Ready Player One (2018)

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Steven Spielbergs Filmadaptation von Ernest Clines Roman Ready Player One ist sein erster Science-Fiction-Film seit War of the Worlds (2005) und sein erster von Warner Bros. produzierte Film seit A.I. Artificial Intelligence (2001).

Die dystopische Story von Ready Player One ist im Jahr 2044 angesiedelt und führt uns in ein Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiel (MMORPG) namens The OASIS (Ontologically Anthropocentric Sensory Immersive Simulation). Die Menschen zieht es in diese künstliche Welt, um der harten Realität ihres Daseins zu entfliehen. Der junge Wade Watts (oder  Parzival, wie er sich in The OASIS nennt) ist begeistert von dem Spiel und knackt die erste Stufe auf dem Weg zum „Easter Egg“, mit dem der Gewinner die Kontrolle über das Spiel und das riesige Vermögen erhält, das der Schöpfer des Spiels, James Donovan Halliday, hinterlassen hat. Parzival wetteifert mit einer Armada von Egghunters (so genannte „Gunters„), die alle zuerst ans Ziel kommen wollen.

Der Roman enthält Anspielungen auf die 1980er Jahre in Hülle und Fülle, da Halliday in dieser Ära aufgewachsen ist. Dazu zählen auch Filme, die damals unter Spielberg als Produzent oder Regisseur entstanden. In seiner Verfilmung übernimmt Spielberg davon nur einen kleinen Teil:

I love the ‘80s, and I think one of the reasons I decided to make the movie was that it brought me back to the 1980s and let me do anything I want – except for my own movies. I’ve cut most of my movies out of Ernie [Cline]’s book, except for the Delorean and a couple of other things that I had something to do with. I’ve cut a lot of my own references out. I was very happy to see that there was enough without me! The ’80s was a great time to grow up.

Mark Rylance spielt James Donovan Halliday (für den Part wurden ursprünglich Gene Wilder und Michael Keaton in Betracht gezogen). Zufälligerweise ist James Donovan auch der Name von Tom Hanks‘ Rolle in Bridge of Spies (2015), in dem Mark Rylance und Steven Spielberg das erste Mal zusammenarbeiteten.

Nach Abschluss eines offenen Castings erhält der 19-jährige Tye Sheridan den Zuschlag für die Hauptrolle des Wade Watts. Sheridan hat seinen ersten Kinoauftritt in Terrence Malicks The Tree of Life (2011): Für die Rolle des jüngsten Sohns von Jessica Chastain und Brad Pitt wird Sheridan aus einem Bewerberfeld von 10.000 Jungen ausgewählt.

Tye Sheridan spielt an der Seite von Olivia Cooke als Samantha Evelyn Cook / Art3mis. Ben Mendelsohn mimt den Bösewicht Nolan Sorrento. Ogden Morrow, ein Mitstreiter Hallidays, wird von Simon Pegg porträtiert. T.J. Miller ist in der Rolle des „Trolls“ i-R0k zu sehen, und Lena Waithe als Aech. Der japanische Sänger und Schauspieler Win Morisaki spielt einen der Top-“Gunters”, Daito. Sein Kumpel Shoto wird von Philip Zhao dargestellt.

Während der Vorproduktion zu Ready Player One sagt Sheridan in einem Variety-Interview:

“It’s a new spin on cinema. A good third of the film takes place in a virtual realm inside a video game. What I love about the film is that it plays with some metaphorically bigger themes. I think it’s going to be a milestone for cinema in its advancements and exploration of virtual reality. I couldn’t be more excited and grateful to be a part of it.”

In einem Deal mit einer hohen sechsstelligen Summe kauft Warner Bros. die Filmrechte für Ready Player One noch am selben Tag, als Ernest Cline den Vertrag mit Random House zu seinem Debütroman unterzeichnet – ein Jahr vor der Veröffentlichung. Cline arbeitet gemeinsam mit Eric Eason and Zak Penn an der Drehbuchfassung. Zak Penn entwickelte die Story für The Avengers (2012), während Eric Eason das Drehbuch zu A Better Life (2011) schrieb.

Adam Stockhausen – er arbeitete zuletzt für Bridge of Spies (2015) – kehrt als Production Designer in Spielbergs Team zurück. Kasia Walicka-Maimone, ein weiteres Bridge of Spies-Teammitglied, entwirft wieder die Kostüme. Zu Spielbergs weiteren regelmäßigen Mitarbeitern zählen die Produzentin Kristie Macosko Krieger, Kameramann Janusz Kamiński, Cutter Michael Kahn und der Komponist John Williams.

Die Dreharbeiten beginnen im Juni 2016 in London.

Um einer Schlacht mit dem Disney-Imperium aus dem Weg zu gehen, wird das ursprünglich geplante Kinostart-Datum von December 2017 auf den 30. März 2018 verschoben. Warner Bros. reagiert damit auf die Disney-Konkurrenz, die das Startdatum von Star Wars VIII vom Mai 2017 auf den 15. Dezember verlegt hat. Variety zufolge handelt Warner Bros. mit Kalkül: Das neue Startdatum fällt auf Ostern, und es gibt in dieser Zeit keinen großen Wettbewerb an der Kinokasse.

Spielbergs Name auf einem Filmplakat garantiert normalerweise Massen-Appeal. Nachdem jedoch Star Wars: The Force Awakens mit einem weltweiten Einspielergebnis von mehr als 2 Milliarden Dollar auf den dritten Platz der finanziell erfolgreichsten Filme aller Zeiten rückt – hinter Titanic (1997) und Avatar (2009) – sind die Warner Bros.-Chefs klug genug, einer direkten Konfrontation mit dem nächsten Star Wars-Film aus dem Weg zu gehen.

Deutscher Kinostart: 05. April 2018

Bild: © 2017 Warner Bros.

The BFG (2016)

Steven Spielbergs 3D-Fantasy-Abenteuerfilm The BFG beruht auf Roald Dahls 1982 veröffentlichtem Kinderbuch, das im deutschen Sprachraum unter dem Titel „Sophiechen und der Riese“ erschien (1985 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet).

Die Verfilmung von The BFG ist eine Koproduktion von Walt Disney Pictures, DreamWorks Pictures, Amblin Entertainment und Walden Media.

US-Poster und Szenenfotos: © 2016 DreamWorks II Distribution Co., LLC, Disney Enterprises, Inc., and Walden Media

Deutschsprachiges Poster: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH

Das Drehbuch für The BFG stammt aus der Feder von Melissa Mathison, die auch das Drehbuch für Spielbergs E.T. – The Extra-Terrestrial (1982) schrieb. The BFG ist ihr gewidmet, denn sie verstarb 2015. Auch die „Tagline“ des Plakats weckt Erinnerungen an E.T. – The Extra-Terrestrial.

Spielberg über seine Zusammenarbeit mit Mathison:

“I don’t miss Melissa yet because I haven’t had the chance to mourn her, because she is still with me. I’m not saying that in a supernatural way, because Melissa is alive in every single frame of The BFG. She has been with me all through this process and she is as tangible as if she were sitting next to me. What I’m not looking forward to is when I finish with The BFG and I have to face the fact that Melissa is no longer with me.”

“Melissa could do something most of us could not. She observed people without judging them. The only other people I can think of who observe with curiosity and without judgment are children. And I think that’s why she understood them and wrote them better than anyone else.”

Der BFG ist ein Guter Riese (Big Friendly Giant) und ein Sonderling im Land der Riesen. Er ist acht Meter groß, mit riesigen Ohren und einem scharfen Geruchssinn. Er lebt zurückgezogen, ist auf liebenswerte Art „schwer von Begriff“ und hat eine ungewöhnliche Ausdrucksweise. Andere Riesen wie Knochenknacker, Hackepeter und Fleischfetzenfresser sind doppelt so groß und beängstigend. Nach ihrer Ankunft im Land der Riesen fürchtet sich die 10-jährige Sophie anfänglich vor dem geheimnisvollen BFG, der sie in seine Höhle verschleppt hat. Doch schon bald erkennt sie sein sanftes Wesen. Gemeinsam treten sie gegen die bösen, menschenfressenden Riesen an, von denen die Welt der Menschen bedroht wird.

Spielberg erinnert sich, wie er Roald Dahls Buchvorlage seinen Kindern vorgelesen hat:

“They loved the privacy and secrecy of his own special giant-speak. And they also loved that this little 8-year-old girl can tell a 26-foot-tall giant what to do.”

Zum ersten Mal führt Spielberg Regie unter der Marke DisneyEr erklärt, was ihn an dem Stoff reizt:

“It’s a story about friendship, it’s a story about loyalty and protecting your friends and it’s a story that shows that even a little girl can help a big giant solve his biggest problems.”

Zum Cast von The BFG gehören Ruby Barnhill, Mark Rylance, Penelope Wilton, Jemaine Clement, Rebecca Hall, Rafe Spall und Bill Hader.

Dies ist der erste Spielberg-Film mit einer weiblichen Hauptrolle seit The Color Purple (1985).

The BFG ist Spielbergs zweite Zusammenarbeit mit Mark Rylance, der  für seine Rolle in Bridge of Spies (2015) einen Academy Award gewann. In die Rolle des BFG schlüpft er mittels Motion-Capture – ein Verfahren zur digitalen Aufzeichnung der Mimik und Gestik von Darstellern, das Spielberg zuletzt in The Adventure of Tintin (2011) zum Einsatz brachte.

Steven Spielberg versucht (vergeblich), Gene Wilder zu einem Gastauftritt zu überreden. Er spielte die Titelrolle in der Roald Dahl-Verfilmung Willy Wonka & the Chocolate Factory (1971).

Die Dreharbeiten finden zwischen dem 23. März bis 16. Juni 2015 statt, gefolgt von umfangreichen Post-Production-Arbeiten. Zu den Drehorten gehören Vancouver in Kanada sowie Schottland und England.

Die Entwicklung des Projekts geht zurück bis in das Jahr 1991: Frank Marshall und Kathleen Kennedy verhandeln mit Paramount Pictures – zu diesem Zeitpunkt soll Robin Williams die Titelrolle spielen. 1998 liefern Robin Swicord und Nicholas Kazan ein Drehbuch, das 2001 von Gwyn Lurie überarbeitet wird.

Im September 2011 erwirbt DreamWorks die Filmrechte für das Buch. Mit an Bord sind Kennedy und Marshall als Produzenten sowie Melissa Mathison als Drehbuchautorin. John Madden wird als Regisseur gehandelt, bis im April 2014 Steven Spielberg die Regie übernimmt (Madden bleibt dem Projekt als Executive Producer verbunden). Nachdem Walden Media zustimmt, sich an der Finanzierung zu beteiligen, kann Walt Disney Studios für die Ko-Finanzierung gewonnen werden.

Zu den regulären Mitgliedern von Spielbergs Team zählen: Kameramann Janusz Kaminski, Cutter Michael Kahn, Komponist John Williams, Produktionsdesigner Rick Carter und Kostümdesignerin Joanna Johnston. Die visuellen Effekte werden von Weta Digital geschaffen.

Produziert wird der Film von Steven Spielberg, Frank Marshall und Sam Mercer – mit Kathleen Kennedy, John Madden, Kristie Macosko Krieger, Michael Siegel, Frank Smith und Naia Cucukov als Executive Producers.

Roald Dahls Bücher, zu denen auch “Charlie and the Chocolate Factory,” “James and the Giant Peach” und “Matilda” zählen, wurden in 58 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als 200 Millionen mal verkauft. “The BFG” war ursprünglich als Gutenacht-Geschichte gedacht und zählt zu Dahls Lieblingsgeschichten. Sie wird nun zum ersten Mal mit Schauspielern verfilmt und kommt pünktlich zu Roald Dahls 100. Geburtstag in die Kinos.

Spielberg über die Verantwortung, möglichst dicht an Roald Dahls Vorlage zu bleiben:

“It was very important for us to be loyal to the language, and the great writer Melissa Mathison, who also wrote ‘E.T.: The Extra-Terrestrial,’ wrote ‘The BFG.’”

Roald Dahls Buch besticht vor allem durch die Fantasiesprache Gobblefunk, die er seinem Riesen in den Mund gelegt hat. Sie ist auch in den Film eingeflossen. Beispiele aus der deutschen Fassung (vgl. engl. Originalversion):

delikatzig vorzüglich
Blubberwasser grünes Getränk, dessen Kohlensäure nach unten bitzelt
Fürbisfuchen Kürbiskuchen
schlotzt lecker, schön, prima
Zauberzischler schöner Traum
Leberwesen Menschen
Geohrwurmster Gehorsamster
Gigaraffen Giraffen
Majonäse Majestät
oberschleckerhammerhaft lecker
Rotzgurke eklig stinkendes Gemüse aus dem Land der Riesen
Unter‘m Arm nehmen auf den Arm nehmen
Alpenträumern Albtraum
Furzelbaum Furz
Wesserbisser Besserwisser
Weises Kind Waisenkind
Quissel-Quassel-Glotzglimmer-Box Fernseher
Lieblingsspeiserich köstlich, lecker

Die Weltpremiere findet am 14. Mai während des Filmfestivals in Cannes statt, wo der Film „Out of Competition“ gezeigt wird (auch E.T. – The Extraterrestrial (1982) hatte dort seine Weltpremiere). Wie E.T. erhält auch The BFG stehende Ovationen:

Variety-Kritiker Peter Debruge schreibt nach der Premiere in Cannes:

“That’s the beauty of Roald Dahl’s The BFG, as brought to life by recent Oscar winner Mark Rylance: You believe. No matter how fantastical the tale (and it gets pretty out-there at points), this splendid Steven Spielberg-directed adaptation makes it possible for audiences of all ages to wrap their heads around one of the unlikeliest friendships in cinema history, resulting in the sort of instant family classic “human beans” once relied upon Disney to deliver.”

Teaser-Trailer anschauen

Der Film startet am 1. Juli in den USA und ab 21. Juli in Deutschland.

Indiana Jones 5 (2020)

Fotos: © 1981, 1984, 1989, 2008 Lucasfilm Ltd.

Anything Goes: Indiana Jones kehrt zurück…

Disney kündigt einen fünften Indiana Jones-Film an – unter der Regie von Steven Spielberg und mit Harrison Ford in der Hauptrolle. Kinostart: 9. Juli 2020.

Kathleen Kennedy, Frank Marshall produzieren das Projekt, das noch keinen Titel hat (Executive Producers: George Lucas und Steven Spielberg).

Einem Interview mit Drehbuchautor David Koepp zufolge ist George Lucas diesmal nicht an der Entwicklung der Story beteiligt – offenbar eine Lehre, die man aus dem letzten Teil gezogen hat…

Harrison Ford sagt in einem BBC-Interview, er habe die Rolle unter zwei Bedingungen angenommen:

„I’ve always thought there was an opportunity to do another. But I didn’t want to do it without Steven [Spielberg]. And I didn’t want to do it without a really good script. And happily we’re working on both. Steven is developing a script now that I think we’re going to be very happy with.”

Andere Schauspieler wurden noch nicht ausgewählt. Zu den weiteren regulären Mitgliedern von Spielbergs Crew gehören:

Filmmusik
John Williams

Kamera
Janusz Kaminski

Schnitt
Michael Kahn

Special Effects
Industrial Light & Magic (ILM)

Alles über Indiana Jones

Fotos: © 1981, 1984, 1989, 2008 Lucasfilm Ltd.

2015

Walt Disney Pictures veröffentlicht den ersten Teaser-Trailer zu Steven Spielbergs bevorstehendem Fantasy-Abenteuer-Film The BFG (2016). Zum ersten Mal führt Spielberg Regie bei einem Live-Action 3D-Film.

Es handelt sich um die Verfilmung von Roald Dahls gleichnamigem Kinderbuch-Klassiker. Das Drehbuch stammt von Melissa Mathison, die schon das Script zu Spielbergs E.T. – The Extraterrestrial (1982) schrieb.

Der Film erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das auf einen Riesen trifft. Ruby Barnhill spielt die kleine Sofie, und der BFG (Big Friendly Giant) wird von Mark Rylance porträtiert. In weiteren Rollen: Bill Hader, Jemaine Clement, Penelope Wilton und Rebecca Hall.

Nach seiner Oscar-verdächtigen Darstellung des Rudolf Abel in Bridge of Spies (2015) spielt Mark Rylance erneut eine größere Rolle in einem Steven Spielberg-Film. Die Dreharbeiten für The BFG beginnen bereits drei Monate nach Drehschluss von Bridge of Spies.

Zu den Drehorten gehören: Vancouver (British Columbia, Canada), Blenheim Palace, Woodstock (Oxfordshire, United Kingdom), Buckingham Palace, Westminster (London, United Kingdom) sowie Skye, Highland (Scotland, United Kingdom).

Die Filmmusik wird wieder von John Williams komponiert. Weitere bewährte Spielberg-Mitarbeiter sind Kamaramann Janusz Kamiński, Cutter Michael Kahn sowie die Produzenten Frank Marshall und Kathleen Kennedy. Die beeindruckenden visuellen Effekte stammen von Weta Digital.

Der Film ist eine Ko-Produktion zwischen Walt Disney Pictures, DreamWorks Pictures, Amblin Entertainment und Walden Media.

The BFG startet am 28. Juli 2016 in den deutschen Kinos.

Bridge of Spies (2015)

Steven Spielbergs historisch-biografischer Thriller Bridge of Spies beruht auf einem Drehbuch von Matt Charman und Ethan & Joel Coen. In den Hauptrollen spielen Tom Hanks, Mark Rylance, Amy Ryan und Alan Alda. Zum vierten Mal spielt Tom Hanks in einem Steven Spielberg-Film die Hauptrolle (es ist ihre erste Zusammenarbeit seit mehr als zehn Jahren).

Und Spielberg kann endlich einen Spionagethriller drehen…

“I’ve always wanted to make a spy movie. This is not James Bond. Only James Bond can be James Bond. I’ve always been fascinated with the entertainment value of the James Bond spy series of movies, as well as the serious John le Carre spy novels, especially the Martin Ritt movie „The Spy Who Came in From the Cold“. Also spy pictures like „The Quiller Memorandum“ and „The Ipcress File“, and „Torn Curtain“ by Hitchcock in the ‘60s.”

Fotos: © 2015 Twentieth Century Fox

Zu den Nebendarstellern des Films zählen Austin Stowell, Domenick Lombardozzi, Michael Gaton, Sebastian Koch und Burghart Klaußner. Die Story basiert auf James B. Donovans Buch „Strangers on a Bridge: The Case of Colonel Abel and Francis Gary Powers“ (1964) und Gilles Whittells Buch „Bridge of Spies: A True Story of the Cold War“ (2010).

Der Film erzählt die Geschichte des New Yorker Anwalts James B. Donovan (Tom Hanks): Er erhält den Auftrag, die Freilassung des Piloten Francis Gary Powers zu erwirken, dessen U-2-Spionageflugzeug über dem Territorium der Sowjetunion abgeschossen wurde. Donovan bekommt bald die Auswirkungen des Kalten Kriegs zu spüren, aber er ist entschlossen, seinen Auftrag zu erfüllen, denn: „Der nächste Fehler, den unsere Länder machen, könnte der letzte sein.“

Im offiziellen Begleitvideo für den Film spricht Spielberg über den U-2-Zwischenfall und welche Bedeutung er für ihn persönlich hat. Sein Vater Arnold war 1960 als Elektroingenieur zu Gast in der Sowjetunion, als es zum Vorfall mit dem U-2-Spionageflugzeug kam.

“The Russians were putting the pilot Gary Powers’ helmet and his flight suit and the remains of the U-2 plane on show for everyone in Russia to see. A military man saw my father’s American passport and took him to the head of the queue and repeated really angrily to the crowd, ‘look what your country is doing to us.’ I never forgot that story, and because of that I never forgot what happened to Francis Gary Powers.”

Eine faszinierende Gegenüberstellung der historischen Fakten und der filmischen Umsetzung (nicht nur zum Thema Bridge of Spies) bietet diese Website.

Als Matt Charman sein Drehbuch bei DreamWorks einreicht, trifft Steven Spielberg schnell den Entschluss, die Regie für das Filmprojekt zu übernehmen und lässt Joel & Ethan Coen das Originalskript überarbeiten. Am 3. März 2015 verkündet Co-Produzent Marc Platt den Titel des Films: Bridge of Spies.

Die Dreharbeiten beginnen am 8. September 2014 in Brooklyn, New York, unter dem Arbeitstitel St. James Place und werden in den Bezirken DUMBO, Astoria und Manhattan fortgesetzt. Um dem Stil der 1950er Jahre gerecht zu werden, dreht Kameramann Janusz Kamiński auf 35-mm-Film mit anamorphen Linsen in einem Seitenverhältnis von 2,35:1.

Der zweite Teil der Dreharbeiten erfolgt bis Ende November in den Babelsberg Studios in Potsdam. In Berlin dreht Spielberg u.a. am ehemaligen Flughafen Tempelhof, wo sich einige der wahren Ereignisse tatsächlich abspielten, z.B. als Donovan aus einer historischen C-54 Skymaster steigt.

In einer Schlüsselszene des Films wird der Gefangenenaustausch auf der Glienicker Brücke gezeigt (auch bekannt als die „Brücke der Spione“), wo 1962 die historischen Ereignisse stattfanden. Nicht weit entfernt von der Brücke versammelten sich 20 Jahre zuvor die nationalsozialistischen „Architekten“ des Holocaust zur Wannsee-Konferenz, um die Vernichtung der Juden zu organisieren. Während der Dreharbeiten gegen Ende November lässt dies Spielberg besonders frösteln.

Set-Fotos: © 2015 Steven Spielberg Chroniken

Für den Dreh wird die Glienicker Brücke ein Wochenende lang komplett gesperrt. Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht das Set und nimmt sich Zeit, den Prozess des Filmemachens zu beobachten.

Um Sequenzen zu filmen, in denen die Berliner Mauer zu sehen ist, reist das Produktionsteam nach Wroclaw, Polen, wo Teile der Berliner Mauer und Umgebung unter der Leitung von Produktionsdesigner Adam Stockhausen originalgetreu rekonstruiert werden. Stockhausen erhielt einen Oscar für seine Arbeit an Wes Andersons The Grand Budapest Hotel (2014). Kostüm-Designerin Kasia Walicka Maimone, die bereits beim Film Moonrise Kingdom (2012) mit Wes Anderson and Adam Stockhausen zusammengearbeitet hat, kleidet Haupt- und Nebendarsteller sowie eine Unzahl von Statisten passend zur Mode des Kalten Kriegs ein.

Kameramann Janusz Kamiński kann endlich wieder in seinem Heimatland drehen – nach seiner ersten Zusammenarbeit mit Spielberg, Schindler’s List (1993). Drehschluss ist auf der Beale Air Force Base, nahe Marysville, Kalifornien. Francis Gary Powers, Jr., Gründer des The Cold War Museum und Sohn des Piloten, wird als technischer Berater hinzugezogen und hat einen Cameo-Auftritt.

Die Filmmusik wird von Thomas Newman komponiert. Es ist das erste Mal seit The Color Purple (1985), dass John Williams nicht die Musik für einen Steven Spielberg-Film schreibt. Williams steht aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Verfügung, und da er mit der Musik für J.J. Abrams‘ Star Wars – The Force Awakens (2015) beschäftigt ist.

Das erste Plakat für Bridge of Spies wird am 4. Juni 2015 veröffentlicht, und am darauffolgenden Tag der erste Online-Trailer. In europäischen Fassungen des Filmplakats wird die US-Flagge durch eine abstrakte Darstellung der Glienicker Brücke im Stil der 60er Jahre ersetzt (eine visuelle Anspielung auf den berühmten Grafik- und Filmtiteldesigner Saul Bass).

Bridge of Spies wird produziert von Steven Spielberg, Marc Platt und Kristie Macosko Krieger. In Nordamerika übernimmt Touchstone Pictures den Verleih, in allen anderen Ländern 20th Century Fox.

Der Film feiert seine Weltpremiere am 4. Oktober 2015 im Rahmen des 53th New York Film Festival – in Anwesenheit von Tom Hanks, Steven Spielberg, Amy Ryan, Mark Rylance und Sebastian Koch. Als der Vorhang fällt, reißt es das Publikum von den Stühlen, und es kommt zu einer Standing Ovation. Filmkritik und Publikum reagieren einhellig positiv.

Die Internationale Premiere von Bridge of Spies findet am 13. November in Berlin statt – in Anwesenheit von Steven Spielberg, Kate Capshaw sowie der Darsteller Tom Hanks, Amy Ryan, Sebastian Koch und Burghart Klaußner.

Zu den Besuchern der bejubelten Premiere gehören u.a. John B. Emerson (Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika), Prof. Monika Grütters (Staatsministerin für Kultur und Medien), Dr. Gideon Joffe (Vorstandsvorsitzende Jüdische Gemeinde Berlin), Sergej M. Maguta (1. Botschaftssekretär und Kulturattaché der Russischen Föderation) sowie die Regisseure Volker Schlöndorff, Tom Tykwer und Lana Wachowski und die Schauspieler Nina Hoss und David Kross.

Im Anschluss an die Premiere in Berlin will Steven Spielberg nach Paris reisen, um an der französischen Uraufführung seines Films teilzunehmen. Doch die Terroranschläge in Paris setzen diesen Plänen ein Ende: Die 20th Century Fox sagt die für den 15. November geplante Veranstaltung ab.

Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) verleiht Bridge of Spies das Prädikat „besonders wertvoll“. Aus der Begründung:

„Der neue Film von Steven Spielberg ist ein packender und ergreifender Spionage-Thriller, dessen Geschichte eintaucht in die Auseinandersetzungen des Kalten Krieges Ende der 1950er Jahre. Geheimdienste, Agenten, Verschwörungen, politisches Kalkül und Taktieren – das sind die Zutaten, die man aus dem Genre kennt.

Doch Spielberg und seine Autoren Matt Charman und Joel und Ethan Coen schaffen es, die Individuen hinter den globalen Prozessen sichtbar zu machen. Tom Hanks als James Donovan steht für all die kleinen Rädchen im großen Getriebe der Macht. Menschen, die nicht nur einen Job erledigen, sondern das Richtige tun wollen. Hanks ist als Donovan eine moralische Figureninstanz und grundsympathisch. Der Zuschauer folgt und fiebert mit ihm mit. Doch auch die Figur des russischen Agenten Abel – glaubhaft und charismatisch verkörpert von Mark Rylance – ist positiv gezeichnet.

Spielberg verzichtet auf eine stereotype Sicht auf Dinge und Positionen, unterstreicht aber die Tragweite der wichtigen Handlungsmomente durch große Gesten deutlich. Dazu passen auch der epische Score von Thomas Newman und die atmosphärisch aufgeladenen Bilder des Kameramanns Janusz Kaminski. Bis zum letzten dramaturgischen Höhepunkt, dem Austausch der Agenten auf der Glienicker Brücke, hält BRIDGE OF SPIES – DER UNTERHÄNDLER seine Spannung.

Ein spannender, mitreißender und klug erzählter Agententhriller, der bis zur letzten Minute fesselt.“

Variety-Korrespondent Kristopher Tapley lobt Spielbergs große Handwerkskunst, die starke darstellerische Leistung von Tom Hanks und Mark Rylance sowie die Handlung des Films, die er wie folgt beschreibt: “thematically potent, dealing in notions of idealism particularly meaningful in the face of today’s perceived Constitutional slippery slopes.”

Bridge of Spies spielt weltweit mehr als 162 Millionen Dollar ein (bei einem moderaten Budget von 40 Millionen Dollar).

Bei den Nominierungen für die Golden Globe Awards wird Bridge of Spies weitgehend ignoriert. Der Film erhält lediglich eine Nominierung für den besten Nebendarsteller, Mark Rylance. Dafür erhält Rylance in derselben Kategorie einen Academy Award. Der Film wird für vier weitere Oscars nominiert, darunter für den besten Film, das beste Drehbuch, das beste Produktionsdesign und die beste Filmmusik.

Hintergrundinformationen, Fotos und Videos zur Entstehung des Films sind in den englischsprachigen Steven Spielberg Chronicles enthalten. Hier geht’s zum Bridge of Spies Special.

Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von Bridge of Spies

Lincoln (2012)

Steven Spielbergs Meisterwerk Lincoln spielt während der letzten Monate von US-Präsident Abraham Lincolns Amtszeit. Er handelt von seinen Bemühungen um die Verabschiedung des 13. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten durch das Repräsentantenhaus, mit dem die Abschaffung der Sklaverei in den Vereinigten Staaten besiegelt wurde. Lincoln lehrt uns, wie man hinter den Kulissen der Politik einen Konsens herbeiführt, wenn dringende Probleme der Nation zu lösen sind. Der Film ist also im Grunde eine zeitgenössische Geschichte, die im historischen Mantel erzählt wird.

Der Film wird von Steven Spielberg und Kathleen Kennedy produziert, das Drehbuch beruht zum Teil auf Doris Kearns Goodwins Biographie „Team of Rivals: The Political Genius of Abraham Lincoln“. Spielberg über seine Motivation, diesen Film zu drehen:

“The Lincoln project is something that I have been fascinated with all my life. Like the kid in Minority Report, I used to cut out the profiles of Presidents in third grade. Lincoln was my favorite profile. (…) As I got older, I began reading history books and I became like a history major. I never really majored in history in school but it was my most favorite subject. (…) I realized that Lincoln changed the history of the world.”

Daniel Day-Lewis porträtiert auf brillante Weise Abraham Lincoln und wird von weiteren ausgezeichneten Darstellern unterstützt, darunter Sally Field, David Strathairn, Joseph Gordon-Levitt, James Spader, Hal Holbrook, Tim Blake Nelson, Lukas Haas und Tommy Lee Jones.

Adam Driver – später bekannt als Bösewicht in Star Wars: The Force Awakens (2015) – spielt die Rolle des War-Room Telegrafen Samuel Beckwith. Kevin Kline hat einen Kurzauftritt als verwundeter Soldat.

In Vorbereitung auf The Unfinished Journey (1999) – ein 21-minütiger Kurzfilm, der unter der Regie von Spielberg entsteht und bei der Jahrtausend-Gala in Washington DC gezeigt wird, direkt vor dem Lincoln Memorial – fragt Spielberg Historiker wie Stephen Ambrose und Doris Kearns Goodwin um Rat. Auf Spielbergs Frage nach ihren aktuellen Projekten sagt Goodwin, dass sie dabei ist, ein Buch mit dem Titel „Team of Rivals“ über Lincoln und sein Kabinett zu schreiben. Spielberg ist so fasziniert, dass er die Filmrechte unverzüglich erwirbt.

In den frühen Phasen der Projekt-Entwicklung wird John Logan damit beauftragt, einen ersten Drehbuchentwurf zu schreiben. Der Theaterautor Paul Webb schreibt es anschließend neu. Er zieht es vor, Lincolns Amtszeit als Präsident in Gänze abzudecken. Spielberg ist mit dem Skript unzufrieden, und so verzögern sich die Dreharbeiten. Spielberg übergibt die Aufgabe einem weiteren Theaterautor, der Spielberg mit seinem Skript für Munich (2005) beeindruckt hatte: Tony Kushner.

Kushner empfindet die Aufgabe zunächst entmutigend, weil er keinen Zugang zur Motivation des Präsidenten findet: “I don’t understand what he did any more than I understand how William Shakespeare wrote Hamlet or Mozart wrote Così fan tutte.”. Kushners ursprünglicher Entwurf umfasst 491 Seiten und legt den Fokus auf die vier letzten Monate in Lincolns Leben. Bis 2009 überarbeitet er die Fassung und reduziert die Handlung auf die zwei letzten Monate, als er sich mit dem 13. Zusatzartikel der Verfassung beschäftigt.

Ursprünglich ist Liam Neeson als Darsteller für die Hauptrolle vorgesehen, nachdem er zuvor in Spielbergs Schindler’s List (1993) den Titelpart gespielt hatte. In Vorbereitung auf seine Rolle studiert er Abraham Lincoln ausgiebig, doch im Jahr 2010 steigt Neeson aus, nachdem er bei einer Leseprobe feststellt, dass die Rolle nicht für ihn geschaffen ist. Neeson schlägt Daniel Day-Lewis als seinen Nachfolger vor und setzt sich persönlich dafür ein, dass er die Rolle annimmt. Spielberg und Kushner fliegen nach Irland, um sich mit Day-Lewis zu treffen. Das Drehbuch wird noch einige Male überarbeitet, bevor der Schauspieler endlich zustimmt (nachdem auch Leonardo DiCaprio auf ihn eingewirkt hat).

Bis die Finanzierung des Films steht, vergehen fast drei Jahre. Nach dem Verkauf von DreamWorks an Viacom stellt Spielberg sein Projekt beim Viacom-Tochterunternehmen Paramount vor, doch die Chefetage beklagt sich, das Budget, wenn auch auf 50 Millionen Dollar zusammengestrichen, sei immer noch zu hoch und das Thema ähnelte zu sehr Spielbergs Amistad (1997) – einer seiner an der Kinokasse am wenigsten erfolgreichen Filme.

Von den Finanzierungsproblemen frustriert, räumt Spielberg ein, Lincoln hätte beinahe seine Premiere auf HBO erlebt. DreamWorks gelingt jedoch ein Deal mit der Walt Disney Company, die den Verleih in Nordamerika übernimmt. 20th Century Fox finanziert die andere Hälfte des Budgets und erwirbt dafür die internationalen Verleihrechte. Um auf Nummer Sicher zu gehen, bringt DreamWorks mit Participant Media einen weiteren Finanzpartner an Bord, und so kann der Film endlich entstehen.

Die Dreharbeiten dauern 64 Tage, die meisten Aufnahmen werden in Richmond, Fredericksburg und Petersburg, Virginia, gedreht. Eine ehemalige Produktionshalle für Flipperautomaten in Richmond wird als Set für die Innenräume des Weißen Hauses umgebaut. “We worked hard to be as historically accurate as possible, all the way to the room where Mary and Lincoln had their scenes,” sagt Produktionsdesigner Rick Carter. “The wallpaper, rugs, everything was as accurate as it could possibly be.”

Kameramann Janusz Kamiński beschließt gemeinsam mit Spielberg, das Licht auf ein Minimum zu reduzieren, um den Einsatz von Kerzen und Gaslicht während jener Zeit zu unterstreichen. “We knew this was a haunted movie about a man carrying a tremendous burden,” sagt Rick Carter. “We wanted to go with almost a black-and-white photo yet always be able to pick out what was important in the frame.” Die Dunkelheit wird als Werkzeug eingesetzt, um das Zuschauerauge zu lenken. “I wanted to create depth of Lincoln’s character through lighting,” bemerkt Kamiński. “In group shots in his office, I set the light so your eye would go to Lincoln.” In den Aufnahmen, die während der Verabschiedung des 13. Zusatzartikels spielen, beabsichtigt Kamiński, Lincolns ikonografische Erscheinung zu unterlaufen, indem er ihn in grelles Gegenlicht taucht – mit einem Engels-ähnlichen Effekt, der dennoch naturalistisch wirkt.  “I wanted to create a very intimate image of this man on the most important day of his life: He’s still a father, and he’s still allocating time to be with his family and his son.”

Am Set gehen Cast und Crew geradezu ehrfürchtig mit dem Thema um: Unterhaltungen zwischen den Aufnahmen werden in flüsterndem Ton geführt, und ohne triftigen Anlass spricht niemand den Hauptdarsteller an. Spielberg, sonst in Baseballmütze und Jeans, trägt Anzug und Krawatte. Für Daniel Day-Lewis verwendet Spielberg die Anrede „Mr. President“ und spricht auch die anderen Darsteller mit den Namen ihrer Rollen an. Auf die Weise will Spielberg mit Leib und Seele in die amerikanische Geschichte eintauchen.

Seine Erfahrung, Abraham Lincoln darzustellen, beschreibt Daniel Day-Lewis so: 

“I never, ever felt that depth of love for another human being that I never met. And that’s, I think, probably the effect that Lincoln has on most people that take the time to discover him… I wish he had stayed [with me] forever.” 

Spielberg ergänzt:

“The toughest part about actually making the film was that it was eventually going to come to an end. After the first day of shooting, I started mourning the last day of shooting. (…) It’s rare that this has ever happened. E.T. might be the only other time.”

Lincoln wird auf 35mm-Film gedreht und auf einem Avid-System geschnitten – zum dritten Mal schneidet Michael Kahn für Spielberg im digitalen Format. “Steven saw how efficient it was, how it saved it a lot of time, so we’ve been on Avid ever since,” sagt Kahn, der für seine hohe Arbeitsgeschwindigkeit mit den analogen Moviola- und KEM-Systemen bekannt war. Kahn bekennt, nie zuvor einen Film wie Lincoln geschnitten zu haben: “This picture has more dialogue, more getting into people’s heads. A lot of editors say dialogue is the hardest thing to make work, and after Lincoln I have to agree. Audiences won’t see our decisions to cut or not to cut, but the decisions are there.”

Für seine zurückhaltende und respektvolle Filmmusik setzt John Williams weiterhin auf handschriftliche Notation mit Bleistift und Papier am Klavier und bringt auch ohne moderne Technik Klangkompositionen in gewohnt hoher Qualität hervor.

Lincoln wird von der Kritik gefeiert. Hervorgehoben werden die Leistungen der Darsteller, insbesondere des Hauptdarstellers Daniel Day-Lewis, sowie die Regie und handwerkliche Qualität des Films.

Roger Ebert gibt dem Film die Höchstwertung und schreibt in seiner Kritik: “The hallmark of the man, performed so powerfully by Daniel Day-Lewis in Lincoln, is calm self-confidence, patience and a willingness to play politics in a realistic way.”

A.O. Scott von der New York Times stellt fest, der Film “is finally a movie about how difficult and costly it has been for the United States to recognize the full and equal humanity of black people.” Er bezeichnet den Film als “rough and noble democratic masterpiece” –  “intimate but also decorous, drawn with extraordinary sensitivity and insight and focused, above all, on Lincoln’s character as a politician. This is, in other words, less a biopic than a political thriller, a civics lesson that is energetically staged and alive with moral energy.”

Trotz seiner Lauflänge von 150 Minuten ist der Film auch ein großer kommerzieller Erfolg, was darauf hindeutet, dass ihn viele Zuschauer nicht als dröge Geschichtsstunde empfinden. Das weltweite Einspielergebnis beträgt mehr als 275 Millionen (bei einem Budget von 65 Millionen Dollar).

Washington-Insider betrachten den Film als ein Lehrbeispiel, wie ein Präsident mit dem Kongress zusammenarbeiten sollte (der Film wird im Weißen Haus und im Senat vorgeführt).

Lincoln wird nominiert für sieben Golden Globe Awards darunter für Best Motion Picture – Drama und Best Director. Daniel Day-Lewis gewinnt einen Golden Globe für Best Actor (Motion Picture – Drama).

Bei den Academy Awards wird der Film für 12 Oscars nominiert, u.a. für Best Picture. Lincoln gewinnt einen Oscar für Best Production Design und Best Actor for Daniel Day-Lewis. Damit ist er der erste Hauptdarsteller eines Spielberg-Films, der mit einem Academy Award ausgezeichnet wird.


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von 
Lincoln

War Horse (2011)

Steven Spielbergs berührendes Drama War Horse spielt während des Ersten Weltkriegs und beruht auf Michael Morpurgos gleichnamigem Jugendroman aus dem Jahr 1982. Der Film wird von Steven Spielberg und Kathleen Kennedy produziert (Frank Marshall und Revel Guest fungieren als Executive Producer).

Ursprünglich versucht Michael Morpurgo selbst, sein Buch in ein Drehbuch zu übersetzen und arbeitet mehr als fünf Jahre daran, doch es kommt nichts Verwendbares dabei heraus. 2007 adaptiert allerdings Nick Stafford das Buch erfolgreich als Theaterstück. Anders als das Buch kann der Film nicht allein aus Sicht des Pferds erzählt werden, so dass der Großteil der Verfilmung auf der narrativen Herangehensweise des Bühnenstücks basiert. Im Gegensatz zur Theaterfassung, in der für die Pferde lebensgroße Marionetten verwendet werden, setzt der Film auf lebendige Pferde, practical effects und (äußerst selten) CGI.

Im Jahr 2009 ist Filmproduzent Kathleen Kennedy unter den Zuschauern der Bühnenfassung im Londoner West End und berichtet Spielberg davon. Daraufhin erwirbt DreamWorks die Filmrechte. Spielberg schaut sich im Frühjahr 2010 das Bühnenstück an und trifft sich mit den Bühnendarstellern, um ihnen zu sagen, ihre Darstellung habe ihn zu Tränen gerührt.

DreamWorks-Chefin Stacey Snider setzt sich dafür ein, den britischen Regisseur und Drehbuchautor Richard Curtis mit der Überarbeitung der Drehbuch-Entwürfe zu beauftragen, die Michael Morpurgo und Lee Hall eingereicht haben. In nur drei Monaten verfasst Curtis mehr als ein Dutzend Entwürfe in enger Zusammenarbeit mit Spielberg, der zu diesem Zeitpunkt als Produzent vorgesehen ist. Begeistert von den Ergebnissen, beschließt Spielberg, auch die Regie zu übernehmen – während er noch darauf wartet, dass die Animationen für The Adventures of Tintin (2011) abgeschlossen werden.

Nachdem Hunderte junger Darsteller für die Hauptrolle vorgesprochen haben (was zeitweise zu  Spekulationen führt, Eddie Redmayne sei im Rennen), entscheidet sich Spielberg für den relativ unbekannten Theaterschauspieler Jeremy Irvine und beschreibt seine Darstellung als „very natural, very authentic.“ Es ist seine erste Filmrolle, und er hat vor War Horse noch nie ein Pferd geritten.

Zum brillanten Cast des Films gehören britische, französische und deutsche Darsteller (die entsprechende Charaktere spielen), darunter Emily Watson, David Thewlis, Tom Hiddleston, Benedict Cumberbatch, Eddie Marsan, Toby Kebbell, David Kross und Peter Mullan. Robert Emms, Hauptdarsteller in der Londoner Theaterfassung, spielt den Part des David Lyons. Außerdem wirken etwa 5.800 Statisten mit. Buchautor Michael Morpurgo ist in einer Nebenrolle bei der Auktion zu sehen – und besucht mehrmals das Set.

Die Dreharbeiten dauern etwa 64 Tage, beginnend in der Gegend von Stratfield Saye House in North Hampshire. Hier entsteht der Angriff der britischen Kavallerie auf die Maschinengewehr-Stellung der Deutschen, an dem 130 Pferde und Hunderte von Statisten beteiligt sind – eine der erschütterndsten Kriegssequenzen, die Spielberg je gedreht hat.

Jeremy Irvine sagt über die Entstehung der Szenen:

“It was terrifying. The smoke and the smell and the taste of the guns firing. It’s not difficult to act scared in that situation. There’s no doubt this was deliberate: not only to have the film look great, but to have that effect on the actors. It was an eye-opening scene.”

Tom Hiddleston erinnert sich an Spielbergs Regieanweisung:

“He said, ‘Give me your war face, and the camera’s going to move across, and as you feel it come up in front of you, I want you to de-age yourself by 20 years. So you’re 29, and when you see those machine guns, you’re 9 years old. I want to see the child in you.’ And I just thought that was one of the most astonishing acting notes I’d ever been given.“ 

Emily Watson sagt über Spielbergs Regiearbeit:

„On set, he’d come in, in the morning, and say, ‚I couldn’t sleep last night. I was worrying about this shot!’ Which was great! He’s human and he’s still working in an impassioned way, like a 21-year-old, trying to make the best out of everything.”

 

Kathleen Kennedy sondiert etliche Gegenden auf dem Land und schickt Spielberg Fotos, u.a. von Dartmoor, Devon. Daraufhin beschließt Spielberg, Elemente der Geschichte wegzulassen, um die Dreharbeiten in Dartmoor ausdehnen zu können. Spielberg sagt über Dartmoor:

“I have never before, in my long and eclectic career, been gifted with such an abundance of natural beauty as I experienced filming War Horse on Dartmoor.”

Nach seiner Arbeit an James Camerons Avatar (2009) nimmt Produktionsdesigner Rick Carter, Spielbergs langjähriger Mitarbeiter, seine Arbeit für War Horse auf. Dieses Mal besteht seine Aufgabe nicht darin, eine neue Realität zu erschaffen, sondern eine vorhandene Landschaft in eine Art Charakter des Films zu verwandeln.

Die berühmte Aufnahme des Pferdes in der letzten Szene, vor tiefrotem Himmel, wirkt wie eine Anspielung auf Gone With the Wind (1939), doch Spielbergs Kameramann Janusz Kamiński beteuert, die Ähnlichkeit sei unbewusst: „I didn’t even know there was an image similar to that!” Kamiński orientiert sich an John Fords The Searchers (1956) und legt besonderes Augenmerk auf Fords Panoramen-hafte Porträts von Himmel und Landschaft.

Nachdem sich Spielberg in sechs Filmen mit dem Zweiten Weltkrieg befasst hat, wendet er sich erstmals dem Ersten Weltkrieg zu. Die Sequenzen in den von Stacheldraht umsäumten Schützengräben erinnern an Klassiker wie Lewis Milestones All Quiet on the Western Front (1930) und Stanley Kubricks Paths of Glory (1957).

In manchen Szenen kommen bis zu 280 Pferde gleichzeitig zum Einsatz. Für die „Hauptrolle“ des Joey werden vierzehn verschiedene Pferde eingesetzt, acht von ihnen porträtieren ihn als erwachsenes Wesen, vier als Jungpferd und zwei als Fohlen. In einigen Situationen kommen Animatronic-Pferde zum Einsatz, zum Beispiel als sich Joey im Stacheldraht verheddert (der Draht besteht aus Gummi). Die Arbeit mit Pferden ist in diesem Umfang eine vollkommen neue Erfahrung für Spielberg:

“When I’m on an Indy movie, I’m watching Indiana Jones, not the horse he is riding … Suddenly I’m faced with the challenge of making a movie where I not only had to watch the horse, I had to compel the audience to watch it along with me. I had to pay attention to what it was doing and understand its feelings. It was a whole new experience for me.”

Michael Kahn schneidet den Film noch während der Dreharbeiten in seinem Wohnwagen am Set. Kahn und Spielberg schneiden die Szenen digital auf einem Avid-System, statt auf Film.

Die visuellen Effekte für den Film entstammen dem Londoner Unternehmen Framestore.  Spielberg zufolge bestehen die einzigen digitalen Effekte des Films aus drei Einstellungen mit einer Dauer von drei Sekunden, um die Sicherheit des Pferdes zu gewährleisten: “That’s the thing I’m most proud of. Everything you see on screen really happened.”

Spielberg beschreibt die Filmmusik von John Williams wie folgt:

“I feel that John has made a special gift to me of this music, which was inspired not only by my film but also by many of the picturesque settings of the poet William Wordsworth, whose vivid descriptions of the British landscape inspired much of what you are going to hear.”

Der Film erhält positive Kritiken, darunter von Roger Ebert, der über War Horse schreibt: “surely some of the best footage Spielberg has ever directed (…) The film is made with superb artistry. Spielberg is the master of an awesome canvas. Most people will enjoy it, as I did.“ 

War Horse ist ein finanzieller Erfolg und nimmt weltweit 177 Millionen Dollar ein (bei einem Budget von 66 Millionen Dollar). Der Film erhält sechs Oscar-Nominierungen, darunter als Bester Film, geht aber insgesamt leer aus.


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von War Horse