2016

Produktionsdesigner Sir Ken Adam stirbt im Alter von 95 Jahren.

Adam arbeitete für mehr als 70 Filme und wurde mit zwei Oscars ausgezeichnet (bei insgesamt fünf Nominierungen). Er schuf grandiose Setdesigns für die James Bond-Filmreihe – darunter das geheime Atomlabor für Dr. No (1962), Fort Knox für Goldfinger (1964) sowie eine gigantische Raketenbasis zum Film You Only Live Twice (1967), für den Roald Dahl das Drehbuch schrieb.

In den späten 70er Jahren entwarf er das für den Oscar nominierte Supertanker-Set in The Spy Who Loved Me (1977) und die futuristische Raumstation in Moonraker (1979) – der letzte Bond-Film, an dem er mitwirkte. Die Ausleuchtung für die Aufnahmen am Supertanker-Set wurde – im Geheimen – von Stanley Kubrick überwacht.

Ken Adam zeichnete auch verantwortlich für das berühmte War Room-Set in Stanley Kubricks Dr. Strangelove (1964). Mit Kubrick arbeitete er nochmals zusammen beim Film Barry Lyndon (1975), für den er seinen ersten Oscar erhielt. Seinen zweiten Academy Award erhielt Adam für sein Produktionsdesign in The Madness of King George (1994).

Obwohl Ken Adam nie mit Steven Spielberg zusammen gearbeitet hat (ein großer Fan der 007-Reihe und der Kubrick-Filme), erinnerte er sich immer wieder gern an das größte Kompliment, das er je erhielt:

„I was in the States giving a lecture to the Directors Guild when Steven Spielberg came up to me. He said ‚Ken, that War Room set for Strangelove is the best set you ever designed‘. Five minutes later he came back and said ’no it’s the best set that’s ever been designed‘.“

Klaus Hugo Adam wurde in Berlin geboren und musste 1934, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten mit seiner jüdischen Familie nach England auswandern. Dort ging er an das University College London und die Bartlett School of Architecture, bevor er als Produktionszeichner in die Filmbranche einstieg.

2012 vermachte Ken Adam sein gesamtes künstlerisches Werk an die Deutsche Kinemathek in Berlin.

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Bridge of Spies (2015)

Steven Spielbergs historisch-biografischer Thriller Bridge of Spies beruht auf einem Drehbuch von Matt Charman und Ethan & Joel Coen. In den Hauptrollen spielen Tom Hanks, Mark Rylance, Amy Ryan und Alan Alda. Zum vierten Mal spielt Tom Hanks in einem Steven Spielberg-Film die Hauptrolle (es ist ihre erste Zusammenarbeit seit mehr als zehn Jahren).

Und Spielberg kann endlich einen Spionagethriller drehen…

“I’ve always wanted to make a spy movie. This is not James Bond. Only James Bond can be James Bond. I’ve always been fascinated with the entertainment value of the James Bond spy series of movies, as well as the serious John le Carre spy novels, especially the Martin Ritt movie „The Spy Who Came in From the Cold“. Also spy pictures like „The Quiller Memorandum“ and „The Ipcress File“, and „Torn Curtain“ by Hitchcock in the ‘60s.”

Fotos: © 2015 Twentieth Century Fox

Zu den Nebendarstellern des Films zählen Austin Stowell, Domenick Lombardozzi, Michael Gaton, Sebastian Koch und Burghart Klaußner. Die Story basiert auf James B. Donovans Buch „Strangers on a Bridge: The Case of Colonel Abel and Francis Gary Powers“ (1964) und Gilles Whittells Buch „Bridge of Spies: A True Story of the Cold War“ (2010).

Der Film erzählt die Geschichte des New Yorker Anwalts James B. Donovan (Tom Hanks): Er erhält den Auftrag, die Freilassung des Piloten Francis Gary Powers zu erwirken, dessen U-2-Spionageflugzeug über dem Territorium der Sowjetunion abgeschossen wurde. Donovan bekommt bald die Auswirkungen des Kalten Kriegs zu spüren, aber er ist entschlossen, seinen Auftrag zu erfüllen, denn: „Der nächste Fehler, den unsere Länder machen, könnte der letzte sein.“

Im offiziellen Begleitvideo für den Film spricht Spielberg über den U-2-Zwischenfall und welche Bedeutung er für ihn persönlich hat. Sein Vater Arnold war 1960 als Elektroingenieur zu Gast in der Sowjetunion, als es zum Vorfall mit dem U-2-Spionageflugzeug kam.

“The Russians were putting the pilot Gary Powers’ helmet and his flight suit and the remains of the U-2 plane on show for everyone in Russia to see. A military man saw my father’s American passport and took him to the head of the queue and repeated really angrily to the crowd, ‘look what your country is doing to us.’ I never forgot that story, and because of that I never forgot what happened to Francis Gary Powers.”

Eine faszinierende Gegenüberstellung der historischen Fakten und der filmischen Umsetzung (nicht nur zum Thema Bridge of Spies) bietet diese Website.

Als Matt Charman sein Drehbuch bei DreamWorks einreicht, trifft Steven Spielberg schnell den Entschluss, die Regie für das Filmprojekt zu übernehmen und lässt Joel & Ethan Coen das Originalskript überarbeiten. Am 3. März 2015 verkündet Co-Produzent Marc Platt den Titel des Films: Bridge of Spies.

Die Dreharbeiten beginnen am 8. September 2014 in Brooklyn, New York, unter dem Arbeitstitel St. James Place und werden in den Bezirken DUMBO, Astoria und Manhattan fortgesetzt. Um dem Stil der 1950er Jahre gerecht zu werden, dreht Kameramann Janusz Kamiński auf 35-mm-Film mit anamorphen Linsen in einem Seitenverhältnis von 2,35:1.

Der zweite Teil der Dreharbeiten erfolgt bis Ende November in den Babelsberg Studios in Potsdam. In Berlin dreht Spielberg u.a. am ehemaligen Flughafen Tempelhof, wo sich einige der wahren Ereignisse tatsächlich abspielten, z.B. als Donovan aus einer historischen C-54 Skymaster steigt.

In einer Schlüsselszene des Films wird der Gefangenenaustausch auf der Glienicker Brücke gezeigt (auch bekannt als die „Brücke der Spione“), wo 1962 die historischen Ereignisse stattfanden. Nicht weit entfernt von der Brücke versammelten sich 20 Jahre zuvor die nationalsozialistischen „Architekten“ des Holocaust zur Wannsee-Konferenz, um die Vernichtung der Juden zu organisieren. Während der Dreharbeiten gegen Ende November lässt dies Spielberg besonders frösteln.

Set-Fotos: © 2015 Steven Spielberg Chroniken

Für den Dreh wird die Glienicker Brücke ein Wochenende lang komplett gesperrt. Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht das Set und nimmt sich Zeit, den Prozess des Filmemachens zu beobachten.

Um Sequenzen zu filmen, in denen die Berliner Mauer zu sehen ist, reist das Produktionsteam nach Wroclaw, Polen, wo Teile der Berliner Mauer und Umgebung unter der Leitung von Produktionsdesigner Adam Stockhausen originalgetreu rekonstruiert werden. Stockhausen erhielt einen Oscar für seine Arbeit an Wes Andersons The Grand Budapest Hotel (2014). Kostüm-Designerin Kasia Walicka Maimone, die bereits beim Film Moonrise Kingdom (2012) mit Wes Anderson and Adam Stockhausen zusammengearbeitet hat, kleidet Haupt- und Nebendarsteller sowie eine Unzahl von Statisten passend zur Mode des Kalten Kriegs ein.

Kameramann Janusz Kamiński kann endlich wieder in seinem Heimatland drehen – nach seiner ersten Zusammenarbeit mit Spielberg, Schindler’s List (1993). Drehschluss ist auf der Beale Air Force Base, nahe Marysville, Kalifornien. Francis Gary Powers, Jr., Gründer des The Cold War Museum und Sohn des Piloten, wird als technischer Berater hinzugezogen und hat einen Cameo-Auftritt.

Die Filmmusik wird von Thomas Newman komponiert. Es ist das erste Mal seit The Color Purple (1985), dass John Williams nicht die Musik für einen Steven Spielberg-Film schreibt. Williams steht aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Verfügung, und da er mit der Musik für J.J. Abrams‘ Star Wars – The Force Awakens (2015) beschäftigt ist.

Das erste Plakat für Bridge of Spies wird am 4. Juni 2015 veröffentlicht, und am darauffolgenden Tag der erste Online-Trailer. In europäischen Fassungen des Filmplakats wird die US-Flagge durch eine abstrakte Darstellung der Glienicker Brücke im Stil der 60er Jahre ersetzt (eine visuelle Anspielung auf den berühmten Grafik- und Filmtiteldesigner Saul Bass).

Bridge of Spies wird produziert von Steven Spielberg, Marc Platt und Kristie Macosko Krieger. In Nordamerika übernimmt Touchstone Pictures den Verleih, in allen anderen Ländern 20th Century Fox.

Der Film feiert seine Weltpremiere am 4. Oktober 2015 im Rahmen des 53th New York Film Festival – in Anwesenheit von Tom Hanks, Steven Spielberg, Amy Ryan, Mark Rylance und Sebastian Koch. Als der Vorhang fällt, reißt es das Publikum von den Stühlen, und es kommt zu einer Standing Ovation. Filmkritik und Publikum reagieren einhellig positiv.

Die Internationale Premiere von Bridge of Spies findet am 13. November in Berlin statt – in Anwesenheit von Steven Spielberg, Kate Capshaw sowie der Darsteller Tom Hanks, Amy Ryan, Sebastian Koch und Burghart Klaußner.

Zu den Besuchern der bejubelten Premiere gehören u.a. John B. Emerson (Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika), Prof. Monika Grütters (Staatsministerin für Kultur und Medien), Dr. Gideon Joffe (Vorstandsvorsitzende Jüdische Gemeinde Berlin), Sergej M. Maguta (1. Botschaftssekretär und Kulturattaché der Russischen Föderation) sowie die Regisseure Volker Schlöndorff, Tom Tykwer und Lana Wachowski und die Schauspieler Nina Hoss und David Kross.

Im Anschluss an die Premiere in Berlin will Steven Spielberg nach Paris reisen, um an der französischen Uraufführung seines Films teilzunehmen. Doch die Terroranschläge in Paris setzen diesen Plänen ein Ende: Die 20th Century Fox sagt die für den 15. November geplante Veranstaltung ab.

Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) verleiht Bridge of Spies das Prädikat „besonders wertvoll“. Aus der Begründung:

„Der neue Film von Steven Spielberg ist ein packender und ergreifender Spionage-Thriller, dessen Geschichte eintaucht in die Auseinandersetzungen des Kalten Krieges Ende der 1950er Jahre. Geheimdienste, Agenten, Verschwörungen, politisches Kalkül und Taktieren – das sind die Zutaten, die man aus dem Genre kennt.

Doch Spielberg und seine Autoren Matt Charman und Joel und Ethan Coen schaffen es, die Individuen hinter den globalen Prozessen sichtbar zu machen. Tom Hanks als James Donovan steht für all die kleinen Rädchen im großen Getriebe der Macht. Menschen, die nicht nur einen Job erledigen, sondern das Richtige tun wollen. Hanks ist als Donovan eine moralische Figureninstanz und grundsympathisch. Der Zuschauer folgt und fiebert mit ihm mit. Doch auch die Figur des russischen Agenten Abel – glaubhaft und charismatisch verkörpert von Mark Rylance – ist positiv gezeichnet.

Spielberg verzichtet auf eine stereotype Sicht auf Dinge und Positionen, unterstreicht aber die Tragweite der wichtigen Handlungsmomente durch große Gesten deutlich. Dazu passen auch der epische Score von Thomas Newman und die atmosphärisch aufgeladenen Bilder des Kameramanns Janusz Kaminski. Bis zum letzten dramaturgischen Höhepunkt, dem Austausch der Agenten auf der Glienicker Brücke, hält BRIDGE OF SPIES – DER UNTERHÄNDLER seine Spannung.

Ein spannender, mitreißender und klug erzählter Agententhriller, der bis zur letzten Minute fesselt.“

Variety-Korrespondent Kristopher Tapley lobt Spielbergs große Handwerkskunst, die starke darstellerische Leistung von Tom Hanks und Mark Rylance sowie die Handlung des Films, die er wie folgt beschreibt: “thematically potent, dealing in notions of idealism particularly meaningful in the face of today’s perceived Constitutional slippery slopes.”

Bridge of Spies spielt weltweit mehr als 162 Millionen Dollar ein (bei einem moderaten Budget von 40 Millionen Dollar).

Bei den Nominierungen für die Golden Globe Awards wird Bridge of Spies weitgehend ignoriert. Der Film erhält lediglich eine Nominierung für den besten Nebendarsteller, Mark Rylance. Dafür erhält Rylance in derselben Kategorie einen Academy Award. Der Film wird für vier weitere Oscars nominiert, darunter für den besten Film, das beste Drehbuch, das beste Produktionsdesign und die beste Filmmusik.

Hintergrundinformationen, Fotos und Videos zur Entstehung des Films sind in den englischsprachigen Steven Spielberg Chronicles enthalten. Hier geht’s zum Bridge of Spies Special.

Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von Bridge of Spies

2013

Blue Is the Warmest Color ist ein fesselndes Coming-of-age-Drama über ein französisches Mädchen, das sich in eine Frau verliebt. La Vie d’adele, so der Originaltitel, wird bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes mit der Palme d’Or ausgezeichnet. Der Film ist eine Adaption von Julie Marsh’s gleichnamigem Comic – Drehbuch, Produktion und Regie: Abdellatif Kechiche (ein französischer Filmemacher, der in Tunesien geboren wurde).

Erstmals in der Geschichte der Filmfestspiele von Cannes beschließt die von Steven Spielberg geleitete Jury, die Palme d’Or nicht nur an den Regisseur, sondern auch an die beiden Hauptdarstellerinnen Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos zu vergeben.

Léa Seydoux wird später für die weibliche Hauptrolle in Sam Mendez’ James Bond-Film SPECTRE (2015) ausgewählt.

Mit einer Lauflänge von 175 Minuten und intensiven Sexszenen zählt La Vie d’adele zu den am heftigsten diskutierten Liebesfilmen des Jahres.

Bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Preisverleihung beschreibt Spielberg den Film als “great love story that made all of us feel privileged to be a fly on the wall, to see this story of deep love and deep heartbreak evolve from the beginning. The director didn’t put any constraints on the narrative. He let the scenes play in real life, and we were absolutely spellbound.”

Während auf der ganzen Welt hitzige Debatten über die gesetzliche Zulassung der gleichgeschlechtlichen Ehe geführt werden, dementiert Spielberg die Annahme einiger Medienvertreter, politische Gründe als Anlass für die Preisverleihung: “As you know, the characters in this film do not get married,” sagt Spielberg. “Politics were never in the room with us.” Er betont, wie wichtig der Jury die Entscheidung war, auch die Darstellerinnen auszuzeichnen“If the casting had been even 3% wrong, it wouldn’t have worked in the same way. All of us felt we needed to invite all three artists to the stage together.” Darauf angesprochen, äußert Spielberg seine Erwartung, dass der Film auch in den USA auf positive Resonanz stoßen wird, schränkt aber ein: “I’m not sure it will be allowed to play in every state.”

Neben Spielberg gehören der Cannes-Jury an: die Regisseure Ang Lee, Cristian Mungiu, Lynne Ramsay und Naomi Kawase sowie die Darsteller Nicole Kidman, Christoph Waltz, Daniel Auteuil und Vidya Balan.

Auf den harten Wettstreit zwischen den beiden Academy Award-Anwärtern, Steven SpielbergLincoln and Ang LeeLife of Pi (gewinnt den Oscar in der Kategorie Best Director) angesprochen, verkündet Jury-Mitglied Ang Lee“Steven and I are good friends. I don’t know how he feels about me but I worship him. He’s my hero.“

Spielberg stimmt zu und ergänzt, Lee und er “have never been competitors, we have always been colleagues. And that will just continue. And I worship Life of Pi so therefore I worship Ang Lee as well. (…) There is no campaigning here and that is a breath of fresh air for me.”

Der Grand Prix der Jury geht an den Film Inside Llewyn Davis (Regie: Joel & Ethan Coen), der das Leben des Folkmusikers Llewyn Davis im New York der 1960er Jahre schildert. Die Coen-Brüder verfassen das Drehbuch für Spielbergs Bridge of Spies (2015).

2010

Inception (Drehbuch, Produktion und Regie: Christopher Nolan), erzählt die Geschichte von Dominick Cobb (Leonardo DiCaprio), der mithilfe des fiktiven Dream-Sharing-Verfahrens Industriespionage betreibt, indem er das Unterbewusstsein seiner Ziele infiltriert. Nolan zufolge beschäftigt sich der Film mit “levels of reality, and perceptions of reality which is something I’m very interested in. It’s an action film set in a contemporary world, but with a slight science-fiction bent to it (and) structured somewhat as a heist movie. It’s an action adventure that spans the globe”. Kurz gesagt, Nolan erschafft sein eigenes neues Genre, den vielschichtigen Traum-Film.

Zum herausragenden Darsteller-Ensemble des Films gehören Ellen Page, Joseph Gordon-Levitt, Marion Cotillard, Ken Watanabe, Tom Hardy, Dileep Rao, Cillian Murphy, Tom Berenger, Lukas Haas und Michael Caine.

Nolan arbeitet etwa zehn Jahre an dem Drehbuch. Als er zum ersten Mal über den Film nachdenkt, wird er beeinflusst von jener Ära von Filmen “where you had The Matrix (1999), you had Dark City (1998), you had The Thirteenth Floor (1999) and, to a certain extent, you had Memento (2000), too. They were based in the principles that the world around you might not be real.“

Während der Arbeit am Drehbuch spürt Nolan, dass er erst noch mehr Erfahrung in Filmen mit größeren Budgets sammeln muss und beschließt, zunächst bei folgenden Großproduktionen die Regie zu übernehmen: Batman Begins (2005), The Prestige (2006) und The Dark Knight (2008). Nach dem großen Erfolg seiner Batman-Filme erwirbt Warner Bros. Nolans Inception-Drehbuch und gibt grünes Licht für das Projekt.

Leonardo DiCaprio ist der erste Schauspieler, der für den Film ausgewählt wird, da Nolan schon seit längerem mit dem Schauspieler zusammenarbeiten will. DiCaprio und Nolan verbringen Monate damit, das Drehbuch zu diskutieren und Änderungen vorzunehmen. Nolan schreibt viele Passagen neu ”to make sure that the emotional journey of his character was the driving force of the movie.

Inception wird in sechs Ländern und vier Kontinenten gedreht, beginnend in Tokio im Juni 2009 und abschließend in Kanada im November 2009. Die Innenaufnahmen entstehen in einer umgebauten Luftschiffhalle in Cardington, Bedfordshire, nördlich von London. Die berühmte Hotelflur-Sequenz, in der das Korridor-Set um volle 360 ​​Grad rotiert, ist inspiriert von einer ähnlichen Produktionstechnik aus Stanley Kubricks 2001: A Space Odyssey (1968), die auch Spielberg für den Film Poltergeist (1982) eingesetzt hat. Produktionsdesigner Guy Hendrix Dyas, Special Effects Supervisor Chris Corbould und Kameramann Wally Pfister arbeiten gemeinsam mit dem Regisseur am Konzept der Sequenz, die Second-Level-Träume sichtbar machen soll.

Nolan nutzt wenig CGI-Effekte und bevorzugt physische Sets:

„It’s always very important to me to do as much as possible in-camera, and then, if necessary, computer graphics are very useful to build on or enhance what you have achieved physically.“

Der Film wird hauptsächlich im anamorphen Format auf 35 mm-Film gedreht, Schlüsselszenen werden auf 65 mm-Film gedreht, und Luftsequenzen in VistaVision. Obwohl die Warner Bros-Chefetage das bevorzugt hätte, verzichtet Nolan darauf, den Film in 3D zu drehen, da er gern mit Objektiven mit Festbrennweiten arbeitet, die es bei 3D-Kameras ist gibt.

Wally Pfister verleiht jeder Location und jeder Traumebene einen unverwechselbaren Look, um dem Publikum beim Verfolgen der kreuz-quer-geschnittenen Handlung zu unterstützen. Die Umsetzung der Schnee-lastigen, dritten Traumebene ist von Christopher Nolans Lieblings-Bond-Film  On Her Majesty’s Secret Service (1969) beeinflusst.

Den exzellenten Score für Inception komponiert Hans Zimmer. Seine Arbeit, die bereits während der Dreharbeiten entsteht, beschreibt er als „a very electronic, dense score“, angefüllt mit „nostalgia and sadness“, um Cobbs Gefühle im Verlauf des Films zu unterstreichen. Das markante Gitarren-Thema wird gespielt von Johnny Marr (ehemaliger Gitarrist von The Smiths) und erinnert an Ennio Morricone.

Édith Piafs Lied „Non, je ne regrette rien“ wird im Verlauf des Films (und am Ende des Abspanns!) wiederholt eingesetzt, um das Erwachen aus einem Traum zu kennzeichnen. Inception-Darstellerin Marion Cotillard gewann den Academy Award als Beste Schauspielerin für ihr Porträt der Piaf in La Vie en Rose (2007).

Inception wird am 8. Juli 2010 in London uraufgeführt – unter großem Beifall von Kritik und Publikum; besonders gelobt werden die Story des Films, die Musik und das Darsteller-Ensemble. Empire Magazine stellt fest: “It feels like Stanley Kubrick adapting the work of the great sci-fi author William Gibson (…) Nolan delivers another true original: welcome to an undiscovered country.” Roger Ebert schreibt über den Film: “(Inception) is all about process, about fighting our way through enveloping sheets of reality and dream, reality within dreams, dreams without reality. It’s a breathtaking juggling act.“ The Telegraph bezeichnet Christopher Nolan gar als „the new Steven Spielberg“.

Der Film ist ein großer finanzieller Erfolg und nimmt weltweit mehr als 825 Millionen Dollar ein (bei einem Budget von 160 Millionen Dollar). Er gewinnt vier Oscars für die Beste Kamera, Besten Tonschnitt, Beste Tonmischung und Beste Visuelle Effekte und wird in vier weiteren Kategorien nominiert: Bester Film, Beste Filmmusik, Beste Ausstattung und Bestes Drehbuch. Inception ist bis dato der letzte auf Celluloid gedrehte Film, der einen Oscar für die Beste Kamera gewinnt.

Munich (2005)

Steven Spielbergs raffinierter Politthriller Munich folgt einem Einsatzteam des israelischen Geheimdienstes Mossad bei der Durchführung ihres geheimen Rachefeldzugs im Auftrag der Regierung. Das Team soll elf Mitglieder der terroristischen Gruppe Schwarzer September aufspüren und töten, die für die Entführung und Ermordung von elf israelischen Sportlern bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München verantwortlich ist. Die Story beruht auf wahren Begebenheiten.

Eric Bana als Avner Kaufman spielt die Hauptrolle. Zur handverlesenen internationalen Besetzung gehören Schauspieler wie Ciarán Hinds, Omar Metwally, Mathieu Kassovitz, Hanns Zischler, Ayelet Zurer, Gila Almagor, Karim Saleh, Ziad Adwan, Moritz Bleibtreu und Meret Becker. Auch ein künftiger James-Bond-Darsteller (Daniel Craig) sowie Bösewichte aus zurückliegenden (Michael Lonsdale) bzw. bevorstehenden Bond-Filmen (Mathieu Amalric) spielen mit.

Avners Vorgesetzter Ephraim wird von Geoffrey Rush gespielt. Der Part ist ursprünglich für Ben Kingsley vorgesehen. Wegen eines Nachdrehs für das Finale von Steven Spielbergs The Terminal (2004) kommt es jedoch zu Verzögerungen beim Produktionsstart von Munich, so dass sich der Drehplan mit Kingsleys Terminen für Roman Polanskis Oliver Twist (2005) überschneidet und er absagen muss.

Nach sechs Jahren Vorbereitung dreht Spielberg sein ehrgeizigstes Projekt seit Schindler’s List (1993). In dem vollen Bewusstsein, mit Munich möglicherweise seinen Ruf als Filmemacher und seine Anziehungskraft beim Massenpublikum aufs Spiel zu setzen, will sich Spielberg mit einem brisanten Thema künstlerisch auseinandersetzen, das ihn bewegt. Er schildert die Anfangstage der Spirale des Terrors zwischen Israelis und Palästinensern in einer möglichst unvoreingenommenen Weise, gibt beiden Seiten eine Stimme und verurteilt die Gewaltakte auf beiden Seiten.

Das Drehbuch von Tony Kushner und Eric Roth orientiert sich an George Jonas‚ umstrittenem Buch Vengeance: The True Story of an Israeli Counter-Terrorist Team (1984 veröffentlicht). Produzentin Kathleen Kennedy weckte mit dem Buch Spielbergs Aufmerksamkeit für das Thema. Nach Erwerb der Filmrechte beauftragt Spielberg drei Drehbuchfassungen: eine von David Webb Peoples und Janet Peoples, eine von Charles Randolph und eine von Eric Roth. Spielberg entscheidet sich für Roths Fassung, die von Tony Kushner nochmals überarbeitet wird. Um klarzustellen, dass der Film historische und fiktive Ereignissen mit dramatischen Mitteln erzählt, beginnt der Film mit der Titelzeile „Inspired by real events“.

Spielberg mutmaßt, viele Menschen hätten es lieber gesehen, dass sein Film eine eindeutige Position vertritt, ob die gezielten Tötungen des Mossad-Teams gutzuheißen oder zu verurteilen sind:

„But the movie doesn’t take either of those positions. It refuses to. Many of those pundits on the left and right would love the film to land somewhere definite. It puts a real burden on the audience to figure out for themselves how they feel about these issues. There are no easy answers to the most complex story of the last 50 years. (…) What I’m trying to say is, if this movie bothers you, frightens you, upsets you, maybe it’s not a good idea to ignore that. Maybe you need to think about why you’re having that reaction.”

Wie Spielberg es ausdrückt, führt jede Gewalttat zu „unbeabsichtigten Konsequenzen“, und in seinem Film demonstriert er die zunehmende Unverhältnismäßigkeit der Anti-Terror-Maßnahmen.

Die vergeblichen Versuche des Mossad-Teams, die Gefahr von „Kollateralschäden“ zu minimieren, bringt Spielberg in einer von Alfred Hitchcock inspirierten Sequenz auf den Punkt (Videoclip): In Paris soll das Team eines ihrer Ziele mit Sprengstoff töten, ohne dass die Frau und Tochter des Mannes Schaden nehmen. Ein Lkw verdeckt die Sicht der Attentäter, und so entgeht ihnen, dass die Tochter ins Haus zurückkehrt und anstelle ihres Vaters den präparierten Telefonhörer abnimmt. Es bleibt ihnen gerade noch genug Zeit, den Sprengstoffauslöser zu deaktivieren, doch als das Mädchen die Wohnung wieder verlässt, bringen sie den Sprengstoff ohne Zögern zur Explosion. Es ist eine kurze Phase der moralischen Überlegenheit gegenüber Terroristen, die in Kauf nehmen, auch unschuldige Zivilisten in Lebensgefahr zu bringen – aber sie ist nicht von Dauer. Ähnlich Schindler’s List setzt Spielberg das Mädchen (wieder in rot gekleidet) als eine Metapher für Menschen ein, die (versehentlich) während der Einsätze getötet werden.

Spielberg zufolge ist Munichthe most European film I have ever made“, inspiriert von Filmklassikern wie Costa-Gavras‘ Z (1969), Fred Zinnemanns The Day of the Jackal (1973) und William Friedkins The French Connection (1971). Kameramann Janusz Kamiński verwendet die für jene Zeit typischen Farben, lange Brennweiten und Zooms. Kamiński bemerkt zu der umstrittenen Sex-Szene mit Eric Bana, in die Szenen von der Ermordung der israelischen Olympioniken wie Orgasmen hineingeschnitten sind: “It’s almost over-the-top to some degree, right?” (…) “It’s not a delicate little scene. It is what it is, and [Spielberg] wanted to take this chance because it reflected the movie: his anger, his primal fear, his primal desire to be alive.” Und das Gefühl von Trauma und Schuld, das ihn seine eigene Menschlichkeit kostet, im Dienst einer zweifelhaften „Auge um Auge“-Mission

Spielberg nennt Munich sein „Prayer for Peace“, mit dem er seine eigene Sicht erforschen will, wie eine zivilisierte Nation auf Terroranschläge reagieren sollte. Indem er im Hintergrund der Schlusseinstellung die Twin Towers des New Yorker World Trade Center erscheinen lässt, verbindet Spielberg den Subtext des Films mit der Gegenwarts-Politik: So wie die Dauerkonflikte zwischen der westlichen und der arabischen Welt zur Zerstörung der Türme geführt haben, könnte George W. Bushs „War on Terror“ eine weitere Gewaltspirale in Gang setzen.

Die Zeitspanne zwischen dem Beginn der Produktion und der Film-Premiere beträgt weniger als sechs Monate. Gedreht wird in Malta, Budapest, Paris, New York und München. Um den Film rechtzeitig fertigzustellen, bearbeitet Cutter Michael Kahn die in Malta und Ungarn entstandenen Szenen direkt am Set. So kann Spielberg jeden Tag die Szenen, die er zwei Tage zuvor gedreht hat, bereits im Rohschnitt betrachten. Zwei Kopien des Rohschnitts werden verschickt: eine als Referenz für Filmkomponist John Williams, die andere an Ben Burtt für die Umsetzung der Sound-Effekte. Der Schnitt für die in Paris und New York gedrehten Szenen erfolgt zwei Wochen nach Abschluss der Dreharbeiten, und der Final Cut ist nach weiteren zwei Wochen fertiggestellt.

Die melancholische Stimmung des Films untermalt John Williams mit subtil orchestrierten Themen, die zwischen den Kulturen der Israelis und Palästinenser wechseln.

Der Film wird von der Kritik überwiegend positiv aufgenommen, allerdings zählt Munich zu Spielbergs Filmen mit den niedrigsten Einnahmen: Munich spielt weltweit nur 130,4 Millionen Dollar ein, bei einem Budget von 70 Millionen Dollar.

Konservative Medien in Israel und den USA werfen Spielberg vor, er würde die Israelis mit den Terroristen gleichsetzen. Als Folge der hitzig geführten Debatte prangt Spielberg auf den Titelseiten internationaler Zeitschriften, darunter TIME Magazine und DER SPIEGEL.

Bei den Academy Awards erhält Munich fünf Nominierungen in den Kategorien Best Picture, Best Director, Best Adapted Screenplay, Best Film Editing und Best Original Score – geht aber leer aus.

In seiner Rezension zieht Roger Ebert das Fazit:

“With this film [Spielberg] has dramatically opened a wider dialogue, helping to make the inarguable into the debatable.“

Ian Nathan schreibt in seiner Kritik für Empire:

Munich is Steven Spielberg’s most difficult film. It arrives already inflamed by controversy… This is Spielberg operating at his peak — an exceptionally made, provocative and vital film for our times.“

Munich beschließt Spielbergs Doppelsalve im Jahr 2005. Sowohl War of the Worlds, als auch Munich können als Parabeln zur Stimmung in den USA nach 9/11 gelesen werden.


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von Munich

Catch Me If You Can (2002)

Steven Spielbergs Catch Me If You Canthe true story of a real fake. 15 Jahre nach Empire of the Sun (1987), stellt Spielberg erneut einen jungen Mann in den Mittelpunkt eines Films, der seine kindliche Unschuld aufgrund traumatischer Umstände verliert. Catch Me If You Can befasst sich wieder mit typischen Spielberg-Themen wie der dysfunktionalen Familie, abwesendem Vater und belasteter Kindheit.

Das Drehbuch von Jeff Nathanson beruht auf Frank Abagnales Memoiren, der nach der Trennung seiner Eltern nach Manhattan flieht, um seine „Karriere“ als einer der weltweit meistgesuchten Betrüger zu starten – noch vor seinem 19. Geburtstag erschwindelt er durch Scheckbetrug mehrere Millionen Dollar in 26 Ländern, indem er die Identitäten u.a. eines Pan Am-Piloten, Kinderarztes und Rechtsanwalts annimmt.

In den Hauptrollen spielen Leonardo DiCaprio und Tom Hanks; die hervorragende Besetzung wird abgerundet durch die Nebendarsteller Christopher Walken, Amy Adams, Martin Sheen, Nathalie Baye, Elizabeth Banks, Jennifer Garner, James Brolin, Frank John Hughes und Ellen Pompeo.

Spielbergs beschwingt, berührend und hintergründig erzählter Film entsteht in der New-Hollywood-Tradition der Anti-Establishment-Geschichten, mit „Anti-Helden“ wie Butch Cassidy und Sundance Kid, die sich als smarter und letztlich sympathischer herausstellen als die Sheriffs und Detektive, die ihnen dicht auf den Fersen sind. Er spielt in einer Zeit, als Frauen Cocktailkleider und Männer die ganze Zeit Hut und Krawatte trugen – eine Ära, in der Geschäfte per Handschlag erfolgten und Kennedys optimistischer Ausruf „To the moon!“ geprägt wurde. Spielberg über Frank Abagnale:

“Frank was a 21st century genius working within the innocence of the mid ‘60s, when people were more trusting than they are now. I don’t think this is the kind of movie where somebody could say, ‚I have a career plan.'“

Die Ursprünge des Films reichen zurück ins Jahr 1977, als Abagnale nach seinem Aufsehen erregenden Auftritt in Johnny Carsons Tonight Show seine Autobiographie schreibt. Ein Jahr später verkauft er die Filmrechte, doch die Geschichte bleibt „in turnaround“ bei mehreren Studios. Zu dieser Zeit wird noch Dustin Hoffman für die Hauptrolle in Betracht gezogen.

Zwanzig Jahre später gehen die Rechte an Dreamworks. Im Laufe der Zeit werden für die Regie Namen wie David Fincher, Lasse Hallström, Miloš Forman und Cameron Crowe gehandelt. Als Leonardo DiCaprio in das Projekt einsteigt, plädiert er für Gore Verbinsky. Der muss jedoch aussteigen, als DiCaprio bei Nachdrehs für Martin Scorseses problembehafteten Film Gangs of New York (2003) gebraucht wird und sich dadurch der Drehbeginn von Catch Me If You Can verzögert. DiCaprio wendet sich an Steven Spielberg, der kurzerhand beschließt, selbst Regie zu führen und dafür Projekte wie Big Fish (2003) und Memoirs of a Geisha (2005) aufgibt.

Auf Spielbergs Wunsch erhält Tom Hanks die Rolle des FBI-Inspektor Carl Hanratty und ersetzt damit James Gandolfini. Die Suche nach einer Darstellerin für die Rolle der Brenda Strong dauert Monate, bis man sich schließlich für Amy Adams entscheidet. Produzent Walter F. Parkes beschreibt sie als “fresh and honest as anyone we’d seen”. Christopher Walken, mit dem Spielberg schon lange zusammenarbeiten wollte,  liefert als Frank Abagnales Vater eine darstellerische Glanzleistung.

Für die Rolle der Mutter, Paula Abagnale, besteht Spielberg auf einer französischen Schauspielerin, um der Geschichte treu zu bleiben. Er bittet seinen Freund Brian De Palma (der in Paris lebt), ein Casting durchzuführen und entscheidet sich für Nathalie Baye, die das Scriptgirl Joëlle in François Truffauts Day for Night (1973) spielte.

Als Fan der TV-Serie Alias (Idee und Produktion: J.J. Abrams) offeriert Spielberg der Hauptdarstellerin Jennifer Garner den Part des Callgirls Cheryl Ann; ihr Auftritt wird an einem einzigen Tag gedreht.

Ein weiterer Nebendarsteller, James Brolin, spielt Jack Barnes, mit dem die Mutter von Frank Abagnale Jr. eine Affäre hat und seinetwegen die Familie verlässt. Spielberg kannte Brolin als Darsteller in der TV-Folge The Daredevil Gesture (1970), die unter der Regie von Steven Spielberg entstand.

Die Dreharbeiten für die mehr als 180 Szenen werden in nur 52 Tagen abgeschlossen, an 147 verschiedenen Locations in Los Angeles, New York und Montreal. Nach DiCaprio, „Szenen, die wir dachten, würde drei Tage dauerte einen Nachmittag“.

Für Kameramann Janusz Kamiński markiert der Film einen stilistischen Wechsel gegenüber Spielbergs zurückliegenden, düsteren Historiendramen und Dystopien. Seine Kameraarbeit hält er sehr schlicht, ohne größere visuellen Tricks. In den Szenen der 60er Jahre ist die Beleuchtung eher warm, doch als die Handlung die 70er Jahre erreicht, versucht er, die Bilder flacher und hässlicher zu gestalten, indem er die Lichtquelle näher an der Kamera bringt. Kamiński sagt über seinen „quick and dirty“-Ansatz:

“This film is less ‘Spielberg’ than some of his other movies. Steven was very relaxed and interested in working with the actors, and because we were working so fast there was often not enough time to give him a traditional look. There are gorgeously lit scenes in the film, but there are also scenes that, well, just don’t look as good! Once we lit we just had to go with it. I love that method.“

Spielberg nutzt die Gelegenheit, um mehrere Anspielungen auf James Bond unterzubringen und sogar Ausschnitte aus Goldfinger (1964) zu zeigen – ein Film, der während jener Zeit en vogue war, jedoch in Abagnales Biographie keine Erwähnung findet.

Der faszinierende, von Saul Bass inspirierte Vorspann von Catch Me If You Can wird von Olivier Kuntzel und Florenz Deygas erstellt. Die im „Stempel“-Stil gehaltene Sequenz dauert ca. zweieinhalb Minuten und zeigt Silhouetten der Hauptfiguren in typischen Situationen der Handlung. „Just for fun“ wird noch ein Spielberg-typischer Meteorschauer hinzugefügt. Der grafische Vorspann geht über in einen Ausschnitt der TV-Game-Show To Tell the Truth (1977), in die Leonardo DiCaprio als Frank Abagnale digital transplantiert wird.

Catch Me If You Can ist ein großer Erfolg bei den Kritikern, und auch der echte Frank Abagnale reagiert positiv. Er hat einen Cameo-Auftritt als französischer Polizist, der Frank verhaftet. In einem weiteren Gastauftritt sieht man Max Spielberg hinter DiCaprio sitzen sehen, während der beiden Szenen im Flugzeug.

Mit einem weltweiten Einspielergebnis von 352,1 Mio. Dollar (bei einem Budget von nur 52 Millionen Dollar) ist der Film extrem profitabel. 2002 ist ein großes Jahr für Spielberg, indem er eine Doppelsalve erfolgreicher Filme liefert: Minority Report und Catch Me If You Can.

Filmkritiker James Berardinelli zieht das Fazit: Catch Me if You Can never takes itself or its subjects too seriously, and contains more genuinely funny material than about 90% of the so-called ‚comedies’ found in multiplexes these days“. Er lobt John Williams’ Filmscore als “more intimate and jazzy than his usual material, evoking (intentionally) Henry Mancini”.

Regiekollege Guillermo del Toro bezeichnet Catch Me If You Can als ein “masterpiece of timing and grace. Fluid but precise. Built like clockwork and with a huge human heart at its core.”

Bei den Academy Awards wird Catch Me If You Can nur für zwei Oscars nominiert (Bester Nebendarsteller Christopher Walken und Beste Filmmusik) und geht leer aus. Immerhin gewinnt Christopher Walken den Screen Actors Guild Award.

Auf Basis des Films entsteht ein Broadway-Musical, das für vier Tony Awards, einschließlich Bestes Musical, nominiert wird.


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von Catch Me If You Can

Indiana Jones and the Last Crusade (1989)

Mit dem dritten Teil der Indiana Jones-Reihe, Indiana Jones and the Last Crusade, möchte sich Regisseur Steven Spielberg von der exzessiven Gewalt und schrillen Inszenierung des Vorgängerfilms Indiana Jones and the Temple of Doom (1984) distanzieren, die bei Teilen der Kritik und des Publikums zu negativen Reaktionen führten.

Wie im ersten Film Raiders of the Lost Ark (1981) jagen die Nazis einem okkulten Objekt nach – dieses Mal ist es der Heilige Gral -, und Indy muss sie stoppen. Spielberg gibt sich nicht zufrieden mit diesem McGuffin und überzeugt George Lucas davon, den Fokus der Story auf Indys Suche nach seinem entführten Vater zu richten.

“I wanted to do Indy in pursuit of his father (a medieval scholar), sharing his father`s dream, and also, in the course of searching for their dreams, they rediscover each other.” In einer schwierigen Phase seines Lebens kann sich Spielberg auf der Leinwand mit der angespannten Beziehung zu seinem eigenen Vater befassen. Jones Sr. und Jr. werden in humorvolle Streitgespräche verwickelt, die den Auseinandersetzungen zwischen Indy und Marion im ersten Film ähneln.

Der Erfolg des Films beruht nicht unwesentlich auf einem Casting-Coup: Ex-Bond-Darsteller Sean Connery verkörpert Professor Henry Jones Sr., Indys Vater, der ihm ständig auf die Nerven geht, indem er ihn “Junior” nennt. Von Beginn an betrachteten Lucas und Spielberg den James Bond-Charakter als “Vaterfigur” für Indiana Jones.

Jeffrey Boam (Innerspace) schreibt das Drehbuch; Tom Stoppard (Empire of the Sun) und Menno Meyjes (The Color Purple) sind ebenfalls daran beteiligt.

Die Story stellt Indiana Jones (Harrison Ford) diesmal eine österreichische Archäologin namens Dr. Elsa Schneider an die Seite – gespielt von Alison Doody , die ihren ersten Filmauftritt im James Bond-Film A View to A Kill (1985) hatte. Zur Darstellerriege gehören auch Julian Glover (The Empire Strikes Back) und die Veteranen aus Raiders of the Lost Ark John Rhys-Davies (Sallah) und Denholm Elliott (Marcus Brody).

In der Eröffnungssequenz des Films sehen wir einen 13-jährigen Pfadfinder namens Indiana Jones (gespielt von River Phoenix). Er schnappt einer Gruppe von Grabräubern ein goldenes Kruzifix weg, um es an ein Museum weiterzugeben. Die Männer jagen ihn durch die Bahnwaggons einer Zirkustruppe – der Ursprung für Indys Schlangenphobie. Die Sequenz mit dem Zirkuszug ist eine Anspielung auf den ersten Film, den der junge Spielberg im Kino sah: The Greatest Show on Earth (1952). Der Prolog inspiriert Lucas zu seiner TV-Reihe The Young Indiana Jones Chronicles (1992-93).

Noch einmal erschafft Kameramann Douglas Slocombe eine meisterhafte Bildwelt, die an die goldene Hollywood-Ära erinnert. Spielberg konzipiert die Einstellung mit Henry Jones und seinem Schirm (mit dem er das Nazi-Flugzeug zum Absturz gebracht hat) als eine Hommage an David Leans Klassiker Ryan’s Daughter (1970).

The Last Crusade erhält überwiegend positive Kritiken und entwickelt sich zum weltweit finanziell erfolgreichsten Film des Jahres 1989. Nahezu 20 Jahre werden vergehen, bis ein weiterer Indiana Jones-Film in die Kinos kommt: Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull (2008).


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Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von Indiana Jones and the Last Crusade