Indiana Jones 5 (2019)

Fotos: © 1981, 1984, 1989, 2008 Lucasfilm Ltd.

Anything Goes: Indiana Jones kehrt zurück…

Disney kündigt einen fünften Indiana Jones-Film an – unter der Regie von Steven Spielberg und mit Harrison Ford in der Hauptrolle. US-Kinostart: 19. Juli 2019.

Kathleen Kennedy, Frank Marshall produzieren das Projekt, das noch keinen Titel hat (Executive Producers: George Lucas und Steven Spielberg).

Einem Interview mit Drehbuchautor David Koepp zufolge ist George Lucas diesmal nicht an der Entwicklung der Story beteiligt – offenbar eine Lehre, die man aus dem letzten Teil gezogen hat…

Harrison Ford sagt in einem BBC-Interview, er habe die Rolle unter zwei Bedingungen angenommen:

„I’ve always thought there was an opportunity to do another. But I didn’t want to do it without Steven [Spielberg]. And I didn’t want to do it without a really good script. And happily we’re working on both. Steven is developing a script now that I think we’re going to be very happy with.”

Andere Schauspieler wurden noch nicht ausgewählt. Zu den weiteren regulären Mitgliedern von Spielbergs Crew gehören:

Filmmusik
John Williams

Kamera
Janusz Kaminski

Schnitt
Michael Kahn

Special Effects
Industrial Light & Magic (ILM)

Alles über Indiana Jones

Fotos: © 1981, 1984, 1989, 2008 Lucasfilm Ltd.

2014

Nancy Spielberg, jüngste Schwester von Steven Spielberg, produziert Above and Beyond – ein Dokumentarfilm über Mahal (Freiwillige, die nach Israel gingen, um 1948 im Palästinakrieg zu kämpfen).

Sophie Sartain schreibt das Drehbuch für die Regisseurin Roberta Grossman. Der Dokumentarfilm erzählt von Piloten aus den USA, Israel und anderen Ländern, die Kampfeinsätze gegen die arabische Armee flogen.

Harris DoneThe Last Days (1998) – wird als Kameramann engagiert, die Special Effects werden von Industrial Light and Magic erstellt, und der Score kommt aus dem Studio von Hans Zimmer.

2012

Marvel’s The Avengers (Drehbuch und Regie: Joss Whedon) ist der bis heute finanziell erfolgreichste Film im Marvel Cinematic Universe.

Nick Fury, Leiter der Organisation S.H.I.E.L.D., stellt ein Einsatzteam aus Superhelden zusammen, um Thors Bruder Loki daran zu hindern, die Erde zu unterwerfen. Das Team besteht aus: Iron Man, Captain America, Hulk und Thor.

The Avengers ist eine Marvel Studios-Produktion im Verleih der Walt Disney Studios und bietet ein handverlesenes Ensemble von Darstellern, darunter Robert Downey Jr., Chris Evans, Mark Ruffalo, Chris Hemsworth, Scarlett Johansson, Jeremy Renner, Tom Hiddleston, Clark Gregg, Cobie Smulders, Stellan Skarsgård und Samuel L. Jackson. Gwyneth Paltrow und Maximiliano Hernández spielen erneut ihre Rollen aus früheren Superhelden-Filmen. Einer der Väter der Avengers-Comicreihe, Stan Lee, hat einen Gastauftritt in einer Nachrichten-Sendung, und Harry Dean Stanton sieht man als Wachmann.

Die Ursprünge der Verfilmung gehen zurück ins Jahr 2007, als Zak Penn – Drehbuchautor von The Incredible Hulk (2008) – angeheuert wird, um das Drehbuch für The Avengers zu schreiben. Der Streik der Writers Guild of America sowie Probleme bei der Auswahl von Besetzung und Crew sorgen für erhebliche Verzögerungen. Im Jahr 2010 steht Joss Whedon vor der Unterzeichnung seines Vertrags als Regisseur, mit der Aufgabe, Penns Drehbuch-Entwurf zu finalisieren. Nachdem Whedon Penns Fassung gelesen hat, teilt er Produzent Kevin Feige mit, das Studio habe so gut wie garnichts in der Hand und solle am besten so tun, als ob “this draft never happened”. Um seine Vision des Films aufzuzeigen, verfasst Whedon ein fünfseitiges Treatment. Marvel nimmt Whedon unverzüglich unter Vertrag als Regisseur und Drehbuchautor. Die Dreharbeiten beginnen im Jahr 2011.

Kameramann Seamus McGarvey arbeitet mit der Digitalkamera Arri Alexa und wählt als Bildformat ein 1,85:1-Seitenverhältnis, um den unterschiedlichen Größen der Hauptfiguren gerecht zu werden. “We had to give them all precedence and width within the frame. Also, Joss [Whedon] knew the final battle sequence was going to be this extravaganza in Manhattan, so the height and vertical scale of the buildings was going to be really important.” Der Film wird in der Postproduction in Digital-3D konvertiert.

Insgesamt werden mehr als 2.200 Aufnahmen mit visuellen Effekten geschaffen. Daran beteiligt sind 14 VFX-Firmen, darunter Industrial Light & Magic (ILM), Weta Digital und Digital Domain abgeschlossen ist. ILM ist als Hauptauftragnehmer mitverantwortlich für die Erstellung der wichtigsten Effekte, u.a. für die Helicarrier, das New Yorker Stadtbild, digitale Körper-Doubles, sowie das Erscheinungsbild von Iron Man und Hulk.

Der Score wird von Alan Silvestri komponiert. Joss Whedon beschreibt die Filmmusik als “very old-fashioned, which is why [Silvestri] was letter-perfect for this movie because he can give you the heightened emotion, the [Hans Zimmer] school of ‘I’m just feeling a lot right now!’ but he can also be extraordinarily cue and character specific, which I love.”

The Avengers enthält viele Referenzen auf andere Filme, z.B. Poltergeist (1982), Jurassic Park (1993) und King Kong (1933). Beim Kinostart erhält The Avengers überwiegend positive Kritiken. Todd McCarthy von The Hollywood Reporter schreibt: “It’s clamorous, the save-the-world story is one everyone’s seen time and again, and the characters have been around for more than half a century in 500 comic book issues. But Whedon and his cohorts have managed to stir all the personalities and ingredients together so that the resulting dish, however familiar, is irresistibly tasty again.”

Der Film erhält zahlreiche Auszeichnungen und Nominierungen, darunter Oscar– und BAFTA-Nominierungen für die visuellen Effekte. The Avengers nimmt weltweit mehr als 1,5 Milliarden Dollar ein (bei einem Budget von 220 Millionen Dollar), die höchsten Einnahmen einer Comic-Adaption bzw. eines Superhelden-Films sowie die höchsten Einnahmen, die je ein Film der Walt Disney Studios erzielt hat.

The Avengers erzielt auch das höchste Einspielergebnis am Tag der Premiere (62,1 Mio. Dollar). Als im Jahr 2015 der Film Jurassic World diesen Rekord bricht (mit 64,1 Mio. Dollar), veröffentlichen die Marvel Studios eine Illustration über ihren Twitter-Account, in die männliche Hauptfigur aus Jurassic World einen T-Rex reitet und auf die Superhelden von The Avengers herabschaut – eine Remineszenz an frühere Zeiten, als Filmemacher wie George Lucas, Steven Spielberg und James Cameron sich gegenseitig in ganzseitigen Variety-Anzeigen für ihre Kassenerfolge gratulierten.

2012

George Lucas verkauft Lucasfilm Ltd. an The Walt Disney Company. Zugleich kündigt er an, keine großen Blockbuster-Filme mehr produzieren zu wollen.  Stattdessen will er sich auf kleinere, unabhängig finanzierte Filme konzentrieren.

Disney zahlt für den Deal 4,05 Milliarden Dollar, rund zur Hälfte in bar bzw. in Aktien, und erhält dafür sämtliche Rechte an den Star Wars- und Indiana Jones-Reihen.

Der Verkauf umfasst auch die zu Lucasfilm gehörenden Subunternehmen Industrial Light and Magic (ILM) und Skywalker Sound sowie eine Palette von innovativen Technologien für die Unterhaltungsindustrie.

Kathleen Kennedy wird Präsidentin von Lucasfilm und dient als Executive Producer bei den neuen Star Wars-Filmen, die Disney sofort in Auftrag gibt, beginnend mit Star Wars: The Force Awakens (2015). Lucas ist anfangs als kreativer Berater beteiligt, zieht sich aber bald mehr und mehr zurück.

Das Mega-Geschäft folgt auf Disneys Übernahme der Pixar Studios für 7,4 Milliarden Dollar im Jahr 2006 und Marvel Comics für 4,2 Milliarden Dollar im Jahr 2009.

Mit dem Verkauf von Lucasfilm an Disney wird Lucas zu Disneys zweitgrößtem Einzelaktionär hinter dem Nachlass von Steve Jobs.

Lucas kündigt an, die Hälfte seines Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden, als Teil eines Non-Profit-Projekts namens The Giving Pledge – Bill Gates und Warren Buffett wollen damit die reichsten US-Amerikaner überzeugen, ihr Vermögen an Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden.

2009

Avatar (Regie, Drehbuch, Produktion: James Cameron) ist eine Reise der Selbstfindung im Kontext des Kolonialismus und der Tiefenökologie – verpackt in ein fesselndes Sci-Fi-Action-Abenteuer. Der Film verbindet Live-Action mit computergenerierten Charakteren und Live-Umgebungen und entsteht mit Hilfe bahnbrechender stereoskopischer Motion-Capture-Verfahren. In den Hauptrollen spielen Sam Worthington, Zoe Saldana, Stephen Lang, Michelle Rodriguez, Giovanni Ribisi und Sigourney Weaver.

Die Entwicklung von Avatar beginnt im Jahr 1994, als Cameron einen 80-seitigen Entwurf schreibt. Die Dreharbeiten sollen nach Fertigstellung von Camerons Titanic (1997) beginnen, mit dem Ziel einer Veröffentlichung im Jahr 1999, doch Cameron stellt fest, dass die Technologie noch nicht ausgereift genug ist. Cameron konzentriert sich stattdessen darauf, Dokumentarfilme zu drehen und die Technologie in den nächsten Jahren zu verfeinern. Als er Gollum in The Lord of the Rings – The Two Towers (2002) sieht, ist Cameron davon überzeugt, dass CGI-Effekte ausreichend fortgeschritten sind.

20th Century Fox zahlt Cameron einen Vorschuss von 10 Millionen Dollar zur Produktion eines Proof-of-Concept-Clips für Avatar, den er 2005 der Fox-Führungsetage vorstellt. Währenddessen arbeitet Cameron weiter am Drehbuch und entwickelt eine Kultur für die Außerirdischen des Films, die Na’vi, die auf dem Mond Pandora leben (ihre Sprache wird von Dr. Paul Frommer, Sprachwissenschaftler an der USC, entwickelt). Für das Produktionsdesign gehen mehrere Jahre ins Land, mit zwei verschiedenen Designern und zwei separaten Ausstattungs-Teams. Stan Winston, der bereits in der Vergangenheit für Cameron tätig war, unterstützt ihn bei der Kreation verschiedener Lebensformen auf Pandora.

Die Dreharbeiten beginnen im Jahr 2007, mit Einsatz von Camerons Digital 3-D-Fusion Camera System, mit dem sich Motion-Capture-Aufnahmen auf neue Weise drehen lassen (der Regisseur kann die Filmeinstellungen in Echtzeit ändern, während er die virtuellen Abbilder seiner Darsteller in ihrer digitalen Umgebung sieht). Weta Digital erstellt die visuellen Effekte für den Film, gemeinsam mit dem ILM-Team, das an der Umsetzung der eindrucksvollen Schlachtszenen mitwirkt.

Cameron ermöglicht Steven Spielberg und Peter Jackson, seine neue Technologie zu testen. Spielberg beschreibt sie als: “digital makeup, not augmented animation … Motion capture brings the director back to a kind of intimacy that actors and directors only know when they’re working in live theater.” Jackson und Spielberg werden die Technologie für ihren Film The Adventures of Tintin (2011) nutzen.

Cameron zufolge kritisiert sein Film implizit die Rolle der USA im Irak-Krieg und mechanisierte Kriegsführung im Allgemeinen: “We know what it feels like to launch the missiles. We don’t know what it feels like for them to land on our home soil, not in America.” Nicht zufällig erinnert der Raketenangriff auf den hochragenden Hometree der Na’vi an die Zerstörung des World Trade Center am 11. September 2001.

In seiner dritten Zusammenarbeit mit Cameron komponiert James Horner einen brillanten Score – ergänzt durch einen Chor, der in der Sprache der Na’vi singt. Laut Horner war Avatar “the most difficult film I have worked on and the biggest job I have undertaken.“ Die Britin Leona Lewis singt den Titelsong „I See You“ und wird dafür als “Celine Dion clone singing in Na’vi kritisiert.

Vor der Veröffentlichung von Avatar progonstizieren diverse Kritiker und Fangemeinden einen  kolossalen Fehlschlag an der Kinokasse. Die Einwände reichen vom gigantischen Budget (237 Millionen Dollar oder mehr) bis zum Auftritt der dreidimensionalen „blue cat people“.

Vielleicht wegen dieser Vorab-Häme lädt James Cameron seinen Regiekollegen Steven Spielberg kurz vor der Fertigstellung zu einer privaten Vorführung ein. Spielberg ist begeistert und lässt über den Film verkünden:

“The most evocative and amazing science-fiction movie since Star Wars”. 

Avatar erlebt seine Premiere am 10. Dezember 2009 in London und erhält positive Rezensionen. Roger Ebert nennt den Film „extraordinary“ und gibt ihm die Höchstwertung. Er schreibt: „Watching Avatar, I felt sort of the same as when I saw Star Wars in 1977″. Wie Star Wars und The Lord of the Rings verwende der Film „a new generation of special effects“ und sei dennoch „not simply a sensational entertainment, although it is that. It’s a technical breakthrough. It has a flat-out Green and anti-war message.“

Der Film bricht bald mehrere Kassenrekorde und erzielt schließlich weltweite Einnahmen von 2,78 Milliarden Dollar. Avatar zieht damit an Camerons Titanic (1997) vorbei und ist zu jenem Zeitpunkt der Film mit den höchsten Einnahmen aller Zeiten (nicht Inflations-bereinigt). Bei den Academy Awards wird Avatar für neun Oscars nominiert, u.a. in den Kategorien Bester Film und Beste Regie und gewinnt drei: für die Beste Ausstattung, die Beste Kamera und Beste visuelle Effekte.

Cameron nennt als Inspiration für seinen Film „every single science fiction book I read as a kid“ und räumt ein, dass Avatar seine Themen mit Filmen teilt wie z.B. Dances With Wolves (1990), At Play in the Fields of the Lord (1991) sowie Princess Mononoke (1997) – die sich alle mit dem Zusammenprall zwischen Kulturen und Zivilisationen befassen. Cameron zufolge kam ihm die Idee für Avatar, nachdem er Disneys Animationsfilm Pocahontas (1995) sah. Nicht zuletzt wegen dieser Reihe an Vorbildern wird Avatar nicht in der Kategorie Bestes Drehbuch nominiert.

Nach dem großen Erfolg des Films unterzeichnet Cameron einen Vertrag mit 20th Century Fox, der die Produktion von drei Fortsetzungen beinhaltet, alle unter der Regie von James Cameron (sowie der Beteiligung am Drehbuch). Sie sollen ab Dezember 2017 bis 2019 im Jahresabstand veröffentlicht werden.

Der Themenpark Pandora – The World of Avatar entsteht auf dem Gelände von Disneys Animal Kingdom in Florida und soll im Jahr 2017 eröffnet werden.

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull (2008)

Steven Spielbergs Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull, der vierte Teil der von George Lucas geschaffenen Indiana Jones-Filmreihe wird von Frank Marshall produziert und kommt 19 Jahre nach dem dritten Teil in die Kinos. Die Titelrolle spielt der inzwischen 64-jährige Harrison Ford. Das Drehbuch berücksichtigt sein Alter, indem die Handlung ins Jahr 1957 verlegt wird.

Zu den Darstellern zählen Cate Blanchett, Karen Allen, Ray Winstone, John Hurt, Jim Broadbent und Shia LaBeouf (das Mädchen, von dem er in der Diner-Szene einen Haken verpasst bekommt, ist Sasha Spielberg).

Als sich George Lucas und Steven Spielberg dazu durchringen, ein viertes Abenteuer zu entwickeln, sind die Erwartungen so hoch wie die Risiken des Scheiterns. Der Aufhänger für die Handlung bereitet am meisten Kopfzerbrechen. Alle bisherigen Teile rankten sich um religiöse Artefakte. Lucas kommt schließlich auf die Idee, Indy gegen Wesen aus dem Weltraum antreten zu lassen und die Geschichte im Zeitalter trashiger Science-Fiction-Filme der 1950er Jahre anzusiedeln. Jeb Stuart und Jeffrey Boam schreiben erste Drehbuchentwürfe, aber Spielberg und Ford reagieren verhalten. Als Roland Emmerichs Independence Day (1996) in die Kinos kommt, sagt Spielberg zu Lucas, er sei nicht daran interessiert, einen weiteren Film über eine Alien-Invasion zu drehen.

Als sich Ford, Lucas, Spielberg, Frank Marshall und Kathleen Kennedy im Jahr 2000 während der AFI-Ehrung für Harrison Ford wieder begegnen, sind sich alle einig, sie sollten nun doch den nächsten Indiana Jones-Film machen. Lucas schafft es irgendwie, Spielberg davon zu überzeugen, die Aliens seien in Wahrheit keine „Außerirdischen“, sondern „interdimensionale“ Wesen – ein von der Superstring-Theorie inspiriertes Konzept, das auch die Handlung von Interstellar (2014) wesentlich beeinflusst. Lucas schlägt zudem vor, die Kristallschädel in die Handlung einzubauen (ursprünglich wollte er sie schon in einer Episode seiner TV-Reihe Young Indiana Jones verwenden). M. Night Shyamalan und Tom Stoppard werden damit beauftragt, Scripts für einen auf 2002 terminierten Drehbeginn zu schreiben, doch wegen Lucas‘ Arbeit an den Star Wars-Prequels wird der Produktionsstart  verschoben.

Im Jahr 2003 verfasst Frank Darabont, der bereits als Autor und Regisseur für Young Indiana Jones in Erscheinung trat, ein neues Drehbuch für den Film, den man auch als Indiana Jones and the Curse of Development Hell bezeichnen könnte. In Wahrheit lautet der Titel von Darabonts Script Indiana Jones and the City of Gods und enthält die meisten der Ideen, die in den fertigen Film einfließen werden. Darabont zufolge ist Spielberg von seinem Drehbuch begeistert, doch Lucas legt sein Veto ein. Somit werden weitere Scriptautoren beauftragt: Jeff Nathanson reicht 2005 seine Entwürfe ein, mit dem Titel The Atomic Ants. Schließlich überarbeitet David Koepp diese Fassung (und verfeinert gemeinsam mit Raiders of the Lost Ark-Drehbuchautor Lawrence Kasdan die Dialoge zwischen Indy und Marion). Koepps Drehbuchfassung ist mit dem Titel Destroyer of Worlds versehen, eine Anspielung auf ein Zitat von J. Robert Oppenheimer („Vater“ der Atombombe). Spielberg und Lucas entscheiden sich schließlich für den überbordenden Titel Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull.

Drehbuchautor David Koepp bringt den Charakter der sowjetischen Agentin Irina Spalko zu Papier, glänzend dargestellt von Cate Blanchett, die ganz versessen darauf ist, die Rolle eines Bösewichts zu spielen. Ihr strenger Haarschnitt ist ihre eigene Idee, und ihren ebenso strengen Gestus orientiert sie an Colonel Rosa Klebb (Lotte Lenya), der Schurkin aus dem James Bond-Film From Russia With Love (1963). Allerdings gelingt es Koepp nicht, ihre Rolle für die Story angemessen zu nutzen (nach einem starken ersten Auftritt wird ihre Rolle auf relativ kleine Szenen reduziert, und im ohnehin nicht besonders spannenden Fecht-Duell tritt sie gegen Indys Sohn an). Ein ordentlicher Showdown zwischen ihr und Indy fehlt. Dennoch bezeichnet Spielberg Blanchetts Irina Spalko als seinen Lieblings-Bösewicht:

”Of all the villains I’ve been able to work with in the Indiana Jones movies, I can say she’s my favorite. And I think Cate made her that way.”

Als allumfassendes Wissen zum Greifen nah ist, hören wir Irina Spalkos orgiastischen Ausruf: „I want… to know!“ – eine Anspielung auf Joan Crawfords Ausruf: „I want… to see!“ in der TV-Folge Eyes (1969), Spielbergs Debüt als professioneller Regisseur.

Auf „Verlangen“ der Fans spielt Karen Allen erneut ihre Rolle als Marion Ravenwood: Leider wird der großartige Auftritt, den Frank Darabont für sie geschrieben hat, nicht im Film verwendet. In Darabonts Drehbuch folgen wir einer unbekannten Dame beim Betreten eines Nachtclubs in Peru:

„We’re too far away to see her face, and in any event she’s obscured by a stylish wide-brimmed hat that matches her white tailored skirt suit. (…) She comes up behind Indy as the bartender sets down his martini. She makes her presence known by plucking an olive with a white-gloved hand and dropping it in Indy’s drink. Indy turns, looking up at her. A frozen beat. His expression going slack. For a moment his brain refuses to accept what he’s seeing; it’s literally the last person he ever expected. (…) She looks fantastic, not to mention dumbstruck at the sight of Indy her smile fades … and she hauls off and punches him in the mouth.“

Als es im Drehbuch zum unvermeidlichen Wett-Trinken kommt, quetscht Marion Indy über seine alte Flamme Willie Scott aus. Indy hat dazu folgendes zu sagen: „She moved out to Hollywood to be a star. Last I heard, she fell in love and married some bigshot director.“ (Tatsächlich heiratete Willie Scott-Darstellerin Kate Capshaw ihren Regisseur Steven Spielberg).

Im Film bleiben Marions „Überraschungs“-Auftritt und ihre anschließenden Szenen verglichen mit Darabonts Einfällen leider unter ihrem Potenzial. Ähnliches kann man über ihren Sohn, Mutt Williams, sagen. In seiner farblosen Darstellung kann Shia LaBeouf nicht annähernd die Rivalität zwischen Vater und Sohn vermitteln, die im legendären Schlagabtausch zwischen Ford und Connery in The Last Crusade (1989) zum Ausdruck kam. Stattdessen sehen wir Mutt in einem Tarzan-ähnlichen Stunt, mit einer Horde von Affen zwischen Lianen schwingend – eine Szene, die viele Indy-Fans gern aus ihrer Erinnerung  löschen würden.

In seiner Drehbuchfassung erweitert David Koepp die Rolle des kauzigen Professor Oxley, der von John Hurt brillant verkörpert wird (Darabont hatte John Hurt im Sinn, als er seine Rolle ersann). Koepp ergänzt zudem den Part des „Triple-agent“ George „Mac“ McHale (Ray Winstone). In Darabonts Drehbuch hatte Indys Vater, Professor Henry Jones Sr., noch einen Auftritt, doch die Idee wird fallengelassen, als Sean Connery ablehnt, die Rolle nochmals zu spielen (er ist aber auf einem Foto auf Indys Schreibtisch zu sehen). Indys Freund Sallah hat in Darabonts Drehbuch einen Kurzauftritt bei der Hochzeitsfeier, doch John Rhys-Davies winkt ab, da er meint, seine Rolle verdiene mehr als das. Charles Stanforth (gespielt von Jim Broadbent), Dekan des fiktiven Marshall College und Indys Freund, tritt die Nachfolge von Marcus Brody an, dessen Schauspieler, Denholm Elliott, bereits 1992 verstarb. In Erinnerung an Elliott platzieren die Filmemacher ein Porträt und eine Statue auf dem Marshall College-Gelände.

Als Indy wegen angeblicher kommunistischer Verbindungen von seinem Lehramt am College suspendiert wird, zeigt Stanforth Rückgrat und tritt ebenfalls zurück, mit den Worten: “I don’t recognize this country anymore!“ Dies ist Spielbergs doppeldeutiger Kommentar, einerseits zum Klima der politischen Repression gegen Kommunisten während der McCarthy-Ära, anderseits zu den ausufernden Homeland Security-Maßnahmen der Gegenwart.

In einer Kulissen-Vorstadt der 1950er Jahre dreht Spielberg eine ganze Sequenz aus Darabonts Drehbuch und erschafft eine bizzarre Momentaufnahme aus der Zeit seiner Kindheit (Videoclip): Indy flieht in eine „typische“ Vorstadt, die nur errichtet wurde, um in einem Atombomben-Test „weggepustet“ zu werden. Als Indy feststellt, dass die Familie, die vor dem TV-Gerät sitzt, in Wahrheit aus Schaufensterpuppen bestehen und der Countdown für die Bombe gestartet wird, klettert er in einen bleiverstärkten Kühlschrank (Spielbergs Lieblings-Ausstattungsgegenstand), der ihm das Leben rettet. Dieser verrückte Exkurs – ein schönes Beispiel für Michael Kahns meisterhaften Schnitt – ist einer der Höhepunkte des Films, der allerdings die Fans polarisiert und den Begriff „nuke the fridge“ prägt.

Spielberg sieht sich genötigt, George Lucas aus dem Schussfeld der Kritik zu nehmen:

„What people really jumped at was Indy climbing into a refrigerator and getting blown into the sky by an atom-bomb blast. Blame me. Don’t blame George. That was my silly idea. People stopped saying „jump the shark“. They now say, „nuked the fridge“. I’m proud of that. I’m glad I was able to bring that into popular culture.“

Ein Teil des Spaßes sind die vielen Filmreferenzen, die sich in Kingdom of the Crystal Skull entdecken lassen, z.B. American Graffiti (1973), The Treasure of the Sierra Madre (1948), The Wild One (1953), Vertigo (1958), und Star Wars – A New Hope (1977) – mit Indys „bad feeling about this“. Nicht zu vergessen, der Kurz-„Auftritt“ der Bundeslade aus Raiders of the Lost Ark (1981).

Um eine ästhetische Kontinuität mit den früheren Filmen zu wahren, studiert Kameramann Janusz Kamiński den Bildgestaltungsstil von Douglas Slocombe, der in den früheren Filmen die Kamera führte. Spielberg über ihre gemeinsame Annäherung an den visuellen Stil des Films:

„I still wanted the film to have a lighting style not dissimilar to the work Doug Slocombe had achieved, which meant that both Janusz and I had to swallow our pride. Janusz had to approximate another cinematographer’s look, and I had to approximate this younger director’s look that I thought I had moved away from after almost two decades.“ 

Zunächst möchte Spielberg auf digitale Effekt vollständig verzichten und stattdessen traditionelle Stuntarbeit, gebaute Sets und Practical Effects einsetzen. Doch während der Entstehung des Films produziert ILM mehr CGI als erwartet, so dass der Film am Ende insgesamt ca. 450 CGI-Aufnahmen enthält. Allerdings besteht Spielberg darauf, den Film nicht in digitalem Format zu drehen und will auch nicht, dass er in diesem Format aufgeführt wird.

John Williams beschreibt seine Komposition zum vierten Teil der Indiana Jones-Reihe „like sitting down and finishing a letter that you started 25 years ago”. Er „recycelt“ Indianas und Marions Themen und fügt weitere musikalische Motive für Mutt, Spalko und den Kristallschädel hinzu.

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull erlebt seine Weltpremiere am 18. Mai 2008 in Cannes – der erste Spielberg-Film seit E.T. – The Extraterrestrial (1982), mit dem die Filmfestspiele von Cannes eröffnen. Vier Tage später läuft der Film weltweit an. Die Reaktionen von Kritikern und Publikum sind zwiespältig. Der Film ist ein großer finanzieller Erfolg und nimmt weltweit mehr als 786 Millionen Dollar ein, bei einem Budget von 185 Millionen Dollar. Spielberg beschreibt den Film als “the sweet dessert I give those who had to chow down on the bitter herbs I used in Munich.”

Im Gegensatz zu früheren Indiana Jones-Film, erhält Kingdom of the Crystal Skull keine einzige Oscar-Nominierung. Es ist der letzte Teil im Verleih der Paramount Pictures, nachdem 2012 die Walt Disney Studios durch ihren Zukauf von Lucasfilm die Rechte an der Filmreihe erwerben.


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull

 

2007

Michael Bays Transformers ist ein immens erfolgreicher Science-Fiction-Film, der auf der Transformers-Spielzeugserie von Hasbro beruht, und Computer-Animation mit Live-Action verbindet. Steven Spielberg, ein Fan der Comics und des Spielzeugs, ist an der Verfilmung als Executive Producer beteiligt und beauftragt Roberto Orci und Alex Kurtzman, das Drehbuch zu schreiben. Zu den Darstellern zählen Shia LaBeouf, Tyrese Gibson, Josh Duhamel, Anthony Anderson, Megan Fox, Rachael Taylor, John Turturro und Jon Voight – ergänzt durch die Stimmen von Peter Cullen und Hugo Weaving.

Hasbro organisiert eine riesige Werbekampagne für den Film und schließt Merchandising-Verträge mit Hunderten von Firmen ab. Die Kampagne beinhaltet virales Marketing, die zeitlich abgestimmte Veröffentlichung von Prequel-Comics, Büchern und Spielzeug sowie Product Placement.

Spielberg ermutigt Michael Bay dazu, CGI auf Roboter und Hintergrundelemente in Action-Sequenzen zu beschränken. Stunts wie etwa der durch einen Bus krachende Bonecrusher werden mit Live-Effekten erzielt. Kameras werden mitten in Autounfälle und Explosionen gestellt, um die Action „echt“ wirken zu lassen. Die meisten der innovativen Effekte werden von ILM umgesetzt.

Transformers erhält gemischt-bis-positive Bewertungen der Kritiker und ist ein riesiger Kassenschlager: Das weltweite Einspielergebnis beträgt 709,7 Millionen Dollar gegenüber einem opulenten Budget von 150 Millionen Dollar. Der Film wird für drei Oscars nominiert: Best Sound Editing, Best Sound Mixing und Best Visual Effects. Die darstellerische Leistung von Shia LaBeouf wird von Empire Magazine gelobt. Fans freuen sich über Peter Cullen, der Optimus Prime – wie zuvor in der Transformers-Zeichentrickserie der 1980er Jahre – seine Stimme verleiht.

Wegen des finanziellen Erfolgs werden drei Fortsetzungen produziert (ein fünfter Teil ist für das Jahr 2017 geplant).

Spielberg besetzt Shia Labeouf in der Rolle des Mutt Williams in Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull (2008).