2017

Elizabeth Banks, 2002 bekannt geworden als Nebendarstellerin in Spielbergs Catch Me If You Can, erhält eine Auszeichnung für ihren Erfolg als Regisseurin (Crystal Award for Excellence in Film).

In ihrer Dankesrede wirft sie Spielberg in scherzhaftem Ton vor, nie einen Film mit einer weiblichen Hauptrolle gedreht zu haben:

“I went to Indiana Jones and Jaws and every movie Steven Spielberg ever made, and by the way, he’s never made a movie with a female lead. Sorry, Steven. I don’t mean to call your ass out, but it’s true.”

Die Fakten sprechen dagegen. Bisherige Spielberg-Kinofilme mit Hauptdarstellerinnen:

Die falsche Behauptung zieht Kreise in Hollywood und in den internation Medien. Der Film The Color Purple erlangt neue Aufmerksamkeit.

Zwei Tage nach ihren Äußerungen bei der Preisverleihung veröffentlicht Elizabeth Banks eine Entschuldigung über ihren Twitter-Account:

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Doch ihre ursprüngliche Aussage ist im Grundsatz richtig: Spielberg sollte seine mächtige Position als Produzent und Regisseur stärker nutzen, um Hauptrollen in seinen Filmen mit Frauen zu besetzen. Natürlich nicht aufgrund einer Quote, sondern künstlerischer Entscheidungen.

Da Spielberg immer nach einer kreativen Herausforderung sucht: Warum nicht zum ersten mal seit 1985 mit einer (erwachsenen) Hauptdarstellerin drehen?

Umso bedauerlicher, dass Spielbergs Pläne zur Verfilmung der Biografie „It’s What I Do“ offenbar auf Eis gelegt wurden. Die Hauptrolle der Fotojournalistin Lynsey Addario sollte Jennifer Lawrence spielen.

2016

Der Oscar-prämierte Kameramann Vilmos Zsigmond stirbt.

Er schuf wegweisende, dokumentarisch geprägte Bildwelten für die Steven Spielberg-Filme The Sugarland Express (1974) and Close Encounters of the Third Kind (1977).

Einem Variety-Nachruf zufolge begab er sich – nach der Besetzung seines Heimatlands Ungarn durch die Sowjetarmee im Jahre 1956 – auf die Flucht in die USA und arbeitete sich langsam hoch, anfänglich in billigen Exploitation-Filmen. Sein Durchbruch gelang ihm mit Robert Altmans stilistisch gewagten Western McCabe & Mrs. Miller (1971), für den Zsigmond mit einer begrenzten Palette entsättigter Farben experimentierte.

Später arbeitete er für Regisseure wie Michael Cimino, Martin Scorsese, Woody Allen, George Miller und Brian De Palma.

Er erhielt einen Academy Award für seine Arbeit in Spielbergs Close Encounters of the Third Kind (1977) und wurde nominiert für die Filme The Deer Hunter (1978), The River (1984) und The Black Dahlia (2006).

In kurzer Zeit verliert das Kino einen weiteren seiner größten Kameramänner: Zsigmond folgt dem zweifach Oscar-prämierten Haskell Wexler, der für einige der großen Hollywood-Klassiker der 1960er and 1970er Jahre arbeitete (aber nie unter der Regie von Steven Spielberg).

The Sugarland Express (1974)

Spielbergs erster für das Kino produzierte Film: The Sugarland Express, in der Hauptrolle Goldie Hawn, überzeugt vor allem durch großartige Kameraarbeit (Vilmos Zsigmond) und erhält hervorragende Kritiken.

Spielberg war auf Zsigmonds impressionistischen Stil in Robert Altmans McCabe & Mrs. Miller (1971) aufmerksam geworden, und er lässt sich davon sichtlich inspirieren.

Beginn der Zusammenarbeit mit Filmkomponist John Williams, die bis heute anhält. Verna Fields übernimmt bei The Sugarland Express den Schnitt und setzt ihre herausragende Arbeit fort für Spielbergs Jaws (1975).

Nach der Premiere stellt der Hollywood Reporter fest: “a major new director is on the horizon.“ Billy Wilder sagt über Spielberg: “The greatest young talent to come along in years” und wird ihn viele Jahre später überzeugen, die Regie für Schindler’s List (1993) selbst zu übernehmen.

Auch die angesehene Filmkritikerin Pauline Kael lobt Spielberg in höchsten Tönen:

The Sugarland Express is like some of the entertaining studio-factory films of the past (it’s as commercial and shallow and impersonal), yet it has so much eagerness and flash and talent that it just about transforms it’s scrubby ingredients. The director, Steven Spielberg, is twenty-six; I can’t tell if he has any mind, or even a strong personality, but then a lot of good moviemakers have got by without being profound. He isn’t saying anything special in The Sugarland Express, but he has a knack for bringing out young actors, and a sense of composition and movement that almost any director might envy. Composition seems to come naturally to him, as it does to some of the young Italians; Spielberg uses his gift in a very free-and-easy, American way—for humor, and for a physical response to action. He could be that rarity among directors—a born entertainer—perhaps a new generations’ Howard Hawks. In terms of the pleasure that technical assurance gives and audience, this film is one of the most phenomenal debut films in the history of movies. If there is such a thing as a movie sense—and I think there is (I know fruit vendors and cabdrivers who have it and some movie critics who don’t)—Spielberg really has it. But he may be so full of it that he doesn’t have much else. There’s no sign of the emergence of a new film artist (such as Martin Scorsese) in The Sugarland Express, but it marks the debut of a new-style, new-generation Hollywood hand.

Pauline Kael  – The New Yorker (3/18/1974)

In Cannes wird The Sugarland Express für die Palme d’Or nominiert, und Spielberg gewinnt die Auszeichnung als Co-Autor für das Beste Drehbuch.

Enttäuschung an der Kinokasse: Trotz guter Rezensionen ist The Sugarland Express kein kommerzieller Erfolg. Spielberg gibt der schlechten Vermarktung die Schuld und übernimmt seitdem persönlich die Kontrolle bei der Entwicklung der Kampagne, der Filmtrailer und der Plakatmotive.

Trotz des Flops ahnen die Produzenten Richard D. Zanuck und David Brown, welches Talent in Spielberg steckt und erwerben für das nächste gemeinsame Filmprojekt die Rechte an einem Buch über einen Hai…


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von The Sugarland Express

1973

Terrence Malicks Debütfilm Badlands mit Sissy Spacek und Martin Sheen handelt von einem jungen Paar, das wild um sich schießend durch den mittleren Westen der 50er Jahre zieht und von der Nationalgarde gejagt wird. Die Handlung beruht auf einer wahren Geschichte.

Naheliegend, dass Spielbergs The Sugarland Express (1974) mit Badlands verglichen wird. Noch einmal werden die beiden Regisseure ein ähnliches Thema zur selben Zeit und doch sehr unterschiedlich inszenieren: The Tin Red Line (1998) und Saving Private Ryan (1998).

Spielberg castet Martin Sheen in seinem Film Catch Me If You Can (2002).

1971

Peter Bogdanovichs The Last Picture Show festigt die Reputation des „New Hollywood“. Der Schwarz-Weiß-Film legt großes Gewicht auf das Innenleben seiner Figuren sowie auf eine realistische Darstellung ihres Verhaltens und ihrer Umgebung. Ein wahrer Autorenfilm, bei dem Bogdanovich sogar den Schnitt selbst durchführt.

Spielberg wird den Darsteller Ben Johnson in seinem Film The Sugarland Express (1974) einsetzen.