Filmanfang: The Terminal (2004)

Analyse und Bewertung des Filmanfangs von The Terminal

WELCHE STIL-ELEMENTE VERWENDET SPIELBERG AM ANFANG?
Desorientierung durch zahlreiche gegenläufige Schwenks, zunehmendes Tempo, Eskalationseffekte, zunehmende Vielfalt der Ethnien, panikartige Reaktionen der Masse, Inszenierung der Sicherheitsleute als “Jäger”, der Einzelne in der Masse, Unentschiedenheit gegenüber dem Filmgenre

WELCHE TYPISCHEN SPIELBERG-REQUISITEN FINDEN WIR AM ANFANG?
Flughafen-Anzeigentafel (integriert in die Filmtitel), Flaggen, Flugzeuge, Monitore, Gegenstände der Bürokratie, Polizei …

WAS GESCHIEHT ZU BEGINN?
Gegenläufige Bewegungen: •  Zoom auf Departures-Flughafenanzeigentafel, die Buchstaben wechseln (flatternd von oben nach unten). Geräusch: Reifen-Quietschen einer landenden Maschine. • Schwenks über die Anzeigentafel, von oben nach unten und umgekehrt. Dabei stehen auf der Flughafentafel die Filmtitel. • “Kameraflug” von rechts  innerhalb eines weiten Terminals mit US-Flaggen. Noch keine Passagiere, nur Personal. Die Ansage kündigt Flug aus Beijing an. •  Von links  zieht ein uniformierter schnell ein blaues Absperrband, das sozusagen auch die Zuschauer aussperrt. • Schwenk von rechts: Weitere Uniformierte, teils mit Wachhunden, laufen vor der Kamera weg, an den Schaltern nehmen andere Uniformierte Platz. Lautsprecherdurchsage, auch auf Chinesisch. • “Gottesperspektive”, direkte Draufsicht: Menschenmasse strömt von unten nach oben. Bunt. Soweit erkennbar: multikulturell. Die Masse hat es eilig. • Menschenmenge kommt auf die Kamera zu. Weit im Hintergrund ein Flugzeug hinter der Glasfassade, von hinten eilen Leute herbei, leichte Panikstimmung. • Kameraflug neben den US-Flaggen an der Decke entlang, mit Blick auf die ersten Menschen, die die Schalter erreichen. • Großaufnahme einer Beamtin, die denAufenthaltszweck erfragt. • In weiteren Einstellungen stellen 2 andere Beamte diese Fragen, vor ihnen sieht man jeweils Personen anderer Nationalitäten (z.B. peruanische Stoffmütze). Dann beantworten 4 Leute nacheinander die Fragen, u.a. eine Frau mit Pelzmütze und eine Asiatin. Weitere Großaufnahmen der Einreiseprozedur. • Nach einer Minute die erste “Spielszene”: Eine Kamerafahrt von links , entlang an Silhouetten von Beamten auf einer Galerie, die sich das Szenario von oben ansehen. Der Sicherheitschef (Stanley Tucci) läuft ebenfalls nach rechts, zu den Überwachungsmonitoren. Zoom heran. Ein Uniformierter spricht ins Funkgerät: “Achtung, er wirft die Angel aus.” Es trifft eine Gruppe Chinesen in Micky-Maus-T-Shirts, die ihm auffallen, weil niemand von ihnen einen Fotoapparat trägt. Beide drehen sich in der selben Szene zur Kamera, der Uniformierte geht auf die Kamera zu und gibt den relativ gelangweilten Zugriffsbefehl. Harter Cut: Flüchtende Chinesen. Inmitten des Gewusels: das Gesicht von Victor Navorski (Tom Hamks).

Alle Screenshots: © 2002 DreamWorks LLC

WELCHE PARALLELEN SIND AUFFALLEND?
• Instrumente der Bürokratie werden auch zu Beginn von Schindlers Liste gegen die Wartenden in Stellung gebracht. • Der Mann, der das Absperrband zieht, ist nur mit der Raille zu sehen, wie der Charakter “Keyes” in E.T. •  Gegenläufige Kamerafahrten sind eines der am häufigsten zu findenden Elemente in Spielbergs Filmanfängen. Hier werden sie besonders exzessiv eingesetzt – und mit dem Zweck der Desorientierung.

UNSERE WERTUNG:
Spielberg gelingt es schon in den ersten Momenten – selbst an einem so begrenzten, eigentlich klar strukturierten Ort –, Verwirrung zu stiften, um empathisch auf die Orientierungslosigkeit Viktor Navorskis hinzuarbeiten. • Streiten mag man über die erste Einstellung mit der Departures-Anzeige: Konsequenterweise hätte es eine Arrival-Tafel sein müssen, denn nicht nur eine Maschine aus China landet gerade, sondern auch Victor Navorski kommt an und reist nicht ab. Regiefehler oder beabsichtigte Desorientierung? •  Interessanterweise bleibt der Eindruck lange ambivalent: Haben wir es mit einer Komödie oder mit einer Tragödie zu tun?

**** (von fünf Sternen)

Hintergrundinfos zum Film