Filmanfang: Hook (1991)

Analyse und Bewertung des Filmanfangs von Hook

WELCHE STIL-ELEMENTE VERWENDET SPIELBERG AM ANFANG?
Stille, Klaviermusik, Verwirrung durch den Einstieg in eine Theaterszene, noch dazu „Peter Pan“ als Thema des Stücks, Vorwegnahme des Hauptmotivs im Schultheater, stolze Eltern enttäuschen die Erwartungen ihrer Kinder, kindische und unzuverlässige Erwachsene, das Motiv der bevorstehenden Reise wird nur verbal angesprochen

WELCHE TYPISCHEN SPIELBERG-REQUISITEN FINDEN WIR AM ANFANG?
Staunende Kindergesichter, Klaviermusik, Bühnengeschehen, gelbes und blaues Licht, subjektiver Blick (von der Bühne herab), Handy, Baseball, Technisches Gerät (Handy) als Waffe, zu erklimmender Hügel mit Erkenntnis dahinter (zwischen Straße und Baseballfeld), Flugzeug (Pan Am)

WAS GESCHIEHT ZU BEGINN?
• Stille bei den Vortiteln. Erst beim Haupttitel „Hook“ setzt Klaviermusik ein, zauberhaft. • Viermal sind kleine, bewegt-staunende Kinder zu sehen, die andeutungsweise in einem Publikum sitzen, dabei hört man aber nur ein Schluchzen. • Blick auf die Bühne, wo ein Mädchen im Bett erwacht und einen Peter-Pan-Jungen anspricht, der am Boden sitzt und weint, dann aufsteht. • Blick von der Bühne – u.a. sieht man die Frau am Klavier, die gelblich angestrahlte Souffleuse (im Einsatz) und das blau angestrahlte Publikum – Schwenk über das große Publikum, im Hintergrund zwei Weihnachtsbäume. Unterdessen unterhalten sich die Bühnenfiguren, das letzte Wort ist: „Peter Pan“. • Blick auf Familie Bannings im Publikum (Zuschauerkopfhöhe). Die Mutter findet es zauberhaft, jemand filmt. • Die Kamera fährt zurück, das Publik im Hintergrund, im Vordergrund die beiden Kinderschauspieler, während jemand reinruft: „Lauter!“ Die Szenerie bekommt Lacher, jemand fotografiert mit Blitz. • Mit weiteren Einstellungen kommt das Stück in Schwung, es wird gesungen – in dem Moment klingelt das Handy von Mr. Banning (Robin Williams), und er geht ran. • Entgleisende Gesichtszüge bei Mutter und Sohn. Banning macht sich klein im Sitz, als reduziere das die Lautstärke seiner Stimme. • Offenbar bekommt Banning einen Termin für den nächsten Tag; seine Frau sagt, er verpasse alles; sein Sohn hält ihm einen Baseball hin und erinnert an das morgige wichtige Spiel. „Ich komme hin, auf mein Wort kannst du dich verlassen“, beteuert der Vater. • Blick auf den Ball, Cut zur Tagesszene: Baseball-Schülerspiel mit einem dürftig als Weihnachtsmann verkleideten Erwachsenen. • Gegen das Spiel des Sohns geschnitten ist Banning im Büro, wo ihm alle folgen und er schnell weg will – nicht ohne Kindereien (mit den erwachsenen Büroangestellten). Er eilt zum Baseballspiel, läuft über den Hügel, der Straße und Spielfeld trennt – und schaut auf den inzwischen leeren Platz. Er ist zu spät. • Kamera auf Höhe eines Flugzeugs: Eine PAN AM fliegt von rechts nach links.

Alle Screenshots: © 1991 TriStar Pictures, Inc.

WELCHE PARALLELEN SIND AUFFALLEND?
• Hook beginnt mit einer Bühnensituation, wie Make Me Laugh. Das Familienpublikum nimmt die Schulaufführung von „Peter Pan“ natürlich wohlwollender auf, als es die betrunkenen, genervten Zuhörer des Stand-up-Comedian in Make Me Laugh taten. Brecht machte dem Publikum stets deutlich, dass seine Aufführungen Theater sind, nicht Realität. Die Zuschauer sollten sich nicht verzaubern und vernebeln lassen. Eine ähnliche, Distanz schaffende Technik ist es, an den Anfang eines Films eine Theaterszene zu setzen. Aber ist das auch Spielbergs Absicht? • Indiana Jones and the Temple of Doom beginnt ebenfalls mit einem Bühnenspektakel, einem Musical. Das besagt: Alles, was folgt, ist Show. „Anything goes“ eben. • Die Parallelen beziehen sich möglicherweise vorwiegend auf Spielbergs Biografie: Das Theaterstück in der Schule ist seine eigene Kindheitserinnerung (s. unser Hauptartikel über Hook), und so sollte ursprünglich auch Michael Jackson den Peter Pan spielen. Robin Williams ist nun – wie Spielberg – ein Vater, der auf der einen Seite seine kindliche Unschuld wiederfinden soll, auf der anderen die Verantwortung übernehmen muss, für seine Kinder da zu sein und nicht nur an seine Karriere zu denken. • Im Büro spielen sie mit den Handys ein Duell – in Poltergeist war bereits eine Fernbedienung eine Waffe, in Close Encounters ein Fön. • Ein Baseballspiel hat Spielberg 1971 in der TV-Arbeit Eulogy for a Wide Receiver umgesetzt.

UNSERE WERTUNG:
• Das Theaterstück über Peter Pan entspringt grundsätzlich einem netten Verwirrungsgedanken. Die Szene wird aber ausgewalzt. • Handytelefonat und Baseballspiel sind ebenso wie das Schultheater konventionell, man meint, das alles schon oft gesehen zu haben. • Die Enttäuschung des Jungen ist allzu vorhersehbar. • Die Duell-Szene mit den Handys bringt immerhin eine Spur Humor in einen Filmanfang, der tragisch wenig Ansatzpunkte bietet. • Hinzu kommt ein Fehler: Familie Bennings fliegt aus den USA nach London, die PAN-AM-Maschine (netter Joke!) bewegt sich aber von rechts nach links. Es ist ja unwahrscheinlich, dass sie auf dem Weg nach Europa den Umweg über Japan und Sibirien nimmt… Anschlussfehler: In der nächsten Einstellung sitzen die Passagiere mit Blick- und Flugrichtung nach rechts.

*  (von fünf Sternen)

Hintergrundinfos zum Film

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