1999

Medal of Honor, ein Ego-Shooter Videospiel, das an den Kinoerfolg von Saving Private Ryan (1998) anknüpft, wird von DreamWorks Interactive für Sonys PlayStation entwickelt und von Electronic Arts veröffentlicht.

Es ist der erste Teil der sehr erfolgreichen Medal of Honor-Spieleserie. Steven Spielberg – selbst ein begeisterter „Gamer“ – entwickelt die Story für das Spiel.

In den USA erhält Medal of Honor von Spiele-Magazinen und Anwendern großes Lob, u.a. für die Spielerfahrung, die Gestaltung, die Finesse der Gegner sowie den Soundtrack, den Michael Giacchino komponiert.

Die Idee für Medal of Honor geht zurück auf Max Spielbergs Erfahrungen mit dem Videogame GoldenEye sowie auf Spielbergs großem Interesse für Themen des Zweiten Weltkriegs.

In Deutschland setzt die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) das Spiel auf den Index, d.h. es darf erst ab 18 Jahren verkauft werden.

 

1999

M. Night Shyamalans The Sixth Sense etabliert Shyamalan als Autor und Regisseur von (in der Gegenwart angesiedelten) übernatürlichen Geschichten mit einer Affinität für überraschende Wendungen am Schluss des Films.

Cole Sear (Haley Joel Osment), ein von Alpträumen geplagtes Einzelgängerkind trifft auf einen ähnlich ruhelosen Kinderpsychologen (Bruce Willis), der versucht, ihm zu helfen. Coles Textzeile „I see dead people“ entwickelt sich zu einem sehr populären Filmzitat.

The Sixth Sense wird von Kathleen Kennedy und Frank Marshall produziert und in Reihenfolge der Handlung gedreht. Auf die Farbe Rot wird während der meisten Szenen absichtlich verzichtet, sie kommt dafür prominent in einigen wenigen emotionalen Aufnahmen zum Einsatz, wenn die Welt der Lebenden und der Toten aufeinander trifft.

Als großer Spielberg-Fan seit seiner Kindheit integriert M. Night Shyamalan Themen und Stilelemente aus Spielbergs Arbeiten in seine Filmen (und wird von den Medien bereits als „der nächste Spielberg“ angepriesen), z.B.: Kadrierungen, Plansequenzen, Suspense-Techniken, Wahrnehmung und Wirklichkeit, kindliche Vorsehungskraft, Konfrontation von Durchschnittsmenschen mit übernatürlichen Ereignissen, gewaltsames Eindringen ins Haus usw.

Spielberg „bedankt sich“, indem er Haley Joel Osment für die Hauptrolle in A.I. – Artificial Intelligence (2001) besetzt.

The Sixth Sense erhält gute Kritiken -besonders gelobt werden Darsteller, die Atmosphäre des Films und der überraschende Schluss – und erzielt mit weltweit mehr als 672 Millionen Dollar das zweithöchste Einspielergebnis des Jahres 1999 (hinter Star Wars Episode I: The Phantom Menace).

Er zählt zu den vier Horrorfilmen, die jemals eine Oscar-Nominierung als Best Picture erhalten. Die anderen sind: The Exorcist (1973), Jaws (1975) und The Silence of the Lambs (1991). The Sixth Sense erhält fünf Oscar-Nominierungen: Best Supporting Actor / Actress für Haley Joel Osment und Toni Colette sowie Best Director, Best Original Screenplay und Best Editing.

In einem Cameo-Auftritt sieht man M. Night Shyamalan als Dr. Hill, der Cole untersucht.

1999

The Matrix (Drehbuch und Regie: Wachowski-Geschwister) erobert die Kinos. Die Hauptrollen in diesem wegweisenden Science-Fiction-Film spielen Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss und Hugo Weaving.

Die Filmemacher lassen sich von Cyberpunk-Literatur wie William Gibsons Neuromancer (1984) und von Mamoru Oshiis Ghost in the Shell (1995). Auch James Cameron und Steven Spielberg zählen zu den prominenten Fans dieses japanischen Animationsfilms, und ihre Filme Avatar (2009) und A.I. – Artificial Intelligence (2001) sind davon beeinflusst.

The Matrix führt uns in eine dystopische Zukunft: Die von der Menschheit wahrgenommene Realität ist in Wahrheit eine als „Matrix“ bezeichnete Simulation. Computer-Programmierer „Neo“ erkennt durch Verabreichung einer rote Pille die „Wahrheit“ und wird zum Anführer der Rebellion gegen die Maschinen, von denen die Matrix geschaffen wurde, um die Menschen zu unterdrücken. Mensch und Maschine erscheinen in der simulierten Welt als Avatare in menschlicher Gestalt. Der Film stellt die Frage: Was ist Wirklichkeit, und was ist nur Wahrnehmung?

Darüber hinaus enthält der Film zahlreiche Verweise auf philosophische und religiöse Ideen in den Werken von Karl Marx, Franz Kafka, Zen und Homers Odyssee. Er nimmt deutlich Bezug auf Lewis Carrolls Alice in Wonderland und Jean Baudrillards Simulcra and Simulation. Die eindrucksvollen Kampfsequenzen sind durch das Hong Kong-Actionkino beeinflusst.

Ein visueller Effekt namens „Bullet Time“ ist nur ein Beispiel für die innovative Anmutung des Films: Die gesteigerte Wahrnehmungsfähigkeit des Protagonisten wird durch die Kombination aus Zeitlupenaufnahmen der Aktion mit Kamerabewegungen in normaler Geschwindigkeit visualisiert (siehe Video Clip). Die nach unten laufenden grünen Zeichen der Titelsequenz sind ein weiteres Markenzeichen des Films.

Um die „reale Welt“ auf subtile Weise von der Matrix zu unterscheiden, setzt das Production Design-Team in Szenen innerhalb der Simulation verstärkt auf die grüne Farbe des Matrix Code, während in Sequenzen der „realen Welt“ der Schwerpunkt auf der Farbe Blau liegt.

Neo und seine Begleiter tragen coole schwarze Leder-Trenchcoats, während die Maschinenwesen von Anzugträgern im sterilen FBI-Stil der 50er Jahre verkörpert werden. Die Einwahl in die Matrix erfolgt über altmodische Telefonzellen und Akustik-Koppler.

The Matrix wird von den meisten Kritikern positiv aufgenommen, und nimmt weltweit über 460 Millionen Dollar ein, bei einem Budget von 63 Millionen Dollar. Der Film wird mit dem Academy Award für Best Editing, Best Sound Effects, Best Visual Effects und Best Sound ausgezeichnet. Der Erfolg des Films führt zu zwei (mittelmäßigen) Fortsetzungen.

Steven Spielbergs Film Ready Player One (2018) wird uns ebenfalls in eine künstlich geschaffene Welt entühren, mit Avataren und einem Held, der von Konzern-Bösewichten gejagt wird.

1999

George LucasStar Wars Episode I: The Phantom Menace kann die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Wenig überraschend ist der Film ein großer Kassenerfolg (weltweit mehr als 924 Millionen Dollar), doch insgesamt reagieren viele Kritiker und Zuschauer eher enttäuscht.

Drew Grant von Salon.com resümiert: „Perhaps the absolute creative freedom director George Lucas enjoyed (…) —with no studio execs and not many an independently minded actor involved— is a path to the dark side.

Zum hochkarätig besetzten Cast gehören Liam Neeson, Ewan McGregor und Natalie Portman. Der Film ist Lucas‘ erste Regiearbeit, nach 22-jähriger Pause im Anschluss an den ersten Teil, Star Wars – A New Hope (1977), und markiert insgesamt seinen vierten Film.

Die visuellen Effekte von ILM beruhen in einem nie dagewesenen Maße auf Computer Generated Imagery (CGI). Einige Sets und Charaktere des Films sind vollständig computerisiert, z.B. die humorvoll angelegte Figur Jar Jar Binks, den die meisten Star Wars-Fans als unangenehmsten Charakter des Star Wars-Universums wahrnehmen.

Zum ersten Mal integriert ILM Aufnahmen, die mit High-Definition-Digital-Kameras gedreht wurden, nahtlos in den Film – eine Innovation, die das klassische Aufzeichnungsmedium Film mittelfristig überflüssig macht (Episode II & III werden bereits vollständig auf digitalem Video gedreht). Die so genannte Digital Cinematography wird allerdings von Filmemachern kontrovers bewertet; viele von ihnen drehen weiterhin lieber auf Film, dazu zählt auch Steven Spielberg.

Als Anspielung auf Spielbergs Einbeziehung von Yoda in die Halloween-Sequenz von E.T. – The Extraterrestrial fügt Lucas eine Gruppe von E.Ts. in die Senatssitzung ein (s. Videoclip).

Spielberg wird in Interviews wiederholt gefragt, ob er nicht mal einen Star Wars-Teil verfilmen wolle, aber er ist daran nicht interessiert. Lucas spricht ihn auch explizit auf Episode I an, doch Spielberg lehnt ab. Nach Spielberg fragt Lucas noch zwei andere Regisseure: Ron Howard und Robert Zemeckis, die ebenfalls „Nein“ sagen.

Auf Episode I folgen Star Wars Episode II: Attack of the Clones (2002) und Star Wars Episode III: Revenge of the Sith (2005), mit denen die erste Star Wars-Trilogie abgeschlossen wird. In allen drei Teilen führt George Lucas Regie.

Den ersten Teil der dritten Trilogie Star Wars: The Force Awakens (2015) dreht Steven Spielbergs Protegé J.J. Abrams – nicht digital, sondern auf Film.

 

1999

Eyes Wide Shut, Stanley Kubricks letzter Film, ist eine ins New York der Gegenwart verlegte Verfilmung von Arthur Schnitzlers Traumnovelle aus dem Jahre 1925.

Kubrick stirbt sechs Tage nach Fertigstellung seines Final Cut.

Die brillante Charakterstudie folgt den erotischen Eskapaden von Dr. Bill Harford (Tom Cruise), der zutiefst verunsichert reagiert, als seine Frau Alice (Nicole Kidman) ihm eröffnet, sie hätte einmal eine Affäre in Betracht gezogen.

Der Film hält den Guinness-Weltrekord für die längsten kontinuierlichen Dreharbeiten (400 Tage). Die langwierige Entstehung des Films erweist sich als enorme Belastung für Tom Cruise und Nicole Kidman und markiert den Anfang vom Ende ihrer realen Ehe.

Eyes Wide Shut kommt wenige Monate nach Kubricks Tod in die Kinos. Die Kritiken fallen sehr unterschiedlich aus, die weltweiten Einnahmen betragen 162 Millionen Dollar. Um ein R-Rating sicherzustellen, lässt das Studio in der US-Fassung Nacktszenen-Details, die für das amerikanische Publikum zu explizit sind, digital „wegpixeln“.

In einem Interview für die DVD-Veröffentlichung von Eyes Wide Shut meint Steven Spielberg: “Nobody could shoot a picture better in history”. Die Art, in der Kubrick Geschichten erzähle, sei “antithetical to the way we are accustomed to receiving stories”.

1999

The Blair Witch Project, ein immersiver Horrortrip (Drehbuch, Regie und Schnitt: Daniel Myrick und Eduardo Sánchez) ist der erste populäre Film des so genannten „Found Footage“ Genres: Wir erfahren, dass sich 1994 drei Filmstudenten (Heather Donahue, Michael C. Williams und Joshua Leonard) in den Black Hills nahe Burkittsville, Maryland, aufhielten, um einen Dokumentarfilm über eine lokale Legende namens Blair Witch zu drehen. Die Studenten wurden nie wieder gesehen, doch ein Jahr später wird ihre Videoausrüstung entdeckt, und die „Found Footage“ ist der Kinofilm, den wir sehen.

Es dauert nur 8 Tage, um den Film zu drehen (dafür dauert der Schnitt 8 Monate), bei einem Budget von nur 600.000 Dollar. Für das wegweisende virale Marketing wird eine Website eingerichtet (blairwitch.com), die das Zielgruppen-Publikum mit gefälschten TV-Beiträgen und Polizeiberichten auf den Film „einstimmt“.

The Blair Witch Project erhält überwiegend positive Kritiken, erwirtschaftet weltweit mehr als 248 Millionen Dollar und ist damit einer der erfolgreichsten „Independent“-Filme aller Zeiten. Hollywood produziert eine ganze Reihe vergleichbarer Filme, z.B. Paranormal Activity (2007).

Das virale Marketing für The Blair Witch Project inspiriert Steven Spielberg zu einer ähnlich gearteten Web-Kampagne für A.I. – Artificial Intelligence (2001).

1999

Spielberg erhält den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (Bundesverdienstkreuz) für Schindler’s List und die von ihm – im Rahmen der Shoah Foundation – initiierten Bildungsprogramme zur Geschichte der Shoah. Den Preis überreicht Bundespräsident Roman Herzog.