The Lost World: Jurassic Park (1997)

Steven SpielbergThe Lost World: Jurassic Park beruht auf Motiven aus Michael Crichtons 1995 veröffentlichtem Roman The Lost World (das Drehbuch wird wie schon im ersten Film von David Koepp verfasst).

Handlung und Bildsprache von The Lost World sind deutlich düsterer als die des Vorgängerfilms und zeigen ca. 50 Prozent mehr Dinosaurier in Aktion. Für die Fortsetzung wird Kameramann Dean Cundey von Janusz Kamiński ersetzt, der zum ersten Mal an einem Film mit Computer-generierten Bildern mitarbeitet. Aufgrund der inzwischen deutlich fortgeschrittenen Computergrafik-Technik ermuntert ihn Dennis Muren (ILM) dazu, die Aufnahmen mit den (nachträglich integrierten) Dinosauriern in Gegenlicht zu tauchen, z.B. während der komplexen Safari-Sequenz, die etliche Lens Flares enthält und somit sehr „realistisch“ wirkt.

Die Hauptrolle spielt diesmal Jeff Goldblum (als Chaos-Forscher Dr. Ian Malcolm). Weitere Parts spielen Sir Richard Attenborough, Julianne Moore, Vince Vaughn, Pete Postlethwaite, Peter Stormare und Arliss Howard.

Ian Malcolm darf wieder schön sarkastische Texte sprechen wie z.B. “Mommy is very angry.” oder “Oh, yeah. Oooh, ahhh, that’s how it always starts. Then later there’s running and um, screaming.”

Die Story beginnt vier Jahre nach den Ereignissen des ersten Films und gipfelt mit einem T. rex, der durch San Diego stampft. Spielberg lässt das San Diego-Finale in das Drehbuch aufnehmen – inspiriert von einer ähnlichen Sequenz (ein Dinosaurier in London) aus der 1925 entstandenen Filmadaption von Sir Arthur Conan Doyles Roman The Lost World. Allen Verwüstungen zum Trotz wird in The Lost World betont, dass die eigentlichen „Monster“ die Menschen sind, während „Papa und Mama“ T.Rex nur ihr Kind beschützen wollen.

Dementsprechend modifiziert Spielberg sein Lieblingsthema des distanzierten Vaters: Ian Malcolm lernt ein besserer Vater zu sein, indem er, unter lebensbedrohenden Umständen, Zeit mit seiner Tochter Kelly (Vanessa Lee Chester) verbringt – ein Motiv, das Spielberg nochmals in War of the Worlds (2005) anwendet.

Bemerkenswert ist auch, dass die Entwicklung der Story vorrangig durch die Motivation von Frauen (Mensch und Tier) vorangetrieben wird. Das ist schon in den ersten Filmminuten der Fall, als sich die kleine Cathy in die Wildnis von Isla Sorna begibt und ein paar niedlich wirkende Compsognathus mit ihrem Sandwich füttertbevor sie selbst den Appetit der kleinen Saurier anregt. Die fast 1 Minute währende Plansequenz zu Beginn des Films sowie der Match Cut vom Schrei der Mutter zum gähnenden Ian Malcolm vor einem Reiseplakat in der New Yorker U-Bahn ergeben eine der raffiniertesten Filmanfänge in Spielbergs Karriere.

Für die Rolle der Paleonthologin Dr. Sarah Harding will Spielberg Juliette Binoche gewinnen (sie hatte den Part von Dr. Satler im ersten Teil abgelehnt). Binoche antwortet, sie würde nur mitmachen, wenn sie den Dinosaurier spielen dürfe. Die Rolle geht an Julianne Moore.

Ursprünglich will der ehemalige ILM-Mitarbeiter Joe Johnston Regie führen, bis Spielberg beschließt, seine Sabbatjahre nach Schindler’s List (1993) zu beenden und für die Fortsetzung die Regie selbst zu übernehmen. In Jurassic Park III (2001) sitzt Joe Johnston schließlich doch im Regiestuhl.

Spielberg erweist sich erneut als ein Meister der Suspense, z.B. als ein zorniger T.Rex den Expeditions-Wagen unaufhaltsam über die Klippe schiebt und Dr. Sarah Harding nur noch durch eine allmählich zersplitternde Glasscheibe vom Sturz in den Abgrund abgehalten wird.

Doch insgesamt kann der Film die Originalität von Jurassic Park nicht erreichen. Spielberg gesteht, dass er noch während des Drehs immer unzufriedener wurde, da ihm der Film zu wenig abforderte: “I found myself saying, ‘Is that all there is? It’s not enough for me.’”

Trotz mittelmäßiger Kritiken ist The Lost World ein großer Kassenerfolg und nimmt weltweit 618 Millionen Dollar ein – der zweiterfolgreichste Film von 1997 hinter James Cameron’s Titanic.

Spielberg besetzt zwei Darsteller aus The Lost World erneut: Pete Postlethwaite in Amistad (1997) und Peter Stormare in Minority Report (2002).


Steven Spielberg Chroniken
Unsere Analyse und Bewertung des Filmanfangs von The Lost World: Jurassic Park

 

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2 Gedanken zu “The Lost World: Jurassic Park (1997)

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