The BFG (2016)

Steven Spielbergs 3D-Fantasy-Abenteuerfilm The BFG beruht auf Roald Dahls 1982 veröffentlichtem Kinderbuch, das im deutschen Sprachraum unter dem Titel „Sophiechen und der Riese“ erschien (1985 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet).

Die Verfilmung von The BFG ist eine Koproduktion von Walt Disney Pictures, DreamWorks Pictures, Amblin Entertainment und Walden Media.

US-Poster und Szenenfotos: © 2016 DreamWorks II Distribution Co., LLC, Disney Enterprises, Inc., and Walden Media

Deutschsprachiges Poster: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH

Das Drehbuch für The BFG stammt aus der Feder von Melissa Mathison, die auch das Drehbuch für Spielbergs E.T. – The Extra-Terrestrial (1982) schrieb. The BFG ist ihr gewidmet, denn sie verstarb 2015. Auch die „Tagline“ des Plakats weckt Erinnerungen an E.T. – The Extra-Terrestrial.

Spielberg über seine Zusammenarbeit mit Mathison:

“I don’t miss Melissa yet because I haven’t had the chance to mourn her, because she is still with me. I’m not saying that in a supernatural way, because Melissa is alive in every single frame of The BFG. She has been with me all through this process and she is as tangible as if she were sitting next to me. What I’m not looking forward to is when I finish with The BFG and I have to face the fact that Melissa is no longer with me.”

“Melissa could do something most of us could not. She observed people without judging them. The only other people I can think of who observe with curiosity and without judgment are children. And I think that’s why she understood them and wrote them better than anyone else.”

Der BFG ist ein Guter Riese (Big Friendly Giant) und ein Sonderling im Land der Riesen. Er ist acht Meter groß, mit riesigen Ohren und einem scharfen Geruchssinn. Er lebt zurückgezogen, ist auf liebenswerte Art „schwer von Begriff“ und hat eine ungewöhnliche Ausdrucksweise. Andere Riesen wie Knochenknacker, Hackepeter und Fleischfetzenfresser sind doppelt so groß und beängstigend. Nach ihrer Ankunft im Land der Riesen fürchtet sich die 10-jährige Sophie anfänglich vor dem geheimnisvollen BFG, der sie in seine Höhle verschleppt hat. Doch schon bald erkennt sie sein sanftes Wesen. Gemeinsam treten sie gegen die bösen, menschenfressenden Riesen an, von denen die Welt der Menschen bedroht wird.

Spielberg erinnert sich, wie er Roald Dahls Buchvorlage seinen Kindern vorgelesen hat:

“They loved the privacy and secrecy of his own special giant-speak. And they also loved that this little 8-year-old girl can tell a 26-foot-tall giant what to do.”

Zum ersten Mal führt Spielberg Regie unter der Marke DisneyEr erklärt, was ihn an dem Stoff reizt:

“It’s a story about friendship, it’s a story about loyalty and protecting your friends and it’s a story that shows that even a little girl can help a big giant solve his biggest problems.”

Zum Cast von The BFG gehören Ruby Barnhill, Mark Rylance, Penelope Wilton, Jemaine Clement, Rebecca Hall, Rafe Spall und Bill Hader.

Dies ist der erste Spielberg-Film mit einer weiblichen Hauptrolle seit The Color Purple (1985).

The BFG ist Spielbergs zweite Zusammenarbeit mit Mark Rylance, der  für seine Rolle in Bridge of Spies (2015) einen Academy Award gewann. In die Rolle des BFG schlüpft er mittels Motion-Capture – ein Verfahren zur digitalen Aufzeichnung der Mimik und Gestik von Darstellern, das Spielberg zuletzt in The Adventure of Tintin (2011) zum Einsatz brachte.

Steven Spielberg versucht (vergeblich), Gene Wilder zu einem Gastauftritt zu überreden. Er spielte die Titelrolle in der Roald Dahl-Verfilmung Willy Wonka & the Chocolate Factory (1971).

Die Dreharbeiten finden zwischen dem 23. März bis 16. Juni 2015 statt, gefolgt von umfangreichen Post-Production-Arbeiten. Zu den Drehorten gehören Vancouver in Kanada sowie Schottland und England.

Die Entwicklung des Projekts geht zurück bis in das Jahr 1991: Frank Marshall und Kathleen Kennedy verhandeln mit Paramount Pictures – zu diesem Zeitpunkt soll Robin Williams die Titelrolle spielen. 1998 liefern Robin Swicord und Nicholas Kazan ein Drehbuch, das 2001 von Gwyn Lurie überarbeitet wird.

Im September 2011 erwirbt DreamWorks die Filmrechte für das Buch. Mit an Bord sind Kennedy und Marshall als Produzenten sowie Melissa Mathison als Drehbuchautorin. John Madden wird als Regisseur gehandelt, bis im April 2014 Steven Spielberg die Regie übernimmt (Madden bleibt dem Projekt als Executive Producer verbunden). Nachdem Walden Media zustimmt, sich an der Finanzierung zu beteiligen, kann Walt Disney Studios für die Ko-Finanzierung gewonnen werden.

Zu den regulären Mitgliedern von Spielbergs Team zählen: Kameramann Janusz Kaminski, Cutter Michael Kahn, Komponist John Williams, Produktionsdesigner Rick Carter und Kostümdesignerin Joanna Johnston. Die visuellen Effekte werden von Weta Digital geschaffen.

Produziert wird der Film von Steven Spielberg, Frank Marshall und Sam Mercer – mit Kathleen Kennedy, John Madden, Kristie Macosko Krieger, Michael Siegel, Frank Smith und Naia Cucukov als Executive Producers.

Roald Dahls Bücher, zu denen auch “Charlie and the Chocolate Factory,” “James and the Giant Peach” und “Matilda” zählen, wurden in 58 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als 200 Millionen mal verkauft. “The BFG” war ursprünglich als Gutenacht-Geschichte gedacht und zählt zu Dahls Lieblingsgeschichten. Sie wird nun zum ersten Mal mit Schauspielern verfilmt und kommt pünktlich zu Roald Dahls 100. Geburtstag in die Kinos.

Spielberg über die Verantwortung, möglichst dicht an Roald Dahls Vorlage zu bleiben:

“It was very important for us to be loyal to the language, and the great writer Melissa Mathison, who also wrote ‘E.T.: The Extra-Terrestrial,’ wrote ‘The BFG.’”

Roald Dahls Buch besticht vor allem durch die Fantasiesprache Gobblefunk, die er seinem Riesen in den Mund gelegt hat. Sie ist auch in den Film eingeflossen. Beispiele aus der deutschen Fassung (vgl. engl. Originalversion):

delikatzig vorzüglich
Blubberwasser grünes Getränk, dessen Kohlensäure nach unten bitzelt
Fürbisfuchen Kürbiskuchen
schlotzt lecker, schön, prima
Zauberzischler schöner Traum
Leberwesen Menschen
Geohrwurmster Gehorsamster
Gigaraffen Giraffen
Majonäse Majestät
oberschleckerhammerhaft lecker
Rotzgurke eklig stinkendes Gemüse aus dem Land der Riesen
Unter‘m Arm nehmen auf den Arm nehmen
Alpenträumern Albtraum
Furzelbaum Furz
Wesserbisser Besserwisser
Weises Kind Waisenkind
Quissel-Quassel-Glotzglimmer-Box Fernseher
Lieblingsspeiserich köstlich, lecker

Die Weltpremiere findet am 14. Mai während des Filmfestivals in Cannes statt, wo der Film „Out of Competition“ gezeigt wird (auch E.T. – The Extraterrestrial (1982) hatte dort seine Weltpremiere). Wie E.T. erhält auch The BFG stehende Ovationen:

Variety-Kritiker Peter Debruge schreibt nach der Premiere in Cannes:

“That’s the beauty of Roald Dahl’s The BFG, as brought to life by recent Oscar winner Mark Rylance: You believe. No matter how fantastical the tale (and it gets pretty out-there at points), this splendid Steven Spielberg-directed adaptation makes it possible for audiences of all ages to wrap their heads around one of the unlikeliest friendships in cinema history, resulting in the sort of instant family classic “human beans” once relied upon Disney to deliver.”

Teaser-Trailer anschauen

Der Film startet am 1. Juli in den USA und ab 21. Juli in Deutschland.

Advertisements

2014

James Gunns Guardians of the Galaxy, der zehnte Superhelden-Film aus dem Marvel Cinematic Universe, bietet ein beeindruckendes Schauspieler-Ensemble auf, darunter Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Vin Diesel, Bradley Cooper, Lee Pace, Michael Rooker, Karen Gillan, Djimon Hounsou, John C. Reilly, Glenn Close und Benicio del Toro.

Regisseur James Gunn schreibt das Drehbuch gemeinsam mit Nicole Perlman. Darin verbündet sich Protagonist Peter Quill (Chris Pratt) mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe Außerirdischer, die auf der Flucht sind, nachdem sie den so genannten „Orb“ gestohlen haben- ein mächtiges Artefakt.

Gunn versucht so viel wie möglich mit realen Sets und Effekten zu arbeiten und diese mit den CGI– und Motion Capture-Aufnahmen zu kombinieren. In Gunns Worten:

“Our sets are enormous. We have a prison that is 350,000 pounds of steel. Anybody who knows me knows I love the mix of practical and CGI effects… I can’t wait for people to see it, because it’s astonishingly beautiful.”

Der Film kommt bei der Kritik und beim Publikum gut an und nimmt weltweit 773,3 Millionen Dollar ein, bei einem Produktionsbudget von 170 Millionen Dollar (an der Kinokasse erreicht er damit Platz 5 im Marvel Cinematic Universe). Gelobt wird vor allem sein Humor, die Action, die Regie und der Soundtrack.

Mit den Darstellern Djimon Hounsou (Amistad), Vin Diesel (Saving Private Ryan) und Zoe Saldana (The Terminal) hat Steven Spielberg bereits zusammengearbeitet. Chris Pratt wird die Hauptrolle in dem von Spielberg produzierten Blockbuster Jurassic World spielen.

In einem Cannes-Interview, das zunächst auf Omelete.uol.com.br veröffentlicht und dann ins Englische übersetzt wird, bezeichnet Spielberg Guardians of the Galaxy als seinen Lieblings-Superhelden-Film:

“I love the Superman of Richard Donner, The Dark Knight, Christopher Nolan, and the first Iron Man, but [the] superhero film that impressed me most is one that does not take itself too seriously: Guardians of the Galaxy. When his projection was over, I left with the feeling of having seen something new in movies, without any cynicism or fear of being dark when needed. There is a difference between heroes and superheroes. The hero is an ordinary person who is faced with a serious fact and acts to modify it. A hero is a person who, walking down the street, see[s] a car on fire and runs [to] help the person who is in the driver’s seat, attached to the seat belt to loosen. [A] superhero is a person who, on the same scene, would fly to the car and try to turn it upside down and shake it using his super strength, until the driver is released. I identify more with the first example. Film[s of] everyday heroes.”

 

Die Fortsetzung, Guardians of the Galaxy Vol. 2, kommt am 5. Mai 2017 in die Kinos.

The Adventures of Tintin (2011)

Steven Spielbergs wegweisender Animationsfilm The Adventures of Tintin (aka The Adventures of Tintin: The Secret of the Unicorn) ist eine fotorealistische, computeranimierte 3D-Adaption der berühmten Comic-Serie von Hergé.

Es ist das erste Mal, dass Spielberg bei einem Animationsfilm Regie führt, und es ist sein erster 3D-Film.

Spielberg entdeckt Hergés Comics, als sein Film Raiders of the Lost Ark (1981) damit verglichen wird, und es gelingt ihm, die Rechte zur Verfilmung zu sichern. Hergé schreibt die folgende Notiz über Spielberg: “If anyone can bring Tintin successfully to the screen, it is this young American film director…”.

Pläne für andere Filme kommen jedoch dazwischen, so dass sich das Projekt bis in die späten 2000er Jahre verzögert und DreamWorks die Option zur Verfilmung erneuern muss.

The Adventures of Tintin wird von Peter Jackson produziert, dessen Firma Weta Digital für die Computeranimationen verantwortlich zeichnet. Das Drehbuch wird von Steven Moffat, Edgar Wright und Joe Cornish verfasst und basiert auf drei Hergé-Comicalben: The Crab with the Golden Claws (1941), The Secret of the Unicorn (1943), and Red Rackham’s Treasure (1944). Philippa Boyens und Fran Walsh (bekannt aus den The Lord of the Rings-Filmen) wirken ebenfalls am Drehbuch mit.

Zu den Darstellern, die ihre Charaktere mittels Motion-Performance porträtieren und ihnen ihre Stimme leihen, gehören Jamie Bell, Andy Serkis, Daniel Craig, Nick Frost und Simon Pegg. Für den Hund Snowy werden die Bewegungen eines Hundes digital erfasst, so dass die Animationskünstler eine Vorlage haben. Sein Bellen wird aus den Lauten verschiedener Hunderassen zusammengesetzt (anders als in den Comics hat der filmische Snowy keine Sprechstimme).

Die Dreharbeiten sollen im Oktober 2008 beginnen, mit dem Ziel einer Release im Jahr 2010. Dieser Plan scheitert, als Universal als Co-Produzent aussteigt und stattdessen Sony Pictures an Bord kommt. Die Verzögerung führt dazu, dass Thomas Sangster, ursprünglich für die Rolle des Tintin vorgesehen, das Projekt verlässt. Als seinen Nachfolger schlägt Peter Jackson einen der Darsteller aus seinem Remake von King Kong (2005) vor: Jamie Bell.

Peter Jackson überzeugt Spielberg “not to do Tintin in live-action” – dies würde den Comic-Büchern nicht gerecht werden – und plädiert für Motion-Capture als der besten Methode, Hergés Welt zu verfilmen.

Im Jahr 2006 wird eine erste Demo auf genau dem Set gedreht, das James Cameron für Avatar (2009) verwendet. In den Testaufnahmen spielt Andy Serkis den Captain Haddock, und Peter Jackson springt ein für Tintin. James Cameron und Robert Zemeckis sind während der Dreharbeiten anwesend. Das Team von Weta Digital produziert eine zwanzigminütige Testaufnahme und demonstriert damit erfolgreich die fotorealistische Darstellung der Charaktere.

Spielberg beginnt mit den Dreharbeiten am 26. Januar 2009 und beendet sie nach 32 Tagen. Regie-Kollegen wie Guillermo del Toro, Stephen Daldry und David Fincher besuchen das Set. Peter Jackson ist in der ersten Woche ebenfalls am Set und überwacht den Rest des Drehs per iChat-Videokonferenz. Spielberg, der den Film wie Live-Action angeht und häufig selbst die Kamera führt, stellt fest: “Every movie I made, up until Tintin, I always kept one eye closed when I’ve been framing a shot,” weil er vor Tintin die Szenen flach sehen wollte, genau wie der Kinozuschauer. “On Tintin, I have both of my eyes open.” Spielberg schließt Mitte Juli 2009 zusätzliche, sechswöchige Motion-Capture-Dreharbeiten ab.

Detailtreue gegenüber Hergés Konzept hat bei Spielbergs kreativen Entscheidungen höchste Priorität. Look und Persönlichkeit der Charaktere werden akribisch auf ihre Comic-Ebenbilder abgestimmt. Erkennbar wird dies bereits bei der stilvollen Titelsequenz des Films und der ersten Szene, in der ein Zeichner, der Hergé sehr ähnelt, ein Tintin-Porträt in Hergés Stil anfertigt. Spielberg beschreibt sein Gefühl bei der Arbeit an diesem Film als „artistic and painterly“. Passenderweise beginnt der Film mit einer Nahaufnahme einer Maler-Palette.

Jackson überwacht das Team von Weta Digital während der Postproduction, während Spielberg per Videokonferenz dazugeschaltet wird. Kameramann Janusz Kamiński ist bei Weta als „Lighting Consultant“ tätig und leistet seinen Beitrag zum Look des Films, den er als „film-noirish, very atmospheric“ bezeichnet. Um die Nuancen der Innenraumausleuchtung zu verbessern, entwickeln Weta Digital und NVIDIA die Ray-TracingSoftware PantaRay, die 100 bis 1000 mal mehr Rechenleistung erfordert als traditionelle Shadow-Mapping-basierte Lösungen. Die Postproduction wird im September 2011 abgeschlossen.

Bei seiner Zusammenarbeit mit Spielberg hat Cutter Michael Kahn das Filmmaterial bisher immer im Analogverfahren auf einer Moviola und einer KEM geschnitten, doch für Tintin schneidet er digital auf einem Avid-System.

John Williams komponiert eine faszinierende Filmmusik für seinen ersten Zeichentrickfilm. Das meiste davon entsteht, während sich der Animationsprozess noch in einem frühen Stadium befindet. Williams versucht “the old Disney technique of doing music first and have the animators trying to follow what the music is doing”. Am Ende muss er mehrere Abschnitte seiner Musik anpassen, als der Film geschnitten wird. Williams setzt verschiedene Musikstile ein: europäischen Jazz der 1920/30er Jahre für den Vorspann oder „Piraten-Musik“ für die Szenen auf hoher See. Die Sopranistin Renée Fleming ist die Singstimme für den Comic-Charakter Bianca Castafiore und interpretiert einen Part aus Romeo et Juliette.

Der Kinostart fällt auf den 30. Jahrestag von Raiders of the Lost Ark (1981). Die Weltpremiere findet am 22. Oktober 2011 statt, und zwar in Brüssel, Hergés Heimatstadt. In den USA startet der Film erst im Dezember 2011 in Digital-3D und IMAX.

The Adventures of Tintin ist ein kommerzieller Erfolg, mit weltweiten Einnahmen von mehr als 373 Millionen Dollar gegenüber einem Budget von 135 Millionen Dollar. Die Einnahmen liegen deutlich höher außerhalb der USA (wo Hergés Comics  weitgehend unbekannt sind). Der Film erhält positive Kritiken, die ihn wiederum mit Raiders of the Lost Ark (1981) vergleichen. Als erster Animationsfilm, der nicht aus dem Hause Pixar kommt, gewinnt Tintin den Golden Globe Award für den Besten Animationsfilm. Für seine Filmmusik wird John Williams für einen Academy Award nominiert.

Peter Jackson plant, bei der Fortsetzung Regie zu führen, mit Spielberg als Produzent. Spielberg und Jackson hoffen auch noch einen dritten Film gemeinsam umzusetzen.

In seiner faszinierenden Analyse von The Adventures of Tintin wirft Paul Bullock einen genauen Blick auf Spielbergs visuelle Motive (Licht, Reflexion und die Vorstellung des Sehens) und wie er damit drei seiner Schlüsselthemen illustriert: emotionale Entwicklung, Herkunft und Gemeinschaft.


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von The Adventures of Tintin

 

2009

Avatar (Regie, Drehbuch, Produktion: James Cameron) ist eine Reise der Selbstfindung im Kontext des Kolonialismus und der Tiefenökologie – verpackt in ein fesselndes Sci-Fi-Action-Abenteuer. Der Film verbindet Live-Action mit computergenerierten Charakteren und Live-Umgebungen und entsteht mit Hilfe bahnbrechender stereoskopischer Motion-Capture-Verfahren. In den Hauptrollen spielen Sam Worthington, Zoe Saldana, Stephen Lang, Michelle Rodriguez, Giovanni Ribisi und Sigourney Weaver.

Die Entwicklung von Avatar beginnt im Jahr 1994, als Cameron einen 80-seitigen Entwurf schreibt. Die Dreharbeiten sollen nach Fertigstellung von Camerons Titanic (1997) beginnen, mit dem Ziel einer Veröffentlichung im Jahr 1999, doch Cameron stellt fest, dass die Technologie noch nicht ausgereift genug ist. Cameron konzentriert sich stattdessen darauf, Dokumentarfilme zu drehen und die Technologie in den nächsten Jahren zu verfeinern. Als er Gollum in The Lord of the Rings – The Two Towers (2002) sieht, ist Cameron davon überzeugt, dass CGI-Effekte ausreichend fortgeschritten sind.

20th Century Fox zahlt Cameron einen Vorschuss von 10 Millionen Dollar zur Produktion eines Proof-of-Concept-Clips für Avatar, den er 2005 der Fox-Führungsetage vorstellt. Währenddessen arbeitet Cameron weiter am Drehbuch und entwickelt eine Kultur für die Außerirdischen des Films, die Na’vi, die auf dem Mond Pandora leben (ihre Sprache wird von Dr. Paul Frommer, Sprachwissenschaftler an der USC, entwickelt). Für das Produktionsdesign gehen mehrere Jahre ins Land, mit zwei verschiedenen Designern und zwei separaten Ausstattungs-Teams. Stan Winston, der bereits in der Vergangenheit für Cameron tätig war, unterstützt ihn bei der Kreation verschiedener Lebensformen auf Pandora.

Die Dreharbeiten beginnen im Jahr 2007, mit Einsatz von Camerons Digital 3-D-Fusion Camera System, mit dem sich Motion-Capture-Aufnahmen auf neue Weise drehen lassen (der Regisseur kann die Filmeinstellungen in Echtzeit ändern, während er die virtuellen Abbilder seiner Darsteller in ihrer digitalen Umgebung sieht). Weta Digital erstellt die visuellen Effekte für den Film, gemeinsam mit dem ILM-Team, das an der Umsetzung der eindrucksvollen Schlachtszenen mitwirkt.

Cameron ermöglicht Steven Spielberg und Peter Jackson, seine neue Technologie zu testen. Spielberg beschreibt sie als: “digital makeup, not augmented animation … Motion capture brings the director back to a kind of intimacy that actors and directors only know when they’re working in live theater.” Jackson und Spielberg werden die Technologie für ihren Film The Adventures of Tintin (2011) nutzen.

Cameron zufolge kritisiert sein Film implizit die Rolle der USA im Irak-Krieg und mechanisierte Kriegsführung im Allgemeinen: “We know what it feels like to launch the missiles. We don’t know what it feels like for them to land on our home soil, not in America.” Nicht zufällig erinnert der Raketenangriff auf den hochragenden Hometree der Na’vi an die Zerstörung des World Trade Center am 11. September 2001.

In seiner dritten Zusammenarbeit mit Cameron komponiert James Horner einen brillanten Score – ergänzt durch einen Chor, der in der Sprache der Na’vi singt. Laut Horner war Avatar “the most difficult film I have worked on and the biggest job I have undertaken.“ Die Britin Leona Lewis singt den Titelsong „I See You“ und wird dafür als “Celine Dion clone singing in Na’vi kritisiert.

Vor der Veröffentlichung von Avatar progonstizieren diverse Kritiker und Fangemeinden einen  kolossalen Fehlschlag an der Kinokasse. Die Einwände reichen vom gigantischen Budget (237 Millionen Dollar oder mehr) bis zum Auftritt der dreidimensionalen „blue cat people“.

Vielleicht wegen dieser Vorab-Häme lädt James Cameron seinen Regiekollegen Steven Spielberg kurz vor der Fertigstellung zu einer privaten Vorführung ein. Spielberg ist begeistert und lässt über den Film verkünden:

“The most evocative and amazing science-fiction movie since Star Wars”. 

Avatar erlebt seine Premiere am 10. Dezember 2009 in London und erhält positive Rezensionen. Roger Ebert nennt den Film „extraordinary“ und gibt ihm die Höchstwertung. Er schreibt: „Watching Avatar, I felt sort of the same as when I saw Star Wars in 1977″. Wie Star Wars und The Lord of the Rings verwende der Film „a new generation of special effects“ und sei dennoch „not simply a sensational entertainment, although it is that. It’s a technical breakthrough. It has a flat-out Green and anti-war message.“

Der Film bricht bald mehrere Kassenrekorde und erzielt schließlich weltweite Einnahmen von 2,78 Milliarden Dollar. Avatar zieht damit an Camerons Titanic (1997) vorbei und ist zu jenem Zeitpunkt der Film mit den höchsten Einnahmen aller Zeiten (nicht Inflations-bereinigt). Bei den Academy Awards wird Avatar für neun Oscars nominiert, u.a. in den Kategorien Bester Film und Beste Regie und gewinnt drei: für die Beste Ausstattung, die Beste Kamera und Beste visuelle Effekte.

Cameron nennt als Inspiration für seinen Film „every single science fiction book I read as a kid“ und räumt ein, dass Avatar seine Themen mit Filmen teilt wie z.B. Dances With Wolves (1990), At Play in the Fields of the Lord (1991) sowie Princess Mononoke (1997) – die sich alle mit dem Zusammenprall zwischen Kulturen und Zivilisationen befassen. Cameron zufolge kam ihm die Idee für Avatar, nachdem er Disneys Animationsfilm Pocahontas (1995) sah. Nicht zuletzt wegen dieser Reihe an Vorbildern wird Avatar nicht in der Kategorie Bestes Drehbuch nominiert.

Nach dem großen Erfolg des Films unterzeichnet Cameron einen Vertrag mit 20th Century Fox, der die Produktion von drei Fortsetzungen beinhaltet, alle unter der Regie von James Cameron (sowie der Beteiligung am Drehbuch).

Der Themenpark Pandora – The World of Avatar entsteht auf dem Gelände von Disneys Animal Kingdom in Florida.

2001

Shrek ist ein amüsanter Computer-animierter Film über einen grünhäutigen Ogre namens “Shrek“ (abgeleitet vom jiddisch-deutschen „Schreck“). Frei nach William Steigs 1990 erschienenen Bilderbuch Shrek! entsteht der Film unter der Regie von Andrew Adamson und Vicky Jenson und etabliert DreamWorks Animation als Hauptkonkurrenten von Pixar.

Die Figuren des geistreichen Märchens werden von bekannten Darstellern wie Eddie Murphy, Cameron Diaz und John Lithgow gesprochen. Als Mike Myers für die Stimme der Hauptfigur verpflichtet wird, entscheidet er sich für einen schottischen Akzent.

Die Filmrechte erwirbt Executive Producer Steven Spielberg bereits 1991 und plant zunächst einen traditionell hergestellten Animationsfilm. Als Spielberg das Projekt 1994 in das gerade neu gegründete Unternehmen DreamWorks SKG einbringt, leitet Jeffrey Katzenberg die sofortige Umsetzung in die Wege. Die Verfilmung ist voll von Film- und Popkultur-Referenzen und nimmt vor allem Animationsfilme von Disney aufs Korn (Katzenbergs Ex-Arbeitgeber).

Shrek spielt u.a. auf folgende Filme anThe Wizard of Oz (1939), Dumbo (1941), Cinderella (1950), Peter Pan (1953), Vertigo (1958), West Side Story (1961), Star Trek (1966), The Godfather (1972), Monty Python and the Holy Grail (1975), Close Encounters of the Third Kind (1977), The Blues Brothers (1980), Poltergeist(1982), Star Wars: Episode VI – Return of the Jedi (1983), Indiana Jones and the Temple of Doom (1984), Beetlejuice (1988), Pulp Fiction (1994), Mulan (1998) und Gladiator (2000).

Ursprünglich soll Shrek im Motion-Capture-Verfahren umgesetzt werden, doch nach enttäuschenden Testaufnahmen beauftragt das Studio Pacific Data Images (PDI), eine Firma, die ein Jahr zuvor von DreamWorks aufgekauft wurde, mit der Umsetzung als Computer-animierten Film.

Mit weltweiten Einnahmen von 484,4 Millionen Dollar ist der Film ein großer Kassenerfolg und wird von der Kritik positiv bewertet.

Shrek gewinnt als erster Film den Academy Award in der neu geschaffenen Kategorie Best Animated Feature (und verweist Pixar’s Monsters, Inc auf die Ränge). Shrek wird nominiert in der Kategorie Best Adapted Screenplay.

Wegen des großen Erfolgs produziert DreamWorks drei FortsetzungenShrek 2 (2004), Shrek the Third (2007) und Shrek Forever After (2010) sowie auf Shrek basierende Videospiele, ein Musical und ein Comic.

2001

Peter Jacksons The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring ist der erste Teil einer Filmtrilogie, die auf J.R.R. TolkienThe Lord of the Rings (1954–1955) beruht – einer Romanreihe, die allgemein als unverfilmbar eingeschätzt wird.

Das Drehbuch wird verfasst von Fran Walsh, Philippa Boyens und Peter Jackson. Sie nehmen zahlreiche Änderungen an der ursprünglichen Geschichte vor, um die Story zu straffen und Raum für die Charakter-Entwicklung zu schaffen, und bleiben doch so nah wie möglich an der literarische Quelle.

Zur eindrucksvollen Besetzung gehören Elijah Wood, Ian McKellen, Viggo Mortensen, Sean Astin, Billy Boyd, Dominic Monaghan, Liv Tyler, Cate Blanchett, John Rhys-Davies, Orlando Bloom, Christopher Lee, Hugo Weaving, Sean Bean, Ian Holm und Andy Serkis.

The Fellowship of the Ring (wie auch die anderen Teile der Trilogie) macht ausgiebig Gebrauch von Spezialeffekten der verschiedensten Art. Um z.B. die Charaktere im richtigen Maßstab zueinander zu zeigen, werden große und kleine Doubles bzw. Erzwungene Perspektive verwendet. Motion-Capture-Technologie kommt für die Darstellung des digital geschaffenen Charakters Gollum zum Einsatz.

Für Schlachten mit Tausenden von Kriegern verwendet das Team von Weta Digital eine aufwändige CGI-Animations-Software namens MASSIVE (Multiple Agent Simulation System in Virtual Environment). Sie lässt Gruppen aus einzelnen virtuellen Darstellern autonom „handeln“ – was anfangs noch zu Problemen führt, die schließlich gelöst werden: In ersten Demos einer Schlacht sieht man, wie sich die falschen Truppen angreifen, und einige der Krieger weglaufen.

The Fellowship of the Ring wird von Kritikern und Publikum gleichermaßen gefeiert. Der Film ist ein großer Kassenerfolg, mit weltweiten Einnahmen von 871 Millionen Dollar, und wird für dreizehn Oscars nominiert. Er gewinnt vier Auszeichnungen für die Beste Kamera, Bestes Make-up, Beste Filmmusik und die besten visuellen Effekte.

Auf The Fellowship of the Ring folgen The Two Towers (2002) und The Return of the King (2003), was eine Laufzeit von insgesamt 558 Minuten ergibt. Jacksons ehrgeiziges Projekt dauert acht Jahre bis zur Fertigstellung. Die Dreharbeiten werden für alle drei Filme gleichzeitig und vollständig in Neuseeland durchgeführt, über einen Gesamtzeitraum von 438 Tagen.

Howard Shore komponiert, orchestriert, dirigiert und produziert die epische und fantasievolle Filmmusik der Trilogie. Im Abspann der Filme singen Enya, Emilíana Torrini und Annie Lennox.

Der letzte Teil der Trilogie, The Return of the King (2003), erweist sich als eine der größten Kassenerfolge aller Zeiten, mit einem weltweiten Einspielergebnis von 1,12 Milliarden Dollar. Er gewinnt alle 11 Academy Awards, für die er nominiert wird, darunter für Bester Film (das erste und bislang einzige Mal bei einem Fantasy-Film) und Beste Regie.

Steven Spielberg übergibt den Oscar für den Besten Film an Peter Jackson mit dem Ausruf: „It’s a clean sweep!“.

Spielberg ist schon lange vor der Lord of the Rings-Reihe ein Fan von Peter Jacksons Arbeit. Er ruft Jackson an, um ihn zu fragen, ob Weta Digital einen computergenerierten Struppi für Spielbergs geplante Live-Action-Adaption von Hergés Comic-Serie Tintin erschaffen könne. Jackson, selbst ein langjähriger Fan der Tintin-Comics, legt Spielberg nahe, eine Live-Action-Adaption würde der Vorlage nicht gerecht werden. Stattdessen empfiehlt er Motion-Capture als geeignetstes Verfahren zur Umsetzung von Hergés Welt. Die beiden Filmemacher verfilmen schließlich gemeinsam The Adventures of Tintin: The Secret of the Unicorn (2011), mit Spielberg als Regisseur und Jackson als Produzent.

Spielberg besetzt Galadriels Schauspielerin Cate Blanchett für die Rolle der Schurkin Irina Spalko in Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull (2008).

Aufgrund des großen Erfolgs der Lord of the Rings-Reihe dreht Jackson die Trilogie The Hobbit (2012-14), auf Grundlage des gleichnamigen Romans von J.R.R. Tolkien aus dem Jahr 1937.

2000

Ridley Scotts Gladiator erneuert das Interesse an historischen Epen. Zum Cast gehören Russell Crowe, Joaquin Phoenix, Connie Nielsen, Richard Harris, Djimon Hounsou (Amistad), Ralf Möller und Oliver Reed (in seiner letzten Rolle).

Das Script stammt aus der Feder von David Franzoni, der zuvor das Drehbuch für Spielbergs Amistad (1997) schrieb. Ridley Scott unterzeichnet als Regisseur für Gladiator, weil ihn die Vorstellung reizt, das antike Rom auf der Leinwand neu entstehen zu lassen. Allerdings besteht er auf einer Neubearbeitung des Drehbuchs, die John Logan übernimmt. Er verändert große Teile des ersten Akts und beschließt, Maximus’ Familie von römischen Soldaten töten zu lassen, um die Motivation für sein Handeln zu verstärken. Dennoch wird auch Logans Drehbuch mehrfach überarbeitet.

Gladiator entsteht als Co-Produktion von DreamWorks und Universal Studios und ist inspiriert von Stanley Kubricks Spartacus (1960) sowie Anthony Manns The Fall of the Roman Empire (1964). Für Commodus’ Einmarsch in Rom (Videoclip) verwendet Ridley Scott eine Bildsprache, die an Leni Riefenstahls 1935 entstandenen Nazi-Propagandafilm Triumph des Willens erinnert. Scott verweist darauf, dass die Nazi-Ikonographie ihrerseits vom römischen Imperium beeinflusst sei.

Für die berühmten Schlachtszenen zu Beginn von Gladiator setzt Director of Photography John Mathieson etliche Kameras gleichzeitig ein – mit unterschiedlichen Aufnahmegeschwindigkeiten und verstellt den Umlaufverschluss der Kamera auf 45 Grad – eine ähnliche Technik, die in den Schlachtszenen von Spielbergs Saving Private Ryan (1998) Anwendung fand. Filmkomponist Hans Zimmer liefert einen angemessen epischen Score; für die Schlacht bedient er sich bei Gustav Holsts klassischer Komposition The Planets (Mars, the Bringer of War). 

Die Aufnahmen im antiken Rom beruhen zu großen Teilen auf CGI-Effekten der britischen Post-Production-Firma The Mill. Für die Colosseum-Szenen dienen 2000 Statisten als Grundlage für eine durch Motion-Capture generierte virtuelle Zuschauermenge von 35.000 Menschen.

Gladiators weltweite Einnahmen betragen mehr als 457 Millionen Dollar (bei einem Budget von 103 Millionen Dollar). Der Film wird generell positiv bewertet und gewinnt fünf Academy Awards, einschließlich Best Picture und Best Actor für Russell Crowe.