Filmanfang: The Sugarland Express (1974)

Analyse und Wertung zum Filmanfang von The Sugarland Express

WELCHE STIL-ELEMENTE VERWENDET SPIELBERG AM ANFANG?
Texthinweis auf die Authenzität der Story (sie habe sich 1969 ereignet), von der Detailaufnahme zur Totalen (Louma-Kranfahrt, Eskalation: Schildermenge), gegenläufige Bewegungen schaffen Verwirrung

WELCHE TYPISCHEN SPIELBERG-REQUISITEN FINDEN WIR AM ANFANG?
Straßenschilder, Landstraße, Autowrack, junge Frau auf dem Weg, Gefängnis

WAS GESCHIEHT ZU BEGINN?
• Schon die erste Einstellung fasst den Film in einem Bild zusammen. Ein Schild zeigt das weiße Texas auf schwarzem Grund, mittendrin die Nummer 723: Farm Road. Doch dies ist keine wirkliche Orientierung, denn die Kamera zoomt, fährt zurück (teurer Louma-Kran-Einsatz) und offenbart im Eskalationseffekt, dass am Straßenpfeiler viel mehr Schilder hängen, mit unterschiedlichen Richtungspfeilen. • Die erste Louma-Kranfahrt ist noch nicht zuende. Eine Landstraßen-Kreuzung. Schier unendlich weist ein Highway – mitsamt den obligatorischen Strommasten – perspektivisch in die Weite. Der Asphalt ist nass, ein (Ab-)Bild der (inneren) Tristesse. Ein Reisebus kommt herangefahren und hält an der Kreuzung. • Die Kamera schwenkt zur Seite und zeigt – formal beiläufig, tatsächlich aber aufdringlich – einen Mann mit Cowboyhut, der einen verwaisten Personenwagen mit Schusslöchern in der Frontscheibe auswaidet. Aus dem Bus steigt eine Frau mit Reisegepäck – die Hauptdarstellerin (Goldie Hawn). • Die folgenden Einstellungen unterstreichen den Eindruck von Orientierungslosigkeit, denn Hawn bewegt sich zuerst von links nach rechts und dann von rechts nach links durchs Bild. Im Vordergrund Schilf oder Unkraut, als würden wir die Frau heimlich beobachten. Spielberg macht den Zuschauer zum Voyeur: Um ihren Mann in der Besserungsanstalt zu besuchen, muss die junge Frau sich durch eine verwirrende Menschenmenge von Insassen und Besuchern bewegen.

Alle Screenshots: © 1974 Universal Pictures

WELCHE PARALLELEN SIND AUFFALLEND?
Spielberg wählt visuell einen ganz anderen Start als Terrence Mallick in Badlands. Der im Vorjahr entstandene Film bedient beinahe die gleiche Story und verweist ebenfalls auf reale Ereignisse (mit Martin Sheen und Sissy Spacek). • Kaum zu übersehen sind Parallelen zu Hitchcocks Maisfeldszene in North by Northwest (1959).

UNSERE WERTUNG:
Der Schilderwald deutet die kommenden Irrfahrten jenes jungen Paares an, das unbedingt sein Baby wiederhaben will. Eine verirrte Gesellschaft wird später, auch irgendwo im Nirgendwo, das Feuer auf das Paar eröffnen. Symbolistisch durchtränkte Bilder nehmen die Gesamtstimmung des Films und den Ausgang der illusorischen Fahrten vorweg.

****  (von fünf Sternen)

Hintergrundinfos zum Film