Filmanfang: War of the Worlds (2005)

Analyse und Bewertung des Filmanfangs von War of the Worlds

WELCHE STIL-ELEMENTE VERWENDET SPIELBERG AM ANFANG?
Erzähler im Rhythmus mit Schwarzfilm und Überblendungen, Artifizierung, Zoom: Makrokosmos/Mikrokosmos, Symbolismus und Verwirrung, New York als Welthauptstadt …

WELCHE TYPISCHEN SPIELBERG-REQUISITEN FINDEN WIR AM ANFANG?
New York, Stadtszenen mit Autos, Erwachsenen und Kindern, Rot, Sonne

WAS GESCHIEHT ZU BEGINN?
• Unheimliche Sphärenmusik, schon während der Firmen-Embleme. Hinter Filmtiteln schwirren weiße Teile und helle Fäden durch schwarzen Hintergrund. Das Weltall? Nein. • Der Zoom zurück reduziert den Maßstab: DNS-Stränge innerhalb eines (runden) Zellkerns. Der wiederum ist Bestandteil eines Pantoffeltierchens, und diese wieder bilden ein eigenes Universum in einem grünlichen Wassertropfen (rund). • Per Überblendung wird aus dem Tropfen auf einem Pflanzenblatt die Erdkugel (rund). Das Grün verschwindet, bis die Erde im schwarzen All voller Sterne steht. • Dabei erhebt ein Sprecher (im Original Morgan Freeman) seine Stimme, die sich wie Filmmusik rhythmisch integriert: „Niemand hätte es Anfang des 21. Jahrhunderts für möglich gehalten, dass unsere Welt von Wesen beobachtet wird, deren Intelligenz der unseren weit überlegen ist…“ • Währenddessen färbt sich die Erde blutrot – wie der Mars? –, wird aber zum (runden) roten Ampellicht. Im Hintergrund leuchten die Ampel und der Straßenverkehr auf. • Während des folgenden Textes sieht man in Überblendungen 12 Szenen – Flüge über Wolkenkratzer, Kreuzungen mit vielen Autos und Menschen, einen Baseball spielenden Jungen, Menschen im Central Park usw. – ab und an Pausen, in denen die Leinwand schwarz ist. Am Ende scheint man die Sichel eines fernen Himmelskörpers zu sehen, die sich jedoch als die Erde entpuppt. Hinter ihr tritt eine alles überstrahlende Sonne hervor. „…dass die Menschen, während sie ihr Tagwerk verrichten, ebenso observiert und erforscht werden könnten, wie ein Wissenschaftler mit seinem Mikroskop die Geschöpfe erforscht, die in einem Wassertropfen umherschwirren und sich vermehren. In grenzenloser Selbstzufriedenheit wandelte die Menschheit auf dem Erdball umher und glaubte, die Herrschaft über diese Welt zu besitzen. Nicht ahnend, dass in den Abgründen des Weltalls Wesen von unermesslichem Intellekt kalt und ohne Mitgefühl unseren Planeten neidvoll betrachteten und langsam – aber sicher – ihre Pläne gegen uns schmiedeten.“ • Aus der Sonne kommen die Filmtitel. Nach einem schwarzen Augenblick „fliegt“ die Kamera auf einen Kran am Ufer des New Yorker Hafens zu, und nach geschickten Schnitten erkennt man oben im Kran-Häuschen: Tom Cruise. Die eigentliche Handlung beginnt.

Alle Screenshots: © 2011 DreamWorks LLC and Paramount Pictures

WELCHE PARALLELEN SIND AUFFALLEND?
• Selten korrespondieren bei Spielberg Anfang und Filmende so perfekt. War of the Worlds schließt mit einem – gegenüber dem Anfang – umgekehrten Zoom vom Großen ins Kleine: fast toter Baum, Ast, frische Knospe, Wassertropfen und schließlich die Pantoffeltierchen – deren Verwandte die Menschheit gerettet haben. Der Erzähler darf ein Schlusswort anbringen, um den (runden…) Kreis zu schließen: „Von jenem Augenblick an, da die Eindringlinge auf der Erde anlangten, unsere Luft atmeten, aßen und tranken, waren sie dem Tod geweiht. Sie wurden vernichtet, nachdem alle Waffen des Menschen versagt hatten, zerstört von den winzigsten Wesen, die von Gott in seiner Weisheit geschaffen wurden. Durch zahllose Todesopfer hatte der Mensch sich seine Immunität erkauft, sein Recht weiterzuleben zwischen den unzähligen Organismen dieses Planeten. Und allen Herausforderungen zum Trotz gehört dieses Recht uns. Denn weder leben die Menschen noch sterben sie umsonst.“ • Um Außerirdische auf der Erde ging es auch in Close Encounters und in E.T. Während in E.T. in den ersten Minuten das unbestreitbare Grundthema „sie sind gut“ gesetzt wird, versichert hier der Erzähler: „sie sind böse“. • Obwohl der Film von den Eindrücken des 9/11-Terrors beeinflusst ist, wird diese Parallele im Vorspann visuell nicht bedient. Betont wird die globale Herausforderung.

UNSERE WERTUNG:
Die kunstvoll gestaltete Klammer am Anfang und am Ende betonen die Eigenständigkeit und Qualität dieser Literaturverfilmung, auch dem filmischen Vorgänger und den Konkurrenten. Erzähltext wird selten so harmonisch integriert wie hier. Die an den Vorspann anschließende Handlung (Tom Cruise als zunächst scheiternder Familienvater) kontrastiert dagegen in einem prosaischen Jedermanns-Stil.

***** (von fünf Sternen)

Hintergrundinfos zum Film

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