The Post (2017)

Steven Spielberg verfilmt The Post. Das auf wahren Ereignissen beruhende Drehbuch von Liz Hannah handelt von The Washington Post-Redakteur Ben Bradlee und Herausgeberin Kay Graham, die sich 1971 einen Kampf mit den Bundesbehörden lieferten, um die „Pentagon Papers“ veröffentlichen zu dürfen. Tom Hanks und Meryl Streep spielen die Hauptrollen.

Für die weiteren Rollen wurden folgende Darsteller verpflichtet: Sarah Paulson, Bob Odenkirk, Matthew Rhys, Bradley Whitford, Carrie Coon, Jesse Plemons, David Cross, Alison Brie, Bruce Greenwood, Tracy Letts, Michael Stuhlbarg und Zach Woods.

Drehbeginn: 30. Mai 2017. Die eigentlich in diesem Zeitraum vorgesehenen Dreharbeiten für The Kidnapping of Edgardo Mortara werden auf unbestimmte Zeit verschoben.

Spielbergs Entscheidung, den Film The Post vorzuziehen, wird von den Angriffen der Trump-Administration gegen die Meinungs- und Pressefreiheit beeinflusst. Gleichzeitig erfüllt sich damit sein lange gehegter Wunsch, einen Film mit Meryl Streep zu drehen (sie hatte in A.I. – Artificial Intelligence nur eine Sprechrolle als Die Blaue Fee).

Filmstart in Deutschland: 22. Februar 2018

über Steven Spielberg, Tom Hanks and Meryl Streep Team Up for Pentagon Papers Movie — Variety

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Minority Report (2002)

Steven Spielbergs Minority Report zählt zu den bedeutendsten Filmadaptionen einer von Philip K. Dick verfassten Geschichte. Spielberg erweitert Philip K. Dicks Kurzgeschichte The Minority Report zu einem abendfüllenden Kinofilm (mit Überlänge: 145 Minuten). Seine größte Herausforderung besteht jedoch darin, die im Jahre 1956 veröffentlichte Geschichte in einen aktuellen Kontext zu überführen, mit der sowohl Kenner der Kurzgeschichte, als auch das heutige Durchschnittspublikum etwas anfangen können.

Die dystopische Story ist in Washington DC angesiedelt und beschäftigt sich mit den Folgen eines Strafverfolgungs-Systems namens „Precrime“, welches von den Behörden dazu autorisiert ist, Menschen für Morde zu verhaften und einzusperren, noch bevor sie begangen werden. Darüber entscheiden drei so genannte „Precogs“, die künftige Morde aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten voraussagen können. Die Einsatzteams werden von John Anderton (Tom Cruise) geleitet, sein Vorgesetzter ist Precrime-Chef Lamar Burgess (Max von Sydow).

Nebendarsteller sind u.a. Colin Farrell, Samantha Morton, Peter Stormare, Lois Smith, Tim Blake Nelson und Jessica Capshaw.

Versteckt in einer faszinierenden Mischung aus Film noir, Science Fiction, Thriller und Krimi verkleidet, teilt Spielberg seine kritische Sicht auf die aktuelle US-Politik, insbesondere die Aktivitäten der Bush-Regierung in Bezug auf „Homeland Security“ und das Gefangenenlager Guantanamo Bay.

Der Film stellt die Frage, ob ein freier Wille weiter existieren kann, wenn die Zukunft im Voraus „bekannt“ ist. Er untersucht zudem die Wirkung der Medien und der Werbung, wenn sie durch technologische Fortschritte allgegenwärtig werden (heute bereits teilweise umgesetzt). In Spielbergs Worten:

„The Internet is watching us now. If they want to. They can see what sites you visit. In the future, television will be watching us, and customizing itself to what it knows about us. The thrilling thing is, that will make us feel we’re part of the medium. The scary thing is, we’ll lose our right to privacy. An ad will appear in the air around us, talking directly to us.“

Spielbergs Lieblingsthemen wie Massenmedien-gesteuerte Paranoia („Everybody runs“) und dysfunktionale Familien sind ebenfalls im Film enthalten.

Bevor Spielberg einsteigt, befindet sich das Projekt viele Jahre lang in „Turnaround“. Ursprünglich plant Ronald Shusett, Co-Autor von Alien (1979), Philip K. Dicks Kurzgeschichte für eine Fortsetzung von Total Recall (1990) aufzubereiten. In dieser Version hat die Erdbevölkerung auf den Mars umgesiedelt. Aufgrund der schlechten Sauerstoffversorgung in den Bergarbeiterkolonien, mutieren einige Siedler in die Precogs aus Philip K. Dicks Story. Jan de Bont ist zu diesem Zeitpunkt als Regisseur vorgesehen, doch das Projekt wird schließlich abgebrochen, so dass Drehbuchautor Jon Cohen alle Total Recall-Elemente wieder entfernt. Er verlegt seinen Entwurf in eine Retro-Zukunft, in einen Stadtteil, der den 1950er Jahren entsprungen zu sein scheint.

Diese Version weckt die Aufmerksamkeit von Tom Cruise, und zwar während der Dreharbeiten zu Stanley Kubricks Eyes Wide Shut (1999). Seit seiner ersten Begegnung mit Spielberg am Set von Risky Business (1983) setzt Cruise alles daran, einmal in einem Spielberg-Film mitzuwirken. Als Spielberg jedoch aus Termingründen beim Film Rain Man (1988) aussteigen muss, zieht sich die Wartezeit noch länger hin. Schließlich gibt Spielberg „grünes Licht“ für Minority Report, nachdem Cruise ihm den Script-Entwurf zugespielt hat. Allerdings muss Cruise zuvor noch Mission Impossible 2 (2000) beenden, und Spielberg führt Regie bei A.I. – Artificial Intelligence (2001), so dass zwei weitere Jahre vergehen.

Als Spielberg an Bord kommt, plant er zunächst eine ganz andere Besetzung der Nebenrollen: Matt Damon soll John Andertons Widersacher Danny Witwer spielen, Meryl Streep ist für den Part von Iris Hineman vorgesehen, Ian McKellen soll Precrime-Chef Lamar Burgess spielen, und Cate Blanchett soll Agatha, eine der Precogs verkörpern. Meryl Streep lehnt die Rolle ab, Matt Damon steigt aus, und die anderen Rollen werden wegen des verschobenen Drehstarts neu besetzt.

Spielberg macht das Beste aus den Verzögerungen und beauftragt Scott Frank mit der Überarbeitung des Drehbuchentwurfs. Frank verwirft die meisten Ideen aus Cohens Fassung, aber er übernimmt die Idee für die Sequenz in der Autofabrik, die auf einem unverfilmten Konzept von Alfred Hitchcocks North by Northwest (1959) beruht – damals wäre die Umsetzung zu kostspielig gewesen. Für Minority Report wird die Sequenz in einer echten Kfz-Produktionsanlage mit einem Schweißroboter und physischen Special-Effects verfilmt.

In der Vorbereitungsphase lädt Spielberg 15 Experten aus verschiedenen Disziplinen zu einem dreitägigen „Think-Tank“ ein, um von ihnen zu erfahren, wie das tägliche Leben im Jahr 2054 aussehen könnte. Produktionsdesigner Alex McDowell – der schon für David Finchers Fight Club (1999) arbeitete – protokolliert die Ideen in einer „2054 Bibel“, einem 80-seitigen Leitfaden zu allen Aspekten der zukünftigen Welt, z.B. Architektur, Sozio-Ökonomie, Politik und Technik. Einige der im Film gezeigten Technologien finden einige Jahre später tatsächlich ihren Weg in den Alltag (z.B. Multi-Touch-Schnittstellen, Netzhaut-Scanner, Tablets mit elektronischen Zeitungen und 1-to-1 Marketing).

Für Minority Report entwickelt Kameramann Janusz Kamiński einen außergewöhnlichen visuellen Stil, indem er High-Speed-Film einsetzt und zwischen Handheld und Steadicam-Aufnahmen wechselt. Mittels hohem Kontrast erzeugt er dunkle Farben und Schatten (wie im Film noir) sowie überbelichtete Aufnahmen mit verblassenden Farben, die durch einen Bleichungsprozess in der Post-Production entstehen.

Die 14-minütige Eröffnungssequenz des Films mit der verzerrten Precog-Vision eines bevorstehenden Mordes ist die bis heute komplexeste Intro in Spielbergs Gesamtwerk und markiert einen Höhepunkt in Michael Kahns Arbeit als Editor.

Minority Report ist der erste Film, der auf Basis eines vollständig digitalen Produktionsdesigns entsteht. „Previz“ (ein Begriff, der auf die Story des Films anspielt) ermöglicht der Crew den Einsatz von Photoshop und 3-D-Animationsprogrammen, um ein simuliertes Set mit virtuellen Akteuren zu erstellen. So kann Spielberg im Voraus Bildausschnitte und Kamerafahrten planen. Industrial Light & Magic liefert die meisten der atemberaubenden visuellen Effekte, während die Dreamworks-Effektschmiede PDI für die Umsetzung der Spyder-Roboter zuständig ist.

John Williams komponiert einen packenden „Black and White Score“, der von Bernard Herrmanns Werk inspiriert ist, und untermalt die Anne Lively-Szenen mit einer Sängerin im Film noir-Stil. Franz Schuberts Symphonie Nr. 8, h-Moll („Die Unvollendete“) ist zu hören, als Anderton seine Precrime-Untersuchung am Bildschirm „dirigiert“, weil ihn das Script als Fan klassischer Musik beschreibt. Diese aufwendig choreografierten Szenen zählen zu den einprägsamsten Bildern aus Spielbergs Film.

Minority Report ist einer der von der Kritik am besten bewerteten Filme des Jahres 2002. Gelobt wird er vor allem für die innovative Optik und seine Themen. Vielfach bemängelt wird das „Happy End“, das als inkonsistent zum Rest des Films bewertet wird (von Kritikern, die Spielbergs Absicht nicht erkennen, den Film mit einem “ falschen Ende“ zu versehen, das nur in der Fantasie des Protagonisten existiert; ein Kniff, der das Thema des Films unterstreicht: „Realität vs. Wahrnehmung“).

Roger Ebert nennt den Film ein „Meisterwerk“ und stellt fest, dass die meisten Regisseure ihre Energie in Tricktechniken setzen, während Spielberg Handlung und Charaktere in den Vordergrund stellt und Technologie nur wie ein Fachmann einsetzt, der seine Werkzeuge beherrscht.

Der Film entsteht als Co-Produktion von Amblin Entertainment und Cruise / Wagner Productions, den Verleih übernimmt 20th Century Fox (in Nordamerika) bzw. Dreamworks SKG (international). Minority Report entpuppt sich als ein großer kommerzieller Erfolg und nimmt weltweit mehr als 358 Mio. Dollar ein – bei einem Gesamtbudget von 142 Mio. Dollar (einschließlich Marketing-Kosten).

Minority Report erhält eine Oscar-Nominierung für Best Sound Editing, wird aber ansonsten von der Akademie ignoriert.


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von Minority Report

A.I. Artificial Intelligence (2001)

Steven Spielbergs A.I. Artificial Intelligence basiert auf der 1969 entstandenen Kurzgeschichte Super Toys Last All Summer Long von Brian Aldiss. Der visionäre Film erzählt die Geschichte von David, einem kindlichen Androiden mit der programmierten Fähigkeit, seine Adoptivmutter zu lieben und dem ewig währenden Wunsch, ein „richtiger Junge“ zu werden. Durch Stanley Kubricks langjährige Pionierarbeit und Spielbergs Regie verbindet dieses „Future Fairytale“ die Stile und Themen zweier – sehr verschiedener – Titanen des Kinos.

Haley Joel Osment ist Spielbergs erste und einzige Wahl für Davids Part und liefert eine erstaunliche Performance: Um den „Mecha“-Jungen absolut realistisch zu porträtieren, trainiert er sich zum Beispiel an, in all seinen Szenen nicht mit den Augen zu blinzeln – außer am Ende des Films. Jude Law spielt den „Mecha“ Gigolo Joe, ebenfalls programmiert auf die Fähigkeit, Liebe zu imitieren, aber für einen anderen Zweck, nämlich die Prostitution. Um sich auf die Rolle vorzubereiten, studiert er die Darstellung von Fred Astaire und Gene Kelly. Zur A.I.-Besetzung gehören auch Frances O’Connor, Brendan Gleeson und William Hurt.

Künstliches Charaktere werden von Jack Angel, Ben Kingley, Robin Williams, Meryl Streep und Chris Rock gesprochen. Übrigens spielte zwei Jahre zuvor auch Robin Williams einen Androiden, der ein richtiger Mensch werden will, und zwar in Bicentennial Man (1999). In A.I. leiht Williams seine Stimme einem Hologramm namens Dr. Know (Spielbergs Anspielung auf die James Bond-Reihe), ein Informationssystem, das eine Schnittstelle für natürliche Sprache anbietet, um Fragen zu beantworten – von den Filmemachern lange vor der Einführung von Apples Siri erdacht.

Die Ursprünge von A.I. gehen zurück in die frühen 70er Jahre. Stanley Kubrick engagiert eine Reihe von Autoren, u.a. Brian Aldiss, Bob Shaw, Ian Watson, Arthur C. Clarke und Sara Maitland. Kubrick gibt Ian Watson den Roman The Adventures of Pinocchio (1883) von Carlo Collodi zur Inspiration und nennt A.I. “a picaresque robot version of Pinocchio„. William Butler Yeats’ berühmtes Gedicht The Stolen Child hat ebenfalls einen starken Einfluss auf die Geschichte und wird in entscheidenden Szenen zitiert.

Als Kubrick 1982 den Film E. T. – The Extraterrestrial sieht, ist er tief beeindruckt von der Art und Weise, wie es Spielberg gelingt, mit einem vollkommen künstlichen Charakter die Herzen der Menschen auf der ganzen Welt zu gewinnen. Kubrick wird bewusst, dass auch David die Sympathien der Zuschauer erreichen muss, anderenfalls wird die zentrale Frage von A.I. niemanden berühren: Wenn Roboter fühlen können, was unterscheidet sie vom Menschen?

Kubrick ist von der Idee besessen, die Figur des David mit Robotertechnik und visuellen Effekten künstlich zu erschaffen, weil er (angesichts seiner üblicherweise langen Produktionszeiträume) vermeiden will, dass ein Kinderdarsteller während des Drehs erwachsen wird. Nach zehn Jahren vergeblicher Experimente verbleibt der Film in „Development Hell“.

Kubrick erkennt, dass er in seinem Leben nicht in der Lage sein wird, einen überzeugenden Roboter-Darsteller zu erschaffen. Darüber nagt Kubrick der Verdacht, Spielberg sei der bessere Regisseur für eines der zentralen Themen von A.I.: ein Kind in einer dysfunktionalen Familie. Spielberg hat (wiederholt) seine Fähigkeit demonstriert, seine Kinderdarsteller so zu lenken, dass sie den ganzen Film tragen. Zudem ist ihm die Fertigstellung selbst technisch komplexer Filme in kürzester Zeit gelungen (tatsächlich beendet Spielberg die Dreharbeiten von A.I. in nur 67 Tagen).

In der Zwischenzeit werden Spielberg und Kubrick (der seit den frühen 60er Jahren in England lebt) zu „Ferngespräch“ Freunden, ihre regelmäßigen Telefonate dauern Stunden. Kubrick lässt sogar eine sichere Faxleitung in Spielbergs Haus installieren, damit er sich auch nachts mit ihm zu neuen Ideen austauschen kann (woraufhin Mrs. Spielberg schließlich ihr Veto einlegt).

Nachdem Kubrick Jurassic Park (1993) gesehen hat, ist für ihn die Zeit gekommen, die visuellen Effekte von A.I. anzugehen und lässt ILMs Dennis Muren einige Previz-Studien erstellen. Dann lädt Kubrick Spielberg auf sein Anwesen ein: Childwickbury Manor in Hertfordshire. Nicht ohne Stolz und unter Androhung des „Ausschlusses aus seinem Leben“ (sollte Spielberg sein Vertrauen missbrauchen), öffnet er seine „Schatzkammer“ aus Zeichnungen und diversen Drehbuchfassungen und bietet Spielberg an, die Regie zu übernehmen, unter Kubrick als Produzent.

Es schmeichelt Spielberg durchaus, dass Kubrick eines seiner Herzens-Projekte an ihn übergeben will. Doch er lehnt freundlich ab – eine solche Konstellation würde vermutlich Konflikte mit sich bringen. Spielberg bevorzugt die Arbeit in „Eigenregie“ und fühlt sich unwohl bei der Vorstellung, einen so künstlerisch ambitionierten Filmemacher, noch dazu als Produzent, vor und während der Dreharbeiten im Rücken zu haben. Nach diesem Rückschlag für A.I. widmen sich die beiden anderen Stoffen.

Das Projekt verbleibt bis zu Kubricks Tod im Jahr 1999 „im Kälteschlaf“. Schließlich wird Spielberg von Kubricks Witwe Christiane Kubrick und Co-Produzent Jan Harlan gebeten, die Regie zu übernehmen. Als Spielberg diesmal zustimmt, engagiert er sogleich den Illustrator Chris Baker, der in den Jahren zuvor Kubricks Ideen zu A.I. in brilliante Skizzen übertragen hatte. Baker fungiert als eine Art künstlerischer „Vermittler“ zwischen Spielberg und dem verstorbenen Kubrick.

Zum ersten Mal seit Poltergeist (1982) schreibt Spielberg das Drehbuch selbst und bleibt Kubricks Filmtreatment und Vision des Films weitestgehend treu. In der von Kubrick bevorzugten Weise teilt Spielberg die Geschichte in drei Akte: Ankunft, Flucht und Wiederentdeckung. Die Intro (Meereswellen, Cybertronics Gebäude, Cryogenics Hospital, Prof. Hobbys Büro) wird von Spielberg hinzugefügt, während er andere Sequenzen wie z.B. den Schrottplatz für Roboter und die “Flesh Fair“ basierend auf Ian Watsons Entwurf ausarbeitet.

Um übergreifende Themen und dramatische Entwicklungen zu betonen, wendet Spielberg mehrfach Kubricks „Mode Jerk“ an (heftige Sprünge in Zeit und Raum, kontrastierende Farbstimmungen, und abrupte Veränderungen von Emotionen). Während der Produktion baut Spielberg weitere typische Kubrick-Elemente ein, u.a. Kamerafahrten entlang von parallelen Wänden, Zentralperspektive, Kreisformen, die (Davids) obsessive Handlungen kennzeichnen sowie den „Kubrick Stare“ (Davids nach unten geneigter Kopf mit den Augen steil nach oben gerichtet).

Stan Winston erschafft einige Dutzend einzigartige „Mecha“-Charaktere und nennt später A.I. das ehrgeizigste Filmprojekt seines Lebens.

In einer besonders berührenden Szene „prägt“ Monica Swinton den von ihr adoptierten David mit einem Code, der aus einer Abfolge von gesprochenen Begriffen besteht. Der Code versetzt David in die Lage, Monica bedingungslose Liebe entgegenzubringen. Die Begriffe entnimmt Spielberg Stanley Kubricks Originalliste. Kameramann Janusz Kamiński, der die schwierige Aufgabe meistert, die visuellen Stile Spielbergs und Kubricks zu vereinen, empfindet viel für diese Szene. Sie entsteht in einem von Hintergrundbeleuchtung durchfluteten Raum, einem Markenzeichen Spielbergs. „I love backlight not just for the sake of glamorizing [the subject], but because the direction of the light can represent storytelling,” sagt Kamiński. “I don’t do backlights and then also add key lights and all these things — if I do backlight, I want to see that backlight. That’s my style… “

A.I. entsteht nahezu ausschließlich im Studio (Warner Brothers-Studios und Spruce Goose Dome in Long Beach, LA). Der Film bahnt den Weg für das virtuelle Studio, eine Technik, die Spielberg erlaubt, sich durch eine virtuelle Version von Rouge City zu bewegen und vorab geeignete Kamerapositionen zu wählen. Diese Technik wird später in Peter Jacksons The Lord of the Rings (2001) perfektioniert. Ein Gebäude in Rouge City, das aussieht wie ein Penis, wird nachträglich digital wegretuschiert, um dem Film die PG-13 Wertung zu sichern.

Der dritte Akt, in dem 2000 Jahre vergangen sind, und die Menschheit nicht mehr existiert, beginnt mit einem der optischen Highlights des Films (entstanden unter der Leitung von Dennis Muren): Manhattan ist bedeckt von Gletschereis. “SuperMechas“, Davids Nachfahren, haben auf der Suche nach ihm riesige Gräben ins Eis gefräst – ähnlich den (menschlichen) Astronauten in Kubricks 2001 (1968), die auf dem Mond den geheimnisvollen Monolith ausgraben. In einer atemberaubenden Kamerafahrt, die an das Abtauchen in den Schacht des Todessterns am Ende von Star Wars – A New Hope (1977) erinnert, folgen wir dem Flugobjekt der SuperMechas zur Ausgrabungsstätte und erleben Davids Wiedererweckung. Die Form der CGI-generierten SuperMechas ähnelt den Aliens aus Close Encounters of the Third Kind (1977), so dass einige Kritiker und Teile des Publikums „verloren“ gehen – sie verwechseln die SuperMechas mit Außerirdischen.

John Williams komponiert für A.I. einen großartigen Score und integriert Kubrick-typische Elemente wie atonale und klassische Musik. Richard Strauss’ Der Rosenkavalier wird auf Anweisung von Kubrick verwendet. Für die Schluss-Sequenz des Films schreibt Williams ein Klavierkonzert, das die Länge der Sequenz überschreitet. Spielberg findet so sehr Gefallen an der Musik, dass er seinen Cutter Michael Kahn bittet, die Sequenz neu zu schneiden, so dass die letzten 7 Minuten zur Musik passen, anstatt wie üblich umgekehrt – eine Technik, die Spielberg bereits in den letzten 15 Minuten von E.T. anwendete.

Um den Film zu bewerben, wird ein Alternate Reality Game entwickelt: The Beast, eine ausgeklügelte Welt der Exploration und Problemlösung, konstruiert aus versteckten Botschaften und Rätsel in Internet-Seiten, Anrufbeantworter-Nachrichten, E-Mail-Konten und Hinweisen im Trailer des Films. Das Spiel umfasst vierzig Websites, einschließlich der Website von Cybertronics Corp. Ähnliche virale Marketing-Strategien finden z.B. bei Ridley Scotts Prometheus (2012) Anwendung.

Der faszinierende Trailer (Videoclip) und das minimalistische A.I.-Filmplakat (mit einem kleinen Jungen, der aus einem metallenen A schreitet und so das I bildet) wecken z.T. Erwartungen, dies sei ein weiterer E.T., ein unterhaltsamer Familienfilm mit positiver Grundstimmung. Ganz im Gegenteil porträtiert A.I. die Menschheit als kalt und herzlos, sie verraten ihre künstlichen Kreationen und werden schließlich von ihnen überlebt. Für viele Zuschauer und Kritiker ist diese deprimierende Botschaft des 146 Minuten langen Films ziemlich schwer zu verdauen und wird – von einigen – als radikale Abkehr von dem betrachtet, was sie mit Spielberg assoziieren. Gleichzeitig werfen einige von ihnen Spielberg vor, er hätte das ursprüngliche Konzept Kubricks „verkitscht“ – indem er z.B. ein „Happy End“ hinzugefügt hätte, das in Wahrheit ein sehr trauriges Ende ist. Bei den Academy Awards wird A.I. weitgehend ignoriert: Bei zwei Oscar-Nominierungen für die beste Musik und die besten visuellen Effekte geht der Film leer aus.

Spielberg über die zwiespältige Rezeption seines Films:

“People pretend to think they know Stanley Kubrick, and think they know me, when most of them don’t know either of us”. “And what’s really funny about that is, all the parts of A.I. that people assume were Stanley’s were mine. And all the parts of A.I. that people accuse me of sweetening and softening and sentimentalizing were all Stanley’s. The teddy bear was Stanley’s. The whole last 20 minutes of the movie was completely Stanley’s. The whole first 35, 40 minutes of the film – all the stuff in the house – was word for word, from Stanley’s screenplay. This was Stanley’s vision.” “Eighty percent of the critics got it all mixed up. But I could see why. Because, obviously, I’ve done a lot of movies where people have cried and have been sentimental. And I’ve been accused of sentimentalizing hard-core material. But in fact it was Stanley who did the sweetest parts of A.I., not me. I’m the guy who did the dark center of the movie, with the Flesh Fair and everything else. That’s why he wanted me to make the movie in the first place. He said, ‘This is much closer to your sensibilities than my own.’”

Trotz aller Kritik wird der Film überwiegend positiv bewertet und nimmt weltweit ca. 235 Millionen Dollar ein (bei einem Budget von ca. 100 Millionen Dollar).

In den Abspann fügt Spielberg die Worte: „For Stanley Kubrick“.

Filmemacher Billy Wilder nennt A.I. „the most underrated film of the past few years.”

Eines Tages erhält A.I. vielleicht – ähnlich Kubricks 2001 – nachträglich die Anerkennung, die der Film verdient, oder er wird von SuperMechas als filmisches „Manifest“ ihrer Spezies entdeckt…


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von A.I. Artificial Intelligence

1995

Clint Eastwoods The Bridges of Madison County, eine Co-Produktion von Spielbergs Amblin Entertainment und Eastwoods Malpaso Productions, basiert auf Robert James Wallers gleichnamigem Roman.

Spielberg bietet zunächst Sydney Pollack die Regie an. Als Pollack das Projekt verlässt, steigt Spielberg zeitweise ein und fügt der Geschichte die Rahmenhandlung hinzu (Francescas erwachsene Kinder finden ihre Tagebücher und lesen darin). Doch am Ende übernimmt Hauptdarsteller Clint Eastwood selbst das Ruder. Er verfilmt die Story chronologisch aus Francescas Blickwinkel.

Die Liste der für Francescas Rolle favorisierten Schauspielerinnen enthält u.a. folgende Namen: Isabella Rossellini, Anjelica Huston, Jessica Lange, Cher und Susan Sarandon. Spielbergs Bedenken zum Trotz wählt Eastwood Meryl Streep, die eine Oscar-Nominierung für ihre brillante Darstellung erhält.

Ursprünglich vergibt die MPAA ein „R“-Rating, da der Film die folgende Dialogzeile enthält: „Or should we just fuck on the linoleum one last time?“ (von Meryl Streep sarkastisch gesprochen). Als Eastwood Einspruch erhebt, wird die Bewertung auf ein PG-13 reduziert.

Der Film ist ein Kassenerfolg und wird von den Kritikern gelobt.

Eastwood ersetzt Spielberg ein weiteres Mal als Regisseur, und zwar bei American Sniper (2014).

1979

Woody Allens Manhattan – mit der romantischen Komödie setzt Allen seiner Heimatstadt (und George Gershwin) ein filmisches Monument in Schwarz-Weiß und porträtiert witzig und detailgetreu die Lebenskrise eines New Yorker Intellektuellen.

Neben Diane Keaton sind auch Meryl Streep und Karen Allen in kleineren Auftritten zu sehen.