2016

Foto: © 1982 Metro-Goldwyn-Mayer Film Company & SLM Entertainment Ltd.

Napster-Mitbegründer und ehemaliger Facebook-Manager Sean Parker plant einen umstrittenen Streaming-Dienst namens Screening Room, über den Abonnenten Filme am Tag ihrer Kinopremiere zu Hause sehen können. Der Service peilt ein Publikum an, das älter als 20 ist – insbesondere Familien, die wegen des hohen Aufwands nicht mehr regelmäßig ins Kino gehen.

Parker schart eine Reihe von Hollywood-Schwergewichten um sich, die als Aktionäre in das Start-up-Unternehmen einsteigen. Unter ihnen: Steven Spielberg, Peter Jackson, Martin Scorsese und J. J. Abrams.

Laut Variety besteht ernsthaftes Interesse seitens mehrerer großer Studios wie Universal, Fox und Sony, während Disney an dem Plan kein Interesse zu haben scheint.

Gegen das Vorhaben sprechen sich öffentlich aus: Christopher Nolan, James Cameron und Titanic-Produzent Jon Landau, die National Association of Theater Owners und die Art House Convergence.

Für die gegen Piraterie geschützte Set-Top-Box fallen einmalige Kosten von 150 Dollar an, plus 50 Dollar pro Film, der für 48 Stunden gemietet werden kann. Screening Room will die Kinobetreiber mit 20 Dollar pro Film an den Einnahmen beteiligen und bietet seinen Kunden pro Bestellung zwei kostenlose Kinotickets.

Foto: © 1982 Metro-Goldwyn-Mayer Film Company & SLM Entertainment Ltd.

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2016

Der Oscar-prämierte Kameramann Vilmos Zsigmond stirbt.

Er schuf wegweisende, dokumentarisch geprägte Bildwelten für die Steven Spielberg-Filme The Sugarland Express (1974) and Close Encounters of the Third Kind (1977).

Einem Variety-Nachruf zufolge begab er sich – nach der Besetzung seines Heimatlands Ungarn durch die Sowjetarmee im Jahre 1956 – auf die Flucht in die USA und arbeitete sich langsam hoch, anfänglich in billigen Exploitation-Filmen. Sein Durchbruch gelang ihm mit Robert Altmans stilistisch gewagten Western McCabe & Mrs. Miller (1971), für den Zsigmond mit einer begrenzten Palette entsättigter Farben experimentierte.

Später arbeitete er für Regisseure wie Michael Cimino, Martin Scorsese, Woody Allen, George Miller und Brian De Palma.

Er erhielt einen Academy Award für seine Arbeit in Spielbergs Close Encounters of the Third Kind (1977) und wurde nominiert für die Filme The Deer Hunter (1978), The River (1984) und The Black Dahlia (2006).

In kurzer Zeit verliert das Kino einen weiteren seiner größten Kameramänner: Zsigmond folgt dem zweifach Oscar-prämierten Haskell Wexler, der für einige der großen Hollywood-Klassiker der 1960er and 1970er Jahre arbeitete (aber nie unter der Regie von Steven Spielberg).

2015

Melissa Mathison stirbt im Alter von 65 Jahren.

Mit ihrem Oscar-nominierten Drehbuch für Steven Spielbergs E.T. – The Extraterrestrial (1982) legte sie den Grundstein für einen der beliebtesten Filmklassiker aller Zeiten – und diente bei dem Film auch als Associate Producer.

Mathison schrieb die Drehbücher für Carroll Ballards The Black Stallion (1979), Caleb Deschanels The Escape Artist (1982), das zweite Segment in Steven Spielbergs Twilight Zone – The Movie (1983), den Fernsehfilm Son of the Morning Star (1991), und Frank OzThe Indian in the Cupboard (1995). Mathison hatte ein besonderes Geschick für Kinder- und Jugendliteratur und porträtierte Kinder sensibel und heroisch.

Seit 2012 arbeitete sie mit Steven Spielberg wieder zusammen und schrieb das Drehbuch für sein neuestes Filmprojekt, die Roald Dahl-Adaption The BFG (2016), die sich derzeit in der Phase der Post-Production befindet. Als er von ihrem Tod erfährt, gibt Spielberg folgende Erklärung ab:

“Melissa had a heart that shined with generosity and love and burned as bright as the heart she gave E.T.”

Auf der Special-Edition-DVD von 2002 beschreibt Spielberg ihren Beitrag zum Film so:

“Melissa delivered this 107-page first draft to me and I read it in about an hour. I was just knocked out. It was a script I was willing to shoot the next day. It was so honest, and Melissa’s voice made a direct connection with my heart.”

Mathison erinnert sich:

“I would write for four or five days in my little office in Hollywood, and then drive out to Marina Del Rey where Steven Spielberg was editing in a little apartment on the beach. I’d bring him my pages and we’d sit and go through them…It took about eight weeks for us to get the first draft, which was quite fast, I think.”

Ihr Drehbuch zu Martin Scorseses Kundun (1997) über Kindheit und Heranwachsen des Dalai Lama reflektiert ihr jahrzehntelanges Interesse an Tibet. Mit Unterstützung von Richard Gere, dem Vorsitzenden der International Campaign for Tibet, trifft sie sich 1990 (in Begleitung von Harrison Ford) mit dem Dalai Lama in Santa Barbara und bringt daraufhin das Filmprojekt ins Rollen.

Mathison wurde am 3. Juni 1950 in Los Angeles geboren und besuchte die U.C. Berkeley. Sie unterbrach ihr Studium der Politikwissenschaft, um beim Film eines Freundes zu helfen. Der Freund hieß Francis Ford Coppola, deren Kinder Mathison als Babysitterin betreut hatte. Sie war Assistentin am Set von The Godfather, Part II (1974). Nachdem Coppola sie zum Schreiben drängte, entstand ihr Drehbuch für die Coppola-Produktion The Black Stallion (1979).

Sie war Mutter von zwei Kindern, Georgia und Malcolm, aus ihrer Ehe mit Harrison Ford. Sie wurden 2004 nach 21-jähriger Ehe geschieden. Von 1983 bis 1985 lebten Mathison, Ford und ihre Kinder auf einer Ranch außerhalb Jackson Hole, Wyoming, wo die Drehbuchautorin ihre Karriere auf Eis legte.

“I didn’t want to be missing their childhood while I was away, busy writing about children.”

2009

Michael Jackson stirbt an einem Herzinfarkt in seiner Mietvilla in Los Angeles.

Die Nachricht von seinem Tod verbreitet sich online rasend schnell, die zahlreichen Aufrufe bringen Webseiten der Los Angeles Times, Twitter und Wikipedia zum Absturz. Die Wikimedia Foundation berichtet von fast einer Million Aufrufen von Jacksons Biographie innerhalb einer Stunde.

Madonna, der einzige Popstar, der es in den 1980er Jahren mit dem Ruhm Michael Jacksons aufnehmen konnte, sagt in einer Erklärung:

“I can’t stop crying over the sad news.“

Quincy Jones, Produzent von Jackons triumphalem Album Thriller, erklärt:

„I am absolutely devastated at this tragic and unexpected news.” He says Jackson “had it all – talent, grace, professionalism and dedication. I’ve lost my little brother today, and part of my soul has gone with him.”

Martin Scorsese, der für Michael Jackson das Musikvideo Bad gedreht hatte, meint:

“Michael Jackson was extraordinary. When we worked together on Bad, I was in awe of his absolute mastery of movement on the one hand, and of the music on the other. Every step he took was absolutely precise and fluid at the same time. It was like watching quicksilver in motion. (…) He was wonderful to work with, an absolute professional at all times, and – it really goes without saying – a true artist. It will be a while before I can get used to the idea that he’s no longer with us.”

Steven Spielberg äußert gegenüber Entertainment Weekly:

“Just as there will never be another Fred Astaire or Chuck Berry or Elvis Presley, there will never be anyone comparable to Michael Jackson. His talent, his wonderment and his mystery make him legend.”

Nach Spielbergs Entscheidung, Michael Jackson nicht für die Hauptrolle von Hook (1991) zu besetzten, war seine Freundschaft mit dem Popstar belastet.

Dennoch treffen sich die beiden im Jahr 2000, weil Jackson mit Spielberg das Skript für einen geplanten Film namens The Nightmares of Edgar Allan Poe diskutieren will, in dem Jackson für die Titelrolle vorgesehen ist. Jacksons Co-Executive Producer Gary Pudney sagt über das Treffen:

“Michael had conversations with Steven Spielberg, who is a good friend. (…) Spielberg was enthusiastic and suggested several people, including Tim Burton, who did Sleepy Hollow and Edward Scissorhands.”

Leider bleibt das Projekt in der Schwebe – bis zu Jacksons Tod.

2009

Martin Scorsese überreicht bei den Golden Globe Awards Steven Spielberg den Cecil B. DeMille Award. Der Preis wird seit 1952 vom Verband der Hollywood-Auslandpresse als Anerkennung für das Lebenswerk eines Filmschaffenden verliehen.

Spielberg dank Martin Scorsese und erwähnt, dass sie sich nun seit fast 39 Jahren kennen. Scorsese bezeichnet er als eine Inspiration. Er spricht auch darüber, wie ihn Cecil B. DeMilles The Greatest Show on Earth (1952) – der erste Film, den Spielberg jemals sah – zu seinem ersten Filmexperiment inspirierte: ein 8mm-Amateurfilm mit einem Zugunglück als Motiv.

Den Cecil B. DeMille Award sollte Steven Spielberg ursprünglich bereits ein Jahr zuvor erhalten – die Zeremonie wurde jedoch abgesagt wegen des Streiks der Writers Guild of America, so dass die Hollywood Foreign Press Association die Auszeichnung auf die Zeremonie im Folgejahr verlegte.

2006

Martin Scorseses Departed ist ein Remake des Hong Kong-Thrillers Infernal Affairs (2002). In den Hauptrollen spielen Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson und Mark Wahlberg. Zu den Nebendarstellern zählen Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Anthony Anderson, und Alec Baldwin. Das Drehbuch wird von William Monahan geschrieben.

Mehrmals im Film verwendet Scorsese ein X-Motiv, um einen bevorstehenden Tod anzukündigen – in einer ähnlichen Weise wie Howard Hawks‚ Filmklassiker Scarface (1932). Beispiele hierfür sind Aufnahmen von Querbalken in einem Flughafen-Gang, als Costigan Seargent Dignam anruft und die x-förmig verklebten Fenster des Gebäudes, von dem Queenan in den Tod stürzt. Oftmals muss Kameramann Michael Ballhaus mit sehr wenig Licht drehen, auf dem schmalen Grat zwischen dem, was man noch sehen kann und dem, was sich nicht mehr wahrnehmen lässt.

Departed ist ein Erfolg bei der Kritik und beim Publikum und wird mehrfach ausgezeichnet, darunter mit vier Oscars: Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch und Bester Schnitt. Wahlberg wird als bester Nebendarsteller nominiert.

Zum ersten Mal gewinnt Martin Scorsese einen Regie-Oscar – nach sechs Nominierungen. Der Preis wird ihm überreicht von seinen langjährigen Freunden Francis Ford Coppola, George Lucas und Steven Spielberg (Videoclip). Viele sind der Ansicht, Scorsese hätte den Regiepreis bereits Jahre zuvor verdient, für Filme wie Goodfellas (1990), Raging Bull (1980) oder Taxi Driver (1976).

Steven Spielberg besetzt Ray Winstone für die Rolle des George „Mac“ McHale in Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull (2008).

2002

Billy Wilder stirbt. Von Beginn an war er ein großer Förderer von Spielbergs Karriere. Ein Jahr vor seinem Tod wird er für ein Buch von Regisseur Cameron Crowe interviewt.

Conversations with Wilder entpuppt sich als eine Art Remake von François Truffauts Buch Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? – diesmal mit Cameron Crowe in der Rolle des neugierigen Truffaut und der 93-jährige Billy Wilder als Meister-Regisseur.

Martin Scorsese über das Buch: “Cameron Crowe’s book is like Wilder’s best films: sharply observed, absolutely succinct and precise, funny but always with a very strong, serious foundation. Billy Wilder is one of the few genuine masters we have left, from a period in film history that is now gone.”