2013

Gravity – ein faszinierender und bahnbrechender 3D-Weltraum-Thriller – zeigt Sandra Bullock und George Clooney als Astronauten, die nach der Zerstörung ihrer Raumfähre in der Erdumlaufbahn gestrandet sind und versuchen, zur Erde zurückzukehren. Die Stimme aus dem Off („Mission Control“) wird von Ed Harris gesprochen.

Alfonso Cuarón (Regie, Produktion und Mitwirkung am Drehbuch) bezeichnet seinen Film als ein „drama of a woman in space“.

Cuarón schreibt das Drehbuch mit seinem Sohn Jonás und versucht, den Film bei Universal Pictures unterzubringen, wo der Film mehrere Jahre in „Development Hell“ gerät, während Cuarón auf eine geeignete Technologie hofft, die ihm die Verwirklichung seiner Vision ermöglicht. Regie-Kollege David Fincher rät ihm, noch fünf Jahre zu warten. Cuarón erinnert sich: “We were stubborn, (and) said we’re going to make it work (…) But you know what? David was right. It took us 4½ years.”

Schließlich wird sein Drehbuch von Warner Bros. erworben. Zeiweise sind Angelina Jolie und Robert Downey Jr. im Gespräch für die Hauptrollen, müssen jedoch aufgrund von Terminüberschneidungen aussteigen. Weitere Schauspielerinnen werden für die weibliche Hauptrolle in Betracht gezogen, darunter: Salma Hayek, Rachel Weisz, Naomi Watts, Marion Cotillard, Abbie Cornish, Carey Mulligan, Sienna Miller, Scarlett Johansson, Blake Lively, Rebecca Hall, und Olivia Wilde. Bevor George Clooney für die männliche Hauptrolle besetzt wird, sind die folgenden Darsteller im Gespräch: Daniel Craig, Tom Cruise, Tom Hanks, Harrison Ford, John Travolta, Bruce Willis, Russell Crowe, Kevin Costner und Denzel Washington.

Gravity entsteht vollständig in Großbritannien, wo die Firma Framestore mehr als drei Jahre damit verbringt, den Großteil der visuellen Effekte für den Film zu erschaffen, die 80 Minuten von Gravity’s 91 Minuten Lauflänge umfassen. Lange Einstellungen in schwereloser Umgebung zu erstellen, erweist sich als eine große Herausforderung. CGI wird für die Weltraumspaziergangs-Szenen verwendet. Robotik wird eingesetzt, um die Hauptdarstellerin im Inneren der Raumstation zu bewegen (die Aufnahmen müssen für die Programmierung der Roboter im Voraus geplant werden).

Sandra Bullock liefert eine packende Performance, die ihr Nominierungen für den Academy Award sowie für die Screen Actors Guild Awards und Golden Globe Awards einbringt. Die meisten Aufnahmen verbringt sie in einer riesigen, mechanischen Aufhängekonstruktion. Der Einstieg nimmt viel Zeit in Anspruch, so dass Bullock bis zu 10 Stunden am Tag in der Konstruktion bleibt, während sie mit der Crew über Headset  kommuniziert.

Gravity wird digital auf mehreren Arri Alexa Classics-Kameras gedreht, die mit Weitwinkel-Objektiven des Typs Arri Master Prime ausgestattet sind. Um die Reflexion von ungefiltertem Licht im Weltraum realisitisch abzubilden, konzipiert das Team eine neue Aufnahmetechnik. Kameramann Emmanuel Lubezki und Visual Effects Supervisor Tim Webber treffen die Entscheidung “to shoot (the actors’) faces and create everything else digitally.” Lubezki leuchtet die Darstellergesichter so aus, dass sie der komplett digital erzeugten Umgebung entsprechen. Die Ausleuchtung muss die Reflektion der Erde, das Licht der Sonne und die anderen Sterne im Hintergrund berücksichtigen. Hierfür lässt Lubezki einen LED-Bildschirm in eine Box integrieren, in deren Inneren sich die Schauspieler befinden, und setzt sie mit dem Licht des Bildschirms in Szene. Auf diese Weise kann sich das auf den LED-Screen projizierte Bild bewegen, während die Schauspieler an Ort und Stelle bleiben. Die Ausleuchtungs-Box ist ein knapp 3×3 Meter großer Würfel (groß genug für einen Schauspieler), ausgestattet mit 1,8 Millionen individuell regelbaren LED-Leuchten.

Für seine Inszenierung bevorzugt Cuarón Long Takes (Plansequenzen), um das Publikum in die Handlung zu ziehen, und kontrastiert diese mit klaustrophobischen Nahaufnahmen in Raumanzügen und Kapseln. Wegen der vielen Long Takes muss  Sandra Bullock ausgedehnte Abfolgen präziser Bewegungen einstudieren, um die vorgesehenen Markierungen in verschiedenen Phasen der Sequenz zu treffen. In den Szene im Orbit besteht die spartanische Tonspur aus Geräuschen, die Astronauten in ihren Anzügen oder in Raumfahrzeugen hören (zeitweise ergänzt durch Filmmusik).

Cuarón zufolge ist sein Film von John Sturges Marooned (1969) und Steven Spielbergs Duel (1971) inspiriert.

Gravity ist der Eröffnungsfilm bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig. Als der Film in die Kinos kommt, sind Kritik und Publikum einhellig begeistert.

Der Film ist ein großer finanzieller Erfolg und nimmt weltweit mehr als 723 Millionen Dollar ein (bei einem Budget von 100 Millionen Dollar). Bullocks Hauptrolle erweist sich als die lukrativste ihrer Karriere. Sie verdient mindestens 70 Millionen Dollar, da sie mit 15 Prozent an den Einnahmen beteiligt ist, zusätzlich zu ihrer Festgage von 20 Millionen Dollar.

Bei den Academy Awards erhält Gravity zehn Nominierungen und gewinnt in sieben Kategorien – darunter Beste Regie, Beste Kamera, Beste Filmmusik und Besten Visuelle Effekte.

Justin Chang schreibt in seiner Rezension für Variety: “(The film) restores a sense of wonder, terror and possibility to the big screen that should inspire awe among critics and audiences worldwide”.

Regie-Kollegen Steven Spielberg und Quentin Tarantino loben den Film, und James Cameron, ein Freund von Cuarón, sagt über Gravity: “I was stunned, absolutely floored. I think it’s the best space photography ever done, I think it’s the best space film ever done, and it’s the movie I’ve been hungry to see for an awful long time.”

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull (2008)

Steven Spielbergs Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull, der vierte Teil der von George Lucas geschaffenen Indiana Jones-Filmreihe wird von Frank Marshall produziert und kommt 19 Jahre nach dem dritten Teil in die Kinos. Die Titelrolle spielt der inzwischen 64-jährige Harrison Ford. Das Drehbuch berücksichtigt sein Alter, indem die Handlung ins Jahr 1957 verlegt wird.

Zu den Darstellern zählen Cate Blanchett, Karen Allen, Ray Winstone, John Hurt, Jim Broadbent und Shia LaBeouf (das Mädchen, von dem er in der Diner-Szene einen Haken verpasst bekommt, ist Sasha Spielberg).

Als sich George Lucas und Steven Spielberg dazu durchringen, ein viertes Abenteuer zu entwickeln, sind die Erwartungen so hoch wie die Risiken des Scheiterns. Der Aufhänger für die Handlung bereitet am meisten Kopfzerbrechen. Alle bisherigen Teile rankten sich um religiöse Artefakte. Lucas kommt schließlich auf die Idee, Indy gegen Wesen aus dem Weltraum antreten zu lassen und die Geschichte im Zeitalter trashiger Science-Fiction-Filme der 1950er Jahre anzusiedeln. Jeb Stuart und Jeffrey Boam schreiben erste Drehbuchentwürfe, aber Spielberg und Ford reagieren verhalten. Als Roland Emmerichs Independence Day (1996) in die Kinos kommt, sagt Spielberg zu Lucas, er sei nicht daran interessiert, einen weiteren Film über eine Alien-Invasion zu drehen.

Als sich Ford, Lucas, Spielberg, Frank Marshall und Kathleen Kennedy im Jahr 2000 während der AFI-Ehrung für Harrison Ford wieder begegnen, sind sich alle einig, sie sollten nun doch den nächsten Indiana Jones-Film machen. Lucas schafft es irgendwie, Spielberg davon zu überzeugen, die Aliens seien in Wahrheit keine „Außerirdischen“, sondern „interdimensionale“ Wesen – ein von der Superstring-Theorie inspiriertes Konzept, das auch die Handlung von Interstellar (2014) wesentlich beeinflusst. Lucas schlägt zudem vor, die Kristallschädel in die Handlung einzubauen (ursprünglich wollte er sie schon in einer Episode seiner TV-Reihe Young Indiana Jones verwenden). M. Night Shyamalan und Tom Stoppard werden damit beauftragt, Scripts für einen auf 2002 terminierten Drehbeginn zu schreiben, doch wegen Lucas‘ Arbeit an den Star Wars-Prequels wird der Produktionsstart  verschoben.

Im Jahr 2003 verfasst Frank Darabont, der bereits als Autor und Regisseur für Young Indiana Jones in Erscheinung trat, ein neues Drehbuch für den Film, den man auch als Indiana Jones and the Curse of Development Hell bezeichnen könnte. In Wahrheit lautet der Titel von Darabonts Script Indiana Jones and the City of Gods und enthält die meisten der Ideen, die in den fertigen Film einfließen werden. Darabont zufolge ist Spielberg von seinem Drehbuch begeistert, doch Lucas legt sein Veto ein. Somit werden weitere Scriptautoren beauftragt: Jeff Nathanson reicht 2005 seine Entwürfe ein, mit dem Titel The Atomic Ants. Schließlich überarbeitet David Koepp diese Fassung (und verfeinert gemeinsam mit Raiders of the Lost Ark-Drehbuchautor Lawrence Kasdan die Dialoge zwischen Indy und Marion). Koepps Drehbuchfassung ist mit dem Titel Destroyer of Worlds versehen, eine Anspielung auf ein Zitat von J. Robert Oppenheimer („Vater“ der Atombombe). Spielberg und Lucas entscheiden sich schließlich für den überbordenden Titel Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull.

Drehbuchautor David Koepp bringt den Charakter der sowjetischen Agentin Irina Spalko zu Papier, glänzend dargestellt von Cate Blanchett, die ganz versessen darauf ist, die Rolle eines Bösewichts zu spielen. Ihr strenger Haarschnitt ist ihre eigene Idee, und ihren ebenso strengen Gestus orientiert sie an Colonel Rosa Klebb (Lotte Lenya), der Schurkin aus dem James Bond-Film From Russia With Love (1963). Allerdings gelingt es Koepp nicht, ihre Rolle für die Story angemessen zu nutzen (nach einem starken ersten Auftritt wird ihre Rolle auf relativ kleine Szenen reduziert, und im ohnehin nicht besonders spannenden Fecht-Duell tritt sie gegen Indys Sohn an). Ein ordentlicher Showdown zwischen ihr und Indy fehlt. Dennoch bezeichnet Spielberg Blanchetts Irina Spalko als seinen Lieblings-Bösewicht:

”Of all the villains I’ve been able to work with in the Indiana Jones movies, I can say she’s my favorite. And I think Cate made her that way.”

Als allumfassendes Wissen zum Greifen nah ist, hören wir Irina Spalkos orgiastischen Ausruf: „I want… to know!“ – eine Anspielung auf Joan Crawfords Ausruf: „I want… to see!“ in der TV-Folge Eyes (1969), Spielbergs Debüt als professioneller Regisseur.

Auf „Verlangen“ der Fans spielt Karen Allen erneut ihre Rolle als Marion Ravenwood: Leider wird der großartige Auftritt, den Frank Darabont für sie geschrieben hat, nicht im Film verwendet. In Darabonts Drehbuch folgen wir einer unbekannten Dame beim Betreten eines Nachtclubs in Peru:

„We’re too far away to see her face, and in any event she’s obscured by a stylish wide-brimmed hat that matches her white tailored skirt suit. (…) She comes up behind Indy as the bartender sets down his martini. She makes her presence known by plucking an olive with a white-gloved hand and dropping it in Indy’s drink. Indy turns, looking up at her. A frozen beat. His expression going slack. For a moment his brain refuses to accept what he’s seeing; it’s literally the last person he ever expected. (…) She looks fantastic, not to mention dumbstruck at the sight of Indy her smile fades … and she hauls off and punches him in the mouth.“

Als es im Drehbuch zum unvermeidlichen Wett-Trinken kommt, quetscht Marion Indy über seine alte Flamme Willie Scott aus. Indy hat dazu folgendes zu sagen: „She moved out to Hollywood to be a star. Last I heard, she fell in love and married some bigshot director.“ (Tatsächlich heiratete Willie Scott-Darstellerin Kate Capshaw ihren Regisseur Steven Spielberg).

Im Film bleiben Marions „Überraschungs“-Auftritt und ihre anschließenden Szenen verglichen mit Darabonts Einfällen leider unter ihrem Potenzial. Ähnliches kann man über ihren Sohn, Mutt Williams, sagen. In seiner farblosen Darstellung kann Shia LaBeouf nicht annähernd die Rivalität zwischen Vater und Sohn vermitteln, die im legendären Schlagabtausch zwischen Ford und Connery in The Last Crusade (1989) zum Ausdruck kam. Stattdessen sehen wir Mutt in einem Tarzan-ähnlichen Stunt, mit einer Horde von Affen zwischen Lianen schwingend – eine Szene, die viele Indy-Fans gern aus ihrer Erinnerung  löschen würden.

In seiner Drehbuchfassung erweitert David Koepp die Rolle des kauzigen Professor Oxley, der von John Hurt brillant verkörpert wird (Darabont hatte John Hurt im Sinn, als er seine Rolle ersann). Koepp ergänzt zudem den Part des „Triple-agent“ George „Mac“ McHale (Ray Winstone). In Darabonts Drehbuch hatte Indys Vater, Professor Henry Jones Sr., noch einen Auftritt, doch die Idee wird fallengelassen, als Sean Connery ablehnt, die Rolle nochmals zu spielen (er ist aber auf einem Foto auf Indys Schreibtisch zu sehen). Indys Freund Sallah hat in Darabonts Drehbuch einen Kurzauftritt bei der Hochzeitsfeier, doch John Rhys-Davies winkt ab, da er meint, seine Rolle verdiene mehr als das. Charles Stanforth (gespielt von Jim Broadbent), Dekan des fiktiven Marshall College und Indys Freund, tritt die Nachfolge von Marcus Brody an, dessen Schauspieler, Denholm Elliott, bereits 1992 verstarb. In Erinnerung an Elliott platzieren die Filmemacher ein Porträt und eine Statue auf dem Marshall College-Gelände.

Als Indy wegen angeblicher kommunistischer Verbindungen von seinem Lehramt am College suspendiert wird, zeigt Stanforth Rückgrat und tritt ebenfalls zurück, mit den Worten: “I don’t recognize this country anymore!“ Dies ist Spielbergs doppeldeutiger Kommentar, einerseits zum Klima der politischen Repression gegen Kommunisten während der McCarthy-Ära, anderseits zu den ausufernden Homeland Security-Maßnahmen der Gegenwart.

In einer Kulissen-Vorstadt der 1950er Jahre dreht Spielberg eine ganze Sequenz aus Darabonts Drehbuch und erschafft eine bizzarre Momentaufnahme aus der Zeit seiner Kindheit (Videoclip): Indy flieht in eine „typische“ Vorstadt, die nur errichtet wurde, um in einem Atombomben-Test „weggepustet“ zu werden. Als Indy feststellt, dass die Familie, die vor dem TV-Gerät sitzt, in Wahrheit aus Schaufensterpuppen bestehen und der Countdown für die Bombe gestartet wird, klettert er in einen bleiverstärkten Kühlschrank (Spielbergs Lieblings-Ausstattungsgegenstand), der ihm das Leben rettet. Dieser verrückte Exkurs – ein schönes Beispiel für Michael Kahns meisterhaften Schnitt – ist einer der Höhepunkte des Films, der allerdings die Fans polarisiert und den Begriff „nuke the fridge“ prägt.

Spielberg sieht sich genötigt, George Lucas aus dem Schussfeld der Kritik zu nehmen:

„What people really jumped at was Indy climbing into a refrigerator and getting blown into the sky by an atom-bomb blast. Blame me. Don’t blame George. That was my silly idea. People stopped saying „jump the shark“. They now say, „nuked the fridge“. I’m proud of that. I’m glad I was able to bring that into popular culture.“

Ein Teil des Spaßes sind die vielen Filmreferenzen, die sich in Kingdom of the Crystal Skull entdecken lassen, z.B. American Graffiti (1973), The Treasure of the Sierra Madre (1948), The Wild One (1953), Vertigo (1958), und Star Wars – A New Hope (1977) – mit Indys „bad feeling about this“. Nicht zu vergessen, der Kurz-„Auftritt“ der Bundeslade aus Raiders of the Lost Ark (1981).

Um eine ästhetische Kontinuität mit den früheren Filmen zu wahren, studiert Kameramann Janusz Kamiński den Bildgestaltungsstil von Douglas Slocombe, der in den früheren Filmen die Kamera führte. Spielberg über ihre gemeinsame Annäherung an den visuellen Stil des Films:

„I still wanted the film to have a lighting style not dissimilar to the work Doug Slocombe had achieved, which meant that both Janusz and I had to swallow our pride. Janusz had to approximate another cinematographer’s look, and I had to approximate this younger director’s look that I thought I had moved away from after almost two decades.“ 

Zunächst möchte Spielberg auf digitale Effekt vollständig verzichten und stattdessen traditionelle Stuntarbeit, gebaute Sets und Practical Effects einsetzen. Doch während der Entstehung des Films produziert ILM mehr CGI als erwartet, so dass der Film am Ende insgesamt ca. 450 CGI-Aufnahmen enthält. Allerdings besteht Spielberg darauf, den Film nicht in digitalem Format zu drehen und will auch nicht, dass er in diesem Format aufgeführt wird.

John Williams beschreibt seine Komposition zum vierten Teil der Indiana Jones-Reihe „like sitting down and finishing a letter that you started 25 years ago”. Er „recycelt“ Indianas und Marions Themen und fügt weitere musikalische Motive für Mutt, Spalko und den Kristallschädel hinzu.

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull erlebt seine Weltpremiere am 18. Mai 2008 in Cannes – der erste Spielberg-Film seit E.T. – The Extraterrestrial (1982), mit dem die Filmfestspiele von Cannes eröffnen. Vier Tage später läuft der Film weltweit an. Die Reaktionen von Kritikern und Publikum sind zwiespältig. Der Film ist ein großer finanzieller Erfolg und nimmt weltweit mehr als 786 Millionen Dollar ein, bei einem Budget von 185 Millionen Dollar. Spielberg beschreibt den Film als “the sweet dessert I give those who had to chow down on the bitter herbs I used in Munich.”

Im Gegensatz zu früheren Indiana Jones-Film, erhält Kingdom of the Crystal Skull keine einzige Oscar-Nominierung. Es ist der letzte Teil im Verleih der Paramount Pictures, nachdem 2012 die Walt Disney Studios durch ihren Zukauf von Lucasfilm die Rechte an der Filmreihe erwerben.


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull

 

2007

Michael Bays Transformers ist ein immens erfolgreicher Science-Fiction-Film, der auf der Transformers-Spielzeugserie von Hasbro beruht, und Computer-Animation mit Live-Action verbindet. Steven Spielberg, ein Fan der Comics und des Spielzeugs, ist an der Verfilmung als Executive Producer beteiligt und beauftragt Roberto Orci und Alex Kurtzman, das Drehbuch zu schreiben. Zu den Darstellern zählen Shia LaBeouf, Tyrese Gibson, Josh Duhamel, Anthony Anderson, Megan Fox, Rachael Taylor, John Turturro und Jon Voight – ergänzt durch die Stimmen von Peter Cullen und Hugo Weaving.

Hasbro organisiert eine riesige Werbekampagne für den Film und schließt Merchandising-Verträge mit Hunderten von Firmen ab. Die Kampagne beinhaltet virales Marketing, die zeitlich abgestimmte Veröffentlichung von Prequel-Comics, Büchern und Spielzeug sowie Product Placement.

Spielberg ermutigt Michael Bay dazu, CGI auf Roboter und Hintergrundelemente in Action-Sequenzen zu beschränken. Stunts wie etwa der durch einen Bus krachende Bonecrusher werden mit Live-Effekten erzielt. Kameras werden mitten in Autounfälle und Explosionen gestellt, um die Action „echt“ wirken zu lassen. Die meisten der innovativen Effekte werden von ILM umgesetzt.

Transformers erhält gemischt-bis-positive Bewertungen der Kritiker und ist ein riesiger Kassenschlager: Das weltweite Einspielergebnis beträgt 709,7 Millionen Dollar gegenüber einem opulenten Budget von 150 Millionen Dollar. Der Film wird für drei Oscars nominiert: Best Sound Editing, Best Sound Mixing und Best Visual Effects. Die darstellerische Leistung von Shia LaBeouf wird von Empire Magazine gelobt. Fans freuen sich über Peter Cullen, der Optimus Prime – wie zuvor in der Transformers-Zeichentrickserie der 1980er Jahre – seine Stimme verleiht.

Wegen des finanziellen Erfolgs werden drei Fortsetzungen produziert (ein fünfter Teil ist für das Jahr 2017 geplant).

Spielberg besetzt Shia Labeouf in der Rolle des Mutt Williams in Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull (2008).

2004

Gründung von Dreamworks Animation (DWA)

Das neue Studio entsteht durch eine Fusion aus der Animationsspielfilm-Abteilung von Dreamworks SKG und Pacific Data Images (PDI). Ursprünglich 1997 unter dem Banner von Dreamworks entstanden – mit einem Team aus ehemaligen Amblimation-Mitarbeitern – wird Dreamworks Animation in eine eigene Aktiengesellschaft ausgegliedert.

Jeffrey Katzenberg leitet die neue Abteilung, mit Steven Spielberg und David Geffen als Investoren und Berater.

Dreamworks Animation produziert CGI-Animationsfilme wie beispielsweise die Shrek-Reihe (2001-2010), Madagascar (2004), Kung-Fu Panda (2008), und How To Train Your Dragon (2010).

Darüber hinaus produziert Dreamworks Animation TV-Serien und Kurzfilme, Live-Entertainment, zukunftsweisende Technologien und vieles mehr.

2002

Steven Spielberg Presents Taken ist inspiriert von Spielbergs 8mm-Amateurfilm Firelight (1964) und erzählt ebenfalls von Menschen, die von Aliens entführt werden. Die 10-teilige TV-Miniserie ist eines der ambitioniertesten Projekte des Kabelsenders Sci-Fi Network. Das Drehbuch wird von Leslie Bohem verfasst, Steven Spielberg ist Executive Producer.

Die Story umspannt den Zeitraum 1944 bis 2002 und schildert das Schicksal von drei Familien: die Crawfords – sie wollen den UFO-Absturz bei Roswell und die Existenz der Aliens vertuschen; die Keys – Aliens entführen sie für Experimente; die Clarkes – sie bringen eines der überlebenden Aliens in Sicherheit.

Das Budget von 40 Millionen Dollar ermöglicht eindrucksvolle CGI- and Makeup-Effekte. Taken erzielt die höchsten Einschaltquoten des Senders und gewinnt den Emmy Award in der Kategorie Outstanding Miniseries. Regie führen Breck Eisner, Félix Enríquez Alcalá, John Fawcett, Tobe Hooper, Jeremy Paul Kagan, Michael Katleman, Sergio Mimica-Gezzan, Bryan Spicer, Jeff Woolnough, and Thomas J. Wright.

Zur Besetzung gehören Julie Benz, Emily Bergl, Terry Chen, Steve Burton, Eric Close, Heather Donahue, Dakota Fanning (Allie Keys und Erzählerstimme), Elle Fanning (sie porträtiert die jüngere Allie Keys), Matt Frewer, Joel Gretsch, Ryan Hurst, Adam Kaufman, Ryan Merriman, Michael Moriarty, Michael Jeter and Anton Yelchin.

Spielberg besetzt Dakota Fanning für War of the Worlds (2005). Ihre Schwester, Elle Fanning, spielt die weibliche Hauptrolle in Super 8 (2011), unter der Regie von J.J. Abrams, produziert von Steven Spielberg.

2001

Peter Jacksons The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring ist der erste Teil einer Filmtrilogie, die auf J.R.R. TolkienThe Lord of the Rings (1954–1955) beruht – einer Romanreihe, die allgemein als unverfilmbar eingeschätzt wird.

Das Drehbuch wird verfasst von Fran Walsh, Philippa Boyens und Peter Jackson. Sie nehmen zahlreiche Änderungen an der ursprünglichen Geschichte vor, um die Story zu straffen und Raum für die Charakter-Entwicklung zu schaffen, und bleiben doch so nah wie möglich an der literarische Quelle.

Zur eindrucksvollen Besetzung gehören Elijah Wood, Ian McKellen, Viggo Mortensen, Sean Astin, Billy Boyd, Dominic Monaghan, Liv Tyler, Cate Blanchett, John Rhys-Davies, Orlando Bloom, Christopher Lee, Hugo Weaving, Sean Bean, Ian Holm und Andy Serkis.

The Fellowship of the Ring (wie auch die anderen Teile der Trilogie) macht ausgiebig Gebrauch von Spezialeffekten der verschiedensten Art. Um z.B. die Charaktere im richtigen Maßstab zueinander zu zeigen, werden große und kleine Doubles bzw. Erzwungene Perspektive verwendet. Motion-Capture-Technologie kommt für die Darstellung des digital geschaffenen Charakters Gollum zum Einsatz.

Für Schlachten mit Tausenden von Kriegern verwendet das Team von Weta Digital eine aufwändige CGI-Animations-Software namens MASSIVE (Multiple Agent Simulation System in Virtual Environment). Sie lässt Gruppen aus einzelnen virtuellen Darstellern autonom „handeln“ – was anfangs noch zu Problemen führt, die schließlich gelöst werden: In ersten Demos einer Schlacht sieht man, wie sich die falschen Truppen angreifen, und einige der Krieger weglaufen.

The Fellowship of the Ring wird von Kritikern und Publikum gleichermaßen gefeiert. Der Film ist ein großer Kassenerfolg, mit weltweiten Einnahmen von 871 Millionen Dollar, und wird für dreizehn Oscars nominiert. Er gewinnt vier Auszeichnungen für die Beste Kamera, Bestes Make-up, Beste Filmmusik und die besten visuellen Effekte.

Auf The Fellowship of the Ring folgen The Two Towers (2002) und The Return of the King (2003), was eine Laufzeit von insgesamt 558 Minuten ergibt. Jacksons ehrgeiziges Projekt dauert acht Jahre bis zur Fertigstellung. Die Dreharbeiten werden für alle drei Filme gleichzeitig und vollständig in Neuseeland durchgeführt, über einen Gesamtzeitraum von 438 Tagen.

Howard Shore komponiert, orchestriert, dirigiert und produziert die epische und fantasievolle Filmmusik der Trilogie. Im Abspann der Filme singen Enya, Emilíana Torrini und Annie Lennox.

Der letzte Teil der Trilogie, The Return of the King (2003), erweist sich als eine der größten Kassenerfolge aller Zeiten, mit einem weltweiten Einspielergebnis von 1,12 Milliarden Dollar. Er gewinnt alle 11 Academy Awards, für die er nominiert wird, darunter für Bester Film (das erste und bislang einzige Mal bei einem Fantasy-Film) und Beste Regie.

Steven Spielberg übergibt den Oscar für den Besten Film an Peter Jackson mit dem Ausruf: „It’s a clean sweep!“.

Spielberg ist schon lange vor der Lord of the Rings-Reihe ein Fan von Peter Jacksons Arbeit. Er ruft Jackson an, um ihn zu fragen, ob Weta Digital einen computergenerierten Struppi für Spielbergs geplante Live-Action-Adaption von Hergés Comic-Serie Tintin erschaffen könne. Jackson, selbst ein langjähriger Fan der Tintin-Comics, legt Spielberg nahe, eine Live-Action-Adaption würde der Vorlage nicht gerecht werden. Stattdessen empfiehlt er Motion-Capture als geeignetstes Verfahren zur Umsetzung von Hergés Welt. Die beiden Filmemacher verfilmen schließlich gemeinsam The Adventures of Tintin: The Secret of the Unicorn (2011), mit Spielberg als Regisseur und Jackson als Produzent.

Spielberg besetzt Galadriels Schauspielerin Cate Blanchett für die Rolle der Schurkin Irina Spalko in Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull (2008).

Aufgrund des großen Erfolgs der Lord of the Rings-Reihe dreht Jackson die Trilogie The Hobbit (2012-14), auf Grundlage des gleichnamigen Romans von J.R.R. Tolkien aus dem Jahr 1937.

2000

Ridley Scotts Gladiator erneuert das Interesse an historischen Epen. Zum Cast gehören Russell Crowe, Joaquin Phoenix, Connie Nielsen, Richard Harris, Djimon Hounsou (Amistad), Ralf Möller und Oliver Reed (in seiner letzten Rolle).

Das Script stammt aus der Feder von David Franzoni, der zuvor das Drehbuch für Spielbergs Amistad (1997) schrieb. Ridley Scott unterzeichnet als Regisseur für Gladiator, weil ihn die Vorstellung reizt, das antike Rom auf der Leinwand neu entstehen zu lassen. Allerdings besteht er auf einer Neubearbeitung des Drehbuchs, die John Logan übernimmt. Er verändert große Teile des ersten Akts und beschließt, Maximus’ Familie von römischen Soldaten töten zu lassen, um die Motivation für sein Handeln zu verstärken. Dennoch wird auch Logans Drehbuch mehrfach überarbeitet.

Gladiator entsteht als Co-Produktion von DreamWorks und Universal Studios und ist inspiriert von Stanley Kubricks Spartacus (1960) sowie Anthony Manns The Fall of the Roman Empire (1964). Für Commodus’ Einmarsch in Rom (Videoclip) verwendet Ridley Scott eine Bildsprache, die an Leni Riefenstahls 1935 entstandenen Nazi-Propagandafilm Triumph des Willens erinnert. Scott verweist darauf, dass die Nazi-Ikonographie ihrerseits vom römischen Imperium beeinflusst sei.

Für die berühmten Schlachtszenen zu Beginn von Gladiator setzt Director of Photography John Mathieson etliche Kameras gleichzeitig ein – mit unterschiedlichen Aufnahmegeschwindigkeiten und verstellt den Umlaufverschluss der Kamera auf 45 Grad – eine ähnliche Technik, die in den Schlachtszenen von Spielbergs Saving Private Ryan (1998) Anwendung fand. Filmkomponist Hans Zimmer liefert einen angemessen epischen Score; für die Schlacht bedient er sich bei Gustav Holsts klassischer Komposition The Planets (Mars, the Bringer of War). 

Die Aufnahmen im antiken Rom beruhen zu großen Teilen auf CGI-Effekten der britischen Post-Production-Firma The Mill. Für die Colosseum-Szenen dienen 2000 Statisten als Grundlage für eine durch Motion-Capture generierte virtuelle Zuschauermenge von 35.000 Menschen.

Gladiators weltweite Einnahmen betragen mehr als 457 Millionen Dollar (bei einem Budget von 103 Millionen Dollar). Der Film wird generell positiv bewertet und gewinnt fünf Academy Awards, einschließlich Best Picture und Best Actor für Russell Crowe.