Filmanfang: Kick The Can aus Twilight Zone – The Movie (1983)

Analyse und Bewertung des Filmanfangs von Kick The Can, 2. Segment in Twilight Zone – The Movie

WELCHE STIL-ELEMENTE VERWENDET SPIELBERG AM ANFANG?
Schwenk von oben nach unten, Erzähler, Märchenhaftigkeit, Karikaturen von Menschen – insbesondere durch Weitwinkeleinstellungen, Untersicht, sehr harte Lichtkontraste in den Gesichtern bei gleichzeitiger Verwendung von Gazen, Sepiatönen und von draußen kommender Überstrahlung

WELCHE TYPISCHEN SPIELBERG-REQUISITEN FINDEN WIR AM ANFANG?
Karikierte Rentner, Portal im Zaun, Koffer, Vogelkäfig, Kirchenfenster (im Gemeinschaftsraum), von außen drängendes Tageslicht, Fernseher

WAS GESCHIEHT ZU BEGINN?
• Kick the Can ist die zweite von vier Episoden im Film Twilight Zone: The Movie. Die vorangehende Episode endet damit, dass ein Rassist und Antisemit mit einem Judenstern versehen und deportiert wird. • Langsamer Schwenk aus einem Baumwipfel herunter auf das halbrunde Portal von „SUNNYVALE“, dazu märchenhafte Musik (Harfe) und eine Erzählerstimme. • Mehrere Perspektiven auf ein Publikum aus Senioren, die einem Vortrag über den Segen von Vitaminen und Calcium für gesunde Knochen und Zähne (Senioren!) zuhören. Die Gesichter der alten Leute teils dümmlich, zum Beispiel als von Sex die Rede ist. Einer der Männer pustet Seifenblasen. Hart gesetztes Licht, Quelle: das Leben da draußen. • Im Vordergrund zwei Alte, während draußen eine Familie ihren Opa im Heim verabschiedet – Kamera fährt nach draußen (spielende Kinder, das Portal), überbelichtet durch die Fenster-Gaze. • Der Alte mit den Koffern in der Hand aus einer Untersicht, geht zum Portal. • Verabschiedung über den Zaun hinweg. • Der Alte, festlich gekleidet, von unten in Nahaufnahme – könnte eigentlich gehen, scheint aber von dem Portalbogen gefangen zu sein. Alles mit der süßlichen Musik.

Alle Screenshots: © 1983 Warner Bros., Inc.

WELCHE PARALLELEN SIND AUFFALLEND?
• Kick the Can ist das Remake der gleichnamigen Fernsehepisode aus der Reihe The Twilight Zone. Die in Schwarzweiß gedrehte Folge von Lamont Johnson wird von einigen Fans für die beste der Serie gehalten. Im Vergleich zu Spielbergs Inszenierung wirkt sie geradezu naturalistisch. • Das Portal mit einem plakativen Namen am Filmanfang gibt es auch in Jurassic Park. • Die streckenweise extrem süßliche Musik erinnert an Poltergeist. Der selbe Komponist: Jerry Goldsmith. Erstaunlicherweise wird Spielberg nie wieder mit Goldsmith arbeiten. • Auch ein Vogelkäfig im Gemeinschaftsraum – hier eher das Symbol des Eingeschlossenseins – erinnert an Poltergeist. • Die geradezu bösartige Darstellung der alten Leute findet sich schon in der Rentnerband von LA 2017. Überhaupt neigt Spielberg in den frühen Fernseharbeiten dazu, in der Hässlichkeit von Figuren zu baden und dies mit extremen Nah- und Weitwinkelaufnahmen zu betonen (Miss LaSanca in Columbo).

UNSERE WERTUNG:
Die Episode als Gesamtkunstwerk ist – bei aller Rührseligkeit und Peinlichkeit – etwas besser als ihr Ruf. Spielberg arbeitet auch hier mit einer Meistermanschaft (Mathison, Daviau, Kahn, Goldsmith). Klischeehafte aber starke Bilder. • Über die fellinihafte Karikaturisierung der Senioren muss man diskutieren. Ging es nur darum, die Verdummung der Alten im Heim darzustellen? • Mr. Bloom, von dem wir später wissen, dass er die Wunder vollbringt und von einem zum nächsten Seniorenheim geht, wird nicht bei seiner Ankunft gezeigt (wie es nahe gelegen hätte), sondern er sitzt von einem frühen Zeitpunkt an unter den anderen Alten und ist ein Mitbeobachter. Das ist eine interessante Regieidee. Drei Jahre früher war Scatman Crothers schon einmal für außendimensionale Fähigkeiten zuständig: in Kubricks The Shining. 

*** (von fünf Sternen)

Hintergrundinfos zum Film