Filmanfang: Amistad (1997)

Analyse und Bewertung von Amistad

WELCHE STIL-ELEMENTE VERWENDET SPIELBERG AM ANFANG?
Gesang, Detailaufnahmen, Eskalation: aus einem (Nagel) werden viele, rasche Gewalteskalation, brutale Kampfszenen, verstörende Rollenverteilung: Wer ist böse?

WELCHE TYPISCHEN SPIELBERG-REQUISITEN FINDEN WIR AM ANFANG?
Schiff, Gewitter, Erdolchungstod

WAS GESCHIEHT ZU BEGINN?
• Im Dunkeln setzt Gesang ein. In aneinandergereihten Detailaufnahmen sind die Gesichtsstrukturen eines Sklaven und die Strukturen des Holzes, aus dem er einen Nagel zieht, schwer unterscheidbar. Es blitzt und regnet. Mit dem Nagel gelingt es, das Schloss der Ketten zu knacken. Aus dem einen Nagel werden viele. • Die Sklaven auf dem Schiff befreien sich und töten fast die gesamte Schiffsmannschaft. Dramatischer Höhepunkt des Anfangs ist der Todeskampf eines Offiziers, der vom Anführer mit seinem eigenen Säbel erstochen wird. Der Säbel dringt durch das Holz in den Frachtraum. Der Offizier zieht sich selbst den Säbel halb aus der Wunde, aber der Anführer sticht wieder zu – voller Wut und Befriedigung.

Alle Screenshots: © 1997 Dreamworks LLC

WELCHE PARALLELEN SIND AUFFALLEND?
• Die Anfänge von Amistad und Color Purple unterscheiden sich eklatant: Damals begann es mit dem Scheinbild der kindlichen Unbeschwertheit (Hüpfen im Blumenmeer), woraufhin der Vater auftrat (er das Böse, die schwangere Tochter das Opfer), in Amistad kämpfen sofort erwachsene Männer gegeneinander. • Den Ansatz, dem Guten (einem Sklaven) etwas Böses beizumischen – und umgekehrt – gibt es bereits in Schindlers Liste und wird in Private Ryan fortgeführt. Es ist ein klassisches Motiv der Dramaturgie. • Die Befreiungssequenz erinnert an die Selbstbefreiung der von den Spaniern zu Galeerenhäftlingen gemachten Engländer unter Führung von Errol Flynn in Michael Curtiz‘ The Sea Hawk (1940). • Die Kampfszenen mit Sklaven, die genüsslich ihre Versklaver erstechen, findet eine Parallele im Kriegskampf von Lincoln. In beiden Fällen wird eine zu frühe, einseitige Sympathienahme für die Sklaven bzw. die Schwarzen verhindert. • In Amistad folgt auf die Revolte in Nacht und Sturm das Bild vom scheinbar friedlich auf ruhiger See liegenden Schiffes im Tageslicht. Wie in Poltergeist setzt – als Kontrast – lieblicher Gesang ein.

UNSERE WERTUNG:
Amistad verzichtet weitgehend auf Humor. Der verständlichen, ja notwendigen Gewalt zur eigenen Befreiung setzt Spielberg die Brutalität besonders ihres Anführers gegenüber. Auch die Sklaventreiber haben zur Waffe gegriffen. Ausgerechnet einen Anti-Sklaverei-Spielfilm damit beginnen zu lassen, dass die Sklaven quasi zu Tätern werden, ist gewagt. Ein ambivalentes Symbol, wie es für Spielbergs Aussagen typisch wird. Die starken, blutgetränkten Bilder des Anfangs kontrastieren mit den eher blutleeren Passagen der Gerichtsszenen.

***  (von fünf Sternen)

Hintergrundinfos zum Film