Filmanfang: Indiana Jones and the Last Crusade (1989)

Analyse und Bewertung des Filmanfangs zu Indiana Jones and the Last Crusade

WELCHE STIL-ELEMENTE VERWENDET SPIELBERG AM ANFANG?
Paramount-Logo-Gag, Verwirrung um den Hauptdarsteller, Injokes, Rückblick in die Jugend des Helden, moralische Fragen …

WELCHE TYPISCHEN SPIELBERG-REQUISITEN FINDEN WIR AM ANFANG?
Zug, Schlange, Höhle, Schiff …

WAS GESCHIEHT ZU BEGINN?
• Paramount-Logo-Gag – aus dem Emblem wird ein Berggipfel in Utah. • Der Hauptdarsteller sieht wie eine schlechte Fälschung aus. Durch den eingeblendeten Titel „Utah 1912“ werden wir aufgeklärt, dass der Archäologe auf der Leinwand gar nicht Indiana Jones sein soll, sondern dessen Vorbild. • Da der Teaser in Indianas Jugend spielt, bietet er Gelegenheit, witzige Antworten auf Fragen zu geben, über die seit dem Filmstart von Raiders acht Jahre zuvor spekuliert wurde: Woher kommt Indys Angst vor Schlangen? Woher hat er seine Narbe am Kinn? Geradezu schelmisch widerspricht Spielberg verbreiteten psychoanalytischen  Erklärungsversuchen. Und: Woher hat er Hut und Peitsche? Der Anfang von Last Crusade greift inhaltlich ein Grundmotiv der Serie auf: Die archäologischen Funde gehören seinen Worten zufolge nicht in die Hände von Räubern. Dabei wird er selbst zum Grabräuber. Er übergibt die Beute seinem Museums-Custos, verlangt aber Honorar dafür.

Alle Screenshots: © 1989 Lucasfilm Ltd.

WELCHE PARALLELEN SIND AUFFALLEND?
• Die Verfolgungsjagd in / auf einem fahrenden Zirkus-Zug erinnert an Stunts von Buster Keaton und ist eine gewollte Parallele zu Cecille B. DeMilles The Greatest Show on Earth. Der Zirkuszug gehört zu Spielbergs ersten Kinoerinnerungen.[1] In The Greatest Show On Earth (1951) bildet das Entgleisen eines Zirkuszuges den spektakulären Höhepunkt. • Indys Verschwinden in der magischen Kiste kann als Hommage an Hitchcocks A Lady Vanishes gesehen werden. • Schiffsszene à la Amistad. • Im Teaser verbindet ein Schnitt über den Hut den jungen mit dem erwachsenen Indiana Jones – beinahe so gelungen wie der Zeitensprung in Kubricks 2001: der Schnitt vom Knochen zum Raumschiff. • Zum Motiv „Honorar für die Beute“: Gerade weil Indy zwischen Gut und Böse nicht allzu deutlich trennt, bleibt seine Begegnung mit intelligenten Halunken – ähnlich wie bei Mr. Bond – spannend. Allzu weit entfernt ist sein Charakter damit von dem eines Oscar Schindler nicht.

UNSERE WERTUNG:
Die epische Einführung ist beinahe ein eigenständiges Filmchen. Wir haben uns hier auf die wichtigsten Elemente konzentriert. Nach der Kritik am zweiten Teil der Trilogie wollte Spielberg im dritten offenbar noch einmal alle Register ziehen: Action, aber auch Tiefgang und Erklärungen für bislang nur oberflächlich behandelte Fragen. Eine witzige Idee, zunächst zwei „falsche“ Indiana Jones zu präsentieren, nämlich sein Vorbild und den jungen Indy.

*** (von fünf Sternen)

Hintergrundinfos zum Film


[1] Mitch Tuchman: „Close Encounter with Steven Spielberg“ in: Film Comment, Januar/Februar 1978

Advertisements