The BFG (2016)

Steven Spielbergs 3D-Fantasy-Abenteuerfilm The BFG beruht auf Roald Dahls 1982 veröffentlichtem Kinderbuch, das im deutschen Sprachraum unter dem Titel „Sophiechen und der Riese“ erschien (1985 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet).

Die Verfilmung von The BFG ist eine Koproduktion von Walt Disney Pictures, DreamWorks Pictures, Amblin Entertainment und Walden Media.

US-Poster und Szenenfotos: © 2016 DreamWorks II Distribution Co., LLC, Disney Enterprises, Inc., and Walden Media

Deutschsprachiges Poster: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH

Das Drehbuch für The BFG stammt aus der Feder von Melissa Mathison, die auch das Drehbuch für Spielbergs E.T. – The Extra-Terrestrial (1982) schrieb. The BFG ist ihr gewidmet, denn sie verstarb 2015. Auch die „Tagline“ des Plakats weckt Erinnerungen an E.T. – The Extra-Terrestrial.

Spielberg über seine Zusammenarbeit mit Mathison:

“I don’t miss Melissa yet because I haven’t had the chance to mourn her, because she is still with me. I’m not saying that in a supernatural way, because Melissa is alive in every single frame of The BFG. She has been with me all through this process and she is as tangible as if she were sitting next to me. What I’m not looking forward to is when I finish with The BFG and I have to face the fact that Melissa is no longer with me.”

“Melissa could do something most of us could not. She observed people without judging them. The only other people I can think of who observe with curiosity and without judgment are children. And I think that’s why she understood them and wrote them better than anyone else.”

Der BFG ist ein Guter Riese (Big Friendly Giant) und ein Sonderling im Land der Riesen. Er ist acht Meter groß, mit riesigen Ohren und einem scharfen Geruchssinn. Er lebt zurückgezogen, ist auf liebenswerte Art „schwer von Begriff“ und hat eine ungewöhnliche Ausdrucksweise. Andere Riesen wie Knochenknacker, Hackepeter und Fleischfetzenfresser sind doppelt so groß und beängstigend. Nach ihrer Ankunft im Land der Riesen fürchtet sich die 10-jährige Sophie anfänglich vor dem geheimnisvollen BFG, der sie in seine Höhle verschleppt hat. Doch schon bald erkennt sie sein sanftes Wesen. Gemeinsam treten sie gegen die bösen, menschenfressenden Riesen an, von denen die Welt der Menschen bedroht wird.

Spielberg erinnert sich, wie er Roald Dahls Buchvorlage seinen Kindern vorgelesen hat:

“They loved the privacy and secrecy of his own special giant-speak. And they also loved that this little 8-year-old girl can tell a 26-foot-tall giant what to do.”

Zum ersten Mal führt Spielberg Regie unter der Marke DisneyEr erklärt, was ihn an dem Stoff reizt:

“It’s a story about friendship, it’s a story about loyalty and protecting your friends and it’s a story that shows that even a little girl can help a big giant solve his biggest problems.”

Zum Cast von The BFG gehören Ruby Barnhill, Mark Rylance, Penelope Wilton, Jemaine Clement, Rebecca Hall, Rafe Spall und Bill Hader.

Dies ist der erste Spielberg-Film mit einer weiblichen Hauptrolle seit The Color Purple (1985).

The BFG ist Spielbergs zweite Zusammenarbeit mit Mark Rylance, der  für seine Rolle in Bridge of Spies (2015) einen Academy Award gewann. In die Rolle des BFG schlüpft er mittels Motion-Capture – ein Verfahren zur digitalen Aufzeichnung der Mimik und Gestik von Darstellern, das Spielberg zuletzt in The Adventure of Tintin (2011) zum Einsatz brachte.

Steven Spielberg versucht (vergeblich), Gene Wilder zu einem Gastauftritt zu überreden. Er spielte die Titelrolle in der Roald Dahl-Verfilmung Willy Wonka & the Chocolate Factory (1971).

Die Dreharbeiten finden zwischen dem 23. März bis 16. Juni 2015 statt, gefolgt von umfangreichen Post-Production-Arbeiten. Zu den Drehorten gehören Vancouver in Kanada sowie Schottland und England.

Die Entwicklung des Projekts geht zurück bis in das Jahr 1991: Frank Marshall und Kathleen Kennedy verhandeln mit Paramount Pictures – zu diesem Zeitpunkt soll Robin Williams die Titelrolle spielen. 1998 liefern Robin Swicord und Nicholas Kazan ein Drehbuch, das 2001 von Gwyn Lurie überarbeitet wird.

Im September 2011 erwirbt DreamWorks die Filmrechte für das Buch. Mit an Bord sind Kennedy und Marshall als Produzenten sowie Melissa Mathison als Drehbuchautorin. John Madden wird als Regisseur gehandelt, bis im April 2014 Steven Spielberg die Regie übernimmt (Madden bleibt dem Projekt als Executive Producer verbunden). Nachdem Walden Media zustimmt, sich an der Finanzierung zu beteiligen, kann Walt Disney Studios für die Ko-Finanzierung gewonnen werden.

Zu den regulären Mitgliedern von Spielbergs Team zählen: Kameramann Janusz Kaminski, Cutter Michael Kahn, Komponist John Williams, Produktionsdesigner Rick Carter und Kostümdesignerin Joanna Johnston. Die visuellen Effekte werden von Weta Digital geschaffen.

Produziert wird der Film von Steven Spielberg, Frank Marshall und Sam Mercer – mit Kathleen Kennedy, John Madden, Kristie Macosko Krieger, Michael Siegel, Frank Smith und Naia Cucukov als Executive Producers.

Roald Dahls Bücher, zu denen auch “Charlie and the Chocolate Factory,” “James and the Giant Peach” und “Matilda” zählen, wurden in 58 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als 200 Millionen mal verkauft. “The BFG” war ursprünglich als Gutenacht-Geschichte gedacht und zählt zu Dahls Lieblingsgeschichten. Sie wird nun zum ersten Mal mit Schauspielern verfilmt und kommt pünktlich zu Roald Dahls 100. Geburtstag in die Kinos.

Spielberg über die Verantwortung, möglichst dicht an Roald Dahls Vorlage zu bleiben:

“It was very important for us to be loyal to the language, and the great writer Melissa Mathison, who also wrote ‘E.T.: The Extra-Terrestrial,’ wrote ‘The BFG.’”

Roald Dahls Buch besticht vor allem durch die Fantasiesprache Gobblefunk, die er seinem Riesen in den Mund gelegt hat. Sie ist auch in den Film eingeflossen. Beispiele aus der deutschen Fassung (vgl. engl. Originalversion):

delikatzig vorzüglich
Blubberwasser grünes Getränk, dessen Kohlensäure nach unten bitzelt
Fürbisfuchen Kürbiskuchen
schlotzt lecker, schön, prima
Zauberzischler schöner Traum
Leberwesen Menschen
Geohrwurmster Gehorsamster
Gigaraffen Giraffen
Majonäse Majestät
oberschleckerhammerhaft lecker
Rotzgurke eklig stinkendes Gemüse aus dem Land der Riesen
Unter‘m Arm nehmen auf den Arm nehmen
Alpenträumern Albtraum
Furzelbaum Furz
Wesserbisser Besserwisser
Weises Kind Waisenkind
Quissel-Quassel-Glotzglimmer-Box Fernseher
Lieblingsspeiserich köstlich, lecker

Die Weltpremiere findet am 14. Mai während des Filmfestivals in Cannes statt, wo der Film „Out of Competition“ gezeigt wird (auch E.T. – The Extraterrestrial (1982) hatte dort seine Weltpremiere). Wie E.T. erhält auch The BFG stehende Ovationen:

Variety-Kritiker Peter Debruge schreibt nach der Premiere in Cannes:

“That’s the beauty of Roald Dahl’s The BFG, as brought to life by recent Oscar winner Mark Rylance: You believe. No matter how fantastical the tale (and it gets pretty out-there at points), this splendid Steven Spielberg-directed adaptation makes it possible for audiences of all ages to wrap their heads around one of the unlikeliest friendships in cinema history, resulting in the sort of instant family classic “human beans” once relied upon Disney to deliver.”

Teaser-Trailer anschauen

Der Film startet am 1. Juli in den USA und ab 21. Juli in Deutschland.

2015

Die neu gegründete Firma Amblin Partners produziert gemeinsam mit Warner Bros.  Steven Spielbergs Verfilmung von Ernest Clines Roman Ready Player One (2018).

Spielberg kehrt zu Universal Pictures zurückwo 1969 seine professionelle Karriere begann. Universal schließt einen Vertrag zur Vermarktung und zum Verleih von Filmen aus dem Amblin Partners-Portfolio über die nächsten 5 Jahre.

Laut Los Angeles Times verfügt das neue Unternehmen über Mittel von mehr als 300 Millionen Dollar und wird ca. vier bis sieben Filme pro Jahr produzieren.

Amblin Partners – eine Produktionsfirma mit den Schwerpunkten Film, Fernsehen und digitale Medien – entsteht anfänglich aus einer Partnerschaft zwischen DreamWorks Studios, Participant Media, Reliance Entertainment und Entertainment One (später steigen weitere Partner wie Alibaba Pictures und Universal Filmed Entertainment ein).

Variety zufolge hat Spielberg erstmals seit der Gründung von DreamWorks auch Geld aus der eigenen Tasche in Amblin Partners investiert: 50 Millionen Dollar.

In der Presseinformation heißt es, Amblin Partners „develops and produces films using the Amblin, DreamWorks Pictures and Participant banners and includes Amblin Television, a longtime leader in quality programming.” Die Firma wird familienfreundliche Filme unter der Marke Amblin herausbringen, Stoffe für Erwachsene unter dem DreamWorks-Banner und Filme mit sozialem Anliegen unter der Marke Participant.

Zu den bereits in Produktion befindlichen Filmen zählen: Steven Spielbergs The BFG und Derek Cianfrances The Light Between Oceans; Tate Taylors The Girl on the Train sowie Lasse Hallströms A Dog’s Purpose.

2015

Walt Disney Pictures veröffentlicht den ersten Teaser-Trailer zu Steven Spielbergs bevorstehendem Fantasy-Abenteuer-Film The BFG (2016). Zum ersten Mal führt Spielberg Regie bei einem Live-Action 3D-Film.

Es handelt sich um die Verfilmung von Roald Dahls gleichnamigem Kinderbuch-Klassiker. Das Drehbuch stammt von Melissa Mathison, die schon das Script zu Spielbergs E.T. – The Extraterrestrial (1982) schrieb.

Der Film erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das auf einen Riesen trifft. Ruby Barnhill spielt die kleine Sofie, und der BFG (Big Friendly Giant) wird von Mark Rylance porträtiert. In weiteren Rollen: Bill Hader, Jemaine Clement, Penelope Wilton und Rebecca Hall.

Nach seiner Oscar-verdächtigen Darstellung des Rudolf Abel in Bridge of Spies (2015) spielt Mark Rylance erneut eine größere Rolle in einem Steven Spielberg-Film. Die Dreharbeiten für The BFG beginnen bereits drei Monate nach Drehschluss von Bridge of Spies.

Zu den Drehorten gehören: Vancouver (British Columbia, Canada), Blenheim Palace, Woodstock (Oxfordshire, United Kingdom), Buckingham Palace, Westminster (London, United Kingdom) sowie Skye, Highland (Scotland, United Kingdom).

Die Filmmusik wird wieder von John Williams komponiert. Weitere bewährte Spielberg-Mitarbeiter sind Kamaramann Janusz Kamiński, Cutter Michael Kahn sowie die Produzenten Frank Marshall und Kathleen Kennedy. Die beeindruckenden visuellen Effekte stammen von Weta Digital.

Der Film ist eine Ko-Produktion zwischen Walt Disney Pictures, DreamWorks Pictures, Amblin Entertainment und Walden Media.

The BFG startet am 28. Juli 2016 in den deutschen Kinos.

2013

Under the Dome – eine einfallsreiche Science-Fiction-Serie (Executive Producer: Steven Spielberg) startet im Fernsehsender CBS. Der dänische Regisseur Niels Arden Oplev produziert die Serie und führt bei der Pilotfolge Regie.

Die gemeinsam von Amblin Television und DreamWorks Television entwickelte Serie beruht auf Stephen Kings gleichnamigen Roman und spielt in der fiktiven Kleinstadt Chester’s Mill. Eines Tages befindet sich eine riesige, transparente und scheinbar unzerstörbare Kuppel über der Stadt und trennt die Bewohner vom Rest der Welt. Ohne Internet-Zugang, Handy-Signal und mit begrenzter Sende- und Empfangsmöglichkeit per Funk müssen die Menschen unter der Kuppel einen Weg finden, mit knapper werdenden Ressourcen und zunehmenden Spannungen umzugehen.

Zu den Darstellern gehören Mike Vogel, Rachelle Lefevre, Natalie Martinez, Britt Robertson, Alexander Koch und viele andere. Die Pilotfolge erhält gute Bewertungen, und auch die ersten Folgen stoßen auf ein positives Echo.

Stephen King, der auch das Drehbuch für die Startfolge der zweiten Staffel schreibt, merkt an: “The TV version of Under the Dome varies considerably from the book version.” Und er bezeichnet die Serie als “very good”.

Die Pilotfolge bricht Rekorde bei der Zuschauer-Resonanz: Die Premiere ist die Beste der Sommersaison seit 1992. Die erste Staffel erreicht eine durchschnittliche Zuschauerzahl von 11,19 Millionen Live-Zuschauern, die zweite Staffel immerhin noch 7,17 Millionen – wobei die DVR Zuschauerzahlen noch deutlich höher liegen.

Die Serie steht vier Tage nach der Ausstrahlung auf CBS für den Streaming-Empfang auf Amazon Video-Geräten zur Verfügung. Der Deal mit Amazon hilft CBS dabei, die hohen Produktionskosten von fast 3 Millionen Dollar pro Episode zu mildern.

Im Jahr 2015 stellt CBS die Serie nach drei Staffeln ein (39 Folgen).

Lincoln (2012)

Steven Spielbergs Meisterwerk Lincoln spielt während der letzten Monate von US-Präsident Abraham Lincolns Amtszeit. Er handelt von seinen Bemühungen um die Verabschiedung des 13. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten durch das Repräsentantenhaus, mit dem die Abschaffung der Sklaverei in den Vereinigten Staaten besiegelt wurde. Lincoln lehrt uns, wie man hinter den Kulissen der Politik einen Konsens herbeiführt, wenn dringende Probleme der Nation zu lösen sind. Der Film ist also im Grunde eine zeitgenössische Geschichte, die im historischen Mantel erzählt wird.

Der Film wird von Steven Spielberg und Kathleen Kennedy produziert, das Drehbuch beruht zum Teil auf Doris Kearns Goodwins Biographie „Team of Rivals: The Political Genius of Abraham Lincoln“. Spielberg über seine Motivation, diesen Film zu drehen:

“The Lincoln project is something that I have been fascinated with all my life. Like the kid in Minority Report, I used to cut out the profiles of Presidents in third grade. Lincoln was my favorite profile. (…) As I got older, I began reading history books and I became like a history major. I never really majored in history in school but it was my most favorite subject. (…) I realized that Lincoln changed the history of the world.”

Daniel Day-Lewis porträtiert auf brillante Weise Abraham Lincoln und wird von weiteren ausgezeichneten Darstellern unterstützt, darunter Sally Field, David Strathairn, Joseph Gordon-Levitt, James Spader, Hal Holbrook, Tim Blake Nelson, Lukas Haas und Tommy Lee Jones.

Adam Driver – später bekannt als Bösewicht in Star Wars: The Force Awakens (2015) – spielt die Rolle des War-Room Telegrafen Samuel Beckwith. Kevin Kline hat einen Kurzauftritt als verwundeter Soldat.

In Vorbereitung auf The Unfinished Journey (1999) – ein 21-minütiger Kurzfilm, der unter der Regie von Spielberg entsteht und bei der Jahrtausend-Gala in Washington DC gezeigt wird, direkt vor dem Lincoln Memorial – fragt Spielberg Historiker wie Stephen Ambrose und Doris Kearns Goodwin um Rat. Auf Spielbergs Frage nach ihren aktuellen Projekten sagt Goodwin, dass sie dabei ist, ein Buch mit dem Titel „Team of Rivals“ über Lincoln und sein Kabinett zu schreiben. Spielberg ist so fasziniert, dass er die Filmrechte unverzüglich erwirbt.

In den frühen Phasen der Projekt-Entwicklung wird John Logan damit beauftragt, einen ersten Drehbuchentwurf zu schreiben. Der Theaterautor Paul Webb schreibt es anschließend neu. Er zieht es vor, Lincolns Amtszeit als Präsident in Gänze abzudecken. Spielberg ist mit dem Skript unzufrieden, und so verzögern sich die Dreharbeiten. Spielberg übergibt die Aufgabe einem weiteren Theaterautor, der Spielberg mit seinem Skript für Munich (2005) beeindruckt hatte: Tony Kushner.

Kushner empfindet die Aufgabe zunächst entmutigend, weil er keinen Zugang zur Motivation des Präsidenten findet: “I don’t understand what he did any more than I understand how William Shakespeare wrote Hamlet or Mozart wrote Così fan tutte.”. Kushners ursprünglicher Entwurf umfasst 491 Seiten und legt den Fokus auf die vier letzten Monate in Lincolns Leben. Bis 2009 überarbeitet er die Fassung und reduziert die Handlung auf die zwei letzten Monate, als er sich mit dem 13. Zusatzartikel der Verfassung beschäftigt.

Ursprünglich ist Liam Neeson als Darsteller für die Hauptrolle vorgesehen, nachdem er zuvor in Spielbergs Schindler’s List (1993) den Titelpart gespielt hatte. In Vorbereitung auf seine Rolle studiert er Abraham Lincoln ausgiebig, doch im Jahr 2010 steigt Neeson aus, nachdem er bei einer Leseprobe feststellt, dass die Rolle nicht für ihn geschaffen ist. Neeson schlägt Daniel Day-Lewis als seinen Nachfolger vor und setzt sich persönlich dafür ein, dass er die Rolle annimmt. Spielberg und Kushner fliegen nach Irland, um sich mit Day-Lewis zu treffen. Das Drehbuch wird noch einige Male überarbeitet, bevor der Schauspieler endlich zustimmt (nachdem auch Leonardo DiCaprio auf ihn eingewirkt hat).

Bis die Finanzierung des Films steht, vergehen fast drei Jahre. Nach dem Verkauf von DreamWorks an Viacom stellt Spielberg sein Projekt beim Viacom-Tochterunternehmen Paramount vor, doch die Chefetage beklagt sich, das Budget, wenn auch auf 50 Millionen Dollar zusammengestrichen, sei immer noch zu hoch und das Thema ähnelte zu sehr Spielbergs Amistad (1997) – einer seiner an der Kinokasse am wenigsten erfolgreichen Filme.

Von den Finanzierungsproblemen frustriert, räumt Spielberg ein, Lincoln hätte beinahe seine Premiere auf HBO erlebt. DreamWorks gelingt jedoch ein Deal mit der Walt Disney Company, die den Verleih in Nordamerika übernimmt. 20th Century Fox finanziert die andere Hälfte des Budgets und erwirbt dafür die internationalen Verleihrechte. Um auf Nummer Sicher zu gehen, bringt DreamWorks mit Participant Media einen weiteren Finanzpartner an Bord, und so kann der Film endlich entstehen.

Die Dreharbeiten dauern 64 Tage, die meisten Aufnahmen werden in Richmond, Fredericksburg und Petersburg, Virginia, gedreht. Eine ehemalige Produktionshalle für Flipperautomaten in Richmond wird als Set für die Innenräume des Weißen Hauses umgebaut. “We worked hard to be as historically accurate as possible, all the way to the room where Mary and Lincoln had their scenes,” sagt Produktionsdesigner Rick Carter. “The wallpaper, rugs, everything was as accurate as it could possibly be.”

Kameramann Janusz Kamiński beschließt gemeinsam mit Spielberg, das Licht auf ein Minimum zu reduzieren, um den Einsatz von Kerzen und Gaslicht während jener Zeit zu unterstreichen. “We knew this was a haunted movie about a man carrying a tremendous burden,” sagt Rick Carter. “We wanted to go with almost a black-and-white photo yet always be able to pick out what was important in the frame.” Die Dunkelheit wird als Werkzeug eingesetzt, um das Zuschauerauge zu lenken. “I wanted to create depth of Lincoln’s character through lighting,” bemerkt Kamiński. “In group shots in his office, I set the light so your eye would go to Lincoln.” In den Aufnahmen, die während der Verabschiedung des 13. Zusatzartikels spielen, beabsichtigt Kamiński, Lincolns ikonografische Erscheinung zu unterlaufen, indem er ihn in grelles Gegenlicht taucht – mit einem Engels-ähnlichen Effekt, der dennoch naturalistisch wirkt.  “I wanted to create a very intimate image of this man on the most important day of his life: He’s still a father, and he’s still allocating time to be with his family and his son.”

Am Set gehen Cast und Crew geradezu ehrfürchtig mit dem Thema um: Unterhaltungen zwischen den Aufnahmen werden in flüsterndem Ton geführt, und ohne triftigen Anlass spricht niemand den Hauptdarsteller an. Spielberg, sonst in Baseballmütze und Jeans, trägt Anzug und Krawatte. Für Daniel Day-Lewis verwendet Spielberg die Anrede „Mr. President“ und spricht auch die anderen Darsteller mit den Namen ihrer Rollen an. Auf die Weise will Spielberg mit Leib und Seele in die amerikanische Geschichte eintauchen.

Seine Erfahrung, Abraham Lincoln darzustellen, beschreibt Daniel Day-Lewis so: 

“I never, ever felt that depth of love for another human being that I never met. And that’s, I think, probably the effect that Lincoln has on most people that take the time to discover him… I wish he had stayed [with me] forever.” 

Spielberg ergänzt:

“The toughest part about actually making the film was that it was eventually going to come to an end. After the first day of shooting, I started mourning the last day of shooting. (…) It’s rare that this has ever happened. E.T. might be the only other time.”

Lincoln wird auf 35mm-Film gedreht und auf einem Avid-System geschnitten – zum dritten Mal schneidet Michael Kahn für Spielberg im digitalen Format. “Steven saw how efficient it was, how it saved it a lot of time, so we’ve been on Avid ever since,” sagt Kahn, der für seine hohe Arbeitsgeschwindigkeit mit den analogen Moviola- und KEM-Systemen bekannt war. Kahn bekennt, nie zuvor einen Film wie Lincoln geschnitten zu haben: “This picture has more dialogue, more getting into people’s heads. A lot of editors say dialogue is the hardest thing to make work, and after Lincoln I have to agree. Audiences won’t see our decisions to cut or not to cut, but the decisions are there.”

Für seine zurückhaltende und respektvolle Filmmusik setzt John Williams weiterhin auf handschriftliche Notation mit Bleistift und Papier am Klavier und bringt auch ohne moderne Technik Klangkompositionen in gewohnt hoher Qualität hervor.

Lincoln wird von der Kritik gefeiert. Hervorgehoben werden die Leistungen der Darsteller, insbesondere des Hauptdarstellers Daniel Day-Lewis, sowie die Regie und handwerkliche Qualität des Films.

Roger Ebert gibt dem Film die Höchstwertung und schreibt in seiner Kritik: “The hallmark of the man, performed so powerfully by Daniel Day-Lewis in Lincoln, is calm self-confidence, patience and a willingness to play politics in a realistic way.”

A.O. Scott von der New York Times stellt fest, der Film “is finally a movie about how difficult and costly it has been for the United States to recognize the full and equal humanity of black people.” Er bezeichnet den Film als “rough and noble democratic masterpiece” –  “intimate but also decorous, drawn with extraordinary sensitivity and insight and focused, above all, on Lincoln’s character as a politician. This is, in other words, less a biopic than a political thriller, a civics lesson that is energetically staged and alive with moral energy.”

Trotz seiner Lauflänge von 150 Minuten ist der Film auch ein großer kommerzieller Erfolg, was darauf hindeutet, dass ihn viele Zuschauer nicht als dröge Geschichtsstunde empfinden. Das weltweite Einspielergebnis beträgt mehr als 275 Millionen (bei einem Budget von 65 Millionen Dollar).

Washington-Insider betrachten den Film als ein Lehrbeispiel, wie ein Präsident mit dem Kongress zusammenarbeiten sollte (der Film wird im Weißen Haus und im Senat vorgeführt).

Lincoln wird nominiert für sieben Golden Globe Awards darunter für Best Motion Picture – Drama und Best Director. Daniel Day-Lewis gewinnt einen Golden Globe für Best Actor (Motion Picture – Drama).

Bei den Academy Awards wird der Film für 12 Oscars nominiert, u.a. für Best Picture. Lincoln gewinnt einen Oscar für Best Production Design und Best Actor for Daniel Day-Lewis. Damit ist er der erste Hauptdarsteller eines Spielberg-Films, der mit einem Academy Award ausgezeichnet wird.


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von 
Lincoln

2012

Steven Spielberg, ursprünglich vorgesehen als Regisseur von Interstellar (2014), steigt aus dem Projekt aus und wird von Christopher Nolan ersetzt.

Die Produzentin Lynda Obst entwickelt die Story für den Film gemeinsam mit Kip Thorne, einem mehrfach ausgezeichneten Wissenschaftler der theoretischen Physik, der bereits an Robert Zemeckis‚ Film Contact (1997) mitgewirkt hatte.

Die Vorbereitungen für Interstellar beginnen im Jahr 2006, als Spielberg und Paramount Pictures Pläne für einen Science-Fiction-Film bekannt geben, der auf einem achtseitigen Treatment von Obst und Thorne beruht.

Ein Jahr später wird Jonathan Nolan damit beauftragt, das Drehbuch zu schreiben.

Als Spielberg mit seinem Produktionsstudio DreamWorks von Paramount zu den Walt Disney Studios „umzieht“, muss ein neuer Regisseur für Interstellar gefunden werden. Jonathan Nolan empfiehlt seinen Bruder Christopher Nolan, der im Jahr 2012 in das Projekt einsteigt.

Sein Film weicht deutlich ab von dem Skript, das von Jonathan Nolan in Zusammenarbeit mit Spielberg verfasst wurde. Die zahlreichen Unterschiede werden von Peter Sciretta auf Slashfilm.com erläutert.

2012

Smash, eine mit Spannung erwartete Big-Budget-TV-Serie über die Backstage-Politik einer Broadway-Produktion erweist sich leider nicht als Smash-Hit…

Die Serie wird von der Theaterautorin Theresa Rebeck erschaffen und von Robert Greenblatt für NBC ausgearbeitet. Steven Spielberg ist einer der Executive Producers. Gewissermaßen ist SmashBroadway meets Emergency Room„.

Als Co-Produktion zwischen DreamWorks Television und Universal Television verfügt die Serie über einen großen Ensemble-Cast, dazu gehören Debra Messing, Jack Davenport, Katharine McPhee, Christian Borle, Megan Hilty, Jeremy Jordan, Andy Mientus und Anjelica Huston.

Die Show, insbesondere dessen Pilotfolge, genießt Erfolge bei der Kritik, wird aber nach zwei Staffeln eingestellt (32 Folgen). Der Charakter Ellis, angeblich Spielbergs Lieblings-Part, wird als ein Grund für den Popularitätsverlust der Show genannt.

Die erste Staffel erhält den Primetime Emmy Award für herausragende Choreographie. Die Serie wird auch für einen Golden Globe Award als beste TV-Serie nominiert und einen Grammy Award für den besten Song („Let Me Be Your Star“).