Lincoln (2012)

Steven Spielbergs Meisterwerk Lincoln spielt während der letzten Monate von US-Präsident Abraham Lincolns Amtszeit. Er handelt von seinen Bemühungen um die Verabschiedung des 13. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten durch das Repräsentantenhaus, mit dem die Abschaffung der Sklaverei in den Vereinigten Staaten besiegelt wurde. Lincoln lehrt uns, wie man hinter den Kulissen der Politik einen Konsens herbeiführt, wenn dringende Probleme der Nation zu lösen sind. Der Film ist also im Grunde eine zeitgenössische Geschichte, die im historischen Mantel erzählt wird.

Der Film wird von Steven Spielberg und Kathleen Kennedy produziert, das Drehbuch beruht zum Teil auf Doris Kearns Goodwins Biographie „Team of Rivals: The Political Genius of Abraham Lincoln“. Spielberg über seine Motivation, diesen Film zu drehen:

“The Lincoln project is something that I have been fascinated with all my life. Like the kid in Minority Report, I used to cut out the profiles of Presidents in third grade. Lincoln was my favorite profile. (…) As I got older, I began reading history books and I became like a history major. I never really majored in history in school but it was my most favorite subject. (…) I realized that Lincoln changed the history of the world.”

Daniel Day-Lewis porträtiert auf brillante Weise Abraham Lincoln und wird von weiteren ausgezeichneten Darstellern unterstützt, darunter Sally Field, David Strathairn, Joseph Gordon-Levitt, James Spader, Hal Holbrook, Tim Blake Nelson, Lukas Haas und Tommy Lee Jones.

Adam Driver – später bekannt als Bösewicht in Star Wars: The Force Awakens (2015) – spielt die Rolle des War-Room Telegrafen Samuel Beckwith. Kevin Kline hat einen Kurzauftritt als verwundeter Soldat.

In Vorbereitung auf The Unfinished Journey (1999) – ein 21-minütiger Kurzfilm, der unter der Regie von Spielberg entsteht und bei der Jahrtausend-Gala in Washington DC gezeigt wird, direkt vor dem Lincoln Memorial – fragt Spielberg Historiker wie Stephen Ambrose und Doris Kearns Goodwin um Rat. Auf Spielbergs Frage nach ihren aktuellen Projekten sagt Goodwin, dass sie dabei ist, ein Buch mit dem Titel „Team of Rivals“ über Lincoln und sein Kabinett zu schreiben. Spielberg ist so fasziniert, dass er die Filmrechte unverzüglich erwirbt.

In den frühen Phasen der Projekt-Entwicklung wird John Logan damit beauftragt, einen ersten Drehbuchentwurf zu schreiben. Der Theaterautor Paul Webb schreibt es anschließend neu. Er zieht es vor, Lincolns Amtszeit als Präsident in Gänze abzudecken. Spielberg ist mit dem Skript unzufrieden, und so verzögern sich die Dreharbeiten. Spielberg übergibt die Aufgabe einem weiteren Theaterautor, der Spielberg mit seinem Skript für Munich (2005) beeindruckt hatte: Tony Kushner.

Kushner empfindet die Aufgabe zunächst entmutigend, weil er keinen Zugang zur Motivation des Präsidenten findet: “I don’t understand what he did any more than I understand how William Shakespeare wrote Hamlet or Mozart wrote Così fan tutte.”. Kushners ursprünglicher Entwurf umfasst 491 Seiten und legt den Fokus auf die vier letzten Monate in Lincolns Leben. Bis 2009 überarbeitet er die Fassung und reduziert die Handlung auf die zwei letzten Monate, als er sich mit dem 13. Zusatzartikel der Verfassung beschäftigt.

Ursprünglich ist Liam Neeson als Darsteller für die Hauptrolle vorgesehen, nachdem er zuvor in Spielbergs Schindler’s List (1993) den Titelpart gespielt hatte. In Vorbereitung auf seine Rolle studiert er Abraham Lincoln ausgiebig, doch im Jahr 2010 steigt Neeson aus, nachdem er bei einer Leseprobe feststellt, dass die Rolle nicht für ihn geschaffen ist. Neeson schlägt Daniel Day-Lewis als seinen Nachfolger vor und setzt sich persönlich dafür ein, dass er die Rolle annimmt. Spielberg und Kushner fliegen nach Irland, um sich mit Day-Lewis zu treffen. Das Drehbuch wird noch einige Male überarbeitet, bevor der Schauspieler endlich zustimmt (nachdem auch Leonardo DiCaprio auf ihn eingewirkt hat).

Bis die Finanzierung des Films steht, vergehen fast drei Jahre. Nach dem Verkauf von DreamWorks an Viacom stellt Spielberg sein Projekt beim Viacom-Tochterunternehmen Paramount vor, doch die Chefetage beklagt sich, das Budget, wenn auch auf 50 Millionen Dollar zusammengestrichen, sei immer noch zu hoch und das Thema ähnelte zu sehr Spielbergs Amistad (1997) – einer seiner an der Kinokasse am wenigsten erfolgreichen Filme.

Von den Finanzierungsproblemen frustriert, räumt Spielberg ein, Lincoln hätte beinahe seine Premiere auf HBO erlebt. DreamWorks gelingt jedoch ein Deal mit der Walt Disney Company, die den Verleih in Nordamerika übernimmt. 20th Century Fox finanziert die andere Hälfte des Budgets und erwirbt dafür die internationalen Verleihrechte. Um auf Nummer Sicher zu gehen, bringt DreamWorks mit Participant Media einen weiteren Finanzpartner an Bord, und so kann der Film endlich entstehen.

Die Dreharbeiten dauern 64 Tage, die meisten Aufnahmen werden in Richmond, Fredericksburg und Petersburg, Virginia, gedreht. Eine ehemalige Produktionshalle für Flipperautomaten in Richmond wird als Set für die Innenräume des Weißen Hauses umgebaut. “We worked hard to be as historically accurate as possible, all the way to the room where Mary and Lincoln had their scenes,” sagt Produktionsdesigner Rick Carter. “The wallpaper, rugs, everything was as accurate as it could possibly be.”

Kameramann Janusz Kamiński beschließt gemeinsam mit Spielberg, das Licht auf ein Minimum zu reduzieren, um den Einsatz von Kerzen und Gaslicht während jener Zeit zu unterstreichen. “We knew this was a haunted movie about a man carrying a tremendous burden,” sagt Rick Carter. “We wanted to go with almost a black-and-white photo yet always be able to pick out what was important in the frame.” Die Dunkelheit wird als Werkzeug eingesetzt, um das Zuschauerauge zu lenken. “I wanted to create depth of Lincoln’s character through lighting,” bemerkt Kamiński. “In group shots in his office, I set the light so your eye would go to Lincoln.” In den Aufnahmen, die während der Verabschiedung des 13. Zusatzartikels spielen, beabsichtigt Kamiński, Lincolns ikonografische Erscheinung zu unterlaufen, indem er ihn in grelles Gegenlicht taucht – mit einem Engels-ähnlichen Effekt, der dennoch naturalistisch wirkt.  “I wanted to create a very intimate image of this man on the most important day of his life: He’s still a father, and he’s still allocating time to be with his family and his son.”

Am Set gehen Cast und Crew geradezu ehrfürchtig mit dem Thema um: Unterhaltungen zwischen den Aufnahmen werden in flüsterndem Ton geführt, und ohne triftigen Anlass spricht niemand den Hauptdarsteller an. Spielberg, sonst in Baseballmütze und Jeans, trägt Anzug und Krawatte. Für Daniel Day-Lewis verwendet Spielberg die Anrede „Mr. President“ und spricht auch die anderen Darsteller mit den Namen ihrer Rollen an. Auf die Weise will Spielberg mit Leib und Seele in die amerikanische Geschichte eintauchen.

Seine Erfahrung, Abraham Lincoln darzustellen, beschreibt Daniel Day-Lewis so: 

“I never, ever felt that depth of love for another human being that I never met. And that’s, I think, probably the effect that Lincoln has on most people that take the time to discover him… I wish he had stayed [with me] forever.” 

Spielberg ergänzt:

“The toughest part about actually making the film was that it was eventually going to come to an end. After the first day of shooting, I started mourning the last day of shooting. (…) It’s rare that this has ever happened. E.T. might be the only other time.”

Lincoln wird auf 35mm-Film gedreht und auf einem Avid-System geschnitten – zum dritten Mal schneidet Michael Kahn für Spielberg im digitalen Format. “Steven saw how efficient it was, how it saved it a lot of time, so we’ve been on Avid ever since,” sagt Kahn, der für seine hohe Arbeitsgeschwindigkeit mit den analogen Moviola- und KEM-Systemen bekannt war. Kahn bekennt, nie zuvor einen Film wie Lincoln geschnitten zu haben: “This picture has more dialogue, more getting into people’s heads. A lot of editors say dialogue is the hardest thing to make work, and after Lincoln I have to agree. Audiences won’t see our decisions to cut or not to cut, but the decisions are there.”

Für seine zurückhaltende und respektvolle Filmmusik setzt John Williams weiterhin auf handschriftliche Notation mit Bleistift und Papier am Klavier und bringt auch ohne moderne Technik Klangkompositionen in gewohnt hoher Qualität hervor.

Lincoln wird von der Kritik gefeiert. Hervorgehoben werden die Leistungen der Darsteller, insbesondere des Hauptdarstellers Daniel Day-Lewis, sowie die Regie und handwerkliche Qualität des Films.

Roger Ebert gibt dem Film die Höchstwertung und schreibt in seiner Kritik: “The hallmark of the man, performed so powerfully by Daniel Day-Lewis in Lincoln, is calm self-confidence, patience and a willingness to play politics in a realistic way.”

A.O. Scott von der New York Times stellt fest, der Film “is finally a movie about how difficult and costly it has been for the United States to recognize the full and equal humanity of black people.” Er bezeichnet den Film als “rough and noble democratic masterpiece” –  “intimate but also decorous, drawn with extraordinary sensitivity and insight and focused, above all, on Lincoln’s character as a politician. This is, in other words, less a biopic than a political thriller, a civics lesson that is energetically staged and alive with moral energy.”

Trotz seiner Lauflänge von 150 Minuten ist der Film auch ein großer kommerzieller Erfolg, was darauf hindeutet, dass ihn viele Zuschauer nicht als dröge Geschichtsstunde empfinden. Das weltweite Einspielergebnis beträgt mehr als 275 Millionen (bei einem Budget von 65 Millionen Dollar).

Washington-Insider betrachten den Film als ein Lehrbeispiel, wie ein Präsident mit dem Kongress zusammenarbeiten sollte (der Film wird im Weißen Haus und im Senat vorgeführt).

Lincoln wird nominiert für sieben Golden Globe Awards darunter für Best Motion Picture – Drama und Best Director. Daniel Day-Lewis gewinnt einen Golden Globe für Best Actor (Motion Picture – Drama).

Bei den Academy Awards wird der Film für 12 Oscars nominiert, u.a. für Best Picture. Lincoln gewinnt einen Oscar für Best Production Design und Best Actor for Daniel Day-Lewis. Damit ist er der erste Hauptdarsteller eines Spielberg-Films, der mit einem Academy Award ausgezeichnet wird.


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von 
Lincoln

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2012

Cloud Atlas, eine Literaturadaption epischen Ausmaßes und zugleich eine schwindelerregende Filmcollage (Drehbuch und Regie: Lana & Andy Wachowski / Tom Tykwer) beruht auf David Mitchells gleichnamigem Roman, der weithin als unverfilmbar galt.

Die vielfältigen Handlungsstränge des Films sind in sechs verschiedenen Epochen angesiedelt und zeigen die Auswirkungen des Handeln von Individuen auf das Leben anderer – in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Anders als die Pyramidenstruktur des Romans sind die Ebenen der Filmhandlung durch geschickte Montage miteinander verflochten.

Zum ausgezeichneten Darsteller-Ensemble gehören Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Hugo Weaving, Jim Sturgess, Doona Bae, Ben Whishaw, Keith David, James D’Arcy, Zhou Xun, David Gyasi, Susan Sarandon und Hugh Grant – alle spielen mehrere verschiedene Rollen im Verlauf der Filmhandlung. David Mitchell sieht man in einem Cameo-Auftritt als Doppelagent im futuristischen Korea.

Lana Wachowski bemerkt am Set von V for Vendetta (2006), wie der Star des Films, Natalie Portman, fieberhaft David Mitchells Roman liest. Sie steckt Lana Wachowski mit ihrer Begeisterung für den Stoff an, und so versuchen die Wachowskis, den Roman für eine Filmfassung zu adaptieren. Tom Tykwer, den die beiden liebevoll als ihren „long-lost brother“ bezeichnen, unterstützt sie bei dieser Mammutarbeit. Als sich David Mitchell mit dem Trio trifft und liest, was sie aus seinem Roman gemacht haben, ist er vom Skript begeistert.

Cloud Atlas wird von Grant Hill, Stefan Arndt, den Wachowskis und Tom Tykwer produziert. Während vier Jahren der Entwicklung stößt das Projekt wiederholt auf Schwierigkeiten bei der Finanzierung und wird mehrmals beinahe aufgegeben. Tom Hanks‘ Enthusiasmus für das Projekt ist elementar für die Fortsetzung der Arbeit. Cloud Atlas wird schließlich mit einem 102 Millionen Dollar-Budget aus unabhängigen Quellen produziert und ist damit einer der teuersten Independent-Filme aller Zeiten. Ein Großteil des Films wird in den Babelsberg-Studios in Potsdam-Babelsberg gedreht. Weitere Locations sind Edinburgh und Glasgow sowie die Mittelmeerinsel Mallorca, Spanien.

Tykwer und die Wachowskis drehen die Handlungssegmente parallel mit separaten Kamerateams. Die Wachowskis verfilmen die Geschichten aus dem 19. Jahrhundert und die beiden Episoden in der Zukunft, während Tykwer die Stories in den 1930er und 1970er Jahren sowie im Jahr 2012 dreht.

Cloud Atlas enthält etwa zwei Stunden Filmmusik, komponiert von Tom Tykwer und seinen langjährigen Mitarbeitern, Reinhold Heil und Johnny Klimek. Der Soundtrack erhält großen Beifall von der Kritik. Jon Broxton von Movie Music UK schreibt: “Scores like Cloud Atlas, which have an important and identifiable structure that relates directly to concepts in the film, intelligent and sophisticated application of thematic elements, and no small amount of beauty, harmony and excitement in the music itself, reaffirm your faith in what film music can be when it’s done right.”

Der Film feiert seine Premiere am 8. September 2012 auf dem 37. Toronto International Film Festival, gefolgt von der internationalen Release. Cloud Atlas hat an den Kinokassen in den USA keinen Erfolg, nimmt aber schließlich weltweit etwa 130,5 Millionen Dollar ein (bei einem Budget von 102 Millionen Dollar).

Cloud Atlas polarisiert die Kritiker, die seine Länge und die miteinander verwobenen Geschichten debattieren, aber sie loben Aspekte wie die Kameraführung, die Filmmusik, den visuellen Stil, das Schauspieler-Ensemble und die Originalität.

Roger Ebert nennt den Film “one of the most ambitious films ever made” und gibt ihm de Höchstwertung von vier Sternen. “Even as I was watching Cloud Atlas the first time, I knew I would need to see it again. Now that I’ve seen it the second time, I know I’d like to see it a third time (…) I think you will want to see this daring and visionary film (…) I was never, ever bored by Cloud Atlas. On my second viewing, I gave up any attempt to work out the logical connections between the segments, stories and characters.”

Cloud Atlas wird für einen Golden Globe Award für die Beste Filmmusik nominiert und erhält fünf Nominierungen bei den Saturn Awards, darunter als Best Science Fiction Film – und erhält Auszeichnungen für den besten Schnitt und das beste Make-up.

2012

Ben Afflecks Argo erzählt die bizarre Geschichte von CIA-Topagent Tony Mendez, der auf dem Höhepunkt der Geiselnahme von Teheran (1979-1981) ein erfundenes Filmprojekt namens „Argo“ als Tarnung nutzt, um sechs US-Diplomaten aus dem Iran zu befreien. „Argo“ ist die Bezeichnung eines Schiffs aus der griechischen Mythologie, mit dem Jason und die Argonauten segelten, um das Goldene Vlies zu rauben.

Der Film basiert auf Tony Mendez‚ im Jahr 2000 erschienenem Buch „The Master of Disguise“ und Joshuah Bearmans 2007 veröffentlichten Wired-Artikel „The Great Escape: How the CIA Used a Fake Sci-Fi Flick to Rescue Americans from Tehran“.

Argo wird von Ben Affleck, Grant Heslov und George Clooney produziert. Die Hauptrolle spielt Ben Affleck selbst, mit Bryan Cranston, Alan Arkin und John Goodman in Nebenrollen.

Keine der Filmszenen enstehen im Iran (die Dreharbeiten finden statt in Los Angeles, Virginia, Washington DC und Istanbul). Um den Look der 1970er Jahre nachzuempfinden, dreht Ben Affleck auf analogem Film und skaliert die Aufnahmen auf das Doppelte ihrer Ursprungsgröße, um die Körnigkeit zu erhöhen. Er imitiert auch Kamerabewegungen und hektische Büroszenen aus All the President’s Men (1976) für die Sequenzen im CIA-Hauptquartier. In einer weiteren Anspielung auf die 70er Jahre enthält der Vorspann des Films das Warner Bros.-Logo aus jener Zeit.

Argo wird mit großem Beifall bedacht, die Kritiker loben vor allem den Cast, Ben Afflecks Regie, Chris Terrios Drehbuch, William Goldenbergs Schnitt und Alexandre Desplats Filmmusik.

Stephen Holden von der New York Times schreibt: “Ben Affleck’s seamless direction catapults him to the forefront of Hollywood filmmakers turning out thoughtful entertainment.”

Der Film ist auch finanziell sehr erfolgreich und erzielt ein Einspielergebnis von weltweit 232,2 Millionen Dollar gegenüber einem Budget von 44,5 Millionen Dollar. Argo erhält sieben Oscar-Nominierungen und gewinnt drei Academy Awards in den Kategorien Bester Film, Bestes adaptiertes Drehbuch und Bester Schnitt. Darauf angesprochen, dass man ihm die Auszeichnung für die Beste Regie vorenthalten hat, scherzt Ben Affleck, dass er sich nicht benachteiligt fühle, da er ja auch nicht als bester Schauspieler nominiert wurde.

Laut Tony Mendez erweist sich Studio Six – das zum Schein eingerichtete Hollywood-Produktionsbüro – als so überzeugend, dass bei der Adresse sogar Wochen nach Abschluss der Rettungsaktion 26 Drehbücher eingehen, auch eines von Steven Spielberg.

2012

Steven Spielberg, ursprünglich vorgesehen als Regisseur von Interstellar (2014), steigt aus dem Projekt aus und wird von Christopher Nolan ersetzt.

Die Produzentin Lynda Obst entwickelt die Story für den Film gemeinsam mit Kip Thorne, einem mehrfach ausgezeichneten Wissenschaftler der theoretischen Physik, der bereits an Robert Zemeckis‚ Film Contact (1997) mitgewirkt hatte.

Die Vorbereitungen für Interstellar beginnen im Jahr 2006, als Spielberg und Paramount Pictures Pläne für einen Science-Fiction-Film bekannt geben, der auf einem achtseitigen Treatment von Obst und Thorne beruht.

Ein Jahr später wird Jonathan Nolan damit beauftragt, das Drehbuch zu schreiben.

Als Spielberg mit seinem Produktionsstudio DreamWorks von Paramount zu den Walt Disney Studios „umzieht“, muss ein neuer Regisseur für Interstellar gefunden werden. Jonathan Nolan empfiehlt seinen Bruder Christopher Nolan, der im Jahr 2012 in das Projekt einsteigt.

Sein Film weicht deutlich ab von dem Skript, das von Jonathan Nolan in Zusammenarbeit mit Spielberg verfasst wurde. Die zahlreichen Unterschiede werden von Peter Sciretta auf Slashfilm.com erläutert.

2012

Steven Spielberg wird von der renommierten Cinémathèque Française zu einer „Master Class“ eingeladen: In der einstündigen Veranstaltung diskutiert Spielberg mit dem Filmemacher Costra-Gavras und dem langjährigen Chefredakteur von Cahiers du cinéma und Direktor der Cinémathèque Française, Serge Toubiana.

Costa-Gavras‘ Film Z (1968) hatte einen großen Einfluss auf Spielbergs Munich (2005). Während des Gesprächs, in dem viele Spielberg-Filme angeschnitten werden, hinterlässt Costa-Gavras seinen Gast Spielberg sprachlos, als er (in französischer Sprache) verkündet:

“You are still the filmmaker who proves that wonder is possible in the cinema.”

Nach der Veranstaltung notiert Spielberg in einem handschriftlichen Vermerk:

“Not since Cannes in ’82 have I been so moved by an audience of film lovers. I will never forget today!”

2012

Die Producers Guild of America (PGA) ehrt Steven Spielberg mit dem David O. Selznick Achievement Award. Spielberg erhält die Auszeichnung im Rahmen der 23th Annual Producers Guild Awards im Beverly Hilton Hotel in Los Angeles. Dort wird ein Special Tribute-Film vorgeführt, mit Ausschnitten aller Filme, bei denen Spielberg als Produzent oder Ausführender Produzent beteiligt war (Videoclip).

Die Producers Guild Awards Co-Vorsitzenden Paula Wagner und Michael Manheim geben folgendes Statement ab:

“As one of the most prolific filmmakers of all time, Steven’s continued genius, imagination and fearlessness in the world of feature film entertainment is unmatched in this industry. Steven has produced some of the most iconic films in the history of cinema and we have no doubt he will continue to bring thrilling adventures, emotionally moving storylines, thought provoking characters and cult classics to audiences across the globe. We’re extremely proud to recognize Steven’s contributions to the producing craft as well as the entire film industry with the David O. Selznick honor.”

Steven Spielberg bedankt sich, indem er sagt:

“David O. Selznick is a true legend in the producing field, and I am tremendously honored to be associated with his name and to join the company of so many distinguished filmmakers who have received this accolade. I am extremely grateful to the Producers Guild.”

Die Auszeichnung ging in früheren Jahren an legendäre Produzenten wie Stanley Kramer, Saul Zaentz, Clint Eastwood, Billy Wilder, Brian Grazer, Jerry Bruckheimer, Roger Corman, Laura Ziskin, Kathleen Kennedy & Frank Marshall, John Lasseter und Scott Rudin.

2012

2012
The Hunger Games (Die Tribute von Panem), ein dystopischer Sci-Fi-Abenteuerfilm beruhend auf Suzanne Collins‚ Roman, ist der erste Teil der gleichnamigen Filmreihe. Regisseur Gary Ross schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Suzanne Collins und Billy Ray. Die Hauptrolle spielt Jennifer Lawrence.

Die Filmreihe entsteht unabhängig vom etablierten Hollywood-Studiosystem: Produzenten sind Nina Jacobson (Color Force) und Jon Kilik sowie Suzanne Collins als Executive Producer. Den Verleih übernimmt Lionsgate Films.

Die humanistisch gefärbten Themen kreisen um Feminismus und Klassenunterschiede sowie Widerstand gegen Diktaturen. Die Story ist inspiriert von der Griechischen Mythologie, Römischen Gladiatorenkämpfen und Reality TV-Shows der Gegenwart.

Zur Darstellerriege gehören Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Elizabeth Banks, Lenny Kravitz, Stanley Tucci und Donald Sutherland.

Die Protagonistin Katniss Everdeen ist der „Tribut“ von Distrikt 12 in der totalitären Nation Panem. Katniss ist ein Teenager mit dem unbedingten Willen, die “Hunger Games” zu überleben. Wie Harry Potters Hermione Granger ist Katniss Everdeen ein „strong female character“, der sich zu einem der beliebtesten Rollenmodelle für junge Mädchen entwickelt.

Etwa 30 Schauspielerinnen sprechen für die Rolle der Katniss vor. Als schließlich Jennifer Lawrence ausgewählt wird, erhält sie eine Gage von 500.000 Dollar. Für die Fortsetzung, The Hunger Games: Catching Fire (2013), erhöht sich ihre Gage auf 10 Millionen Dollar.

Donald Sutherland stößt durch Zufall auf das Script und schreibt einen Bittbrief an den Regisseur, um die Rolle von Präsident Snow zu ergattern, da ihn die Handlung an Stanley Kubricks Paths of Glory (1957) erinnert. Elizabeth Banks spielt Effie Trinket, eine bedeutsame Nebenfigur, die in die Popkultur eingeflossen ist, obwohl ihr Name im Film nie ausgesprochen wird.

Als Regisseure werden Sam Mendes, David Slade, Rupert Sanders, Andrew Adamson oder Susanna White erwogen, bevor Gary Ross den Vertrag unterzeichnet (alle Fortsetzungen entstehen unter der Regie von Francis Lawrence). Ross zufolge waren Cast und Crew „under tremendous financial pressure for this movie. It’s under 80 million dollars, and it’s a really really big movie. Other blockbusters cost twice or three times as much.

The Hunger Games wird nicht digital, sondern auf Film gedreht und entsteht zwischen Mai bis September 2011 an verschiedenen Orten in North Carolina. Kameramann Tom Stern arbeitete zuvor für mehrere Filme unter der Regie von Clint Eastwood, darunter Million Dollar Baby (2004). Second-unit Regisseur Steven Soderbergh dreht einen Großteil der Aufstände in District 11.

Ursprünglich ist Danny Elfman als Komponist vorgesehen, wird aber wegen Terminkonflikten von James Newton Howard abgelöst.

Der Film wird von der Kritik positiv bewertet, hervorgehoben werden seine Themen und Aussage sowie die Darstellung von Jennifer Lawrence. Der Filmsong „Safe & Sound“ wird von  Taylor Swift gesungen – er gewinnt einen Grammy Award und wird für einen Golden Globe Award für Best Original Song nominiert. Jennifer Lawrence gewinnt den Saturn Award und den Empire Award als beste Darstellerin sowie den Broadcast Film Critics Association Award als Best Actress in an Action Movie.

An der Kinokasse ist The Hunger Games ein gewaltiger Erfolg: Die weltweiten Einnahmen betragen 694 Millionen Dollar bei einem Budget von 78 Millionen Dollar. Es ist der erste unabhängig produzierte Film (ohne Beteiligung der großen Hollywood-Studios Fox, Disney, Paramount, Warner Brothers, Columbia und Universal), der mehr als 400 Millionen Dollar in den USA einspielt. Die Fortsetzung, The Hunger Games: Catching Fire (2013) ist der erste Film nach 40 Jahren, der mit einer Hauptdarstellerin die jährlichen US-Einspielergebnisse anführt.

Die Filmreihe The Hunger Games belegt den 15. Rang der finanziell erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten, mit weltweiten Gesamteinnahmen von 2,9 Milliarden Dollar.

Steven Spielberg ist beeindruckt von der enormen Popularität der Filmreihe und ihrer Hauptdarstellerin und wählt Jennifer Lawrence für die Rolle der Fotojournalistin Lynsey Addario in seinem geplanten Film It’s What I Do. Für das Drehbuch engagiert er Peter Craig, Drehbuchautor von The Hunger Games: Mockingjay (2014/15).

Spielberg hat bereits mit zwei Darstellern aus dem Film The Hunger Games zusammengearbeitet: Elizabeth Banks spielte die Lucy in Catch Me If You Can (2002), und Stanley Tucci porträtierte Immigration Officer Frank Dixon in The Terminal (2004).