Spielberg-Filme: Rangfolge und Kritik

In dieser Aufstellung geht es um Filme unter der Regie von Steven Spielberg, die im Kino liefen. Die Rangfolge beruht auf unserer – höchst subjektiven – Bewertung der folgenden Filmeigenschaften:

  • Kulturelle Bedeutung des Filmthemas
  • Grad der Unterhaltung (Humor, Suspense, …)
  • Qualität und Originalität von Story & Drehbuch
  • Innovative Filmsprache
  • Auswahl und Performance der Darsteller
  • Fehlen kitschiger oder unbeholfener Situationen
  • Intro und Filmende
  • Allgemeine Empfehlung.

Jeder Spielberg-Film wurde nach insgesamt 10 Kriterien auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (herausragend) bewertet. Neben jedem Filmtitel steht das Durchschnittsergebnis (geteilt durch 10, also z.B.: 8,7)

Zum Vergleich stehen die Wertungen der IMDb-Mitglieder in Klammern dahinter (Stand: 06. Januar 2016).

Natürlich bestehen erhebliche Unterschiede zwischen unseren Bewertungsmethoden und IMDbs Weighted Average Ratings: Unsere Wertungen basieren auf den o.g. Kriterien und berücksichtigen nur Filme unter der Regie von Steven Spielberg, während die IMDb-Mitglieder in ihrem Voting alle jemals entstandenen Filme berücksichtigen und pro Film nur eine übergreifende Wertung abgeben können (1-10).

Damit deutlicher wird, was wir an den Filmen mögen oder nicht so mögen, haben wir zu jedem Film eine (zugegebenermaßen pointierte) Kurzrezension mit weniger als 250 Zeichen verfasst…

 

Unsere Top-10 Steven-Spielberg-Filme:

Raiders of the Lost Ark (1981) 9,0 (IMDb: 8,5)
Beide Daumen nach oben! Stilsicher, schwungvoll und originell inszeniert. Der perfekt besetzte Kultfilm sprüht vor Action, Exotik, Spannung, Staunen und Humor – und lehrt sein Vorbild Bond das Fürchten.

Jaws (1975) 8,8 (IMDb: 8,1)
Bis heute innovativster Thriller auf hoher See mit einem perfiden Wechsel zwischen Thrill und Comic Relief. Höchstleistungen von Cast & Crew. Auch nach 40 Jahren ein Vorbild für Filmemacher.

Close Encounters of the Third Kind (1977) 8,7 (IMDb: 7,7)
Manifest gegen das Klischee der bösen Aliens und für mehr Weltoffenheit. In berauschenden Bildern und mit wegweisenden Special-Effects lässt Spielberg Kunst, Wissenschaft, Sprache, Elektronik und Musik aufeinander treffen.

Schindler’s List (1993) 8,6 (IMDb: 8,9)
Spielbergs bedeutsamstes Werk hinsichtlich gesellschaftlicher Relevanz. Stilistisch und inhaltlich sein mutigster Schritt in eine neue Richtung; verändert ihn als Künstler und Mensch. Mit Akteuren, die man nie vergisst – gut wie böse.

Bridge of Spies (2015) 8,4 (IMDb: 7,6)
Ein reifes Werk, mit dem Spielberg Brücken schlägt zwischen Weltanschauungen, Geschichte und Gegenwart und die Menschheit an ihre Menschlichkeit erinnert. Authentisch und humorvoll. Getragen von einem ausgezeichneten Schauspieler-Ensemble.

Poltergeist* (1982) 8,1 (IMDb: 7,4)
Spielberg verfilmt die „dunkle Seite von E.T.“ in einem Mix aus Spektakel, Grusel und Ironie. Vom ersten bis zum letzten Bild bestes Unterhaltungskino mit überzeugenden Charakteren. Und ein subversives Porträt der materialistischen Vorstadtbewohner.

Duel (1971) 8,0 (IMDb: 7,7)
Ein Thriller wie aus Hitchcocks Lehrbuch der Suspense, doch Spielberg interpretiert die Regeln neu. So innovativ, dass der TV-Film den Sprung auf die Kinoleinwand schafft und den Weg bereitet für Spielbergs steile Karriere als Filmemacher.

Lincoln (2012) 7,9 (IMDb: 7,4)
In ruhigen Bildern und ohne viel „Tamtam“ macht Spielberg Lincolns beharrliches Vorgehen und seine Zweifel erfahrbar. Sein Hauptdarsteller verleiht abstrakter Geschichte ein menschliches Antlitz. Ein gesellschaftspolitisches Lehrstück mit Gegenwartsbezug.

E.T. – The Extraterrestrial (1982) 7,9 (IMDb: 7,9)
Spielberg porträtiert Kinder als ernstzunehmende Menschen und erzählt die Geschichte aus ihrer Perspektive. Aus einer Puppe erschafft er ein lebendiges Wesen, das Jung und Alt berührt. Seine Inszenierung reicht von intim bis melodramatisch, mit meisterhaft komponierten Bildern.

Catch Me If You Can (2002) 7,8 (IMDb: 8,0)
Unter seiner blendenden Oberfläche kommentiert der Film die „Scheinheiligkeit“ der amerikanischen Gesellschaft in den 60er Jahren. Temporeich, mit Herz und Humor und einem brillanten Ensemble. Großartig: die Vater-Sohn-Geschichte.

Auf den weiteren Plätzen:

Minority Report (2002) 7,4 (IMDb: 7,7)
Spielberg verpackt seine Warnung vor den Konsequenzen von George W. Bushs „Homeland Security“ in einen rasanten Science-Fiction-Film mit der Optik eines Film noir. Düster und visionär. Genial: der Anfang. Von den meisten missverstanden: das vermeintliche Happy End.

Saving Private Ryan (1998) 7,4 (IMDb: 8,6)
Beim Angriff am Omaha Beach setzt Spielberg neue Maßstäbe in der realistischen, entglorifizierenden Darstellung von Kriegsgemetzel. Sein Denkmal für die Veteranen lässt sich Zeit, auch für Zwischentöne, kommt aber nicht ohne Pathos aus. Zum Ende hin konventionell.

Munich (2005) 7,3 (IMDb: 7,6)
Spielbergs mutiger Film schildert den Beginn der Terror-Spirale und gibt beiden Seiten eine Stimme. Mit starken Bildern und Dialogen kritisiert er die „Kollateralschäden“ des Antiterror-Kampfs. Abzüge für Spielbergs Verzicht auf den Originaldrehort im Olympiadorf.

Indiana Jones and the Last Crusade (1989) 7,3 (IMDb: 8,3)
Köstlicher Schlagabtausch zwischen den Stars Ford und Connery und ein raffinierter Einstieg mit einem jungen Indy. Action gepaart mit Slapstick und Show. Das routinierte Ende und die Hauptdarstellerin enttäuschen jedoch die Erwartungen.

Jurassic Park (1993) 7,2 (IMDb: 8,1)
Bahnbrechender Special Effects-Film voller Spektakel, Abenteuer und Humor. Virtuos beherrscht Spielberg die Klaviatur des Nervenkitzels, vernachlässigt dabei aber seine Charaktere. Die Kinder wirken wie Schablonen. Erfrischend: der Sarkasmus von Dr. Ian Malcolm.

Empire of the Sun (1987) 7,1 (IMDb: 7,8)
Episch wie ein David Lean-Werk und in lyrischen Bildern erzählt – aus der Perspektive eines Heranwachsenden. Spielbergs Romanadaption ist nicht durchweg gelungen, gehört aber zu seinen unterschätzten Filmen. Genial: der Anfang; nur Mittelmaß: das Ende.

The Terminal (2004) 7,0 (IMDb: 7,3)
Spielbergs sehr freie Deutung einer wahren Begebenheit hinterfragt die Bürokratie, die politischen Flüchtlingen den Eintritt in ein Land verwehrt. Mal komisch bis satirisch, mal sentimental. Leider in den Nebenstories verzettelt und am Ende uninspiriert.

The BFG (2016) 6,8 (IMDb: 6,8)
Dieser geruhsam erzählte Film wird von Mark Rylances sensiblem Porträt der Titelfigur getragen. In seiner spektakulären und zugleich sanften Interpretation gönnt sich Spielberg einige Freiheiten gegenüber der Vorlage – einige der Änderungen sind brillant, andere weniger.

The Sugarland Express (1974) 6,6 (IMDb: 6,8)
Spielbergs erster Kinofilm zeigt eine gespaltene Gesellschaft, ist aber im Unterschied zu anderen New Hollywood-Filmen um Ausgewogenheit bemüht. Eindrucksvolle Kamera und Choreografie von Menschen- und Fahrzeugmassen, aber die Figuren bleiben eindimensional.

The Adventures of Tintin (2011) 6,5 (IMDb: 7,4)
Die Machart ist wichtiger als die aberwitzige Handlung. Sprudelt vor visuellen Einfällen und Situationskomik und wird Hergés Original gerecht. Insgesamt bleibt dies aber ein von der Technik bestimmter Film, dem zum Ende hin die Luft ausgeht.

A.I. – Artificial Intelligence (2001) 6,4 (IMDb: 7,1)
Durch Stanley Kubricks Pionierarbeit und Spielbergs Regie verbindet dieses „Future Fairytale“ die Stile und Themen zweier Titanen des Kinos, die unterschiedlicher nicht sein können. Das Ergebnis ist anspruchsvoll, doch nicht frei von Makeln. Einer seiner unterschätzten Filme.

War of the Worlds (2005) 6,2 (IMDb: 6,5)
In diesem Remake bringt Spielberg seine jugendlichen Darsteller zu Höchstleistungen – und seinen Hauptdarsteller. Klaustrophobische 9/11-Verarbeitung mit eindrucksvollen Sequenzen (Hervorbrechen des Tripods, Flugzeugwrack, Zug in Flammen). Zum Ende abflachend.

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull (2008) 6,0 (IMDb: 6,2)
Ein toller Cast und ein Script, das Indy mit seiner Partnerin aus dem ersten Teil vereint. Action, Suspense und witzige Einfälle im Area 51, in der Nukleartest-Siedlung und im Tempel. Leider bleiben viele Chancen ungenutzt, und manche Szenen erscheinen unmotiviert oder überzogen.

Amistad (1997) 5,9 (IMDb: 7,2)
Spielberg übersetzt eine historische Begebenheit in ein menschlich nachvollziehbares Drama, vermag damit aber trotz eines fulminanten Auftritts von Anthony Hopkins aus dem Schatten von Schindlers Liste nicht herauszutreten. Amistad wirkt jedoch „erwachsener“ als The Color Purple.

The Color Purple (1985) 5,9 (IMDb: 7,8)
Nach seinen Blockbuster-Erfolgen wendet sich Spielberg einem riskanten Stoff zu, um auch als „seriöser“ Filmemacher Respekt zu erlangen. Seine Romanadaption zeichnet sich durch geniale Sequenzen und großartige Darsteller aus, wirkt aber zu melodramatisch und aufgesetzt.

The Lost World: Jurassic Park (1997) 5,6 (IMDb: 6,5)
Nach einer phänomenalen Anfangssequenz sucht Spielberg nach filmischen Herausforderungen, wird aber in dieser Fortsetzung nur selten fündig. Ein Highlight: der Wohnwagen am Abgrund. Die ausgezeichneten Darsteller sind unterfordert.

Always (1989) 5,5 (IMDb: 6,4)
Spielbergs Remake eines Melodrams aus dem 2. Weltkrieg bietet tolle Akteure auf, scheitert jedoch auf mehreren Ebenen: als Beziehungsdrama zu rührselig und altmodisch inszeniert, als Komödie nicht immer auf den Punkt und in der Bildsprache nicht besonders originell.

War Horse (2011) 4,9 (IMDb: 7,2)
Spannend erzählt, mit überzeugenden Darstellern (und Pferden). In seinen besten Sequenzen erinnert der Film an Klassiker wie All Quiet on the Western Front (1930) und Paths of Glory (1957), doch insgesamt kann Spielberg dem Thema inhaltlich und visuell wenig Neues abgewinnen.

Indiana Jones and the Temple of Doom (1984) 4,7 (IMDb: 7,6)
In dieser Fortsetzung werden dem Helden eine hysterische Blondine und ein kleiner Junge an die Seite gestellt, die beide nerven. Der schrille Ton und der Sadismus des Films verstören selbst Fans. Höhepunkte: die Musical-Intro und die haarsträubende Minen-Verfolgungsjagd.

Hook (1991) 3,9 (IMDb: 6,7)
Spielberg in der Krise: Trotz opulenter Ausstattung und einer faszinierenden Grundidee fehlt dem Film die Seele. Eine Riege namhafter Darsteller spielt so subtil wie ein Holzhammer, manche Szene gerät aus dem Ruder. Nicht einmal die Kinder sind sympathisch.

Twilight Zone – The Movie** (1983) 3,3 (IMDb: 6,5)
Spielbergs Remake der Episode Kick The Can (1962) aus der TV-Reihe The Twilight Zone ist nicht mehr als eine halbherzig zusammengezimmerte Aneinanderreihung abgegriffener Klischees, sentimentaler Momente und Rentner-Stereotypen.

1941 (1979) 3,3 (IMDb: 5,9)
Als Kriegssatire angelegt, erweist sich der Film ausgerechnet auf dem Gebiet der Komik als Rohrkrepierer. Die meisten Gags zünden nicht, auch wenn sich der Hauptdarsteller alle Mühe gibt. Stumpfsinniger Bombast und Overacting allerorten.

 


 

* Spielberg war die treibende Kraft hinter Poltergeist, er war Produzent, schrieb das Drehbuch und traf am Set wesentliche, kreative Entscheidungen. Daher betrachten wir Poltergeist als einen Film, der unter der „Regie“ von Spielberg entstand.

** Unsere Bewertung gilt nur für das Segment Kick the Can (IMDb-Wertung gilt für den Gesamtfilm).

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