The BFG (2016)

Steven Spielbergs 3D-Fantasy-Abenteuerfilm The BFG beruht auf Roald Dahls 1982 veröffentlichtem Kinderbuch, das im deutschen Sprachraum unter dem Titel „Sophiechen und der Riese“ erschien (1985 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet).

Die Verfilmung von The BFG ist eine Koproduktion von Walt Disney Pictures, DreamWorks Pictures, Amblin Entertainment und Walden Media.

US-Poster und Szenenfotos: © 2016 DreamWorks II Distribution Co., LLC, Disney Enterprises, Inc., and Walden Media

Deutschsprachiges Poster: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH

Das Drehbuch für The BFG stammt aus der Feder von Melissa Mathison, die auch das Drehbuch für Spielbergs E.T. – The Extra-Terrestrial (1982) schrieb. The BFG ist ihr gewidmet, denn sie verstarb 2015. Auch die „Tagline“ des Plakats weckt Erinnerungen an E.T. – The Extra-Terrestrial.

Spielberg über seine Zusammenarbeit mit Mathison:

“I don’t miss Melissa yet because I haven’t had the chance to mourn her, because she is still with me. I’m not saying that in a supernatural way, because Melissa is alive in every single frame of The BFG. She has been with me all through this process and she is as tangible as if she were sitting next to me. What I’m not looking forward to is when I finish with The BFG and I have to face the fact that Melissa is no longer with me.”

“Melissa could do something most of us could not. She observed people without judging them. The only other people I can think of who observe with curiosity and without judgment are children. And I think that’s why she understood them and wrote them better than anyone else.”

Der BFG ist ein Guter Riese (Big Friendly Giant) und ein Sonderling im Land der Riesen. Er ist acht Meter groß, mit riesigen Ohren und einem scharfen Geruchssinn. Er lebt zurückgezogen, ist auf liebenswerte Art „schwer von Begriff“ und hat eine ungewöhnliche Ausdrucksweise. Andere Riesen wie Knochenknacker, Hackepeter und Fleischfetzenfresser sind doppelt so groß und beängstigend. Nach ihrer Ankunft im Land der Riesen fürchtet sich die 10-jährige Sophie anfänglich vor dem geheimnisvollen BFG, der sie in seine Höhle verschleppt hat. Doch schon bald erkennt sie sein sanftes Wesen. Gemeinsam treten sie gegen die bösen, menschenfressenden Riesen an, von denen die Welt der Menschen bedroht wird.

Spielberg erinnert sich, wie er Roald Dahls Buchvorlage seinen Kindern vorgelesen hat:

“They loved the privacy and secrecy of his own special giant-speak. And they also loved that this little 8-year-old girl can tell a 26-foot-tall giant what to do.”

Zum ersten Mal führt Spielberg Regie unter der Marke DisneyEr erklärt, was ihn an dem Stoff reizt:

“It’s a story about friendship, it’s a story about loyalty and protecting your friends and it’s a story that shows that even a little girl can help a big giant solve his biggest problems.”

Zum Cast von The BFG gehören Ruby Barnhill, Mark Rylance, Penelope Wilton, Jemaine Clement, Rebecca Hall, Rafe Spall und Bill Hader.

Dies ist der erste Spielberg-Film mit einer weiblichen Hauptrolle seit The Color Purple (1985).

The BFG ist Spielbergs zweite Zusammenarbeit mit Mark Rylance, der  für seine Rolle in Bridge of Spies (2015) einen Academy Award gewann. In die Rolle des BFG schlüpft er mittels Motion-Capture – ein Verfahren zur digitalen Aufzeichnung der Mimik und Gestik von Darstellern, das Spielberg zuletzt in The Adventure of Tintin (2011) zum Einsatz brachte.

Steven Spielberg versucht (vergeblich), Gene Wilder zu einem Gastauftritt zu überreden. Er spielte die Titelrolle in der Roald Dahl-Verfilmung Willy Wonka & the Chocolate Factory (1971).

Die Dreharbeiten finden zwischen dem 23. März bis 16. Juni 2015 statt, gefolgt von umfangreichen Post-Production-Arbeiten. Zu den Drehorten gehören Vancouver in Kanada sowie Schottland und England.

Die Entwicklung des Projekts geht zurück bis in das Jahr 1991: Frank Marshall und Kathleen Kennedy verhandeln mit Paramount Pictures – zu diesem Zeitpunkt soll Robin Williams die Titelrolle spielen. 1998 liefern Robin Swicord und Nicholas Kazan ein Drehbuch, das 2001 von Gwyn Lurie überarbeitet wird.

Im September 2011 erwirbt DreamWorks die Filmrechte für das Buch. Mit an Bord sind Kennedy und Marshall als Produzenten sowie Melissa Mathison als Drehbuchautorin. John Madden wird als Regisseur gehandelt, bis im April 2014 Steven Spielberg die Regie übernimmt (Madden bleibt dem Projekt als Executive Producer verbunden). Nachdem Walden Media zustimmt, sich an der Finanzierung zu beteiligen, kann Walt Disney Studios für die Ko-Finanzierung gewonnen werden.

Zu den regulären Mitgliedern von Spielbergs Team zählen: Kameramann Janusz Kaminski, Cutter Michael Kahn, Komponist John Williams, Produktionsdesigner Rick Carter und Kostümdesignerin Joanna Johnston. Die visuellen Effekte werden von Weta Digital geschaffen.

Produziert wird der Film von Steven Spielberg, Frank Marshall und Sam Mercer – mit Kathleen Kennedy, John Madden, Kristie Macosko Krieger, Michael Siegel, Frank Smith und Naia Cucukov als Executive Producers.

Roald Dahls Bücher, zu denen auch “Charlie and the Chocolate Factory,” “James and the Giant Peach” und “Matilda” zählen, wurden in 58 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als 200 Millionen mal verkauft. “The BFG” war ursprünglich als Gutenacht-Geschichte gedacht und zählt zu Dahls Lieblingsgeschichten. Sie wird nun zum ersten Mal mit Schauspielern verfilmt und kommt pünktlich zu Roald Dahls 100. Geburtstag in die Kinos.

Spielberg über die Verantwortung, möglichst dicht an Roald Dahls Vorlage zu bleiben:

“It was very important for us to be loyal to the language, and the great writer Melissa Mathison, who also wrote ‘E.T.: The Extra-Terrestrial,’ wrote ‘The BFG.’”

Roald Dahls Buch besticht vor allem durch die Fantasiesprache Gobblefunk, die er seinem Riesen in den Mund gelegt hat. Sie ist auch in den Film eingeflossen. Beispiele aus der deutschen Fassung (vgl. engl. Originalversion):

delikatzig vorzüglich
Blubberwasser grünes Getränk, dessen Kohlensäure nach unten bitzelt
Fürbisfuchen Kürbiskuchen
schlotzt lecker, schön, prima
Zauberzischler schöner Traum
Leberwesen Menschen
Geohrwurmster Gehorsamster
Gigaraffen Giraffen
Majonäse Majestät
oberschleckerhammerhaft lecker
Rotzgurke eklig stinkendes Gemüse aus dem Land der Riesen
Unter‘m Arm nehmen auf den Arm nehmen
Alpenträumern Albtraum
Furzelbaum Furz
Wesserbisser Besserwisser
Weises Kind Waisenkind
Quissel-Quassel-Glotzglimmer-Box Fernseher
Lieblingsspeiserich köstlich, lecker

Die Weltpremiere findet am 14. Mai während des Filmfestivals in Cannes statt, wo der Film „Out of Competition“ gezeigt wird (auch E.T. – The Extraterrestrial (1982) hatte dort seine Weltpremiere). Wie E.T. erhält auch The BFG stehende Ovationen:

Variety-Kritiker Peter Debruge schreibt nach der Premiere in Cannes:

“That’s the beauty of Roald Dahl’s The BFG, as brought to life by recent Oscar winner Mark Rylance: You believe. No matter how fantastical the tale (and it gets pretty out-there at points), this splendid Steven Spielberg-directed adaptation makes it possible for audiences of all ages to wrap their heads around one of the unlikeliest friendships in cinema history, resulting in the sort of instant family classic “human beans” once relied upon Disney to deliver.”

Teaser-Trailer anschauen

Der Film startet am 1. Juli in den USA und ab 21. Juli in Deutschland.

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Lincoln (2012)

Steven Spielbergs Meisterwerk Lincoln spielt während der letzten Monate von US-Präsident Abraham Lincolns Amtszeit. Er handelt von seinen Bemühungen um die Verabschiedung des 13. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten durch das Repräsentantenhaus, mit dem die Abschaffung der Sklaverei in den Vereinigten Staaten besiegelt wurde. Lincoln lehrt uns, wie man hinter den Kulissen der Politik einen Konsens herbeiführt, wenn dringende Probleme der Nation zu lösen sind. Der Film ist also im Grunde eine zeitgenössische Geschichte, die im historischen Mantel erzählt wird.

Der Film wird von Steven Spielberg und Kathleen Kennedy produziert, das Drehbuch beruht zum Teil auf Doris Kearns Goodwins Biographie „Team of Rivals: The Political Genius of Abraham Lincoln“. Spielberg über seine Motivation, diesen Film zu drehen:

“The Lincoln project is something that I have been fascinated with all my life. Like the kid in Minority Report, I used to cut out the profiles of Presidents in third grade. Lincoln was my favorite profile. (…) As I got older, I began reading history books and I became like a history major. I never really majored in history in school but it was my most favorite subject. (…) I realized that Lincoln changed the history of the world.”

Daniel Day-Lewis porträtiert auf brillante Weise Abraham Lincoln und wird von weiteren ausgezeichneten Darstellern unterstützt, darunter Sally Field, David Strathairn, Joseph Gordon-Levitt, James Spader, Hal Holbrook, Tim Blake Nelson, Lukas Haas und Tommy Lee Jones.

Adam Driver – später bekannt als Bösewicht in Star Wars: The Force Awakens (2015) – spielt die Rolle des War-Room Telegrafen Samuel Beckwith. Kevin Kline hat einen Kurzauftritt als verwundeter Soldat.

In Vorbereitung auf The Unfinished Journey (1999) – ein 21-minütiger Kurzfilm, der unter der Regie von Spielberg entsteht und bei der Jahrtausend-Gala in Washington DC gezeigt wird, direkt vor dem Lincoln Memorial – fragt Spielberg Historiker wie Stephen Ambrose und Doris Kearns Goodwin um Rat. Auf Spielbergs Frage nach ihren aktuellen Projekten sagt Goodwin, dass sie dabei ist, ein Buch mit dem Titel „Team of Rivals“ über Lincoln und sein Kabinett zu schreiben. Spielberg ist so fasziniert, dass er die Filmrechte unverzüglich erwirbt.

In den frühen Phasen der Projekt-Entwicklung wird John Logan damit beauftragt, einen ersten Drehbuchentwurf zu schreiben. Der Theaterautor Paul Webb schreibt es anschließend neu. Er zieht es vor, Lincolns Amtszeit als Präsident in Gänze abzudecken. Spielberg ist mit dem Skript unzufrieden, und so verzögern sich die Dreharbeiten. Spielberg übergibt die Aufgabe einem weiteren Theaterautor, der Spielberg mit seinem Skript für Munich (2005) beeindruckt hatte: Tony Kushner.

Kushner empfindet die Aufgabe zunächst entmutigend, weil er keinen Zugang zur Motivation des Präsidenten findet: “I don’t understand what he did any more than I understand how William Shakespeare wrote Hamlet or Mozart wrote Così fan tutte.”. Kushners ursprünglicher Entwurf umfasst 491 Seiten und legt den Fokus auf die vier letzten Monate in Lincolns Leben. Bis 2009 überarbeitet er die Fassung und reduziert die Handlung auf die zwei letzten Monate, als er sich mit dem 13. Zusatzartikel der Verfassung beschäftigt.

Ursprünglich ist Liam Neeson als Darsteller für die Hauptrolle vorgesehen, nachdem er zuvor in Spielbergs Schindler’s List (1993) den Titelpart gespielt hatte. In Vorbereitung auf seine Rolle studiert er Abraham Lincoln ausgiebig, doch im Jahr 2010 steigt Neeson aus, nachdem er bei einer Leseprobe feststellt, dass die Rolle nicht für ihn geschaffen ist. Neeson schlägt Daniel Day-Lewis als seinen Nachfolger vor und setzt sich persönlich dafür ein, dass er die Rolle annimmt. Spielberg und Kushner fliegen nach Irland, um sich mit Day-Lewis zu treffen. Das Drehbuch wird noch einige Male überarbeitet, bevor der Schauspieler endlich zustimmt (nachdem auch Leonardo DiCaprio auf ihn eingewirkt hat).

Bis die Finanzierung des Films steht, vergehen fast drei Jahre. Nach dem Verkauf von DreamWorks an Viacom stellt Spielberg sein Projekt beim Viacom-Tochterunternehmen Paramount vor, doch die Chefetage beklagt sich, das Budget, wenn auch auf 50 Millionen Dollar zusammengestrichen, sei immer noch zu hoch und das Thema ähnelte zu sehr Spielbergs Amistad (1997) – einer seiner an der Kinokasse am wenigsten erfolgreichen Filme.

Von den Finanzierungsproblemen frustriert, räumt Spielberg ein, Lincoln hätte beinahe seine Premiere auf HBO erlebt. DreamWorks gelingt jedoch ein Deal mit der Walt Disney Company, die den Verleih in Nordamerika übernimmt. 20th Century Fox finanziert die andere Hälfte des Budgets und erwirbt dafür die internationalen Verleihrechte. Um auf Nummer Sicher zu gehen, bringt DreamWorks mit Participant Media einen weiteren Finanzpartner an Bord, und so kann der Film endlich entstehen.

Die Dreharbeiten dauern 64 Tage, die meisten Aufnahmen werden in Richmond, Fredericksburg und Petersburg, Virginia, gedreht. Eine ehemalige Produktionshalle für Flipperautomaten in Richmond wird als Set für die Innenräume des Weißen Hauses umgebaut. “We worked hard to be as historically accurate as possible, all the way to the room where Mary and Lincoln had their scenes,” sagt Produktionsdesigner Rick Carter. “The wallpaper, rugs, everything was as accurate as it could possibly be.”

Kameramann Janusz Kamiński beschließt gemeinsam mit Spielberg, das Licht auf ein Minimum zu reduzieren, um den Einsatz von Kerzen und Gaslicht während jener Zeit zu unterstreichen. “We knew this was a haunted movie about a man carrying a tremendous burden,” sagt Rick Carter. “We wanted to go with almost a black-and-white photo yet always be able to pick out what was important in the frame.” Die Dunkelheit wird als Werkzeug eingesetzt, um das Zuschauerauge zu lenken. “I wanted to create depth of Lincoln’s character through lighting,” bemerkt Kamiński. “In group shots in his office, I set the light so your eye would go to Lincoln.” In den Aufnahmen, die während der Verabschiedung des 13. Zusatzartikels spielen, beabsichtigt Kamiński, Lincolns ikonografische Erscheinung zu unterlaufen, indem er ihn in grelles Gegenlicht taucht – mit einem Engels-ähnlichen Effekt, der dennoch naturalistisch wirkt.  “I wanted to create a very intimate image of this man on the most important day of his life: He’s still a father, and he’s still allocating time to be with his family and his son.”

Am Set gehen Cast und Crew geradezu ehrfürchtig mit dem Thema um: Unterhaltungen zwischen den Aufnahmen werden in flüsterndem Ton geführt, und ohne triftigen Anlass spricht niemand den Hauptdarsteller an. Spielberg, sonst in Baseballmütze und Jeans, trägt Anzug und Krawatte. Für Daniel Day-Lewis verwendet Spielberg die Anrede „Mr. President“ und spricht auch die anderen Darsteller mit den Namen ihrer Rollen an. Auf die Weise will Spielberg mit Leib und Seele in die amerikanische Geschichte eintauchen.

Seine Erfahrung, Abraham Lincoln darzustellen, beschreibt Daniel Day-Lewis so: 

“I never, ever felt that depth of love for another human being that I never met. And that’s, I think, probably the effect that Lincoln has on most people that take the time to discover him… I wish he had stayed [with me] forever.” 

Spielberg ergänzt:

“The toughest part about actually making the film was that it was eventually going to come to an end. After the first day of shooting, I started mourning the last day of shooting. (…) It’s rare that this has ever happened. E.T. might be the only other time.”

Lincoln wird auf 35mm-Film gedreht und auf einem Avid-System geschnitten – zum dritten Mal schneidet Michael Kahn für Spielberg im digitalen Format. “Steven saw how efficient it was, how it saved it a lot of time, so we’ve been on Avid ever since,” sagt Kahn, der für seine hohe Arbeitsgeschwindigkeit mit den analogen Moviola- und KEM-Systemen bekannt war. Kahn bekennt, nie zuvor einen Film wie Lincoln geschnitten zu haben: “This picture has more dialogue, more getting into people’s heads. A lot of editors say dialogue is the hardest thing to make work, and after Lincoln I have to agree. Audiences won’t see our decisions to cut or not to cut, but the decisions are there.”

Für seine zurückhaltende und respektvolle Filmmusik setzt John Williams weiterhin auf handschriftliche Notation mit Bleistift und Papier am Klavier und bringt auch ohne moderne Technik Klangkompositionen in gewohnt hoher Qualität hervor.

Lincoln wird von der Kritik gefeiert. Hervorgehoben werden die Leistungen der Darsteller, insbesondere des Hauptdarstellers Daniel Day-Lewis, sowie die Regie und handwerkliche Qualität des Films.

Roger Ebert gibt dem Film die Höchstwertung und schreibt in seiner Kritik: “The hallmark of the man, performed so powerfully by Daniel Day-Lewis in Lincoln, is calm self-confidence, patience and a willingness to play politics in a realistic way.”

A.O. Scott von der New York Times stellt fest, der Film “is finally a movie about how difficult and costly it has been for the United States to recognize the full and equal humanity of black people.” Er bezeichnet den Film als “rough and noble democratic masterpiece” –  “intimate but also decorous, drawn with extraordinary sensitivity and insight and focused, above all, on Lincoln’s character as a politician. This is, in other words, less a biopic than a political thriller, a civics lesson that is energetically staged and alive with moral energy.”

Trotz seiner Lauflänge von 150 Minuten ist der Film auch ein großer kommerzieller Erfolg, was darauf hindeutet, dass ihn viele Zuschauer nicht als dröge Geschichtsstunde empfinden. Das weltweite Einspielergebnis beträgt mehr als 275 Millionen (bei einem Budget von 65 Millionen Dollar).

Washington-Insider betrachten den Film als ein Lehrbeispiel, wie ein Präsident mit dem Kongress zusammenarbeiten sollte (der Film wird im Weißen Haus und im Senat vorgeführt).

Lincoln wird nominiert für sieben Golden Globe Awards darunter für Best Motion Picture – Drama und Best Director. Daniel Day-Lewis gewinnt einen Golden Globe für Best Actor (Motion Picture – Drama).

Bei den Academy Awards wird der Film für 12 Oscars nominiert, u.a. für Best Picture. Lincoln gewinnt einen Oscar für Best Production Design und Best Actor for Daniel Day-Lewis. Damit ist er der erste Hauptdarsteller eines Spielberg-Films, der mit einem Academy Award ausgezeichnet wird.


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von 
Lincoln

War Horse (2011)

Steven Spielbergs berührendes Drama War Horse spielt während des Ersten Weltkriegs und beruht auf Michael Morpurgos gleichnamigem Jugendroman aus dem Jahr 1982. Der Film wird von Steven Spielberg und Kathleen Kennedy produziert (Frank Marshall und Revel Guest fungieren als Executive Producer).

Ursprünglich versucht Michael Morpurgo selbst, sein Buch in ein Drehbuch zu übersetzen und arbeitet mehr als fünf Jahre daran, doch es kommt nichts Verwendbares dabei heraus. 2007 adaptiert allerdings Nick Stafford das Buch erfolgreich als Theaterstück. Anders als das Buch kann der Film nicht allein aus Sicht des Pferds erzählt werden, so dass der Großteil der Verfilmung auf der narrativen Herangehensweise des Bühnenstücks basiert. Im Gegensatz zur Theaterfassung, in der für die Pferde lebensgroße Marionetten verwendet werden, setzt der Film auf lebendige Pferde, practical effects und (äußerst selten) CGI.

Im Jahr 2009 ist Filmproduzent Kathleen Kennedy unter den Zuschauern der Bühnenfassung im Londoner West End und berichtet Spielberg davon. Daraufhin erwirbt DreamWorks die Filmrechte. Spielberg schaut sich im Frühjahr 2010 das Bühnenstück an und trifft sich mit den Bühnendarstellern, um ihnen zu sagen, ihre Darstellung habe ihn zu Tränen gerührt.

DreamWorks-Chefin Stacey Snider setzt sich dafür ein, den britischen Regisseur und Drehbuchautor Richard Curtis mit der Überarbeitung der Drehbuch-Entwürfe zu beauftragen, die Michael Morpurgo und Lee Hall eingereicht haben. In nur drei Monaten verfasst Curtis mehr als ein Dutzend Entwürfe in enger Zusammenarbeit mit Spielberg, der zu diesem Zeitpunkt als Produzent vorgesehen ist. Begeistert von den Ergebnissen, beschließt Spielberg, auch die Regie zu übernehmen – während er noch darauf wartet, dass die Animationen für The Adventures of Tintin (2011) abgeschlossen werden.

Nachdem Hunderte junger Darsteller für die Hauptrolle vorgesprochen haben (was zeitweise zu  Spekulationen führt, Eddie Redmayne sei im Rennen), entscheidet sich Spielberg für den relativ unbekannten Theaterschauspieler Jeremy Irvine und beschreibt seine Darstellung als „very natural, very authentic.“ Es ist seine erste Filmrolle, und er hat vor War Horse noch nie ein Pferd geritten.

Zum brillanten Cast des Films gehören britische, französische und deutsche Darsteller (die entsprechende Charaktere spielen), darunter Emily Watson, David Thewlis, Tom Hiddleston, Benedict Cumberbatch, Eddie Marsan, Toby Kebbell, David Kross und Peter Mullan. Robert Emms, Hauptdarsteller in der Londoner Theaterfassung, spielt den Part des David Lyons. Außerdem wirken etwa 5.800 Statisten mit. Buchautor Michael Morpurgo ist in einer Nebenrolle bei der Auktion zu sehen – und besucht mehrmals das Set.

Die Dreharbeiten dauern etwa 64 Tage, beginnend in der Gegend von Stratfield Saye House in North Hampshire. Hier entsteht der Angriff der britischen Kavallerie auf die Maschinengewehr-Stellung der Deutschen, an dem 130 Pferde und Hunderte von Statisten beteiligt sind – eine der erschütterndsten Kriegssequenzen, die Spielberg je gedreht hat.

Jeremy Irvine sagt über die Entstehung der Szenen:

“It was terrifying. The smoke and the smell and the taste of the guns firing. It’s not difficult to act scared in that situation. There’s no doubt this was deliberate: not only to have the film look great, but to have that effect on the actors. It was an eye-opening scene.”

Tom Hiddleston erinnert sich an Spielbergs Regieanweisung:

“He said, ‘Give me your war face, and the camera’s going to move across, and as you feel it come up in front of you, I want you to de-age yourself by 20 years. So you’re 29, and when you see those machine guns, you’re 9 years old. I want to see the child in you.’ And I just thought that was one of the most astonishing acting notes I’d ever been given.“ 

Emily Watson sagt über Spielbergs Regiearbeit:

„On set, he’d come in, in the morning, and say, ‚I couldn’t sleep last night. I was worrying about this shot!’ Which was great! He’s human and he’s still working in an impassioned way, like a 21-year-old, trying to make the best out of everything.”

 

Kathleen Kennedy sondiert etliche Gegenden auf dem Land und schickt Spielberg Fotos, u.a. von Dartmoor, Devon. Daraufhin beschließt Spielberg, Elemente der Geschichte wegzulassen, um die Dreharbeiten in Dartmoor ausdehnen zu können. Spielberg sagt über Dartmoor:

“I have never before, in my long and eclectic career, been gifted with such an abundance of natural beauty as I experienced filming War Horse on Dartmoor.”

Nach seiner Arbeit an James Camerons Avatar (2009) nimmt Produktionsdesigner Rick Carter, Spielbergs langjähriger Mitarbeiter, seine Arbeit für War Horse auf. Dieses Mal besteht seine Aufgabe nicht darin, eine neue Realität zu erschaffen, sondern eine vorhandene Landschaft in eine Art Charakter des Films zu verwandeln.

Die berühmte Aufnahme des Pferdes in der letzten Szene, vor tiefrotem Himmel, wirkt wie eine Anspielung auf Gone With the Wind (1939), doch Spielbergs Kameramann Janusz Kamiński beteuert, die Ähnlichkeit sei unbewusst: „I didn’t even know there was an image similar to that!” Kamiński orientiert sich an John Fords The Searchers (1956) und legt besonderes Augenmerk auf Fords Panoramen-hafte Porträts von Himmel und Landschaft.

Nachdem sich Spielberg in sechs Filmen mit dem Zweiten Weltkrieg befasst hat, wendet er sich erstmals dem Ersten Weltkrieg zu. Die Sequenzen in den von Stacheldraht umsäumten Schützengräben erinnern an Klassiker wie Lewis Milestones All Quiet on the Western Front (1930) und Stanley Kubricks Paths of Glory (1957).

In manchen Szenen kommen bis zu 280 Pferde gleichzeitig zum Einsatz. Für die „Hauptrolle“ des Joey werden vierzehn verschiedene Pferde eingesetzt, acht von ihnen porträtieren ihn als erwachsenes Wesen, vier als Jungpferd und zwei als Fohlen. In einigen Situationen kommen Animatronic-Pferde zum Einsatz, zum Beispiel als sich Joey im Stacheldraht verheddert (der Draht besteht aus Gummi). Die Arbeit mit Pferden ist in diesem Umfang eine vollkommen neue Erfahrung für Spielberg:

“When I’m on an Indy movie, I’m watching Indiana Jones, not the horse he is riding … Suddenly I’m faced with the challenge of making a movie where I not only had to watch the horse, I had to compel the audience to watch it along with me. I had to pay attention to what it was doing and understand its feelings. It was a whole new experience for me.”

Michael Kahn schneidet den Film noch während der Dreharbeiten in seinem Wohnwagen am Set. Kahn und Spielberg schneiden die Szenen digital auf einem Avid-System, statt auf Film.

Die visuellen Effekte für den Film entstammen dem Londoner Unternehmen Framestore.  Spielberg zufolge bestehen die einzigen digitalen Effekte des Films aus drei Einstellungen mit einer Dauer von drei Sekunden, um die Sicherheit des Pferdes zu gewährleisten: “That’s the thing I’m most proud of. Everything you see on screen really happened.”

Spielberg beschreibt die Filmmusik von John Williams wie folgt:

“I feel that John has made a special gift to me of this music, which was inspired not only by my film but also by many of the picturesque settings of the poet William Wordsworth, whose vivid descriptions of the British landscape inspired much of what you are going to hear.”

Der Film erhält positive Kritiken, darunter von Roger Ebert, der über War Horse schreibt: “surely some of the best footage Spielberg has ever directed (…) The film is made with superb artistry. Spielberg is the master of an awesome canvas. Most people will enjoy it, as I did.“ 

War Horse ist ein finanzieller Erfolg und nimmt weltweit 177 Millionen Dollar ein (bei einem Budget von 66 Millionen Dollar). Der Film erhält sechs Oscar-Nominierungen, darunter als Bester Film, geht aber insgesamt leer aus.


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von War Horse

 

Amistad (1997)

Steven Spielbergs Historiendrama Amistad – sein erster Film unter dem Banner von DreamWorks SKG – beruht auf der wahren Geschichte einer Meuterei an Bord des Sklavenschiffs La Amistad im Jahre 1839. Angeführt von Joseph Cinque, übernehmen 53 verschleppte Afrikaner, die auf den Zuckerplantagen von Kuba arbeiten sollen, die Kontrolle über das Schiff und enden schließlich in einer Gerichtsverhandlung des U.S. Supreme Court, wo sich der ehemalige US-Präsident John Quincy Adams in einer leidenschaftlichen Rede für ihre Freilassung einsetzt.

David Franzoni schreibt das Drehbuch, das anschließend auf Spielbergs Wunsch von Steven Zaillian (Schindler’s List) überarbeitet wird.

John Quincy Adams wird von Anthony Hopkins gespielt, nachdem Sean Connery die Rolle abgelehnt hat. Spielberg zufolge waren einige US-Darsteller erzürnt, da ihrer Meinung nach der Präsident von einem amerikanischen Schauspieler gespielt werden solle. Dies hält Spielberg später nicht davon ab, mit Daniel Day-Lewis wiederum einen Briten für die Hauptrolle in Lincoln (2012) zu besetzen – ein weiteres Historiendrama mit dem Fokus auf Afro-Amerikanischer Geschichte. Hopkins hält die gesamte 7-seitige Rede in einer einzigen Einstellung.

Spielberg entscheidet sich für Djimon Hounsou als Darsteller des Cinque, nachdem mehr als 150 Schauspieler zur Auswahl standen (darunter auch Will Smith, Denzel Washington und Cuba Gooding Jr.). In einem 10-tägigen Crashkurs lernt Hounsou die Tonsprache Mende, die in der Heimat von Cinque gesprochen wird.

Der Sklavereigegner Theodore Joadson, gespielt von Morgan Freeman, ist eine fiktive, aus mehreren historischen Personen zusammengesetzte Figur – eine Erzähltechnik, die Spielberg schon in Schindler’s List (1993) zur Anwendung brachte.

Zum eindrucksvollen Schauspieler-Ensemble zählen Matthew McConaughey, Nigel Hawthorne, Anna Paquin, Stellan Skarsgård, Chiwetel Ejiofor und Arliss Howard. Harry A. Blackmun (Richter am US Supreme Court von 1970 bis 1994) spielt die Rolle des US Associate Supreme Court Justice, Joseph Story.

Die treibende Kraft hinter Amistad ist die Ausführende Produzentin Debbie Allen. Schon 1978 stolperte sie über ein literarisches Journal, das die Geschichte der La Amistad-Meuterei enthielt. Doch als sie die Story den Hollywood-Studios zur Verfilmung anbietet, schlägt ihr nur Ablehnung entgegen, von schwarzen und weißen Produzenten gleichermaßen. Niemand wolle einen Film über Sklaven sehen, sagt man ihr. Nachdem sie Spielbergs Schindler’s List (1993) angeschaut hat, ist sich Allen sicher, den Mann gefunden zu haben, der Cinques Geschichte in einen fesselnden Film verwandeln könnte.

Spielberg nimmt die Herausforderung an, die verwickelten historischen Ereignisse rund um die Amistad-Meuterei in einem Spielfilm nachzuerzählen, weil er davon überzeugt ist, dass jeder – besonders seine eigenen Kinder – diesen Vorfall kennen sollte, der im Geschichtsunterricht eine so geringe Rolle spielt. Spielberg will eine historische Fußnote in ein menschlich nachvollziehbares Drama übersetzen, das Zeit und Raum überwindet. Später kritisieren Akademiker seinen Film wegen historischer Ungenauigkeit und einer irreführenden Darstellung des Amistad-Verfahrens als „Wendepunkt“ der amerikanischen Sicht auf die Sklaverei.

Die Dreharbeiten enden bereits nach 48 Tagen. An der Post-Production nimmt Spielberg kaum teil, da er bereits an seinem nächsten Film arbeitet: Saving Private Ryan (1998). Kameramann Janusz Kamiński vermeidet die Klischees des historischen Genres, denn die Story “required photography that was not too pretty. (…) The movie is about a slave rebellion in 1830, so it would have been wrong to apply lighting that conveyed romantic notions.” Spielberg fügt hinzu: “I didn’t want to bring modern times – which I would equate with long, slick dolly shots – into the nineteenth century.“

Produktionsdesigner Rick Carter orientiert sich bei der Festlegung der visuellen Anmutung an den Werken von Francisco Goya. Kostümdesignerin Ruth E. Carter kleidet Hunderte von Komparsen in Lendenschurz und muss gleichzeitig historische Garderobe für Anwälte, Königinnen und Präsidenten entwerfen.

Anders als bei The Color Purple (für den Quincy Jones den Score schrieb) erhält diesmal John Williams den schwierigen Auftrag, für Spielbergs zweiten Film über ein Afro-Amerikanisches Thema eine passende Musik zu liefern. Es ist der fünfzehnte Film ihrer inzwischen 24-jährigen Zusammenarbeit. Williams komponiert einen Score mit einem mitreißenden Hauptthema – eine musikalische Adaption des Gedichts “Dry Your Tears, Africa” mit afrikanischem Sprechgesang.

Amistad kann über die Länge von 152 Minuten nicht immer überzeugen, erhält aber überwiegend positive Kritiken. Der Film wird für vier Academy Awards nominiert: Anthony Hopkins in der Kategorie Best Actor in A Supporting Role, Best Cinematography, Best Costume Design und Best Music.

Filmkritiker Roger Ebert urteilt: “Amistad, like Spielberg’s Schindler’s List, is […] about the ways good men try to work realistically within an evil system to spare a few of its victims. […] Schindler’s List works better as narrative because it is about a risky deception, while Amistad is about the search for a truth that, if found, will be small consolation to the millions of existing slaves. As a result, the movie doesn’t have the emotional charge of Spielberg’s earlier film — or of The Color Purple, which moved me to tears. […] What is most valuable about Amistad is the way it provides faces and names for its African characters, whom the movies so often make into faceless victims.”

Spielbergs Doppelsalve (wie zuvor Jurassic Park und Schindler’s List erscheinen The Lost World: Jurassic Park und Amistad im selben Jahr) bleibt hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück: Bei einem Budget von ca. 36 Millionen Dollar und trotz großem Staraufgebot erwirtschaftet Amistad mit ca. 44 Millionen Dollar nur einen relativ kleinen Profit.


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von Amistad

 

Jurassic Park (1993)

Erneut dreht Spielberg zwei Filme im selben Jahr. Der erste ist Schindler’s List, in Spielbergs eigenen Worten sein „most significant film“. Der zweite ist Jurassic Park, ein bahnbrechender Film voller Spektakel, Nervenkitzel und Abenteuer, oder mit den Worten Spielbergs: „a good sequel to Jaws, on land“.

Spielberg hat vor, Schindler’s List zuerst zu drehen, doch MCA Präsident Sid Sheinberg gibt für den Holocaust-Film nur unter der Bedingung grünes Licht, dass Spielberg Jurassic Park als erstes verfilmt. Spielberg zeigt Verständnis: „He knew that once I had directed Schindler I wouldn’t be able to do Jurassic Park.“ Sheinbergs Entscheidung zwingt Spielberg, die Post-Production von Jurassic Park von Polen aus per Satelliten-Übertragung zu überwachen, während er bereits Schindler’s List dreht.

Jurassic Park basiert auf Michael Crichtons Bestseller-Roman über einen Erlebnispark mit geklonten Dinosauriern auf einer entfernten tropischen Insel. In einem harten Bieterkampf kauft Universal die Filmrechte für 1.500.000 Dollar plus einem Anteil an den Einnahmen des Films und zahlt Crichton weitere 500.000 Dollar für einen ersten Entwurf des Drehbuchs (vgl. Peter Benchley, der für die Filmrechte an seinem Roman Jaws nur 150.000 Dollar erhielt sowie 25.000 Dollar für einen ersten Script-Entwurf).

Crichtons First Draft wird von Malia Scotch Marmo (Hook) überarbeitet, die versucht, die Figuren von Grant und Malcolm zu verschmelzen – eine Technik, die auch Steven Zaillian in seinem Drehbuch für Schindler’s List anwendet. Als schließlich David Koepp die Arbeit am Drehbuch übernimmt, wird Scotch Marmos Idee der Zusammenführung (zum Glück) fallengelassen.

Auf Basis von Spielbergs Ideen weicht Koepp deutlich von der Romanvorlage ab, indem er zum Beispiel die animierte „Pre-Show“ mit Mr. DNA einführt, Hammonds Enkelin Lex mit den Fähigkeiten eines Computer-Nerds versieht und am Filmhöhepunkt die „heroische“ Rückkehr des T. rex einbaut. Anders als im Roman wird der Parkeigentümer John Hammond (Sir Richard Attenborough) nicht als eindimensionaler Bösewicht porträtiert, sondern als ein exaltierter Träumer , der vom Showmanship besessen ist – ganz ähnlich wie Spielberg und Walt Disney.

Die Paläobotanikerin Dr. Ellie Sattler (Laura Dern) ist präsenter als im Roman, und die Figur des Paläontologen Dr. Alan Grant (Sam Neill, anstelle von Spielbergs ursprünglicher Wahl Harrison Ford) erfährt mehr Charakterentwicklung: Sein Unbehagen gegenüber Kindern verliert sich allmählich, als „das Leben einen Weg findet“ und T. rex & Co. die Jagd auf Hammonds Enkelkinder eröffnen. Sie alle müssen von der Insel fliehen, bevor der Park im Chaos versinkt – analog zur Vorhersage des Mathematikers Ian Malcolm (brillant gespielt von Jeff Goldblum). Anders als im Roman überleben Malcolm und Hammond, und Malcolm darf viel mehr sarkastische Sprüche liefern, wie z.B.: „Wenn Pirates of the Caribbean ausfällt, essen die Piraten nicht die Touristen.

Spielberg verfeinert nicht nur die Scherenschnitt-artigen Romanfiguren, er verleiht sogar den Dinosauriern gewisse Charaktereigenschaften. Paul Bullock belegt in seiner detaillierten E-Book-Analyse, dass hinter Jurassic Park weitaus mehr steckt als ein „Triumph technischer Innovation“ oder eine „Flucht aus der Realität“. Unter der spannenden Oberfläche des Films vermittelt Spielberg seinem Publikum Demut vor der Natur anstelle wissenschaftlicher Arroganz. Ein weiterer Subtext zielt auf die Verantwortung des Individuums, zu handeln (nicht nur hinzuschauen), wenn andere Hilfe benötigen – ein zentrales Thema von Schindler’s List. In einer mehrdeutigen Anspielung auf die  von ihm selbst geschaffene Ära der Blockbuster zeigt Spielberg einen Merchandise-Shop mit Produkten, die nach dem Kinostart tatsächlich erhältlich sind.

Kameramann Dean Cundey und Produktionsdesigner Rick Carter (zum ersten Mal unter der Regie von Spielberg) erschaffen eine kontrastierende Welt aus üppigen Landschaften und spektakulären High-Tech-Sets.

Fay Wray am Set von Jurassic Park
Fay Wray (sitzend in der Mitte); von links: Michael Crichton, Kathleen Kennedy, Stan Winston und Steven Spielberg. Foto: © The Making of Jurassic Park von Don Shay, Ballantine Books 1993

Fay Wray, Hauptdarstellerin und Scream Queen in King Kong (1933), einer großen Inspiration für Jurassic Park, wird auf das Filmset auf Hawaii eingeladen (siehe Foto) und berät die junge Schauspielerin Ariana Richards, wie man richtig laut schreit.

Durch massiven Einsatz von Storyboards und akribische Vorbereitung enden die Dreharbeiten bereits nach 98 Tagen – zwölf Tage früher als geplant – bei einem Budget von 63 Millionen Dollar (Hook war teurer); eine große Leistung auch der Produzenten Kathleen Kennedy und Gerald R. Molen, immerhin wurde der Drehort von Iniki teilweise zerstört, dem stärksten Hurrikan, der Hawaii in der aufgezeichneten Geschichte heimgesucht hat.

Ursprünglich will Steven Spielberg die Dinosaurier in einer Kombination aus Go-Motion-Animationen von Phil Tippett und lebensgroßen Animatronics von Stan Winston auf der Leinwand zum Leben erwecken. Aber dann erzählt ihm ILM Visual Effects Supervisor Dennis Muren von neuen CGI-Technologien und meint, er könne die Dinos vielleicht im Computer erschaffen. Als Muren schließlich Spielberg und Tippett die ersten CGI Animatics zeigt, in der ein Tyrannosaurus eine Gallimimus-Herde jagt, sagt Spielberg zu Tippet, „You’re out of a job“, worauf der antwortet: „Don’t you mean extinct?“ Spielberg lässt Murens CGI Animatics und den Dialog mit Tippet in das Drehbuch einbauen.

Das Brüllen des Tyrannosaurus erzeugt Gary Rydstrom aus einer Kombinarion verschiedener Tier-Geräusche (Hund, Pinguin, Tiger, Alligator und Elefant) – ähnlich der Art, wie Sounddesigner Ben Burtt galaktische „Sprachen“ und Soundeffekte für Star Wars entwickelte.

John Williams komponiert einen der schönsten (und einprägsamsten) Scores seiner Karriere.

Jurassic Park erhält großen Zuspruch durch die Kritiker und drei Academy Awards für die Best Visual Effects, Best Sound Mixing und Best Sound Editing.

Der Film spielt weltweit über 900 Millionen Dollar ein und ist der finanziell erfolgreichste Film Spielbergs (sein Privatvermögen wächst um 250 Millionen Dollar). Zum dritten Mal setzt er sich mit einem Film an die Spitze der „All Time Box Office“-Liste und deplatziert seinen eigenen Film E.T. – The Extraterrestrial. Heute hält Jurassic Park immer noch Platz 17 (inflationsbereinigt).

Bis heute entstehen drei Fortsetzungen – davon eine unter der Regie von Spielberg: The Lost World – Jurassic Park (1997).


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von Jurassic Park