2017

Der Regisseur Tobe Hooper stirbt mit 74 Jahren.

Sein Texas Chain Saw Massacre (1978) hat das Horrorfilm-Genre geprägt und verändert. Mit den späteren Filmen, darunter Lifeforce (1985), konnte er an diesen ganz großen Erfolg nicht mehr anknüpfen. Hoopers künstlerischer Einfluss auf den von Steven Spielberg produzierten Film Poltergeist (1982) ist unbestreitbar zu erkennen, doch in letzter Zeit mehrten sich Aussagen von Beteiligten, die meiste Zeit habe Spielberg Regie geführt…

Spielberg engagierte Hooper 2002 noch einmal als Regisseur für die erste Folge der TV-Miniserie Taken.

Mehr: Tobe Hooper, ‘Texas Chain Saw Massacre’ and ‘Poltergeist’ Director, Dies at 74 — Variety

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2002

Steven Spielberg Presents Taken ist inspiriert von Spielbergs 8mm-Amateurfilm Firelight (1964) und erzählt ebenfalls von Menschen, die von Aliens entführt werden. Die 10-teilige TV-Miniserie ist eines der ambitioniertesten Projekte des Kabelsenders Sci-Fi Network. Das Drehbuch wird von Leslie Bohem verfasst, Steven Spielberg ist Executive Producer.

Die Story umspannt den Zeitraum 1944 bis 2002 und schildert das Schicksal von drei Familien: die Crawfords – sie wollen den UFO-Absturz bei Roswell und die Existenz der Aliens vertuschen; die Keys – Aliens entführen sie für Experimente; die Clarkes – sie bringen eines der überlebenden Aliens in Sicherheit.

Das Budget von 40 Millionen Dollar ermöglicht eindrucksvolle CGI- and Makeup-Effekte. Taken erzielt die höchsten Einschaltquoten des Senders und gewinnt den Emmy Award in der Kategorie Outstanding Miniseries. Regie führen Breck Eisner, Félix Enríquez Alcalá, John Fawcett, Tobe Hooper, Jeremy Paul Kagan, Michael Katleman, Sergio Mimica-Gezzan, Bryan Spicer, Jeff Woolnough, and Thomas J. Wright.

Zur Besetzung gehören Julie Benz, Emily Bergl, Terry Chen, Steve Burton, Eric Close, Heather Donahue, Dakota Fanning (Allie Keys und Erzählerstimme), Elle Fanning (sie porträtiert die jüngere Allie Keys), Matt Frewer, Joel Gretsch, Ryan Hurst, Adam Kaufman, Ryan Merriman, Michael Moriarty, Michael Jeter and Anton Yelchin.

Spielberg besetzt Dakota Fanning für War of the Worlds (2005). Ihre Schwester, Elle Fanning, spielt die weibliche Hauptrolle in Super 8 (2011), unter der Regie von J.J. Abrams, produziert von Steven Spielberg.

1985

Spielberg kehrt zum Fernsehen zurück – als Produzent von Amazing Stories, einer Serie, die auf dem Konzept von Rod Serling’s Twilight Zone aufbaut und ihren Namen dem Science-Fiction-Magazin verdankt, das Spielbergs Vater in den 40er Jahren las.

Der Name Spielberg genügt dem Fernsehsender NBC, auf Anhieb 44 Episoden zu beauftragen – mit dem Rekordbudget von 1 Million Dollar je produzierter Stunde.

Spielberg entwickelt für die Episoden einen Großteil der Ideen und verpflichtet ein beeindruckendes Ensemble von Regisseuren, darunter  Tobe Hooper, Robert Zemeckis, Clint Eastwood, Joe Dante, Martin Scorsese, Peter Hyams, Paul Bartel, Irvin Kershner, Phil Joanou und Danny DeVito.

Richard Matheson (Duel) liefert Kurzgeschichten und Drehbücher für einige der Episoden.

Spielberg führt bei zwei Episoden selbst Regie: The Mission (Kevin Costner als  Bomberpilot im Zweiten Weltkrieg; hinter der Kamera: Allen Daviau) und Ghost Train (ein Großvater wird seiner Familie entrissen, indem er einen Geisterzug besteigt, der mitten durchs Wohnzimmer fährt).

Trotz großer Etats und bekannter Cast- & Crew-Mitglieder ist die Fernsehreihe kein Erfolg und wird nach nur zwei Staffeln eingestellt.

Für Spielberg ist das ein Anreiz, es beim nächsten Mal besser zu machen. Amblin Entertainment wird in den Folgejahren zahllose Serien und Miniserien für das Fernsehen produzieren – viele davon außerordentlich erfolgreich und preisgekrönt.

Poltergeist (1982)

In Poltergeist (Drehbuch und Produktion: Steven Spielberg) wird das Haus einer jungen Familie von bösartigen Geistern belagert und die kleine Carol Anne entführt. Die Familie muss bei ihrem Kampf gegen die Schattenwelt Zusammenhalt beweisen, um sie zurück zu gewinnen.

Den stark biografisch geprägten Film bezeichnet Spielberg als seinen persönlichen Albtraum: E.T. is my personal resurrection, and Poltergeist is my personal nightmare.“Poltergeist is about the darker side of my nature – it’s me when I was scaring my younger sisters half to death when we were growing up.“

Spielberg stellt den Fernseher ins Zentrum der Story – passenderweise beginnt und endet der Film mit der Mattscheibe, die eine extreme Anziehungskraft auf Töchterchen Carol Anne ausübt. Als sie mit Geistesstimmen spricht, die aus dem Fernseher kommen, ruft sie aus: „They are here!“ Ihr Satz wird zum Filmzitat, das um die Welt ging.

Aufgrund einer Klausel in seinem Vertrag mit Universal darf Spielberg während der Vorproduktion von E.T. – The Extraterrestrial bei keinem anderen Film Regie führen, daher setzt er für Poltergeist Tobe Hooper als Regisseur ein, hält aber während der Dreharbeiten sämtliche kreativen Fäden in der Hand. Dies führt dazu, dass Spielberg in der täglichen Praxis die „Regie“ übernimmt. Daher zählen wir den Film zu seinen Regie-Werken.

Spielberg über die Art seiner Zusammenarbeit mit Tobe Hooper: „Tobe isn’t… a take-charge sort of guy. If a question was asked and an answer wasn’t immediately forthcoming, I’d jump in and say what we could do. Tobe would nod agreement, and that become the process of collaboration.“

Die Fanwebsite zum Film hat alle Details der Geschichte zusammengetragen.

Zur Frage, wer beim Dreh von Poltergeist das Sagen hatte, entstand eine Kontroverse, durch die sich Spielberg genötigt sah, die Leistungen von Tobe Hooper in einer ganzseitigen Anzeige im Hollywood Reporter lobend zu erwähnen (Hoopers Karriere kam jedoch nach diesem Film nie mehr in Schwung).

Poltergeist lebt nicht nur von seinen intensiven Schock- und Gruselmomenten, sondern durch seinen Humor– schon in Spielbergs Jaws (1975) die entscheidende Zutat. Anders als in strukturell konservativen Horrorfilmen, in denen es um die Wiederherstellung der Verhältnisse zum Filmbeginn geht, erleben wir das Finale als „reinigendes Gewitter“ und die Flucht der Familie als Aufbruch in ein neues Leben.

Spielberg beweist Gespür für den Zeitgeist, indem er wie in E.T. ökologische Themen einfließen lässt. Die drastisch vorgeführte Zersiedelung der Natur mit monoton angelegten Suburbs (Phase I-IV) kommt im Namen der fikitiven Stadt zum Ausdruck: Cuesta Verde bedeutet aus dem Spanischen übersetzt „Es kostet Grün“.

Großen Anteil am Erfolg des Films haben die durchweg glaubwürdigen Darsteller, allen voran Heather O’Rourke als Carol Anne, JoBeth Williams als Diane und Zelda Rubinstein als Medium Tangina.

Beeindruckend sind aber auch die optischen Effekte von ILM und die Bildgestaltung von Kameramann Matthew F. Leonett. Wie schon in Jaws (1975) setzt Spielberg in einer Schlüsselszene den von Hitchcock entwickelten Dolly Zoom-Effekt ein, um den Flur im Haus der Freelings scheinbar ins Unendliche zu dehnen:

Video-Clip

Die Filmmusik wird ausnahmsweise von Jerry Goldsmith komponiert, da John Williams bereits für E.T. – The Extraterrestrial eingespannt ist.

Bei den Academy Awards bleibt es bei drei Oscar-Nominierungen: Musik, Spezialeffekte und Tonschnitt.

Poltergeist zieht vor allem aufgrund der vereinzelt auftretenden Splatter-Szenen nicht das große Familienpublikum an, wie es E.T. gelingen sollte, erweist sich aber als äußerst profitabel. Bei sparsam angelegten Produktionskosten von 10,7 Millionen Dollar spielt der Film allein in den USA 80 Millionen Dollar ein.

Daher entstehen – ohne Spielbergs Beteiligung – zwei Fortsetzungen und ein Remake des ersten Teils.

Hier eine Auswahl von Motiven aus Poltergeist (1982), die Spielbergs starken stilistischen Einfluss auf den Film unterstreichen:


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von Poltergeist