Filmanfang: The Lost World: Jurassic Park (1997)

Analyse und Bewertung des Filmanfangs von The Lost World: Jurassic Park

WELCHE STIL-ELEMENTE VERWENDET SPIELBERG AM ANFANG?
Teaser, Flugaufnahme, lange Kamerafahrt mit gegenläufiger, erzählender Bildführung, Rhythmus, Schockzoom, Eskalation, Match Cut, Irreführungen, Kontrast Strand / Großstadt, Mix aus Bedrohung und Humor

WELCHE TYPISCHEN SPIELBERG-REQUISITEN FINDEN WIR AM ANFANG?Meer, Boot, Champagnerflasche, Dinosaurier

WAS GESCHIEHT ZU BEGINN?
• Dräuende Töne bereits während des Schwarzfilms. • Flug übers Meer, aus dem sich eine Insel erhebt. Einblendung es Inselnamens. • Lange, zusammenhängende Kamerafahrt (mit den Filmtiteln im bekannten Jurassic Park-Stil) – siehe Video: Von oben nach unten, aus einem weißmilchigen Himmel schwenkt die Kamera auf Felsen und aufgewühlte Brandung hinunter, dann nach rechts aufs Meer und eine Luxusyacht. Von dort geht der Blick nach links und zeigt im Vordergrund eine kleine, reiche Gesellschaft. Wein und Champagner werden gebracht. Die Familie ist um eine aufwändig gedeckte Tafel gruppiert. Alle Bewegungen der uniformierten Dienerschaft (Mannschaft der Jacht) laufen gegeneinander und gegen die Schwenkrichtung, gleichzeitig verlagert sich die Schärfenebene, um die Landschaft, die Familienmitglieder oder Gegenstände in Detailaufnahme zu zeigen. Erst jetzt endet die Kamerafahrt. • Die Mutter fragt, ob es auf der Insel Schlangen gäbe. Der Vater antwortet, Schlangen gebe es nur im Innern der Insel. Doch genau dorthin eilt soeben das Töchterlein – mit Picknickhappen in der Hand. • Im Gebüsch bewegt sich etwas. Eine Schlange? Nein, ein niedlicher Dinosaurier, den das Mädchen füttert. Die Kamera fährt im Schockzoom auf ihr Gesicht, als sie freudig ruft, sie habe etwas gefunden. • Als sie sich wieder zu dem kleinen Kerl umdreht, sind da viele kleine, gefräßige Dinosaurier, die sich hungrig um sie scharen. Mutters Ruf „Lunch is ready!“ ist doppeldeutig… • Nach weiteren Einstellungen rennt die Mutter in den Vordergrund endet der Teaser mit einem Effektschnitt: Die Mutter ist auf die Kamera zu gerannt, bleibt stehen, schaut in Richtung der Tochter und stößt einen Entsetzensschrei aus. Der Schrei geht mit Match Cut in ein grässliches, mehrtöniges Schreien über. Anstelle der Mutter steht Jeff Goldblum mit weit geöffnetem Mund da, im Hintergrund eine Palme. Aber alles ist Trug: Er schreit nicht, er gähnt, die Palme gehört zu einer kitschigen Werbetafel, und das Schreien ist in Wirklichkeit das Bremsgeräusch der New Yorker U-Bahn.

Alle Screenshots: © 1997 Universal Pictures and Amblin Entertainment

WELCHE PARALLELEN SIND AUFFALLEND?
• Ton während des Schwarzfilms gibt es auch in Jaws, der Blick aufs Meer findet sich erneut in A.I. • Durch die Aufnahmen von Meer und Strand soll zunächst gerade keine Parallele zum ersten Teil, Jurassic Park, hergestellt werden, sondern ein Kontrast. • Lost World beginnt wie die Indiana-Jones-Reihe mit einem Teaser. • Auch das Thema Schlangen verweist auf Indiana Jones. • Harmlose Tiere werden in Masse allmählich zur Bedrohung, wie in Hitchcocks The Birds. • Der Schrei der Mutter im Stile von Fuchs Gemälde Der Schrei verweist auch auf Shelley Duvall in Kubricks Shining. • Schrecken und Humor greifen ähnlich ineinander wie insbesondere in Jaws und Poltergeist.

UNSERE WERTUNG:
Dieser Filmanfang weist drei geniale Komponenten auf: (1) Die lange, filmisch erzählende Kamerafahrt, (2) die Eskalation mit den kleinen Dinosaurier mit ihrem schwarzen Humor sowie (3) den unerhört verstörend-witzigen Effektschnitt vom Teaser (Strand) zur Handlung (U-Bahn) – letzteres einer von Spielbergs eindrucksvollsten Cuts überhaupt.

*****  (von fünf Sternen)

Hintergrundinfos zum Film

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