1998

Lola rennt (Drehbuch und Regie: Tom Tykwer) ist ein aufregender Staccato-Mix aus Animation, Standfotos und Live-Action. Die Hauptrollen spielen Franka Potente und Moritz Bleibtreu.

Entstanden in den Straßen von Berlin, erzählt der Film die Geschichte von Lola, einem Punk-Mädchen mit leuchtend roten Haaren. Sie muss binnen 20 Minuten einen Weg finden, ihrem Freund, Manni, 100.000 Mark zu besorgen, um ihn vor Gangstern zu schützen, die ihm nach dem Leben trachten. Inspiriert von Krzysztof Kieslowskis Blind Chance (1981 entstanden), besteht Tom Tykwers Film aus drei „Läufen“, die alle von der gleichen Situation ausgehen, durch Zufälle unterschiedlich ablaufen und so das Ergebnis verändern. Jeder von ihnen enthält mehrere Flash-Forward-Sequenzen aus Standbildern, die zeigen, wie sich das Leben der Menschen, denen Lola begegnet, jeweils anders entwickelt.

So wie Spielbergs Duel (1971) im Wesentlichen aus einer langen, stilisierten Verfolgungsjagd besteht, so ist Tykwers Lola rennt eine wunderbar choreografierte Studie von Raum und Zeit, die Themen berührt wie freier Wille vs. Determinismus und den Schmetterlingseffekt der Chaostheorie. Der Puls-treibende Techno-Soundtrack, komponiert von Tykwer, Johnny Klimek und Reinhold Heil, betont die Motive des Films.

Der Film enthält Anspielungen auf Alfred Hitchcocks Film Vertigo (1958), z.B. wiederkehrende Bilder von Spiralen und Wendeltreppen sowie ein Gemälde mit dem Hinterkopf einer Frau.

Lola Rennt gibt dem deutschen Kino neue Impulse und hat einen großen Einfluss auf die Popkultur. Sebastian Schippers ähnlich energiegeladener Film Victoria (2015) erzählt ebenfalls die Geschichte einer jungen Heldin, die zu allem bereit ist, um ihrem Freund aus ernsten Schwierigkeiten zu helfen. Auch Victoria wird (diesmal in einem Take) in den Straßen von Berlin gedreht. Nicht zufällig war Schipper einer der Darsteller von Lola rennt und spielte die Rolle des Mike.

Lola rennt kommt bei Kritikern und Publikum außerordentlich gut an. Der Film wird für 41 Auszeichnungen nominiert, darunter den BAFTA Award für den besten nicht-englischsprachigen Film und gewinnt 26 Preise. Bei einem Budget von nur 1,75 Millionen Dollar ist Lola rennt auch ein Kassenerfolg und nimmt weltweit 22,9 Millionen Dollar ein.

Steven Spielberg ist ein erklärter Bewunderer von Lola rennt. Einige Jahre später unterstützt er Tykwer beim Schnitt der Endfassung von The Perfume (2006), den er ursprünglich produzieren will – bevor Bernd Eichinger ihm die Filmrechte vor der Nase wegschnappt. Spielberg besetzt Moritz Bleibtreu als Andreas Bader in Munich (2005). Minority Report (2002) enthält Anspielungen auf Lola rennt.

Jaws (1975) und Close Encounters of the Third Kind (1977) zählen zu Tom Tykwers Lieblingsfilmen.

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