Filmanfang: Duel (1971)

Analyse und Bewertung des Filmanfangs von Duel (Spielfilm-Version)

WELCHE STIL-ELEMENTE VERWENDET SPIELBERG AM ANFANG?
Erzählende Geräusche, Bilder aus der Perspektive des Autos (Untersicht, Stoßstangenebene), verzerrte Perspektiven, Vorwegnahme der Auseinandersetzungen (im Stau), Überblendungen als Zeitsymbolik, Vorwegnahme von Unheil auf der Tonebene (Radio), Frame-in-Frame-Aufnahmen (durch den Zaun am Straßenrand)

WELCHE TYPISCHEN SPIELBERG-REQUISITEN FINDEN WIR AM ANFANG?
Autos, karge Landschaft, Straßendetails, Durchschnittsmann, Spiegel

WAS GESCHIEHT ZU BEGINN?
• Duel beginnt mit Geräuschen noch während des Schwarzfilms: mit dem Schlagen einer Autotür und einem startenden Motor. • Rückwärts geht es aus dem Dunkel einer Privatgarage auf die Straße, dann vorwärts auf die Kreuzung zu. Andere Regisseure hätten gezeigt, wie ein Fahrer seinen Wagen besteigt und losfährt. • In den vierzehn weiteren, durch Überblendung verbundenen Einstellungen bleibt es beim subjektiven Blick auf Stoßstangenhöhe. Die Stoßstangenperspektive wird zum wichtigsten Element beim „Kampf“ des Trucks mit dem Pkw. • Das Radio berichtet über liegengebliebene Autos und Unfälle – ein Omen? Radiowerbung mahnt, Autos regelmäßig zu warten. • Bald gerät der Pkw zwischen einen entgegenkommenden LKW und einen Bus – lautes Hupen. Dann fährt er dicht auf die Stoßstange eines Chevrolet auf. • Meist verwendet Spielberg eine verzerrende, befremdende Weitwinkel-Perspektive. • Der Fahrer des Pkw kommt erst nach vier Minuten ins Bild, als der Wagen sich aus der Stadt schon durch mehrere Tunnel aufs karge Land gequält hat. Er ist nun allein auf weiter Flur. • Eine weitere Minute später wird zum ersten Mal der Tanklastwagen auftauchen, der ihm das verhängnisvolle Duell liefert.

Alle Screenshots: © 1971 Universal Television / Universal Pictures

WELCHE PARALLELEN SIND AUFFALLEND?
• Mehrere Spielberg-Filme beginnen bereits auf der Tonebene, während Schwarzfilm. • Spielbergs Stil, Autos zu zeigen, übernimmt Peter Weir in The Cars that ate Paris (1974). • Die Straßen-/Auto-Ästhetik von Duel ähnelt der von LA 2017 und Sugarland Express. • Autos sind in vielen seiner Filme mehr als Fortbewegungsmittel: In E.T. beispielsweise stellen sie eine Bedrohung dar, in War of the World dienen sie dem Schutz und der Flucht.

UNSERE WERTUNG:
• Der Filmrhythmus (eigener Wagen – fremde Wagen) bereitet auf das aberwitzige Duell mit dem gesichtslosen Gegner vor. • Der über 40 Jahre alte Film hat einige wenige Längen und Wiederholungen; am Anfang ist der leicht epische Stil aber wichtig, das Tempo muss sich steigern können. • Im puristischen Konzept ist für Humor wenig Raum. Was Spielberg aber zu Beginn auf Tonebene in die Spielfilmfassung einfügt, ist hübsch: Vor dem Duell wechselt der Fahrer gelangweilt die Radiosender und bleibt bei einer Anrufer-Sendung hängen, in der es um Volkszählungs-Fragebögen geht. Jemand will wissen, ob er sich „Haushaltsvorstand“ nennen darf, obwohl seine Frau die Hosen anhat. Dass sich der Pkw-Fahrer (lachend) mit dem Anrufer identifiziert, deutet auf seine eigenen Minderwertigkeitsgefühle. In Kürze wird er sie überwinden.

****  (von fünf Sternen)

Hintergrundinfos zum Film