2017

Elizabeth Banks, 2002 bekannt geworden als Nebendarstellerin in Spielbergs Catch Me If You Can, erhält eine Auszeichnung für ihren Erfolg als Regisseurin (Crystal Award for Excellence in Film).

In ihrer Dankesrede wirft sie Spielberg in scherzhaftem Ton vor, nie einen Film mit einer weiblichen Hauptrolle gedreht zu haben:

“I went to Indiana Jones and Jaws and every movie Steven Spielberg ever made, and by the way, he’s never made a movie with a female lead. Sorry, Steven. I don’t mean to call your ass out, but it’s true.”

Die Fakten sprechen dagegen. Bisherige Spielberg-Kinofilme mit Hauptdarstellerinnen:

Die falsche Behauptung zieht Kreise in Hollywood und in den internation Medien. Der Film The Color Purple erlangt neue Aufmerksamkeit.

Zwei Tage nach ihren Äußerungen bei der Preisverleihung veröffentlicht Elizabeth Banks eine Entschuldigung über ihren Twitter-Account:

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Doch ihre ursprüngliche Aussage ist im Grundsatz richtig: Spielberg sollte seine mächtige Position als Produzent und Regisseur stärker nutzen, um Hauptrollen in seinen Filmen mit Frauen zu besetzen. Natürlich nicht aufgrund einer Quote, sondern künstlerischer Entscheidungen.

Da Spielberg immer nach einer kreativen Herausforderung sucht: Warum nicht zum ersten mal seit 1985 mit einer (erwachsenen) Hauptdarstellerin drehen?

Umso bedauerlicher, dass Spielbergs Pläne zur Verfilmung der Biografie „It’s What I Do“ offenbar auf Eis gelegt wurden. Die Hauptrolle der Fotojournalistin Lynsey Addario sollte Jennifer Lawrence spielen.

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The Color Purple (1985)

Spielberg sieht Whoopi Goldberg in einer Broadway-Show und bietet ihr sofort die Hauptrolle an für seine Verfilmung von Alice Walkers Roman  The Color Purple. In seinem ambitionierten Film behandelt Spielberg heikle Themen wie häusliche Gewalt, Inzest und lesbische Liebe unter Afro-Amerikanern sowie Religion und Rassismus im frühen 20. Jahrhundert – ein riskanter Versuch, sich von seinen bisherigen Mainstream-Filmen zu lösen.

Spielbergs Leistung ist umso größer einzuschätzen, da es sich bei der Vorlage um einen Briefroman handelt. Drehbuchautor Menno Meyjes gelingt es, die Briefe in einen verfilmbaren Stoff zu übersetzen und dabei weitestgehend die Essenz des Romans zu wahren.

Kameramann Allen Daviau meistert die Herausforderung, harte Realität mit poetischen Motiven zu kombinieren. Für viele überraschend entwickelt sich The Color Purple als großer Kassenerfolg und erhält überwiegend positive Kritiken. Erwartungsgemäß löst der Film einige Kontroversen aus, eröffnet aber den Weg zu weiteren Filmen in diesem Themenfeld (und einem gleichnamigen Broadway-Musical).

Regiekollege Oliver Stone nennt Spielgergs Roman-Adaption “an excellent movie, and it was an attempt to deal with an issue that had been overlooked, and it wouldn’t have been done if it hadn’t been Spielberg. And it’s not like everyone says, that he ruined the book. That’s horseshit. Nobody was going to do the book. He made the book live again.”

Der Film erhält elf Oscar-Nominierungen (keine für die Regie), geht aber leer aus. Spielberg erhält aber seinen ersten Regiepreis der Directors Guild of America (DGA).

Co-Star Oprah Winfrey (die im wahren Leben mit neun Jahren vergewaltigt wurde) wird ein Jahr später als erste Frau ihre eigene Talkshow produzieren.

Wegen der Thematik des Films wählt Spielberg erstmals einen anderen Komponisten als John Williams: Quincy Jones komponiert einen brillanten Score mit Elementen aus Jazz, Ragtime, Gospel, Afrikanischer Musik and Blues. Spielberg kann man auf dem Album das Thema pfeifen hören.


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von The Color Purple

1983

Alice Walker erhält für ihren Briefroman The Color Purple den Pulitzer Award. Spielberg wird das Buch zwei Jahre später verfilmen.

1977

Roots: Im Fernsehen läuft mit großer Resonanz die erste Serie, die sich mit der Geschichte der afro-amerikanischen Bevölkerung auseinandersetzt.

Auch Spielberg wird sich mit diesem Thema in drei seiner Filme befassen: The Color Purple, Amistad und Lincoln.

1865

Abraham Lincoln, der sich erfolgreich für die Abschaffung der Sklaverei einsetzte (13th Amendment to the United States Constitution), wird 1865 von einem Sympathisant der Südstaaten erschossen.

Ein Jahr später besiegelt der US-Kongress die Abschaffung der Sklaverei mit der Garantie gleicher Rechte für alle Menschen in den USA (Civil Rights Act of 1866) – mit Ausnahme allerdings der „Indianer“

Spielberg setzt mit seinem Film Lincoln (2012) dem beharrlichen Wirken des US-Präsidenten ein Denkmal. Weitere seiner Filme, die sich mit der Sklaverei in den USA befassen: The Color Purple (1985) und Amistad (1997). Einen Film über das Schicksal der „Indianer“ oder einen Western hat Spielberg bislang nicht gedreht.