2015

Sasha und Theo Spielberg veröffentlichen unter dem Bandnamen Wardell ihr Debutalbum Love/Idleness. Die Release-Show in New York is ausverkauft.

Sasha Spielberg ist noch auf anderem Gebiet aktiv: Sie schreibt das Script und übernimmt eine Rolle für die Snapchat Webserie Literally Can’t Even.

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Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull (2008)

Steven Spielbergs Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull, der vierte Teil der von George Lucas geschaffenen Indiana Jones-Filmreihe wird von Frank Marshall produziert und kommt 19 Jahre nach dem dritten Teil in die Kinos. Die Titelrolle spielt der inzwischen 64-jährige Harrison Ford. Das Drehbuch berücksichtigt sein Alter, indem die Handlung ins Jahr 1957 verlegt wird.

Zu den Darstellern zählen Cate Blanchett, Karen Allen, Ray Winstone, John Hurt, Jim Broadbent und Shia LaBeouf (das Mädchen, von dem er in der Diner-Szene einen Haken verpasst bekommt, ist Sasha Spielberg).

Als sich George Lucas und Steven Spielberg dazu durchringen, ein viertes Abenteuer zu entwickeln, sind die Erwartungen so hoch wie die Risiken des Scheiterns. Der Aufhänger für die Handlung bereitet am meisten Kopfzerbrechen. Alle bisherigen Teile rankten sich um religiöse Artefakte. Lucas kommt schließlich auf die Idee, Indy gegen Wesen aus dem Weltraum antreten zu lassen und die Geschichte im Zeitalter trashiger Science-Fiction-Filme der 1950er Jahre anzusiedeln. Jeb Stuart und Jeffrey Boam schreiben erste Drehbuchentwürfe, aber Spielberg und Ford reagieren verhalten. Als Roland Emmerichs Independence Day (1996) in die Kinos kommt, sagt Spielberg zu Lucas, er sei nicht daran interessiert, einen weiteren Film über eine Alien-Invasion zu drehen.

Als sich Ford, Lucas, Spielberg, Frank Marshall und Kathleen Kennedy im Jahr 2000 während der AFI-Ehrung für Harrison Ford wieder begegnen, sind sich alle einig, sie sollten nun doch den nächsten Indiana Jones-Film machen. Lucas schafft es irgendwie, Spielberg davon zu überzeugen, die Aliens seien in Wahrheit keine „Außerirdischen“, sondern „interdimensionale“ Wesen – ein von der Superstring-Theorie inspiriertes Konzept, das auch die Handlung von Interstellar (2014) wesentlich beeinflusst. Lucas schlägt zudem vor, die Kristallschädel in die Handlung einzubauen (ursprünglich wollte er sie schon in einer Episode seiner TV-Reihe Young Indiana Jones verwenden). M. Night Shyamalan und Tom Stoppard werden damit beauftragt, Scripts für einen auf 2002 terminierten Drehbeginn zu schreiben, doch wegen Lucas‘ Arbeit an den Star Wars-Prequels wird der Produktionsstart  verschoben.

Im Jahr 2003 verfasst Frank Darabont, der bereits als Autor und Regisseur für Young Indiana Jones in Erscheinung trat, ein neues Drehbuch für den Film, den man auch als Indiana Jones and the Curse of Development Hell bezeichnen könnte. In Wahrheit lautet der Titel von Darabonts Script Indiana Jones and the City of Gods und enthält die meisten der Ideen, die in den fertigen Film einfließen werden. Darabont zufolge ist Spielberg von seinem Drehbuch begeistert, doch Lucas legt sein Veto ein. Somit werden weitere Scriptautoren beauftragt: Jeff Nathanson reicht 2005 seine Entwürfe ein, mit dem Titel The Atomic Ants. Schließlich überarbeitet David Koepp diese Fassung (und verfeinert gemeinsam mit Raiders of the Lost Ark-Drehbuchautor Lawrence Kasdan die Dialoge zwischen Indy und Marion). Koepps Drehbuchfassung ist mit dem Titel Destroyer of Worlds versehen, eine Anspielung auf ein Zitat von J. Robert Oppenheimer („Vater“ der Atombombe). Spielberg und Lucas entscheiden sich schließlich für den überbordenden Titel Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull.

Drehbuchautor David Koepp bringt den Charakter der sowjetischen Agentin Irina Spalko zu Papier, glänzend dargestellt von Cate Blanchett, die ganz versessen darauf ist, die Rolle eines Bösewichts zu spielen. Ihr strenger Haarschnitt ist ihre eigene Idee, und ihren ebenso strengen Gestus orientiert sie an Colonel Rosa Klebb (Lotte Lenya), der Schurkin aus dem James Bond-Film From Russia With Love (1963). Allerdings gelingt es Koepp nicht, ihre Rolle für die Story angemessen zu nutzen (nach einem starken ersten Auftritt wird ihre Rolle auf relativ kleine Szenen reduziert, und im ohnehin nicht besonders spannenden Fecht-Duell tritt sie gegen Indys Sohn an). Ein ordentlicher Showdown zwischen ihr und Indy fehlt. Dennoch bezeichnet Spielberg Blanchetts Irina Spalko als seinen Lieblings-Bösewicht:

”Of all the villains I’ve been able to work with in the Indiana Jones movies, I can say she’s my favorite. And I think Cate made her that way.”

Als allumfassendes Wissen zum Greifen nah ist, hören wir Irina Spalkos orgiastischen Ausruf: „I want… to know!“ – eine Anspielung auf Joan Crawfords Ausruf: „I want… to see!“ in der TV-Folge Eyes (1969), Spielbergs Debüt als professioneller Regisseur.

Auf „Verlangen“ der Fans spielt Karen Allen erneut ihre Rolle als Marion Ravenwood: Leider wird der großartige Auftritt, den Frank Darabont für sie geschrieben hat, nicht im Film verwendet. In Darabonts Drehbuch folgen wir einer unbekannten Dame beim Betreten eines Nachtclubs in Peru:

„We’re too far away to see her face, and in any event she’s obscured by a stylish wide-brimmed hat that matches her white tailored skirt suit. (…) She comes up behind Indy as the bartender sets down his martini. She makes her presence known by plucking an olive with a white-gloved hand and dropping it in Indy’s drink. Indy turns, looking up at her. A frozen beat. His expression going slack. For a moment his brain refuses to accept what he’s seeing; it’s literally the last person he ever expected. (…) She looks fantastic, not to mention dumbstruck at the sight of Indy her smile fades … and she hauls off and punches him in the mouth.“

Als es im Drehbuch zum unvermeidlichen Wett-Trinken kommt, quetscht Marion Indy über seine alte Flamme Willie Scott aus. Indy hat dazu folgendes zu sagen: „She moved out to Hollywood to be a star. Last I heard, she fell in love and married some bigshot director.“ (Tatsächlich heiratete Willie Scott-Darstellerin Kate Capshaw ihren Regisseur Steven Spielberg).

Im Film bleiben Marions „Überraschungs“-Auftritt und ihre anschließenden Szenen verglichen mit Darabonts Einfällen leider unter ihrem Potenzial. Ähnliches kann man über ihren Sohn, Mutt Williams, sagen. In seiner farblosen Darstellung kann Shia LaBeouf nicht annähernd die Rivalität zwischen Vater und Sohn vermitteln, die im legendären Schlagabtausch zwischen Ford und Connery in The Last Crusade (1989) zum Ausdruck kam. Stattdessen sehen wir Mutt in einem Tarzan-ähnlichen Stunt, mit einer Horde von Affen zwischen Lianen schwingend – eine Szene, die viele Indy-Fans gern aus ihrer Erinnerung  löschen würden.

In seiner Drehbuchfassung erweitert David Koepp die Rolle des kauzigen Professor Oxley, der von John Hurt brillant verkörpert wird (Darabont hatte John Hurt im Sinn, als er seine Rolle ersann). Koepp ergänzt zudem den Part des „Triple-agent“ George „Mac“ McHale (Ray Winstone). In Darabonts Drehbuch hatte Indys Vater, Professor Henry Jones Sr., noch einen Auftritt, doch die Idee wird fallengelassen, als Sean Connery ablehnt, die Rolle nochmals zu spielen (er ist aber auf einem Foto auf Indys Schreibtisch zu sehen). Indys Freund Sallah hat in Darabonts Drehbuch einen Kurzauftritt bei der Hochzeitsfeier, doch John Rhys-Davies winkt ab, da er meint, seine Rolle verdiene mehr als das. Charles Stanforth (gespielt von Jim Broadbent), Dekan des fiktiven Marshall College und Indys Freund, tritt die Nachfolge von Marcus Brody an, dessen Schauspieler, Denholm Elliott, bereits 1992 verstarb. In Erinnerung an Elliott platzieren die Filmemacher ein Porträt und eine Statue auf dem Marshall College-Gelände.

Als Indy wegen angeblicher kommunistischer Verbindungen von seinem Lehramt am College suspendiert wird, zeigt Stanforth Rückgrat und tritt ebenfalls zurück, mit den Worten: “I don’t recognize this country anymore!“ Dies ist Spielbergs doppeldeutiger Kommentar, einerseits zum Klima der politischen Repression gegen Kommunisten während der McCarthy-Ära, anderseits zu den ausufernden Homeland Security-Maßnahmen der Gegenwart.

In einer Kulissen-Vorstadt der 1950er Jahre dreht Spielberg eine ganze Sequenz aus Darabonts Drehbuch und erschafft eine bizzarre Momentaufnahme aus der Zeit seiner Kindheit (Videoclip): Indy flieht in eine „typische“ Vorstadt, die nur errichtet wurde, um in einem Atombomben-Test „weggepustet“ zu werden. Als Indy feststellt, dass die Familie, die vor dem TV-Gerät sitzt, in Wahrheit aus Schaufensterpuppen bestehen und der Countdown für die Bombe gestartet wird, klettert er in einen bleiverstärkten Kühlschrank (Spielbergs Lieblings-Ausstattungsgegenstand), der ihm das Leben rettet. Dieser verrückte Exkurs – ein schönes Beispiel für Michael Kahns meisterhaften Schnitt – ist einer der Höhepunkte des Films, der allerdings die Fans polarisiert und den Begriff „nuke the fridge“ prägt.

Spielberg sieht sich genötigt, George Lucas aus dem Schussfeld der Kritik zu nehmen:

„What people really jumped at was Indy climbing into a refrigerator and getting blown into the sky by an atom-bomb blast. Blame me. Don’t blame George. That was my silly idea. People stopped saying „jump the shark“. They now say, „nuked the fridge“. I’m proud of that. I’m glad I was able to bring that into popular culture.“

Ein Teil des Spaßes sind die vielen Filmreferenzen, die sich in Kingdom of the Crystal Skull entdecken lassen, z.B. American Graffiti (1973), The Treasure of the Sierra Madre (1948), The Wild One (1953), Vertigo (1958), und Star Wars – A New Hope (1977) – mit Indys „bad feeling about this“. Nicht zu vergessen, der Kurz-„Auftritt“ der Bundeslade aus Raiders of the Lost Ark (1981).

Um eine ästhetische Kontinuität mit den früheren Filmen zu wahren, studiert Kameramann Janusz Kamiński den Bildgestaltungsstil von Douglas Slocombe, der in den früheren Filmen die Kamera führte. Spielberg über ihre gemeinsame Annäherung an den visuellen Stil des Films:

„I still wanted the film to have a lighting style not dissimilar to the work Doug Slocombe had achieved, which meant that both Janusz and I had to swallow our pride. Janusz had to approximate another cinematographer’s look, and I had to approximate this younger director’s look that I thought I had moved away from after almost two decades.“ 

Zunächst möchte Spielberg auf digitale Effekt vollständig verzichten und stattdessen traditionelle Stuntarbeit, gebaute Sets und Practical Effects einsetzen. Doch während der Entstehung des Films produziert ILM mehr CGI als erwartet, so dass der Film am Ende insgesamt ca. 450 CGI-Aufnahmen enthält. Allerdings besteht Spielberg darauf, den Film nicht in digitalem Format zu drehen und will auch nicht, dass er in diesem Format aufgeführt wird.

John Williams beschreibt seine Komposition zum vierten Teil der Indiana Jones-Reihe „like sitting down and finishing a letter that you started 25 years ago”. Er „recycelt“ Indianas und Marions Themen und fügt weitere musikalische Motive für Mutt, Spalko und den Kristallschädel hinzu.

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull erlebt seine Weltpremiere am 18. Mai 2008 in Cannes – der erste Spielberg-Film seit E.T. – The Extraterrestrial (1982), mit dem die Filmfestspiele von Cannes eröffnen. Vier Tage später läuft der Film weltweit an. Die Reaktionen von Kritikern und Publikum sind zwiespältig. Der Film ist ein großer finanzieller Erfolg und nimmt weltweit mehr als 786 Millionen Dollar ein, bei einem Budget von 185 Millionen Dollar. Spielberg beschreibt den Film als “the sweet dessert I give those who had to chow down on the bitter herbs I used in Munich.”

Im Gegensatz zu früheren Indiana Jones-Film, erhält Kingdom of the Crystal Skull keine einzige Oscar-Nominierung. Es ist der letzte Teil im Verleih der Paramount Pictures, nachdem 2012 die Walt Disney Studios durch ihren Zukauf von Lucasfilm die Rechte an der Filmreihe erwerben.


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull

 

The Terminal (2004)

Steven Spielbergs The Terminal ist eine fabelhafte Geschichte über Menschen und Menschlichkeit. Tom Hanks spielt Viktor Navorski, ein Tourist aus dem fiktiven osteuropäischen Land Krakosien, der auf dem New Yorker JFK International Airport wochenlang ausharren muss, als es in seinem Heimatland zur Revolution kommt. Die Bürokratie des U.S. Department of Homeland Security, verkörpert durch den leitenden Beamten Frank Dixon (Stanley Tucci), verhindert eine Einreise in die Vereinigten Staaten ebenso wie die Rückreise nach Krakosien.

Während Navorski improvisieren muss, um während seines erzwungenen Daueraufenthalts in der internationalen Transitlounge zurecht zu kommen, entdeckt er im Miniaturkosmos des Terminals eine komplexe Welt aus Absurdität, Großzügigkeit und sogar Romantik.

Anstatt einen realistischen Film über die Alpträume und Frustrationen eines Staatenlosen zu drehen, konzentriert sich Spielberg auf die  humorvollen Aspekte der Hauptfigur, die auf einfallsreiche Weise mit ihrer Situation umgeht. In seiner vorausblickenden (und als leichte Komödie getarnten) Satire über den Kampf eines Flüchtlings gegen die Mühlen der Bürokratie lässt Spielberg Viktor als Sieger hervorgehen.

Obwohl es im offiziellen Begleitmaterial zum Film unerwähnt bleibt, ist das Drehbuch (verfasst von Sacha Gervasi und Jeff Nathanson) von der realen Geschichte des iranischen Flüchtlings Mehran Karimi Nasseri inspiriert. Von 1988 bis 2006 lebt er im Terminal 1 des Charles de Gaulle Airport in Paris, weil ihm geeignete Reisedokumente für seinen Transferflug nach Großbritannien fehlen. Jahrelang sind die Behörden damit beschäftigt, Ordnung in seinen komplizierten Fall zu bringen, während Flughafenangestellte und Passagiere den Gestrandeten mit Lebensmitteln und Zeitungen versorgen. Dreamworks SKG zahlt Nasseri 250.000 Dollar für die Rechte an seiner unglaublichen Geschichte. Als The Terminal in die Kinos kommt, drapiert Nasseri seinen Koffer mit einem Poster des Films.

Spielberg wählt für seinen Film bewusst Akteure verschiedener Ethnien, darunter Chi McBride, Diego Luna, Rini Bell, Valeriy Nikolaev, Guillermo Diaz und viele andere. Der Saxophonist im New Yorker Hotel wird von Benny Golson höchstpersönlich gespielt. Tony Randall hat einen Cameo-Auftritt im TV-Spot „I Love New York“, der auf den Monitoren im Terminal für die Stadt wirbt. Sasha Spielberg sieht man als Lucy, das Mädchen mit dem Koffer, der Viktor helfen will.

Tom Hanks überzeugt in seiner bravourösen Darstellung des Viktor Navorski, für die er desöfteren improvisiert (die Sprechweise hat er sich von seinem Schwiegervater Allan Wilson abgeguckt, einem bulgarischen Einwanderer). Allerdings lässt Spielberg seinen Cutter Michael Kahn eine Szene entfernen, in der Hanks mit einer Telefonkarte herumfuchtelt und ruft, „Home phone, home phone!“, um Vergleiche mit E.T. – The Extraterrestrial (1982) zu vermeiden, auf den die Zeile anspielt.

Nachdem sie in der weiblichen Hauptrolle in der erfolgreichen Dreamworks- Produktion The Mask of Zorro (1998) auf sich aufmerksam machte, wird Catherine Zeta-Jones als Flugbegleiterin und Viktors love-interest Amelia Warren besetzt. Sie sieht toll aus und spielt ihren Part sehr gut, doch ist ein gewisser Mangel an Chemie zwischen ihr und Tom Hanks zu spüren. Stanley Tucci brilliert als Viktors Widersacher, Homeland Security-Chef Frank Dixon, der davon besessen ist, den Staatenlosen am Verlassen des Flughafens zu hindern und Viktor als bürokratische Panne betrachtet,  ein lästiger Stolperstein für Dixons bevorstehende Beförderung.

Gupta, ein schelmischer Flughafen-Hausmeister, wird von Kumar Pallana verkörpert, der den anderen in manchen Szenen die Show stiehlt. In jungen Jahren bereiste Pallana mit seinen Jonglier-Künsten die Welt, was Spielberg kurzerhand zum Anlass nimmt, seine Performance in die witzige Dinner-Sequenz des Films zu integrieren.

Als Star Trek-Fan versieht Spielberg seinen Film mit einer Hommage auf die Original-Serie, im damaligen US-Fernsehen ein Vorbild zur Förderung von Völkerverständigung: Immigration Officer Dolores Torres (Zoe Saldana) akzeptiert einen Heiratsantrag mit der VulkanierGeste. Saldana spielt die Rolle von Communications Officer Uhura in J.J. Abrams Kino-Neuverfilmung Star Trek (2009), in der sie eine Beziehung mit Spock eingeht – einem Vulkanier…

Weil Spielberg für seinen Film kein geeignetes Flughafen-Terminal findet, lässt er es in einem Hangar auf dem Gelände des L.A./Palmdale Regional Airport in Originalgröße errichten. Das voll funktionsfähige Set wird mit Rolltreppen, TV-Flachbildschirmen und Fluginformations-Anzeigetafeln ausgestattet; Lebensmittel, Bücher, Mode usw. werden in Läden angeboten, die von den Firmen gesponsert sind. Während Janusz Kamińskis Kamera durch das geschäftige Treiben des Terminals gleitet, fühlt man sich mittendrin wie Viktor, dessen Wille und Großmut die Menschen, auf die er trifft, berührt und verwandelt (mit Ausnahme von Dixon).

Das spektakuläre Set-Design von Alex McDowell sowie der komödiantische Stil von The Terminal sind von Jacques Tatis visionärem Film Play Time (1967) inspiriert. Spielberg selbst nennt folgende Einflüsse:

“I thought of two directors when I made Terminal. I thought this was a tribute to Frank Capra and his honest sentiment, and it was a tribute to Jacques Tati and the way he allowed his scenes to go on and on and on. The character he played in Mr. Hulot’s Holiday and Mon Oncle was all about resourcefulness and using what’s around him to make us laugh.”

John Williams‘ hervorragender Score setzt auf Klänge osteuropäischer Herkunft, die er häufig von Klarinette, Klavier oder Akkordeon spielen lässt. Williams komponiert sogar eine Nationalhymne für das fiktive Land Krakosien.

Nach einem Test-Screening (Dreamworks zufolge mit sehr positiven Reaktionen) werden Pressevorführungen verschoben, weil Spielberg den Wunsch verspürt, das Ende neu zu filmen (ursprünglich fährt  Flugbegleiterin Amelia mit Viktor nach Manhattan).

The Terminal eröffnet das 61. Filmfestival in Venedig, doch die meisten Kritiker reagieren verhalten. Der britische Filmkritiker Philip French nennt den Film „Frank Capra’s The Trial“. Der Film erhält keine Oscar-Nominierung und bleibt einer der am meisten unterschätzten Filme von Steven Spielberg.

The Terminal spielt weltweit 219,4 Millionen Dollar ein und ist (verglichen mit dem gut investierten Budget von 60 Millionen Dollar) insgesamt sehr profitabel.

In den USA wird der Film jedoch als Box-Office-Enttäuschung eingeschätzt (als Spielberg-Film und mit Tom Hanks in der Hauptrolle). Nach 9/11 fühlt sich das amerikanische Mainstream-Publikum offenbar unwohl in einer „Tragikomödie“ über Flugzeuge, Homeland Security und Immigranten – sie bevorzugen harmlose Sommer-Filme wie White Chicks und Dodgeball.


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von The Terminal

1990

Geburt von Sasha Rebecca Spielberg – Tochter von Kate Capshaw und Steven Spielberg. Im selben Jahr wird Theo Spielberg von den beiden adoptiert.