publikum reagieren einhellig positiv.

Die Internationale Premiere von Bridge of Spies findet am 13. November in Berlin statt – in Anwesenheit von Steven Spielberg, Kate Capshaw sowie der Darsteller Tom Hanks, Amy Ryan, Sebastian Koch und Burghart Klaußner.

Zu den Besuchern der bejubelten Premiere gehören u.a. John B. Emerson (Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika), Prof. Monika Grütters (Staatsministerin für Kultur und Medien), Dr. Gideon Joffe (Vorstandsvorsitzende Jüdische Gemeinde Berlin), Sergej M. Maguta (1. Botschaftssekretär und Kulturattaché der Russischen Föderation) sowie die Regisseure Volker Schlöndorff, Tom Tykwer und Lana Wachowski und die Schauspieler Nina Hoss und David Kross.

Im Anschluss an die Premiere in Berlin will Steven Spielberg nach Paris reisen, um an der französischen Uraufführung seines Films teilzunehmen. Doch die Terroranschläge in Paris setzen diesen Plänen ein Ende: Die 20th Century Fox sagt die für den 15. November geplante Veranstaltung ab.

Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) verleiht Bridge of Spies das Prädikat „besonders wertvoll“. Aus der Begründung:

„Der neue Film von Steven Spielberg ist ein packender und ergreifender Spionage-Thriller, dessen Geschichte eintaucht in die Auseinandersetzungen des Kalten Krieges Ende der 1950er Jahre. Geheimdienste, Agenten, Verschwörungen, politisches Kalkül und Taktieren – das sind die Zutaten, die man aus dem Genre kennt.

Doch Spielberg und seine Autoren Matt Charman und Joel und Ethan Coen schaffen es, die Individuen hinter den globalen Prozessen sichtbar zu machen. Tom Hanks als James Donovan steht für all die kleinen Rädchen im großen Getriebe der Macht. Menschen, die nicht nur einen Job erledigen, sondern das Richtige tun wollen. Hanks ist als Donovan eine moralische Figureninstanz und grundsympathisch. Der Zuschauer folgt und fiebert mit ihm mit. Doch auch die Figur des russischen Agenten Abel – glaubhaft und charismatisch verkörpert von Mark Rylance – ist positiv gezeichnet.

Spielberg verzichtet auf eine stereotype Sicht auf Dinge und Positionen, unterstreicht aber die Tragweite der wichtigen Handlungsmomente durch große Gesten deutlich. Dazu passen auch der epische Score von Thomas Newman und die atmosphärisch aufgeladenen Bilder des Kameramanns Janusz Kaminski. Bis zum letzten dramaturgischen Höhepunkt, dem Austausch der Agenten auf der Glienicker Brücke, hält BRIDGE OF SPIES – DER UNTERHÄNDLER seine Spannung.

Ein spannender, mitreißender und klug erzählter Agententhriller, der bis zur letzten Minute fesselt.“

Variety-Korrespondent Kristopher Tapley lobt Spielbergs große Handwerkskunst, die starke darstellerische Leistung von Tom Hanks und Mark Rylance sowie die Handlung des Films, die er wie folgt beschreibt: “thematically potent, dealing in notions of idealism particularly meaningful in the face of today’s perceived Constitutional slippery slopes.”

Bridge of Spies spielt weltweit mehr als 162 Millionen Dollar ein (bei einem moderaten Budget von 40 Millionen Dollar).

Bei den Nominierungen für die Golden Globe Awards wird Bridge of Spies weitgehend ignoriert. Der Film erhält lediglich eine Nominierung für den Besten Nebendarsteller, Mark Rylance.

Hintergrundinformationen, Fotos und Videos zur Entstehung des Films sind in den englischsprachigen Steven Spielberg Chronicles enthalten. Hier geht’s zum Bridge of Spies Special.

Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von Bridge of Spies

2013

Gravity – ein faszinierender und bahnbrechender 3D-Weltraum-Thriller – zeigt Sandra Bullock und George Clooney als Astronauten, die nach der Zerstörung ihrer Raumfähre in der Erdumlaufbahn gestrandet sind und versuchen, zur Erde zurückzukehren. Die Stimme aus dem Off („Mission Control“) wird von Ed Harris gesprochen.

Alfonso Cuarón (Regie, Produktion und Mitwirkung am Drehbuch) bezeichnet seinen Film als ein „drama of a woman in space“.

Cuarón schreibt das Drehbuch mit seinem Sohn Jonás und versucht, den Film bei Universal Pictures unterzubringen, wo der Film mehrere Jahre in „Development Hell“ gerät, während Cuarón auf eine geeignete Technologie hofft, die ihm die Verwirklichung seiner Vision ermöglicht. Regie-Kollege David Fincher rät ihm, noch fünf Jahre zu warten. Cuarón erinnert sich: “We were stubborn, (and) said we’re going to make it work (…) But you know what? David was right. It took us 4½ years.”

Schließlich wird sein Drehbuch von Warner Bros. erworben. Zeiweise sind Angelina Jolie und Robert Downey Jr. im Gespräch für die Hauptrollen, müssen jedoch aufgrund von Terminüberschneidungen aussteigen. Weitere Schauspielerinnen werden für die weibliche Hauptrolle in Betracht gezogen, darunter: Salma Hayek, Rachel Weisz, Naomi Watts, Marion Cotillard, Abbie Cornish, Carey Mulligan, Sienna Miller, Scarlett Johansson, Blake Lively, Rebecca Hall, und Olivia Wilde. Bevor George Clooney für die männliche Hauptrolle besetzt wird, sind die folgenden Darsteller im Gespräch: Daniel Craig, Tom Cruise, Tom Hanks, Harrison Ford, John Travolta, Bruce Willis, Russell Crowe, Kevin Costner und Denzel Washington.

Gravity entsteht vollständig in Großbritannien, wo die Firma Framestore mehr als drei Jahre damit verbringt, den Großteil der visuellen Effekte für den Film zu erschaffen, die 80 Minuten von Gravity’s 91 Minuten Lauflänge umfassen. Lange Einstellungen in schwereloser Umgebung zu erstellen, erweist sich als eine große Herausforderung. CGI wird für die Weltraumspaziergangs-Szenen verwendet. Robotik wird eingesetzt, um die Hauptdarstellerin im Inneren der Raumstation zu bewegen (die Aufnahmen müssen für die Programmierung der Roboter im Voraus geplant werden).

Sandra Bullock liefert eine packende Performance, die ihr Nominierungen für den Academy Award sowie für die Screen Actors Guild Awards und Golden Globe Awards einbringt. Die meisten Aufnahmen verbringt sie in einer riesigen, mechanischen Aufhängekonstruktion. Der Einstieg nimmt viel Zeit in Anspruch, so dass Bullock bis zu 10 Stunden am Tag in der Konstruktion bleibt, während sie mit der Crew über Headset  kommuniziert.

Gravity wird digital auf mehreren Arri Alexa Classics-Kameras gedreht, die mit Weitwinkel-Objektiven des Typs Arri Master Prime ausgestattet sind. Um die Reflexion von ungefiltertem Licht im Weltraum realisitisch abzubilden, konzipiert das Team eine neue Aufnahmetechnik. Kameramann Emmanuel Lubezki und Visual Effects Supervisor Tim Webber treffen die Entscheidung “to shoot (the actors’) faces and create everything else digitally.” Lubezki leuchtet die Darstellergesichter so aus, dass sie der komplett digital erzeugten Umgebung entsprechen. Die Ausleuchtung muss die Reflektion der Erde, das Licht der Sonne und die anderen Sterne im Hintergrund berücksichtigen. Hierfür lässt Lubezki einen LED-Bildschirm in eine Box integrieren, in deren Inneren sich die Schauspieler befinden, und setzt sie mit dem Licht des Bildschirms in Szene. Auf diese Weise kann sich das auf den LED-Screen projizierte Bild bewegen, während die Schauspieler an Ort und Stelle bleiben. Die Ausleuchtungs-Box ist ein knapp 3×3 Meter großer Würfel (groß genug für einen Schauspieler), ausgestattet mit 1,8 Millionen individuell regelbaren LED-Leuchten.

Für seine Inszenierung bevorzugt Cuarón Long Takes (Plansequenzen), um das Publikum in die Handlung zu ziehen, und kontrastiert diese mit klaustrophobischen Nahaufnahmen in Raumanzügen und Kapseln. Wegen der vielen Long Takes muss  Sandra Bullock ausgedehnte Abfolgen präziser Bewegungen einstudieren, um die vorgesehenen Markierungen in verschiedenen Phasen der Sequenz zu treffen. In den Szene im Orbit besteht die spartanische Tonspur aus Geräuschen, die Astronauten in ihren Anzügen oder in Raumfahrzeugen hören (zeitweise ergänzt durch Filmmusik).

Cuarón zufolge ist sein Film von John Sturges Marooned (1969) und Steven Spielbergs Duel (1971) inspiriert.

Gravity ist der Eröffnungsfilm bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig. Als der Film in die Kinos kommt, sind Kritik und Publikum einhellig begeistert.

Der Film ist ein großer finanzieller Erfolg und nimmt weltweit mehr als 723 Millionen Dollar ein (bei einem Budget von 100 Millionen Dollar). Bullocks Hauptrolle erweist sich als die lukrativste ihrer Karriere. Sie verdient mindestens 70 Millionen Dollar, da sie mit 15 Prozent an den Einnahmen beteiligt ist, zusätzlich zu ihrer Festgage von 20 Millionen Dollar.

Bei den Academy Awards erhält Gravity zehn Nominierungen und gewinnt in sieben Kategorien – darunter Beste Regie, Beste Kamera, Beste Filmmusik und Besten Visuelle Effekte.

Justin Chang schreibt in seiner Rezension für Variety: “(The film) restores a sense of wonder, terror and possibility to the big screen that should inspire awe among critics and audiences worldwide”.

Regie-Kollegen Steven Spielberg und Quentin Tarantino loben den Film, und James Cameron, ein Freund von Cuarón, sagt über Gravity: “I was stunned, absolutely floored. I think it’s the best space photography ever done, I think it’s the best space film ever done, and it’s the movie I’ve been hungry to see for an awful long time.”

2012

Cloud Atlas, eine Literaturadaption epischen Ausmaßes und zugleich eine schwindelerregende Filmcollage (Drehbuch und Regie: Lana & Andy Wachowski / Tom Tykwer) beruht auf David Mitchells gleichnamigem Roman, der weithin als unverfilmbar galt.

Die vielfältigen Handlungsstränge des Films sind in sechs verschiedenen Epochen angesiedelt und zeigen die Auswirkungen des Handeln von Individuen auf das Leben anderer – in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Anders als die Pyramidenstruktur des Romans sind die Ebenen der Filmhandlung durch geschickte Montage miteinander verflochten.

Zum ausgezeichneten Darsteller-Ensemble gehören Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Hugo Weaving, Jim Sturgess, Doona Bae, Ben Whishaw, Keith David, James D’Arcy, Zhou Xun, David Gyasi, Susan Sarandon und Hugh Grant – alle spielen mehrere verschiedene Rollen im Verlauf der Filmhandlung. David Mitchell sieht man in einem Cameo-Auftritt als Doppelagent im futuristischen Korea.

Lana Wachowski bemerkt am Set von V for Vendetta (2006), wie der Star des Films, Natalie Portman, fieberhaft David Mitchells Roman liest. Sie steckt Lana Wachowski mit ihrer Begeisterung für den Stoff an, und so versuchen die Wachowskis, den Roman für eine Filmfassung zu adaptieren. Tom Tykwer, den die beiden liebevoll als ihren „long-lost brother“ bezeichnen, unterstützt sie bei dieser Mammutarbeit. Als sich David Mitchell mit dem Trio trifft und liest, was sie aus seinem Roman gemacht haben, ist er vom Skript begeistert.

Cloud Atlas wird von Grant Hill, Stefan Arndt, den Wachowskis und Tom Tykwer produziert. Während vier Jahren der Entwicklung stößt das Projekt wiederholt auf Schwierigkeiten bei der Finanzierung und wird mehrmals beinahe aufgegeben. Tom Hanks‘ Enthusiasmus für das Projekt ist elementar für die Fortsetzung der Arbeit. Cloud Atlas wird schließlich mit einem 102 Millionen Dollar-Budget aus unabhängigen Quellen produziert und ist damit einer der teuersten Independent-Filme aller Zeiten. Ein Großteil des Films wird in den Babelsberg-Studios in Potsdam-Babelsberg gedreht. Weitere Locations sind Edinburgh und Glasgow sowie die Mittelmeerinsel Mallorca, Spanien.

Tykwer und die Wachowskis drehen die Handlungssegmente parallel mit separaten Kamerateams. Die Wachowskis verfilmen die Geschichten aus dem 19. Jahrhundert und die beiden Episoden in der Zukunft, während Tykwer die Stories in den 1930er und 1970er Jahren sowie im Jahr 2012 dreht.

Cloud Atlas enthält etwa zwei Stunden Filmmusik, komponiert von Tom Tykwer und seinen langjährigen Mitarbeitern, Reinhold Heil und Johnny Klimek. Der Soundtrack erhält großen Beifall von der Kritik. Jon Broxton von Movie Music UK schreibt: “Scores like Cloud Atlas, which have an important and identifiable structure that relates directly to concepts in the film, intelligent and sophisticated application of thematic elements, and no small amount of beauty, harmony and excitement in the music itself, reaffirm your faith in what film music can be when it’s done right.”

Der Film feiert seine Premiere am 8. September 2012 auf dem 37. Toronto International Film Festival, gefolgt von der internationalen Release. Cloud Atlas hat an den Kinokassen in den USA keinen Erfolg, nimmt aber schließlich weltweit etwa 130,5 Millionen Dollar ein (bei einem Budget von 102 Millionen Dollar).

Cloud Atlas polarisiert die Kritiker, die seine Länge und die miteinander verwobenen Geschichten debattieren, aber sie loben Aspekte wie die Kameraführung, die Filmmusik, den visuellen Stil, das Schauspieler-Ensemble und die Originalität.

Roger Ebert nennt den Film “one of the most ambitious films ever made” und gibt ihm de Höchstwertung von vier Sternen. “Even as I was watching Cloud Atlas the first time, I knew I would need to see it again. Now that I’ve seen it the second time, I know I’d like to see it a third time (…) I think you will want to see this daring and visionary film (…) I was never, ever bored by Cloud Atlas. On my second viewing, I gave up any attempt to work out the logical connections between the segments, stories and characters.”

Cloud Atlas wird für einen Golden Globe Award für die Beste Filmmusik nominiert und erhält fünf Nominierungen bei den Saturn Awards, darunter als Best Science Fiction Film – und erhält Auszeichnungen für den besten Schnitt und das beste Make-up.

2010

The Pacific, eine TV-Miniserie mit 10 Episoden wird von Steven Spielberg, Tom Hanks und Gary Goetzman in Zusammenarbeit mit HBO, Playtone, DreamWorks, Seven Network und Sky Movies produziert.

Gedacht als Ergänzung zur erfolgreichen Miniserie Band of Brothers (2001), konzentriert sie sich The Pacific auf die Kampfhandlungen der US Marine Corps im pazifischen Areal des Zweiten Weltkriegs und folgt drei Marines in verschiedenen Regimentern.

Das anfänglich auf 100 Millionen geschätzte Budget wächst schnell auf über 200 Millionen Dollar – damit ist The Pacific die bis dahin die teuerste TV-Miniserie aller Zeiten. Gedreht wird in Australien zwischen August 2007 und Mai 2008. Die Musikuntermalung wird von Hans Zimmer, Geoff Zanelli und Blake Neely komponiert.

Die Serie wird von der Kritik hoch gelobt; Time Magazine-Rezensent James Poniewozik zählt The Pacific zu den Top 10-TV-Serien von 2010. Bei den Golden Globe Awards wird The Pacific als Beste Miniserie nominiert.

2009

Steven Spielberg kündigt eine Biografie-Verfilmung über Abraham Lincoln an. Für die Hauptrolle ist Liam Neeson vorgesehen (Neeson steigt einige Zeit später aus und wird durch Daniel Day-Lewis ersetzt). Tony Kushner schreibt das Drehbuch.

Spielberg sagt über das parallel entstehende Projekt von Robert Redford, The Conspirator (2010), welches auf die Hintergründe von Lincolns Ermordung eingeht:

“It is completely different from what our DreamWorks Lincoln movie will be, and we believe that it will add to the commercial potential of our film. Lincoln as a subject is inexhaustible.”

Spielberg plant auch ein Remake von Henry Kosters Komödie Harvey (1950), in der James Stewart einen Mann darstellte, der ein 1,80 großes Kaninchen als seinen besten Freund bezeichnet. Will Smith, Robert Downey Jr und Tom Hanks werden als Darsteller für die James-Stewart-Rolle in Betracht gezogen, doch das Projekt wird Ende 2009 auf Eis gelegt.

2009

Barack Obama wird als US-Präsident vereidigt, nachdem er den republikanischen Kandidaten John McCain in der Präsidentschaftswahl 2008 besiegt hat. Obama ist der erste Afroamerikaner in diesem Amt.

Während der Amtseinführungszeremonie wird zwar keine offizielle Zählung der anwesenden Menschen durchgeführt, allerdings stimmen mehrere Quellen in der Einschätzung überein, dass es sich um das größte Publikum aller jemals in Washington DC durchgeführten Veranstaltungen handelt. Regierungsbehörden, die für die Koordination der Sicherheits- und Verkehrsmaßnahmen zuständig sind, schätzen die Teilnehmerzahl auf 1,8 Millionen Menschen.

Zu den prominenten Gästen zählen Dustin Hoffman, Samuel L. Jackson, Tom Hanks, Denzel Washington, Oprah Winfrey, Beyoncé Knowles und Steven Spielberg, der (neben anderen) den vom Amtseinführungs-Ausschuss als maximal zulässig festgelegten Betrag gespendet hat (50.000 Dollar).

Für die Zeremonie komponiert und arrangiert John Williams das Quartett Air and Simple Gifts (Videoclip). Bei Eiseskälte performen die berühmten Solisten Yo Yo Ma, Itzhak Perlman, Anthony McGill und Gabriela Montero – und zwar im Playback-Verfahren (u.a. weil sich die Instrumente verstimmen würden).

In seinen ersten Tagen im Amt unterzeichnet Obama präsidiale Verfügungen und Memoranden mit Anweisungen an das Militär, Pläne für den Rückzug der US-Truppen aus dem Irak zu entwickeln. Er befiehlt die Schließung des Gefangenenlager Guantanamo Bay (der Kongress stellt jedoch die erforderlichen Mittel nicht bereit und verhindert die Überführung jeglicher Guantanamo-Häftlingen in die USA oder andere Länder).

In seiner Rede an der Universität Kairo plädiert Obama für „A New Beginning“ in den Beziehungen zwischen der islamischen Welt und den USA und wirbt für Frieden im Nahen Osten.