2015

Helmut Schmidt stirbt im Alter von 96.

Über Jahrzehnte einer der beliebtesten Politiker Deutschlands, macht sich Schmidt zunächst als Innensenator in Hamburg einen Namen, als er während der Sturmflut im Jahr 1962 die richtigen Entscheidungen trifft und so eine viel schlimmere Katastrophe verhindert.

Schmidt dient als Bundeskanzler in den Jahren 1974-1982 und führt die Bundesrepublik Deutschland durch einige der angespanntesten Momente des Kalten Krieges und wirtschaftliche Turbulenzen, ausgelöst durch die Ölkrise. Auf die terroristische Bedrohung durch die Rote Armee Fraktion (RAF) reagiert er – vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Anschläge auf die Olympischen Spiele in München zu Zeiten der Regierung Brandt – entschlossen und bringt der RAF im Herbst 1977 die entscheidende Niederlage bei.

Indem Schmidt den Nato-Doppelbeschluss lanciert, handelt er gemäß seinen geopolitischen Überzeugungen, verliert aber den Rückhalt seiner Partei, darunter Oskar Lafontaine und Willy Brandt. Friedensbewegung und Grüne gewinnen an Popularität. Durch ein von der Opposition aus FDP und CDU/CSU initiiertes konstruktives Misstrauensvotum wird Helmut Kohl Nachfolger von Helmut Schmidt.

Von 1983 bis zu seinem Tod ist Schmidt Herausgeber der renommierten Wochenzeitung Die Zeit und erlangt für viele Deutsche den Status einer intellektuellen und moralischen Autorität – trotz seiner gefürchteten, bissigen Attacken auf politische Gegner. Schmidt war auch ein versierter Pianist und Buchautor.

Schmidt wird in seiner Heimatstadt Hamburg mit einem Staatsakt geehrt. Tausende von Menschen säumen die Straßen, um von ihm Abschied zu nehmen. Zu den internationalen Gästen in der St. Michaelis-Kirche gehören Schmidts langjährige Freunde und politische Wegbegleiter, darunter der ehemalige Französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing. Ex-US-Außenminister Henry Kissinger bezeichnet Schmidt als “eine Art Weltgewissen”; Kissinger, der aus Deutschland emigrierte Jude, hält seine Rede vor seinem verstorbenen Freund (der immerhin auch Wehrmachts-Offizier war) zu dessen Ehren in deutscher Sprache.

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