Filmanfang: War Horse (2011)

Analyse und Bewertung des Filmanfangs von War Horse

WELCHE STIL-ELEMENTE VERWENDET SPIELBERG AM ANFANG?
Märchenhafter Einstieg, Fabelhaftigkeit, Flugaufnahmen, von der Totale zum Detail, scheinbar zufällig verdeckte Vorgänge (Geburt)

WELCHE TYPISCHEN SPIELBERG-REQUISITEN FINDEN WIR AM ANFANG?
Sonne, schöne Landschaft, schöne und nette Tiere, ein Junge als Held

WAS GESCHIEHT ZU BEGINN?
• Sonnenaufgang über lieblicher Landschaft Englands. Dazu Flötenmusik, das Orchester setzt nach. • Totale aus dem Flug, Kranfahrt herunter: im Vordergrund kniet ein Junge am Zaun, im Hintergrund liegt ein Pferd, Männer sind bei ihm. Nahaufnahmen während der Geburt, wobei nichts vom Vorgang selbst gezeigt wird. Plötzlich liegt das Fohlen wie tot auf der Wiese, erhebt sich aber, und mit ihm die Musik. • Der eingeblendete deutsche Titel Gefährten wirkt harmlos. Im Original steht da War Horse, was einige Phantasie freisetzt: Muss dieses niedliche Pferdchen etwa in den Krieg ziehen? • Mutterpferd und Fohlen eilen eine Wiese hinauf. Nach einigen Einstellungen bleibt das Fohlen vor dem Jungen stehen, der die Pferde beobachtet. Eine besondere Beziehung scheint zu beginnen, auch wenn das Mutterpferd das Fohlen beiseite stupst. • Nur ein Cut, schon ist das Fohlen ausgewachsen. Ein verführerischer Apfel soll das Jungtier von der Mutter locken – aber noch bleibt es beim vergeblichen Versuch.

Alle Screenshots: © 2011 DreamWorks LLC

WELCHE PARALLELEN SIND AUFFALLEND?
• Der Apfel, mit dem das Fohlen zivilisiert werden soll, erinnert an den Apfel in Raiders of the Lost Ark. Im angelsächsischen Raum bringt man dem Lehrer den Apfel der Erkenntnis mit. In Temple of Doom lockt Indy mit dem Apfel seine Zimmernachbarin, die wegen des gruseligen Banketts (Affenhirn auf Eis etc.) freiwillig hungerte. • Das Setting schwankt zwischen dem grünen Dorf der Hobbits und der netten TV-Serie All Creatures great and small (Der Doktor und das liebe Vieh), letzteres mit Robert Hardy (Harry Potter). • Nicht zum ersten Mal versagt Spielberg die (heimliche) Hauptrolle einem Menschen und überträgt sei anderen „Wesen“: einem Lastwagen in Duel, einem kaum sichtbaren Hai in Jaws, einem sonderbaren Berg und Lichtern in Close Encounters, einem Außerirdischen in E.T. oder Dinosaurieren in Jurassic Park.

UNSERE WERTUNG:
• Die Menschen, so die ersten Bilder, sind nur Beobachter und Staffage. Später im Film erweist sich aber das Gegenteil: Die Menschen sind natürlich der Pferde Schicksal Schmied. • In einigen Aufnahmen (vor allem nach der Auktion) ist das Scheinwerferlicht, das die optimistische Sonne unterstreichen soll, zu aufdringlich. Es wirft harte Scheinwerferschatten. Und wer hat jemals zur Jahrhundertwende derart saubere Bauern und Bauernhöfe gesehen? Deutet der Anfang stilistisch auf ein Pferdemärchen à la Disney, steckt im Kern ein Anti-Kriegsfilm à la Paths of Glory. Solides inszenatorisches Handwerk trifft – jedenfalls am Anfang – auf eine Regie, die womöglich nicht weiß, was sie will. Und drehtechnisch scheint man das der Second Unit überlassen zu haben.

* (von fünf Sternen)

Hintergrundinfos zum Film