2009

Avatar (Regie, Drehbuch, Produktion: James Cameron) ist eine Reise der Selbstfindung im Kontext des Kolonialismus und der Tiefenökologie – verpackt in ein fesselndes Sci-Fi-Action-Abenteuer. Der Film verbindet Live-Action mit computergenerierten Charakteren und Live-Umgebungen und entsteht mit Hilfe bahnbrechender stereoskopischer Motion-Capture-Verfahren. In den Hauptrollen spielen Sam Worthington, Zoe Saldana, Stephen Lang, Michelle Rodriguez, Giovanni Ribisi und Sigourney Weaver.

Die Entwicklung von Avatar beginnt im Jahr 1994, als Cameron einen 80-seitigen Entwurf schreibt. Die Dreharbeiten sollen nach Fertigstellung von Camerons Titanic (1997) beginnen, mit dem Ziel einer Veröffentlichung im Jahr 1999, doch Cameron stellt fest, dass die Technologie noch nicht ausgereift genug ist. Cameron konzentriert sich stattdessen darauf, Dokumentarfilme zu drehen und die Technologie in den nächsten Jahren zu verfeinern. Als er Gollum in The Lord of the Rings – The Two Towers (2002) sieht, ist Cameron davon überzeugt, dass CGI-Effekte ausreichend fortgeschritten sind.

20th Century Fox zahlt Cameron einen Vorschuss von 10 Millionen Dollar zur Produktion eines Proof-of-Concept-Clips für Avatar, den er 2005 der Fox-Führungsetage vorstellt. Währenddessen arbeitet Cameron weiter am Drehbuch und entwickelt eine Kultur für die Außerirdischen des Films, die Na’vi, die auf dem Mond Pandora leben (ihre Sprache wird von Dr. Paul Frommer, Sprachwissenschaftler an der USC, entwickelt). Für das Produktionsdesign gehen mehrere Jahre ins Land, mit zwei verschiedenen Designern und zwei separaten Ausstattungs-Teams. Stan Winston, der bereits in der Vergangenheit für Cameron tätig war, unterstützt ihn bei der Kreation verschiedener Lebensformen auf Pandora.

Die Dreharbeiten beginnen im Jahr 2007, mit Einsatz von Camerons Digital 3-D-Fusion Camera System, mit dem sich Motion-Capture-Aufnahmen auf neue Weise drehen lassen (der Regisseur kann die Filmeinstellungen in Echtzeit ändern, während er die virtuellen Abbilder seiner Darsteller in ihrer digitalen Umgebung sieht). Weta Digital erstellt die visuellen Effekte für den Film, gemeinsam mit dem ILM-Team, das an der Umsetzung der eindrucksvollen Schlachtszenen mitwirkt.

Cameron ermöglicht Steven Spielberg und Peter Jackson, seine neue Technologie zu testen. Spielberg beschreibt sie als: “digital makeup, not augmented animation … Motion capture brings the director back to a kind of intimacy that actors and directors only know when they’re working in live theater.” Jackson und Spielberg werden die Technologie für ihren Film The Adventures of Tintin (2011) nutzen.

Cameron zufolge kritisiert sein Film implizit die Rolle der USA im Irak-Krieg und mechanisierte Kriegsführung im Allgemeinen: “We know what it feels like to launch the missiles. We don’t know what it feels like for them to land on our home soil, not in America.” Nicht zufällig erinnert der Raketenangriff auf den hochragenden Hometree der Na’vi an die Zerstörung des World Trade Center am 11. September 2001.

In seiner dritten Zusammenarbeit mit Cameron komponiert James Horner einen brillanten Score – ergänzt durch einen Chor, der in der Sprache der Na’vi singt. Laut Horner war Avatar “the most difficult film I have worked on and the biggest job I have undertaken.“ Die Britin Leona Lewis singt den Titelsong „I See You“ und wird dafür als “Celine Dion clone singing in Na’vi kritisiert.

Vor der Veröffentlichung von Avatar progonstizieren diverse Kritiker und Fangemeinden einen  kolossalen Fehlschlag an der Kinokasse. Die Einwände reichen vom gigantischen Budget (237 Millionen Dollar oder mehr) bis zum Auftritt der dreidimensionalen „blue cat people“.

Vielleicht wegen dieser Vorab-Häme lädt James Cameron seinen Regiekollegen Steven Spielberg kurz vor der Fertigstellung zu einer privaten Vorführung ein. Spielberg ist begeistert und lässt über den Film verkünden:

“The most evocative and amazing science-fiction movie since Star Wars”. 

Avatar erlebt seine Premiere am 10. Dezember 2009 in London und erhält positive Rezensionen. Roger Ebert nennt den Film „extraordinary“ und gibt ihm die Höchstwertung. Er schreibt: „Watching Avatar, I felt sort of the same as when I saw Star Wars in 1977″. Wie Star Wars und The Lord of the Rings verwende der Film „a new generation of special effects“ und sei dennoch „not simply a sensational entertainment, although it is that. It’s a technical breakthrough. It has a flat-out Green and anti-war message.“

Der Film bricht bald mehrere Kassenrekorde und erzielt schließlich weltweite Einnahmen von 2,78 Milliarden Dollar. Avatar zieht damit an Camerons Titanic (1997) vorbei und ist zu jenem Zeitpunkt der Film mit den höchsten Einnahmen aller Zeiten (nicht Inflations-bereinigt). Bei den Academy Awards wird Avatar für neun Oscars nominiert, u.a. in den Kategorien Bester Film und Beste Regie und gewinnt drei: für die Beste Ausstattung, die Beste Kamera und Beste visuelle Effekte.

Cameron nennt als Inspiration für seinen Film „every single science fiction book I read as a kid“ und räumt ein, dass Avatar seine Themen mit Filmen teilt wie z.B. Dances With Wolves (1990), At Play in the Fields of the Lord (1991) sowie Princess Mononoke (1997) – die sich alle mit dem Zusammenprall zwischen Kulturen und Zivilisationen befassen. Cameron zufolge kam ihm die Idee für Avatar, nachdem er Disneys Animationsfilm Pocahontas (1995) sah. Nicht zuletzt wegen dieser Reihe an Vorbildern wird Avatar nicht in der Kategorie Bestes Drehbuch nominiert.

Nach dem großen Erfolg des Films unterzeichnet Cameron einen Vertrag mit 20th Century Fox, der die Produktion von drei Fortsetzungen beinhaltet, alle unter der Regie von James Cameron (sowie der Beteiligung am Drehbuch).

Der Themenpark Pandora – The World of Avatar entsteht auf dem Gelände von Disneys Animal Kingdom in Florida.

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2009

Michael Jackson stirbt an einem Herzinfarkt in seiner Mietvilla in Los Angeles.

Die Nachricht von seinem Tod verbreitet sich online rasend schnell, die zahlreichen Aufrufe bringen Webseiten der Los Angeles Times, Twitter und Wikipedia zum Absturz. Die Wikimedia Foundation berichtet von fast einer Million Aufrufen von Jacksons Biographie innerhalb einer Stunde.

Madonna, der einzige Popstar, der es in den 1980er Jahren mit dem Ruhm Michael Jacksons aufnehmen konnte, sagt in einer Erklärung:

“I can’t stop crying over the sad news.“

Quincy Jones, Produzent von Jackons triumphalem Album Thriller, erklärt:

„I am absolutely devastated at this tragic and unexpected news.” He says Jackson “had it all – talent, grace, professionalism and dedication. I’ve lost my little brother today, and part of my soul has gone with him.”

Martin Scorsese, der für Michael Jackson das Musikvideo Bad gedreht hatte, meint:

“Michael Jackson was extraordinary. When we worked together on Bad, I was in awe of his absolute mastery of movement on the one hand, and of the music on the other. Every step he took was absolutely precise and fluid at the same time. It was like watching quicksilver in motion. (…) He was wonderful to work with, an absolute professional at all times, and – it really goes without saying – a true artist. It will be a while before I can get used to the idea that he’s no longer with us.”

Steven Spielberg äußert gegenüber Entertainment Weekly:

“Just as there will never be another Fred Astaire or Chuck Berry or Elvis Presley, there will never be anyone comparable to Michael Jackson. His talent, his wonderment and his mystery make him legend.”

Nach Spielbergs Entscheidung, Michael Jackson nicht für die Hauptrolle von Hook (1991) zu besetzten, war seine Freundschaft mit dem Popstar belastet.

Dennoch treffen sich die beiden im Jahr 2000, weil Jackson mit Spielberg das Skript für einen geplanten Film namens The Nightmares of Edgar Allan Poe diskutieren will, in dem Jackson für die Titelrolle vorgesehen ist. Jacksons Co-Executive Producer Gary Pudney sagt über das Treffen:

“Michael had conversations with Steven Spielberg, who is a good friend. (…) Spielberg was enthusiastic and suggested several people, including Tim Burton, who did Sleepy Hollow and Edward Scissorhands.”

Leider bleibt das Projekt in der Schwebe – bis zu Jacksons Tod.

2009

Martin Scorsese überreicht bei den Golden Globe Awards Steven Spielberg den Cecil B. DeMille Award. Der Preis wird seit 1952 vom Verband der Hollywood-Auslandpresse als Anerkennung für das Lebenswerk eines Filmschaffenden verliehen.

Spielberg dank Martin Scorsese und erwähnt, dass sie sich nun seit fast 39 Jahren kennen. Scorsese bezeichnet er als eine Inspiration. Er spricht auch darüber, wie ihn Cecil B. DeMilles The Greatest Show on Earth (1952) – der erste Film, den Spielberg jemals sah – zu seinem ersten Filmexperiment inspirierte: ein 8mm-Amateurfilm mit einem Zugunglück als Motiv.

Den Cecil B. DeMille Award sollte Steven Spielberg ursprünglich bereits ein Jahr zuvor erhalten – die Zeremonie wurde jedoch abgesagt wegen des Streiks der Writers Guild of America, so dass die Hollywood Foreign Press Association die Auszeichnung auf die Zeremonie im Folgejahr verlegte.

2009

United States of Tara, ein TV-Comedy-Drama von Diablo Cody erzählt die Geschichte von Tara (Toni Collette), einer Vorstadthausfrau und Mutter mit dissoziativer Identitätsstörung.

Die Serie basiert auf einer Idee von Steven Spielberg, der auch als Executive Producer beteiligt ist, und wird von Dreamworks Television produziert.

Während die Geschichte in Overland Park, Kansas, spielt, werden die Folgen in Los Angeles gedreht. Die Show läuft auf Showtime bis 2011 (insgesamt drei Staffeln mit 36 Folgen). In der ersten Staffel bringt es die Serie auf durchschnittlich 2,67 Millionen Zuschauer pro Woche.

Die Kritiken sind positiv, und viele Rezensenten loben Toni Collettes Darstellung. Sie gewinnt den 2009 Primetime Emmy Award und 2010 den Golden Globe Award als Beste Schauspielerin in einer Comedy-Serie. Die Titelsequenz gewinnt ebenfalls einen Emmy.

2009

Steven Spielberg kündigt eine Biografie-Verfilmung über Abraham Lincoln an. Für die Hauptrolle ist Liam Neeson vorgesehen (Neeson steigt einige Zeit später aus und wird durch Daniel Day-Lewis ersetzt). Tony Kushner schreibt das Drehbuch.

Spielberg sagt über das parallel entstehende Projekt von Robert Redford, The Conspirator (2010), welches auf die Hintergründe von Lincolns Ermordung eingeht:

“It is completely different from what our DreamWorks Lincoln movie will be, and we believe that it will add to the commercial potential of our film. Lincoln as a subject is inexhaustible.”

Spielberg plant auch ein Remake von Henry Kosters Komödie Harvey (1950), in der James Stewart einen Mann darstellte, der ein 1,80 großes Kaninchen als seinen besten Freund bezeichnet. Will Smith, Robert Downey Jr und Tom Hanks werden als Darsteller für die James-Stewart-Rolle in Betracht gezogen, doch das Projekt wird Ende 2009 auf Eis gelegt.

2009

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton zeichnet Steven Spielberg mit der Liberty Medal aus, und zwar für sein künstlerisches und persönliches Engagement für die Wahrung der Menschenrechte. Die Jury  des National Constitution Center begründet ihre Entscheidung so:

“Through his award-winning films, Spielberg has presented stories of the struggle and triumph of humanity over tyranny, informing and inspiring millions to better understand the abiding call of liberty. Spielberg has also dedicated himself to gathering and archiving the testimonies of survivors and other witnesses of the Holocaust, ensuring future generations will never forget the tragedy of liberty lost.”

2009

Barack Obama wird als US-Präsident vereidigt, nachdem er den republikanischen Kandidaten John McCain in der Präsidentschaftswahl 2008 besiegt hat. Obama ist der erste Afroamerikaner in diesem Amt.

Während der Amtseinführungszeremonie wird zwar keine offizielle Zählung der anwesenden Menschen durchgeführt, allerdings stimmen mehrere Quellen in der Einschätzung überein, dass es sich um das größte Publikum aller jemals in Washington DC durchgeführten Veranstaltungen handelt. Regierungsbehörden, die für die Koordination der Sicherheits- und Verkehrsmaßnahmen zuständig sind, schätzen die Teilnehmerzahl auf 1,8 Millionen Menschen.

Zu den prominenten Gästen zählen Dustin Hoffman, Samuel L. Jackson, Tom Hanks, Denzel Washington, Oprah Winfrey, Beyoncé Knowles und Steven Spielberg, der (neben anderen) den vom Amtseinführungs-Ausschuss als maximal zulässig festgelegten Betrag gespendet hat (50.000 Dollar).

Für die Zeremonie komponiert und arrangiert John Williams das Quartett Air and Simple Gifts (Videoclip). Bei Eiseskälte performen die berühmten Solisten Yo Yo Ma, Itzhak Perlman, Anthony McGill und Gabriela Montero – und zwar im Playback-Verfahren (u.a. weil sich die Instrumente verstimmen würden).

In seinen ersten Tagen im Amt unterzeichnet Obama präsidiale Verfügungen und Memoranden mit Anweisungen an das Militär, Pläne für den Rückzug der US-Truppen aus dem Irak zu entwickeln. Er befiehlt die Schließung des Gefangenenlager Guantanamo Bay (der Kongress stellt jedoch die erforderlichen Mittel nicht bereit und verhindert die Überführung jeglicher Guantanamo-Häftlingen in die USA oder andere Länder).

In seiner Rede an der Universität Kairo plädiert Obama für „A New Beginning“ in den Beziehungen zwischen der islamischen Welt und den USA und wirbt für Frieden im Nahen Osten.